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Corporate Governance (Subject) / Lektion 8 - CG-Systeme im Wettbewerb (Lesson)
Lektion 8 - CG-Systeme im Wettbewerb
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- Universalmodell in der CG-Praxis existiert nicht CG-Systeme zeichnen sich durch ihre Offenheit aus und sind nicht als Produkt rationaler Entscheidungsprozesse aufzufassen sind das Ergebnis von komplexen evolutionären, historischen Prozessen, für die ein breites Spektrum von Einflussfaktoren von Bedeutung ist --> möglicher Diskurs um einen Wettbewerb zwischen den CG-Systemen
- Heterogenität von CG-Systemen argumentativer Ausgangspunkt des Diskurses über einen möglichen Systemwettbewerb Heterogenität hat keine spezifische Ursache, sondern ist ein Zusammenspiel verschiedener, komplementärer Faktoren, u.a. - kulturell-historische Faktoren - Heterogenität von Rechtssystemen bzw. Unterschiede in politischen Systemen, die wiederum die jeweilige Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung prägen
- Folgen der Heterogenität von CG-Systemen Real existierende CG-Systeme müssen hinsichtlich ihrer Effektivität und Effizienz immer kontextbezogen bewertet werden --> CG-Systeme verkörpern immer auch ein Konstrukt, das den gegenwärtigen Stand von sich stetig weiterentwickelnden Dingen reflektiert, z.B. soziale Normen --> prozessorientierte Sichtweise --> ist immer von der Frage nach möglichen Entwicklungsperspektiven von CG-Systemen geprägt --> es existieren verschiedene argumentative Positionen hierzu
- Globalisierung = wirtschaftliche und finanzielle Interdependenz unterschiedlichster Marktakteure ursächlich für die verschiedenen argumentativen Positionen über mögliche Entwicklungsperspektiven von CG-Systemen
- Konvergenzthese Ausgangspunkt dieser These bilden die Schwachstellen der verschiedenen CG-Systeme --> werden als Barrieren im nationalen Bemühen um Wettbewerbsfähigkeit interpretiert und sind daher von temporärer Natur, da der globale Wettbewerb stetig zunimmt These geht davon aus, dass sich die jeweils stärksten Elemente der verschiedenen CG-Systeme durchsetzen und es zu einer Annäherung zu der effizientesten Form eines CG-Systems kommt --> einige Vertreter unstellen dabei eine Überlegenheit des angloamerikanischen Systems und eine Annäherung zu diesem --> laut diesen ist es sinnvoll eine institutionelle Konvergenz in Richtung des Shareholder-Value-Modells zu forcieren
- formale und funktionale Konvergenz formale Konvergenz = Konvergenz der rechtlichen Rahmenbedingungen der CG-Systeme --> scheint weder möglich noch sinnvoll zu sein, bspw. aufgrund der jeweiligen Stellung national dominanter Interessengruppen funktionale Konvergenz = Effekte internationaler CG-Mechanismen, bspw. internationale Rechtssprechung --> Marginalisierung gesellschaftsrechtlicher Divergenzen
- Divergenzthese vertritt die Ansicht, dass gerade die institutionelle Ausgestaltung einer Nation als Wettbewerbsvorteil zu werten ist --> Schlussfolgerung, dass sich die CG-Systeme nicht zwangsläufig einander annähern (Gegenaussage zur Konvergenzthese) --> die besonderen spezifischen Vorteile einer Nation können weiter genutzt werden zentrales Element dieser Argumentation: Konzept der Pfadabhängigkeit
- Konzept der Pfadabhängigkeit Entscheidungsroutinen oder Problemlösungsmechanismen von überindividueller Beschaffenheit (z.B. in UN oder auch in ganzen Branchen) Entstehung durch dreistufigen Prozess
- Entstehung Pfadabhängigkeit Vorphase: Entscheidungsproblem mit einer Vielzahl von Wahlmöglichkeiten, z.B. Festlegung auf ein bestimmtes CG-System Pfadausbildung: das erstmalige und meist zufällige Auftreten eines Small Events lenkt dann den Auswahlprozess in eine bestimmte Richtung Pfadabhängigkeit: die durch die Pfadausbildung erzeugte Verengung des Auswahlspektrums mündet schließlich durch den Lock-in-Effekt in einem bestimmten Pfad --> Ab diesem Moment sind die Wechselkosten zu einem anderen Entscheidungsfeld ökonomischderart unattraktiv, dass dieser Pfad nicht mehr verlassen wird
- Erkenntnisse aus dem Konzept der Pfadabhängigkeit erklärt, warum auf Dauer an CG-Systemen festgehalten wird, selbst dann wenn diese de facto zu suboptimalen Lösungen führen --> die Entwicklung von Institutionen wegen des Lock-in-Effektes zeitpfadabhängig, d.h. institutionelle Änderungen sind danach umso kostenintensiver, je länger diese Institutionen Bestand haben Vom Pfad wird erst abgewichen, wenn die Kosten für die Beibehaltung ineffizienter Systeme höher sind als die erforderlichen Anpassungskosten an eine neue institutionelle Ausgestaltung Argumentative Unterstützung erfährt diese Sichtweise auch durch das Konzept der Komplementarität
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- Konzept der Komplementarität Behandelt die Elemente und Beziehungen verschiedener CG-Systeme bringt dabei zum Ausdruck, dass sich die Ausprägungen der Systemelemente gegenseitig positiv ergänzen und die negativen Effekte sich gegenseitig abschwächen können Unter den Voraussetzungen, dass dieses Potenzial auch genutzt wird und die Ausprägungen der Elemente zueinander kompatibel und pareto-optimal sind, ist Konsistenz gegeben --> Positive ökonomische Effekte gehen nur von konsistenten Systemen aus
- Varieties-of-Capitalism-Ansatz weiterer Erklärungsansatz für die Divergenz von CG-Systemen Zentraler Ausgangspunkt ist das in spezifischen, nationalen Institutionen eingebettete Unternehmen, dessen wirtschaftlicher Erfolg auch von den zu diesen Ebenen entwickelten Koordinationslösungen abhängig ist --> ein Referenzpunkt dieser Koordinationsleistung ist auch das jeweilige CG-System Unterscheidung von zwei verschiedenen Systemen
- Systeme im Variaties-of-Capitalism-Ansatz - Typus der koordinierten Marktwirtschaft (z.B. NL, DE) - Typus der liberalen Marktwirtschaft (z.B. USA, GB) Beide weisen unterschiedliche, spezifische Formen von komplementären Beziehungen zwischen ihren Institutionen auf, die in der Summe aber zu einem stabilen institutionellen Gleichgewicht führen können (--> Theorem der institutionellen Komplementarität) Für die in diesen Systemen agierenden Unternehmen resultieren aus ihrer Einbettung in das institutionelle Gefüge Vorteile, die durch eine Konvergenz der CG-Systeme zweifellos aufgehoben oder neutralisiert werden würden
- Hybridisierungstheorie Vermittelnde Position zwischen den Konzepten der Konvergenz und der Divergenz von CG-Systemen Ausgangspunkt der Argumentation ist ein prozessorientiertes Verständnis von Wettbewerb --> Wettbewerb ist nicht das Ziel sondern vielmehr das Mittel zur Schaffung und Aufrechterhaltung von optimalen Rahmenbedingungen gesellschaftlicher Grundwerte Systemwettbewerb der CG-Systeme ist eher ein langsamer, von parallelen Prozessen beeinflusster institutioneller Wandel der über die CG-Systeme hinausgeht
- Hybride CG-Systeme Ergebnis des Systemwettbewerbs laut der Hybridisierungstheorie Entstehung als Kombination exogener Einflüsse mit pfadabhängigen Prozessen hybride CG-Systeme sind individuell, nähern sich häufig aber auch anderen CG-Systemen an --> postuliert die parallele Existenz von Elementen aus beiden Systemen
- Beispiel für Hybridisierungsprozesse Societas-Europaea-Verordnung mit einem Wahlrecht zwischen monistischem und dualistischemSystem --> Die faktische Vielfalt dieser CG-Komponente belegt sowohl die Anpassungsfähigkeit als auch das Beharrungsvermögen von Institutionen