19

ReWi (Subject) / Vorlesung 8 (Lesson)

globale Religionsgeschichte

This lesson was created by Ronin.

Learn lesson

Advertisement
  • bisherige Vogelperspektive Bisher: • Historiographische Grundproblematiken • Entdeckung der Religionsgeschichte• Entstehung der Religionswissenschaft• Religionswissenschaftliche Ansätze • Säkularisierung und Modernisierung 2 Extremen der Untersuchung des Religionsbegriffs
  • Gliederung 1.Gliederung Explizite Diskussion des Ansatzes einer globalen Religionsgeschichte a)  Regionalisiertes Ursprungsdenken von „Religion“b)  Regionalisiertes Ursprungsdenken von „Esoterik“Ziel 1: Kritische Hinterfragung etablierter NarrativeZiel 2: Plädoyer für Zusammenarbeit verschiedener Forschungsbereiche
  • Sinn & Zweck der Sitzung Konkrete Operationalisierung eines globalhistorischen religionswissenschaftlichen Ansatzes Verdeutlichung der globalen Verflechtungen, die zur Entstehung von Religionswissenschaft führten Verständnis der Geschichte der Religionswissenschaft und Lösungsansätze für gegenwärtige festgefahrene Debatten
  • Warum Religion und Esoterik? Beispiel unscharfer Trennlinien zwischen diesen Fächern beide maßgeblich für die Ausbildung der Religionswissenschaft
  • Globale Religionsgeschichte: der Religionsbegriff Grundproblematik: Versteifung auf ein regionalisiertes Ursprungsdenken bei Religion und Esoterik Der Ausgang wird also nicht beim zu untersuchenden Objekt in der Gegenwart genommen, sondern ein (meist europäischer) „Ursprung“ vorausgesetzt „Klassische“ Einführungen: Lateinisches Wort religio als Ursprung des Religionsbegriffs => dann historische Entwicklung  Klassisch phänomenologisch: Ausdruck desselben, was im Kern auch von dharma, din, dao, etc. bezeichnet wird  Klassisch funktionalistisch: Ausdruck bestimmter universeller menschlicher Eigenschaften und gesellschaftlicher Funktionen Extreme postkoloniale Position: Durch Kolonisierung wurde der westliche Religionsbegriff dem Rest der Welt aufgezwungen 2 Extreme:  Voraussetzung eines „Ursprungs“, auf dem alles Weitere aufbaut Ausschließlicher Fokus auf dem 19. Jahrhundert (vor allem zweite Hälfte bis ins 20. Jahrhundert)
  • Ernst Feil, Religio. Die Geschichte eines neuzeitlichen Grundbegriffs (1986- 2007): Bis zum 18.Jhd verkörpert religio als Ursprungsbegriff Religion als Handlungsweisen gegenüber GottAb Mitte des 18.Jhd bezog sich der Grundbegriff Religion auf eine ,,innere Religion” (Schleiermacher)keine Kontinuität zur früheren Verwendung von dem Religionsbegriff  Kernthesen:  Ausbildung des europäischen Religionsverständnisses in Europa im 19. Jahrhundert durch globale Rezeption hat sich das Gedankengut von Religion nicht verändert (KRITIK von Bergunder: keine Beweise für gleichbleibendes Gedankengut) Feils Untersuchungen endeten in 1. Hälfte des 19.Jahrhunderts > in 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts= Wandlungen innerhalb des Religionsverständnisses und der ReWi -> vg. Esoterik-Ansatz und neue geopolitische Dimensionen
  • Globale Religionsgeschichte: Esoterik Esoterikforschung als herausragendes Beispiel, warum die Kritik an eurozentrischen Perspektiven weder ad acta gelegt werden kann noch gegen eine Chimäre gerichtet ist Umstrittene und unklare Definition (ähnlich „Religion“) Konsens: Seit der frühen Neuzeit => Hermetismus, Kabbala, Theosophie (Jakob Böhme), Rosenkreuzer, Alchemie, Astrologie, Magie… Problem: Keine eigenständigen Bereiche => bestimmten Ausgrenzungs- und Autoritäts-Diskursen unterworfen Sicher: Bedeutungsbildung (auch semantisch) im 19. Jahrhundert
  • Theosophische Gesellschaft Gründung 1875 New York, seit 1879 Hauptquartier Indien berühmte Mitglieder: Rudolf Steiner (Waldorfschule, Weleda, DM)Gandhi (wurde inspiriert sich mit Hinduismus auseinander zu setzenHenry Steel Olcott einflussreichste,global agierende esoterische Strömung in den Jahrzehnten um 1900 Suche nach uralten Weisheit von Religion, die allen gemeinsam, aber nicht allen Menschen zugänglich, d.h. esoterisch pol. agierend in Asien
  • Olcott: 1881: amerikanischer Spiritist, Landwirt etc., Mitlglied der theosophischen Gesellschaft 1881 Buddhis Catecism prägte modernes Verständnis von Buddhismus in Südasien Sri Lanka  feiern da den Olcott Day
  • Wouter Hannegraff Kritik an globlam Esoterik-Ansatz Esoterik wird vom Westen aus in die Welt getragen (Eurozentrismus); Globalisierung der westlichen Esoterik (= Reaktion auf Michael Burgunders Forderung nach global geschichtlichem Ansatz) Es gab ein westliches Wesen der Esoterik, dass in den Rest der Welt getragen wurde, dort mutierte und als nicht-westliches Esoterik-Verständnis wieder nach Europa zurückkam Forschung unnötig, weil der Kern von Esoterik immer westlich ist Polemik gegen radikale Theoristen (Theoretiker) = die westliche Kultur dekonstruieren (gegen Postmodernismus, Vertreter nicht genannt werden)
  • Advertisement
  • Max Müller und die Brahmos bildete Kolonialbeamte aus engen Kontakt zu indischen Intellektuellen Beteiligung an Streitigkeit: über Bedeutung von “wahrer Religion” & “wissenschaftlichen Methoden 
  • Rammohan Roy 1772-1833 Persische Ausbildung: Vor diesem Hintergrund Religionsvergleich • Erinnern Sie sich an die Rolle des Oupnek‘hat (der Upanishaden) Intensiver Austausch mit progressiven christlichen Reformern (Unitariern) Wollte ethische Lehre Jesu mit anderen Religionen in Verbindung setzen um einen universellen Kern aufzudecken
  • Rajnarayan Basu (1826-1899): Religiöser Universalismus, aber nur eine Wahrheit im Kern (ist in Upanishaden) science of religion, um diesen Kern freizulegen verbindet “westliches” Gedankengut mit indischem„Hinduismus“ (hindu dharma) als Höhepunkt der Entwicklung
  • Keshabchandra Sen (1838-1884): Explizite Anlehnung an christliche Ideen In Konkurrenz zu Basu Schismen unter den Bahmos (Glaubensspaltung: Wer darf teilhaben, was ist wahre Religion)
  • Müllers gedankliches Verhältnis zu den Brahmos die Religion Christi sei das wahre des Christentums das Wahre der Religion könne man auch in den verachteten Religionen der Heiden zutage fördern er selber würde das Christentum vorziehen, aber nicht über andere Religionen stellen (tat es aber) versucht zu missionieren, um Brahmos zum Christentum zu bekehren
  • Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Müller und den Brahmos Ähnlichkeiten:Das Wesen der Religion ist universal und unabhängig von verschiedenen historischen Manifestationen Wissenschaftliches Studium von Religion dient dem Vordringen zu ihrem wahren Kern Arischer Ursprung, dann „dialektischer Wuchs und Niedergang“ Fokus auf die Upanishaden  Unterschied:Müller sah das Christentum an der Spitze der religiösen Hierarchien, Rajnarayan et alia waren anderer Ansicht
  • Müller und die Theosophen Intensiver Austausch zwischen Brahmos (unter vielen anderen indischen Akteuren) und Theosophen  Rajnarayan Basu veröffentlichte seine Übersetzung der „Überlegenheit des Hinduismus“ im Flaggschiff der Theosophen, The Theosophist, im Jahre 1882 Trennlinien zwischen Religionen verlaufen fließend (entgegen vorherrschender Geschichtsschreibung) Theosophie als „historischer Doppelgänger“ der Religionswissenschaft, „eine parallele Bewegung, die sich aus nahezu derselben sozialen Sphäre zusammensetzte, viele intellektuelle Ziele und politische Koordinaten teilte und eine Zeit lang erfolgreicher bei der Anwerbung von Mitgliedern und dem Einleiten von Dialogen zwischen verschiedenen Religionen war.“ (Jason Josephson- Storm)
  • Müller und Olcott: einen wahren, allgemeingültigen Kern der Religion nur diejenigen, die wissen, haben Zugang zu diesem Kern reinste Form des Kerns ist in den Upanishaden zu finden  versuchen sich gegenseitig zu konvertieren  gleiche gedanklichen Endpunkt, aber unterschiedliche Ansätze
  • Fazit: Betonung von Wissenschaftlichkeit = science of religion= Religions-Wissenschaft Unmittelbarer historischer Einfluss auf Religionswissenschaft des 20. Jahrhunderts (z.B. Mircea Eliade)