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Sozialpsychologie 2 (Subject) / Skript Einfluss von Minoritäten (Lesson)

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  • Definition Minorität   ·         Sozial: gesellschaftl. Subgruppe, die sich kulturell &/o. physisch vom Rest der Gesellschaft unterscheidet - Wird von der Majorität als minderwertig angesehen (Vorurteil) -  Wird Diskriminierungen ausgesetzt   - Auch soziale Minorität, wenn numerische Überzahl (z.B. Farbige in Südafrika)  
  • Definition Sozialer Einfluss Warum geben Menschen sozialem Einfluss nach? Veränderung von Einstellungen, Überzeugungen, Meinungen, Werten bzw. Verhaltensweisen, die durch Einwrikung anderer Personen oder Gruppen ausgelöst werden Gründe: - Ermöglichung effektiven Handelns - Aufbau und Erhalt sozialer Beziehungen  - Aufrechterhaltung eines positiven Selbstkonzeptes (z.B. Zugehörigkeit) Typen:  - Mehrheitseinfluss -> hängt zusammen mit Konformität - Minderheitseinfluss -> Hängt zusammen mit Innovation - Gehorsam -> Befolgung von Befehlen von Autoritätsperson
  • Typen sozialen Einflusses - Mehrheitseinfluss: Sozialer Einfluss, der aus der Konfrontation mit den Meinungen einer Mehrheit resultiert --> hängt zusammen mit Konformität - Minderheitenseinfluss: Sozialer Einfluss, der aus der Konfrontation mit den Meinungen einer Minderheut resultiert --> hängt zusammen mit Innovation - Gehorsam: Befolgung von Befehlen und Anweisungen, die von einer mit Autorität ausgestatteten Person gegeben werden
  • Was ist eine Norm und wozu ist sie gut? Normen als expliziter Verhaltenskonsens zwischen Mitgliedern einer Gruppe oder : Ausdruck gemeinser Erwartungen zu typischen und erwünschte Aktivitäten in einer Gruppe Funktion: - Routiniserung der sozialen Handelns, Reduktion Entscheidungsaufwand       - Erleichterung der Anpassung an neue Situationen - Sicherheit und Dazugehörigkeitsgefühl: Gruppennromen definieren "Wir-Gefühl", Rollen und Identität
  • Spontane Normentstehung: Sherif's Experiment zum autokinetischen Effekt Phase 1: Individualsitzung: Probanden sehen Lichtpunkt und sollen Distanz der Bewegung vom Mittelpunkt schätzen. Ergebnis: Große Varianz der Schätzungen Phase 2: Gruppensitzungen: Probanden sehen Lichtpunkt in der Gruppe und sollen Distanz schätzen. Ergebnis: Konvergenz der Schätzungen nach wenigen Durchgängen. Stabilität der Norm: Selbst ein Jahr später entsprechen Schätzungen in Einzelsitzungen der Gruppennorm (Rohrer er al. 1954)
  • Was begünstigt Konformität? Motivationale Ursachen: - Bedürfnis nach Mastery und connectedness - Vermeidung von Sanktionen Außerdem: - Gruppendruck (Sherif) - Normsalienz (Cialdiani; Parkhaus, Norm wird in Sitaution hervorstechend) - Bestimmte Aspekte der Gruppe - Autorität und Gehorsam (Milgram)
  • Normsalienz Verhalten anderer kann in Anhängigkeit des Kontextes bestimmte Normen zugänglich machen bzw. salient / hervorstechend erscheinen lassen - Gleiches Modellverhalteb kann je nach Kontext unterschiedliche deskriptive Normen aktivieren (Müll im Parkhaus: Feldstudie, Caldini)
  • Gruppenaspekte (Deindividuation, Kohäsion, Groupthink) - Deindividuation: erhöht Salienz der Gruppennorm - Kohäsion: Mitteltwert über die Gruppenmitglieder: Wie gerne gehöre ich zu der Gruppe? (Attraktivität der Gruppe erhöht individuelle Normgeltung/ Wichtigkeit normangepassten Verhaltens) - Groupthink: kohäsive Gruppe strebt nach einmütiger Entscheidung; Ziel: Kohäsion aufrecht zu erhalten  ABER: Alternativen werden vernachlässigt
  • Autorität und Gehorsam - Verpflichtung: Commitment - Steh zu deinem Wort! - Studie zu "commitment": Moriarty (1975) auf Radio aufpassen (nach Verpflichtung: 95 % helfen, ohne Verpflichtung: 20 % helfen)   - Gehorsam: Gehorche (legitimierten) Autoritäten! - Studie: Milgram
  • Klassische Sichtweise zu sozialem Einfluss - Sozialer Einfluss wird unlitateral durch Mehrheiten ausgeübt - Sozialer Einfluss dient der sozialen Kontrolle - Abhängigkeitsbeziehungen bestimmen Richtung und Ausmaß des sozialen Einflusses - Sozialer Einfluss dient häufig der Reduktion von Ungewissheit - Konsens als Folge einer "Norm der Objektivität) ABER: Viele gesellschaftlich akzpetierte Meinungen wurden ursprünglich von Minderheiten vertreten (Bsp.: Erde ist rund..)
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  • Moscovicis Gegenposition zu Konformitätsthesen - Jedes Gruppenmitglied ist Quelle und Empfänger von sozialem Einfluss - Sozialer Einfluss dient nicht nur Kontrolle, sondern auch Veränderung - Ausmaß und Richtung von sozialem Verhalten sind Folge eines bestimmten Verhaltensstils (Bereitschaft zum Engagement für eigene Position, autonome Urteilsbildung) - Minderheiteneinfluss zeigt sich in Innovation, die von aktiven, glaubwürdigen und konsistenten Minderheiten ausgeht
  • Überzeugung durch Minderheiten / Mehrheiten --> Kernthese Die beiden Mechanismen unterscheiden sich voneinander: - Mehrheitseinfluss: beruht auf zahlenmäßiger Überlegenheit, normativen und informativem Einfluss und erfordert keine gezielte Aktivität -  Minderheiteneinfluss: Da sie Minderheiten kaum normativen Druck ausüben können, müssen sie die Mitglieder der Mehrheit zur inhaltlichen Auseinandersetzung anregen  
  • Entscheidende Aspekte zum Verhalten von Minderheiten 2 Aspekte: - Diachrone Konsistenz: Beibehaltung eines Standpunkts über eine Zeit hinweg - Synchrone Konsistenz: Übereinstimmung mehrerer Individuen in Bezug auf einen Standpunkt --> nur Minderheiten, die beides ausüben können Einfluss ausüben
  • Experiment Moscovici zum Einfluss von Minoritäten ·         Vorgebliche „Studie zur Fabrwahnehmung“ ·         Öffentliche laut-verbale Beurteilung der Farbe von 36 Dias (alle Dias sind objektiv blau, Unterschiede nur in Intensität) ·         Manipulation des Verhaltensstils der Minderheit: o   Konsistent: 2 der TN sind Konfidenten des Versuchsleiters & nennen o   Inkonstistent: 2 der TN sind Konfidenten des Versuchsleiters & antworten inkonsistent, 24 mal „grün“ & 12 mal „blau“ o   Kontrollgruppe: Alle sechs Teilnehmer sind tatsächliche Versuchspersonen ·         Alle Versuchspersonen mussten sich vorher Farbtest unterziehen Ergebnis: ·         AV ist die Anzahl der „Grün-Antworten“                     ·         Sozialer Einfluss einer Minderheit tritt nur  auf, wenn sich die Minderheit konsistent  verhält (diachron und synchron)! ·         Effekt der inkonsistent antwortenden Minorität ist statistisch nicht bedeutsam ·         Sitzposition der VP spielte keine Rolle   ·         Folgerung: Synchrone und diachrone Konsistenz sind notwendige Bedingungen  für Minoritätseinfluss!   
  • Konversiontheorie (Moscovici) Kerngedanken: Mehr- und Minderheiteneinfluss basieren auf unterschiedlichen Prozessen (2-Prozessmodell) ·         Mehrheitsmeinung löst sozialen Vergleich/ Konflikt aus o   Einfluss resultiert in direkter, oberflächlicher Verhaltensanpassung (Compliance) durch normativen Druck ·         Minderheitsmeinung löst kognitiven Konflikt aus o   Führt zu einem Validierungsprozess, einem intensiven Nachdenken über Argumente und Gegenargumente o   Einfluss resultiert in echter Einstellungsänderung (Konversion) Diese Annahmen ähneln dem Elaboration-Likelihood Modell der Persuasion: ·         Verarbeitung eher oblerglächlich (bei Mehrheitseinfluss) oder eher aufwändig und detailliert (bei Minderheitseinfluss) ·         Überprüfung durch Erfassung von Einfluss auf verschiedenen Ebenen: o   Öffentlich vs. Privat (Vgl. Moscovici, Lage & Nafechoux, 1969) o   Direkt vs. Indirekt (z.B. Einstellung zu inhaltlich/ ideologisch verwandtem Thema) o   Sofort vs. Zeitversetzt o   In Abwesenheit vs. In Abwesenheit der Einflussquelle o   Verbales Urteil vs. Direkte Wahrnehmungsmessung
  • Experiment Moscovici und Personnanz Vorgebliche „Studie zur Farbwahrnehmung“ (blaue Dias) ·         Phase 1: Vp nehmen paarweise an am Experiment teil und zeigt ihnen Serie von 5 blauen Dias. Zwei AVn: o    Direktes, privates Urteil über die Farbe der Dias o   Indirektes, privates Urteil über die Farbe des Nachbildes des Dias (Nachbild von blau: gelb-orange; Nachbild von Grün: Rot-Pink etc.) o   UV: Information darüber, dass 81,8% (Mehrheit) oder 18,2 % (Minderheit) der anderen Vp die gleiche Reaktion hätten bzw. 81,8% oder 18,2% die Dias als „grün“ sähen > privates Urteil zu Farben des Dias und Nachbildes ·         Phase 2: 15 Durchgänge mit öffentlichem Urteil (nicht zu Nachbild). Erste Vp (Konfident) antwortet konsistent mit „Grün“. Ergo: Echte Vp nimmt Antwort der ersten Vp als Minoritäts- oder Majoritätsantwort wahr. ·         Phase 3: 15 Durchgänge wie in Phase 1> private Urteile zu Farben des Dias und Nachbildes ·         Phase 4: privates Urteil zu Farben des Dias und Nachbildes in Abwesenheit des Konfidenten                                                   Nochmal, das Experiment verläuft in 4 Phasen: ·         Phase 1: Private Urteile (Dias und Nachbild), vor Einfluss ·         Phase 2: Öffentliche Urteile (Dias), Einfluss durch Konfidentin ·         Phase 3: Private Urteile (Dias und Nachbild), mit Konfidentin ·         Phase 4: Private Urteile, ohne Konfidentin ·         Hypothese: Konversion zeigt sich in "veränderter Wahrnehmung", d.h. Minderheit hat stärkeren Einfluss auf Nachbildurteile als Mehrheit in den Phasen 3 und 4   Berichtete Farbe des Nachbildes als Funktion des Einflusses durch Minorität und Majorität   Vpn unter Majoritätseinfluss, die fälschlicherweise blaue Farben als grün identifizierten, änderten nicht ihr berichtetes Nachbild. Aber Vpn unter Minoritätseinfluss, die blaue Farben als grün identifizierten, veränderten ihr berichtetes Nachbild. Der Effekt blieb auch einige Zeit nach dem Einfluss bestehen.   Dieses Experiment wurde in einer Vielzahl von Folgeexperimenten unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten repliziert und immer wieder bestätigt: ·         1. Konsistente Minoritäten üben sozialen Einfluss aus, inkonsistentes Verhalten beeinträchtigt Wahrnehmung und Verhalten der Majorität nicht ·         2. Konsistenten Minoritäten werden Sicherheit und Überzeugung zuattribuiert Es wurde in einigen Experimenten beobachtet, dass konsistente Minoritäten häufig als kompetenter angesehen werden. Auch wurde diesen Personen häufiger Führungsrollen zugeteilt, vor allem, wenn diese ihrer Sicherheit nicht nur verbal, sondern auch non-verbal (Sitzplatz am Kopfplatz eines Tisches) Ausdruck verliehen.
  • Effekte der Konsistenz: Attributionserklärung Effekte der Konsistenz: Attributionserklärung ·         „Warum verhalten die sich so?“ ist eine Frage, die sich Majoritätsangehörige bei Konfrontation mit einer Minoritätsposition fragen. Unerwartetes Verhalten setzt Attributionsprozesse in Gang. ·         Gemäß Kelley‘s Kovariationsprinzip ( 1967) sollte eine Personenattribuierung einsetzen, da es sich um Situationen mit geringem Konsens und hoher Konsistenz über die Zeit handelt. ·         Theoriekonsistent werden konsistente Minderheiten auch als ihrer Sache sicher wahrgenommen. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn eine Minorität trotz Opposition der Majorität an ihrer Position festhält. Hieraus resultiert nach dem Aufwertungsprinzip (Kelley, 1973) eine noch stärkere Personenattribution. ·         Konsistente Minderheiten jedoch, die als sehr rigide, extrem oder dogmatisch wahrgenommen werden, üben weniger sozialen Einfluss aus als konsistente Minderheiten, deren ‚Verhandlungsstil‘ flexibler ist. Hier wird die Minderheit eher ‚psychologisiert‘, d.h.abgewertet. („Spinner!“)