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Testtheorie (Subject) / Einführung (Lesson)
- Was sind die 2 gängigen Definitionen eines Tests? Definition nach Moosbrugger & Kelava (2007):"Ein Test ist ein wissenschaftliches Routineverfahren zur Erfassung eines oder mehrerer empirisch abgrenzbarer psychologischer Merkmale mit dem Ziel einer möglichst genauen quantitativen Aussage über den Grad der individuellen Merkmalsausprägung." -> mehrere Merkmale können mit einem Test erfasst werden (Subskalen) z.B. zusätzlich zur Skala für Extraversion noch Gewissenhaftigkeit oder Neurotizismus -> quantitative Aussage soll natürlich numerisch getroffen werden (z.B. Hans hat eine Gewissenhaftigkeit von z =115) Definition nach Michel & Conrad:"Ein psychodiagnostischer Test kann als ein spezifisches psychologisches Experiment gekennzeichnet werden, das der Erkundung und Beschreibung individueller psychischer Merkmale dient. Es besteht im wesentlichen darin, dass unter standardisierten Bedingungen eine Informationsstichprobe über den Probanden (Pb) erhoben wird, die einen wissenschaftlich begründeten Rückschluss auf die Ausprägung eines oder mehrerer psychischer Merkmale des Pb gestattet." -> Experiment, was uns ein Rückschluss auf bestimmte psychologische Eigenschaften erlaubt (durch Ankreuzen in Fragebogen, ...) -> Gütekriterien würden dann danach untersuchen, ob der psychologische Test genau die Aussagen trifft, die wir von ihm erwarten
- Was versteht man unter der reflektiven bzw. der formativen Konstruktauffassung? reflektive Auffassung (dominant in Psychologie) = es gibt ein latentes Konstrukt (auch ohne den Test z.B. Extraversion) welches durch manifeste Variablen (Itemwerte) gemessen werden kannformative Auffassung = Items definieren das Konstrukt (gegensätzliche Position zur reflektiven Auffassung)
- In welche Klassifikationen lässt sich ein Test einordnen? 1. Testmedium: mündlich, Papier- und Bleistift, Manipulations-/ Materialbearbeitungstests, Bildtests, apparative Tests, PC-gestützte Tests -> Manipulations- Materialbearbeitungstests = Puzzle zusammensetzen oder Drahtbiegeprobe, in welchem man den Draht in eine gewisse Form biegen soll (bei letzterer die manuelle Geschicklichkeit/Gewissenhaftigkeit/Motivation überprüft wird, in Praxis auch öfters Arbeitsproben für gewisse Berufe)-> Bildtests = Bilder werden vorgegeben und man soll z.B. Geschichten weiterführen-> apparative Tests = Maschinen, die gewisse Dinge testen (wird heute fast nicht mehr genutzt) -> mittlerweile auch Tablets, Smartphones als Testmedium möglich 2. verbal vs. nicht verbal (Sprache vs. Symbole) 3. kulturfair vs. kulturgebunden -> kulturfair = auch Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen können damit valide gemessen werden (z.B. Intelligenztests, Leistungstests) -> über abstrakt figurales Testmaterial, damit Personen mit besseren Sprachkenntnissen bzw. Rechenkenntnissen keine Vorteile haben 3. Individual- vs. Gruppentests -> Gruppentests = z.B. 20 Leute bekommen den gleichen Intelligenztests und dieser wird in einem Raum zusammen ausgefüllt-> Individualtests = Test, der nur mit einer Person durchgeführt wird 4. ein- vs. mehrdimensional (Einzeltest vs. Testbatterie) -> eindimensional = nur ein einziges Merkmal wird in einem Test gemessen (z.B. wenn noch ein gewisses Konstrukt mit erheben möchte)-> mehrdimensional = mehrere Merkmale bzw. verschiedene Facetten von einem Merkmal werden gemessen (z.B. Intelligenztest, Persönlichkeitstest) 5. maximales vs. typisches Verhalten (Leistungs- / Persönlichkeitstest) 6. Speed- vs. Power-Tests -> Speedtest = starke Zeitbegrenzung, die VPN unter starken Zeitdruck setzt (nicht unbedingt eine Klausur, da dort mehr Zeit oft nicht viel ändert), oft sind es Aufgaben, die man mit mehr Zeit auch gut lösen kann, allerdings hier in sehr kurzer Zeit lösen muss-> Powertest = unabhängig wie viel Zeit gegeben wird, da gewisse Aufgaben über die Zeit hinaus auch nicht gelöst werden könnten z.B. Klausur, Intelligenztests -> eher Mischformen von beiden 7. offene vs. gebundene Items (offene Aufgaben vs. Multiple Choice Aufgaben) 8. normativ vs. ipsativ (Rating-Items vs. Forced-Choice-Items) -> normativ = Vergleich des Testergebnisses mit "normalen" Menschen -> Beispiel: Im Vergleich zum durchschnittlichen Menschen ist xy intelligenter (eher Rating Items)-> ipsativ = Vergleich des Testergebnisses mit der Referenz von der Person selbst -> z.B. Studieneignungstest (eher Forced-Choice Items) -> die meisten Tests sind normativ, da der Vergleich zu anderen Gruppen meist am interessantesten ist 9. normorientiert vs. kriterienorientiert -> normorientiert = ähnlich wie normativ, Vergleichsnorm von Personen, anhand die Messwerte orientiert werden-> kriterienorientiert = theoretisch begründbares Kriterium, an denen die Messwerte orientiert werden (z.B. bei Leistungstest, bei denen man bestimmte Mindestmaße erreichen muss, z.B. Töffel-Test) 10. klassisch vs. probabilistisch (klassische Testtheorie oder probab. Testtheorie (IR-Theo.)
- Was sind die 3 zentralen Gütekriterien eines Tests? -> Gütekriterien beschreiben wie gut ein Test funktioniert - 3 zentrale, 7 Nebenkriterien 1. Objektivität (Standardisierung)= Unabhängigkeit der Ergebnisse von Testleiter, Testauswerter und Ergebnisinterpretation:- Durchführungsobjektivität (betrifft Provokation (z.B. Item/Frage) und Registrierung)- Auswertungsobjektivität (gleiche Ergebnisse, unabhängig wer den Test auswertet)- Interpretationsobjektivität (gleiche Interpretation, unabhängig wer den Test auswertet) 2. Reliabilität (Messgenauigkeit) = sagt aus, wie gut ein Test etwas misst, ohne zu spezifizieren, was genau gemessen wird -> Beschreibung über Reliabilitätskoeffizienten, definiert als Anteil der wahren Varianz an der gesamten Varianz der Testwerte. -> Angestrebt: große Werte nahe 1; Werte ab 0.7 üblicherweise akzeptabel, ab 0.8 gut (obwohl zu viel Reliabilität auch aussagen kann, dass etwas falsch gemessen wurde) -> 4 Verfahren zur Schätzung: - Retestreliabilität - Paralleltestreliabilität - Testhalbierungsreliabilität - Innere Konsistenz 3. Validität (Gültigkeit) = beschreibt, wie gut das tatsächlich gemessene Merkmal mit dem zu messenden Merkmal übereinstimmt. Validität ist das zentrale Gütekriterium! (A.O . Jäger, 1984) (Haupt-)Validitätsarten: - Inhaltsvalidität (content validity)- Konkurrente Validität- Prädiktive Validität- Konstruktvalidität -> Objektivität ist eine Voraussetzung für Reliabilität und Reliablität eine Voraussetzung für Validität
- Was sind die 7 Nebengütekriterien eines Tests? - Skalierung: Wie gut korrespondieren numerische Messwertunterschiede mit tatsächlichen Ausprägungsunterschieden? | Skalenniveaus: z.B. Intervallskala: Intelligenzunterschied zwischen IQ 80 - 90 ist der gleiche wie zwischen IQ 100 - 110 - Normierung (Eichung): Gibt es eine repräsentative Eichstichprobe zum Vergleich? (z.B. Was bedeuten 17 richtige Lösungen im Intelligenztest? -> sagt alleine nichts aus, sondern ein Vergleich ist notwendig) - Testökonomie: Ist die Durchführung des Tests mit geringen Aufwand möglich? (Finanzierung, Arbeit für Durchführung und Auswertung) - Nützlichkeit: Haben die Ergebnisse des Tests eine praktische Relevanz? - Zumutbarkeit: Ist der Test Menschen zuzumuten, ohne dass sie großen Schaden danach davontragen? - Unverfälschbarkeit: Kann jemand mit böser Absicht die Testergebnisse verfälschen? (Faking-Good: besser machen, Faking-Bad: schlechter machen; ist bei Persönlichkeitstest relevanter als bei Leistungstest) - Fairness: Diskriminiert ein Test bestimmte Gruppen? (z.B. sexistische Aufgaben)
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