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Wirtschaftsethik (Subject) / Kapitel 4 - Theoretische Konzepte der Unternehmens- und Wirtschaftsethik (Lesson)

Kapitel 4 - Theoretische Konzepte der Unternehmens- und Wirtschaftsethik

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  • Ethik in Europa vs. USA - Unterschiedlicher Schwerpunkte: USA = Fokus auf Mikroebene; Aufgaben, Probleme und Perspektiven der Mesoebene in geringerem Maße; Makroebene kaum Europa = starker Fokus auf Makro- und Mesoebene - Unterschiede in der praktischen Ausrichtung USA = starke Praxisorientierung; Betrachtung konkreter Fälle Europa = Fokus aus Erörterung theoretischer Probleme
  • Stakeholderorientierter Ansatz nach Joseph Weiss - UN müssen die Rechte und Interessen aller Anspruchsgruppen berücksichtigen - Ansprüche der Shareholder haben ggf. Vorrang - bei verschiedenen Interessen der Stakeholder müssen Führungskräfte eine Balance herstellen --> ggf. werden Führungskräfte damit überfordert --> daher auch Mesoebene/Unternehmensethik von hoher Bedeutung --> Etablierung unternehmensethischer Programme durch entsprechende Strukturen, Strategien und Kulturelemente
  • Tugendethischer Ansatz nach Robert Solomon Ziel: grundsätzliche Sensibilisierung von Entscheidungsträgern für ethisch sensible Fragen der ökonomischen Arbeitswelt --> Nachdenken über "das Gute" & Reflexion des eigenen Charakters/des eigenen Handelns starke Anlehnung an Aristoteles
  • Kontraktualistischer Ansatz nach Donaldson und Dunfee auch: Integrative Social Contracts Theory (ICTS) Ausgangspunkt der Überlegungen: nimmt Bezug auf konkrete ethische Herausforderungen mit denen international tätige UN konfrontiert werden (z.B. Korruption, Diskriminierung) --> traditionelle ethische Konzepte allein ermöglichen keine Lösung  --> daher: Versuch, die normative Ethik mit der deskriptiven Ethik in einem Ansatz zu vereinen  --> von Vertragstheorie geprägt: Fixierung der ethischen Prinzipien und Normen durch wechselseitiges Verpflichtungsverfahren zwischen den Beteiligten Unterscheidung in: - hypothetische Makroverträge und - implizite oder tatsächliche mikrosoziale Verträge
  • Hypothetischer Makrovertrag Ziel: Vertragspartner wollen zu gerechten Regeln für das Zusammenleben in derGemeinschaft gelangen (wie beim "Schleier des Nichtwissens") Annahme: Mitglieder einer Gemeinschaft können einem Vertrag zustimmen, der ihr Zusammenleben vorregelt, ihnen aber auch Freiräume schafft --> die Freiräume bilden die Grundlage für die mikrosozialen Verträge
  • Ziele (impliziter oder tatsächlicher) Mikrosozialer Verträge Ziele: - Befriedigung der individuellen ökonomischen Bedürfnisse der Mitglieder der Gemeinschaft - Teilnahme an einer Wirtschaftsgemeinschaft, die die persönlichen und kulturellen Werte der Einzelnen reflektiert
  • Makro- und Mikrosoziale Verträge am Beispiel des Eigentums Makrosozialer Vertrag: legt fest, ob Eigentum innerhalb der Gemeinschaft als Privat- oder Kollektiveigentum aufgefasst wird Mikrosoziale Verträge: legt die mit dem Eigentum verbunden konkreten gesellschaftlichen Pflichten fest Beispiel: Sozialbindung des Privateigentums in Deutschland - der Einzelne kann frei über sein Eigentum verfügen, der Gebrauch des Eigentums darfjedoch nicht dem Gemeinwohl schaden --> z.B. Begrenzung von Mietzinserhöhungen, Kündigungsmöglichkeit des Vermieters bei Eigenbedarf bei Vermietung von Wohneigentum 
  • Legitimierung der durch die mikrosozialen Verträge entstandenen Normen consent und exit: zwischen den Mitgliedern besteht ein grundsätzlicher Konsens über die Norm  alle Mitglieder haben die Möglichkeit aus der Gemeinschaft austreten, wenn sie die Normen nicht teilen --> Begründung authentischer Normen, da sie von den Mitgliedern freiwillig anerkannt werden und handlungsrelevant sind --> Grundlage für Hypernormen
  • prozedurale Hypernormen Bestandteil des ISCT universelle Prinzipien, die von allen politischen, religiösen oder philosophischen Überzeugungen getragen werden
  • Strukturelle Hypernormen Bestandteil des ISCT grundlegende Organisationsstrukturen, die in einer Gemeinschaft das wirtschaftliche Wohlergehen und die soziale Gerechtigkeit sicherstellen  z.B. Recht auf Eigentum, Recht auf fairen Prozess
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  • Materielle Hypernormen Bestandteil des ISCT Während prozedurale und strukturelle Hypernormen im hypothetischen Makrovertrag geregelt werden, beziehen sich materielle Hypernormen auf fundamentale Prinzipien der menschlichen Existenz --> Unabhängig vom philosophischen, religiösen oder politischen Standpunkt ist ein Minimalkonsens über moralische und unmoralische Handlungen identifizierbar (z.B. Menschenrechte)
  • Indikatoren zur Identifikation von Hypernormen - es herrscht ein weitverbreiteter Konsens, dass die Norm universell gilt - die Norm ist Teil eine bekannten globalen Industriestandards - die Norm wird von NGO und GO unterstützt - die Norm ist im Einklang mit großen philosophischen Prinzipien und universellen menschlichen Werten
  • Prioritätsregeln des ISCT im Fall von Kollisionen zwischen verschiedenen Normen: 1) Handlungen, die in einer einzelnen Gemeinschaft durchgeführt werden, sollen nach den Normen dieser Gemeinschaft bewertet werden 2) In Gemeinschaften in denen Regeln für solche Konflikte bestehen, sollen diese angewendet werden solange keine anderen Menschen davon betroffen sind 3) Die Norm die aus einer bedeutsameren Gemeinschaft entstanden ist, soll vorrangig gelten 4) Normen die für das Wirtschaftsleben einer Gemeinschaft eine große Bedeutung haben sollen vorrangig gelten 5) Wenn mehr als 2 Normen in Konflikt stehen, soll der größte gemeinsame Nenner als Grundlage einer Prioritätenliste dienen 6) spezifische Normen > unspezifische Normen
  • Ablauf eines ethischen Problems nach ISCT Ausgangslage: ein international tätiges Unternehmen wird mit einem ehtischen Problem auf einem Ländermarkt konfrontiert (z.B. Korruption) Gibt es eine lokale Norm der relevanten Gemeinschaft? Nein --> Rückgriff auf Hypernorm; falls mehrere Hypernormen im Konflikt: Prioritätenliste Ja --> Wenn die lokale Norm als authentische Norm gilt, ist diese anzuwenden; falls Kollision mit einer Hypernorm: Prioritätenliste
  • Argumentationslogik des Tugendethischen Ansatzes nach Solomon - Untrennbare Einheit von Individual- und Institutionenethik --> die Pflichten des Individuums ergeben sich erst aus der Eingebundenheit in das UN - kontextgebundene Tugenden --> welche Tugenden relevant sind ist abhängig von der jeweiligen Aufgabe --> marktbezogene Aufgaben: Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Vertrauen --> organisationale Aufgaben: Freundlichkeit, Ehre, Loyalität - rollenorientiertes Verständnis kann zu Tugendkonflikten führen