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ReWi (Subject) / Vorlesung 6 (Lesson)

Religionsethnologie und Religionspsychologie

This lesson was created by Ronin.

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  • Religionsethnologie: 1. Religionsethnologie ist keine eigenständige Disziplin, sondern ein Forschungsgebiet neben anderen 2. Heutiges (debattiertes) Grundverständnis: Religionsethnologie beschäftigt sich vorwiegend mit schriftlosen Kulturen 3. Unterscheidung zwischen Religion mit und ohne Schrift ist aber nicht so leicht zu treffen, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag 4. Es hat sich dennoch in diesem Sinne eine gewisse Arbeitsteilung zwischen Religionsethnologie und Religionssoziologie eingestellt 5. Aber: Heute werden ethnologische Perspektiven fruchtvoll zum Beispiel innerhalb europäischer Gesellschaften angewandt anstatt sich auf ferne, schriftlose, technologisch andersartig entwickelte Gesellschaften zu beschränken
  • Bronistaw Malinowski (1884-1942): war Soziologe, Agnostiker von ihm gegründete Methode der “teilnehmenden Beobachtung” in der Feldforschung (hat Exporative Phase und Problemorientierte Phase (= NICHT problemlösend; nur Probleme finden und erklären)), die auch heute noch wegweisend in der Ethnologie ist typsicher Forschungsrahmen heute: Slum etc. Grundproblem der teilnehmenden Beobachtung: Subjektivität des Forschers: > Krise des Objektivitätsbegriffs durch seine Tagebücheinträge Annahme eines Zusammenhangs des Triebleben der Individuen und den gesellschaftlichen Institutionen keine  wahrnehmung von Magie, Religion und Wissenschaft als aufeinanderfolgende Entwicklungsstufen= sondern “vernünftige” Antwort auf menschliche Bedürfnisse durchbrach somit den Evolutionismus, stattdessen teilnehmende Beobachtung
  • Religiöser Evolutionismus: evolutionäres Schema von Fetischismus über Polytheismus und Monotheismus  Gegenwärtige „primitive“ Gesellschaften geben Einblicke in dieseFrühphase Evolutionäre Erklärungsmodelle sahen eine Entwicklung von primitiver Magie hinzu Wissenschaft. Malinowski hat dies “aufgelöst”, er meint Magie/ Religion/ Wissenschaft sei als “vernünftige” Antwort auf menschliche Bedürfnisse zu verstehen. 
  • John Lubbock: The Origin of Civilization and the Primitive Condition of Man, 1870: Verlauf der Religionsgeschichte von Fetischismus, Naturverehrung, Totemismus, Anthropomorphismus und Monotheismus als religiös- irrationalem Eingottglauben bishin zu einem „ethischen Monotheismus“
  • Erdward B. Tylor (1832-1917): gilt als Begründer der Ethnologie & Religionsethnologie in Besonderen)Betrachtet die Entwicklung der Menschheit als Fortschritt zum Besseren Theorie: über “survivals” = “Überbleibsel” aus früheren Entwicklungsstufen  Animismus: Loslösung der Persönlichkeit vom Körper > All- Beseeltheit der Natur = daraus entstand Geisterglaube, dann Glaube an viele Götter (Polytheismus) und letztendlich Monotheismus  - Erklärung des Animismus durch den Traum
  • James George Frazer (1854-1941): Begeisterung klassischen Philologie und Antike  The Golden Bough (goldener Zweig)  Religion = aus Angst und Furcht geborener Versuch des Menschen, das Überleben zu sichernStreben des Menschen nach Beherrschung Umwelt Magie als rationale Suche nach Ursache und Wirkung aber Magie im Gegensatz falsche Zuordnung von Ursache und Wirkung daher nun Animismus, also die Zuordnung von Ursache und Wirkung durch höhere Wesenaber erst durch Wissenschaft hat Mensch die richtige Zuordnung von Ursache und Wirkung
  • Frazers drei Phasen der Religionsgeschichte Magie = Versuch, die den Menschen bedrohenden und seine Fortexistenz gefährdende Umwelt zu kontrollieren und zu seinen Gunsten zu beeinflussen Religion = Willen und Wohlwollen von außermenschlichen Mächten sichern, um damit vor bedrohter Umwelt geschützt zu werden  Wissenschaft = Fähigkeit des Menschen zur eigenständigen Weltbeherrschung
  • Robert Ranulph Marett (1866-1943): Nicht der Glaube an geistige Wesen ist der Ursprung der Religion (Tylor), sondern der Glaube an eine unpersönliche Macht (griechisch: dynamis) mana gehe dem Animismus vorausdaher die Bezeichnung “Animatismus” besserWeiterentwicklung von Tylor 
  • William James (1842-1910): Begründer Religionspsychologie, Mediziner, Pazifist, gesundheitliche und psychische Probleme (suizidal) Vertreter philosophischen Pragmatismus  Versuchte, religiöse Phänomene empirisch zu erheben, zu beschreiben und typologisch einzuordnen, ohne Urteile über Wahrheit oder Werte Glaubt nicht, dass es Ein Wesen der Religion gibt (Gegner Phänomenologie) Fokus nicht auf dem Alltäglichem sondern auf herausragenden religiösen Persönlichkeiten und Erfahrungen = Ziel deutlicher Abtrennung religiöser Erfahrungen von anderen Religion fördert das Leben, gestaltet das Ich des Individuums
  • → Cultural Turn: Paradigmenwechsel - markiert das Ende der Phänomenologie und des Funktionalismus, hin zu einem Religionsverständnis von der Religion als kulturelles System
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  • Religion als „kulturelles System“ nach Geertz (1966): Eine Religion ist (1) ein (kulturelles) Symbolsystem, das darauf zielt (2) starke, umfassende und dauerhafte Stimmungen und Motivationen im Menschen zu schaffen, (3) indem es Vorstellungen einer allgemeinen Seinsordnung formuliert und (4) diese Vorstellungen mit einer solchen Aura von Faktizität umgibt, dass (5) die Stimmungen und Motivationen völlig der Wirklichkeit zu entsprechen scheinen.
  • Religion als soziales Phänomen: Erste Richtung: Einflüsse des Sozialen auf die Religion (z.B. Durkheim) Zweite Richtung: Einflüsse religiöser Faktoren auf die Gesellschaft (z. B. Weber) Dritte Richtung: Vermittlung von beiden und Annahme einer Wechselwirkung (z. B. Geertz) → Religionen spiegeln nicht einfach die soziale Ordnung, sondern sie wirken auch gestaltend auf sie ein - Fundamentale Reflexionen der Ethnologie in ihrer Grundsatzkrise machen ethnologische Theorien und Methoden für eine kulturwissenschaftliche Religionswissenschaft besonders interessant - „Dichte Beschreibung“, die sich nicht nur auf die Präsentation einzelner Daten beschränkt, sondern die gesamte Komplexität jener Bedeutungssysteme herausarbeitet
  • Kritik an Gertz Religionsdefinition von Geertz setzt ein bestimmtes Konzept von Religion als gegeben voraus, ohne diese Voraussetzung kritisch zur reflektieren → Affirmation und Bestätigung dieses Konzepts durch die Ethnologie bei Geertz Idealtypische Definition von Religion setzt diese als menschliche Universalie voraus → Problem der vorgängigen Definition durch die Forschenden, die ihre eigenen Kontexte auf ihre Forschungsgegenstände projizieren oder vernachlässigen, dass diese Gegenstände bereits durch Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert geprägt sind und fälschlicherweise als „alte Traditionen“ oder ähnliches wahrgenommen werden!