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Klinische Psychologie (Kinder) (Subject) / Soziale Phobie (Lesson)

Kriterien, Diagnostik, Therapie

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  • Darstellung der Störung - Schüchternheit ist keine Krankheit, sondern ein Temperamentsmerkmal -  Hinweise, dass schüchterne Kinder ein höheres Risiko tragen, später eine Angststörung zu entwickeln, die Größe des Einflusses ist jedoch verhältnismäßig klein
  • Gemeinsame Merkmale von Kindern mit Angststörungen - Verhaltensebene: zurückhaltend + trauen sich viele altersangemessene Aktivitäten mit sozialem Bezug nicht - z.B: Wollen sich nicht melden, weniger Freunde als andere Kinder ihres Alters, meiden Blickkontakt, mögen es nicht angesprochen zu werden ABER: können sich ggü. Geschwistern bzw. im familiären Rahmen gut durchsetzten
  • Klassifikation: Unterschiede DSM5 ICD10 - DSM 5: eine Form-> Bewertungsangst, Angst vor neg. Bewertung durch andere, unterscheidet auch, ob Angst nur in Leistungssitaution vorkommt - ICD10: 2 Formen -> Angst vor fremden Personen (F93.2) + stärker entwicklungsphasenunabhängigen Bewertungsangst - Unterschied auch in Art und Anzahl körperlicher Symptome - soz. angststörung nach ICD10 wird seltener vergeben
  • Klassifikation DSM5 und ICD10 - Angst darf nicht nur ggü. Erwachsenen sondern auch ggü. Gleichaltrigen auftreten
  • Epidemiologie und Altersrelevanz - 12-Monats-Prävalenz: (DSM-5) bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 % und 3 %. USA höhere Prävalenzrate im Erwachsenenalter, niedrigste im asiatischen Raum ABER: selbstberichtete Angstsymptome am höchsten im asiatischen Raum - durch Studie: Kinder mit bedeutsamen sozialen Ängsten haben auch dann schon in mehreren Funktionsbereichen (Schule, Gleichaltrige) Schwierigkeiten, wenn sie keine Behandlung dafür aufsuchen - wenn keine Therapie gemacht wird: geringere Qualität an Freundschaften -> verminderte Qualität der Beziehungen zu peers als wesentliches Merkmal soz. Ängste - soziale Phobie kommt in Europa im Kindesalter weniger oft vor als andere Angststörungen
  • Komobidität - Kinder mit einer sozialen Angststörung haben am häufigsten weitere Angststörungen als komorbide Diagnosen (Trennungsängst, Agoraphobie) -> sobald kogn. Komponente Selbstabwertung auftritt: erhöhtes Risiko für Depression (wichtig im Jugendalter)
  • Verlauf - keine empir. fundierte eindeutige Antwort - keine sehr deutlichen Veränderungen der Prävalenz vom Kindes- zum Jugendalter - gibt Vertreter der Ansicht, dass die soziale Phobie eher mit dem Alter ansteige und einen kontinuierlichen Verlauf nimmt, durch zweigipfligen Störungsbeginn verdeckt 1. Gipfel im Vorschulalter (5 Jahre) 2. Gipfel Übergang Pubertät (13 Jahre) -> indiziert möglicherweise das Bevorstehen einer Entwicklungsaufgabe, die aufgrund der sozialen Ängste droht, nicht bewältigt werden zu können (Kinder: Schule, Jugend: Beziehung)
  • Modelle zu Ätiologie und Verlauf - Verhaltenshemmung - Verhaltenshemmung bezeichnet eine Verhaltenstendenz beiKindern, in für sie neuen Situationen ihr gegenwärtiges Verhalten zu unterbrechen, die Auseinandersetzung mit dem Neuen zu meiden und sich an Bezugspersonen zu klammern - Temperamentsmerkmale als Risikofaktoren: Verhaltenshemmung und Schüchternheit - Studie zeigt Verhaltenstendenzen ABER: zwar gewisseStabilität dieser Verhaltenstendenz festgestellt aber auch erhebliches Veränderungspotenzial imVorschulalter  -> Grundschulalter:  weniger Änderungen über die Zeit - Entstehung und Entwicklunsgverlauf: ausgeprägte Verhaltenshemmung injungen Jahren interagiert mit spezifischen Informationsverarbeitungsprozessen, die dann den weiteren Entwicklungsverlauf mitbestimmen
  • Modelle zu Ätiologie und Verlauf - Biologische Prädisposition Neurobiologisch wird unter anderem eine striatale dopaminerge Dysfunktion vermutet -> verminderte dopaminerge Funktion in dem Regelkreis zwischen Striatum (Teil derBasalganglien) und Frontalhirn
  • Modelle der Ätiologie - Erfahrung mit Eltern und Gleichaltrigen -> Risikofaktor -> Ausmaß elterlicher Kontrolle, (geringe) Wärme, elterliche Ablehnung und Überprotektion besonders diskutiert -> allerdings inkonsistente Befunde zu Zshängen -> Relevanter als Zshänge oben: soz. Angst der Eltern, soz. Isolation der Familie      - außerdem: eigenen sozialen Ängste werden auf Kind ausgedehnt, indem befürchtet wird, dass ihr Kind von anderen negativ bewertet werden könnte      - Leistungsdruck im Rahmen von Beziehungs und Erziehungsprozessen vlt. angstauslösend -> in Gruppen: mehr Konzentration auf negative Erfahrungen in Gruppen, positive oder negative soziale Hervorhebung die unangenehm sein könnten sind auch wichtig. -> spezifische kognitive Prozesse spielen eine wichtige Rolle: z.B Ausmaß an Rumination über soziale Ereignisse, die nach dem Erleben der sozialen Situation (post-event) beginne -> mangelnde soz. Fertigkeiten als Risiko für soz. Phobie
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  • Diagnostik - erfordert systematische Erfassung der Beschwerden und ihrer potenziellen Ursachen (z. B. Ausschluss von organischen Ursachen) unter Berücksichtigung derAngaben des Kindes selbst und mindestens einer relevantenprimären Bezugsperson
  • Fragebögen - ESAK (Elternfragebogen zu sozialen Ängsten im Kindes- und Jugendalter), 8-19 Jahre - FESUK (Fragebogen zur Erfassung sozialer Ängstlichkeit), 9-15 Jahre - LSAS-CA (Liebowitz Social Anxiety Scale – Children and Adolescents), 7-18 Jahre - SÄKK (Fragebogen zur Erfassung sozial ängstlicher Kognitionen bei Kindern und Jugendlichen), 8-13 Jahre - SASC-R (Social Anxiety Scale for Children-Revised), 8-16 Jahre - SPAIK (Sozialphobie und Angstinventar für Kinder), 8-17 Jahre
  • Fragebögen ESAK - Fremdbeurteilung - Fokus: Negative Kognitionen Körperliche Erregung Vermeidungsverhalten (10 min)
  • Fragebögen FESUK - Selbstbeurteilung - Fokus: Soziale Unsicherheit in drei Situationen:- Durchsetzung eigener Ansprüche- Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen- Äußern der eigenen Meinung(15 min)
  • Fragebögen - LSAS-CA - Fremdbeurteilung (Kliniker) - Angst und Vermeidung in Interaktions- und Leistungssituationen
  • Fragebögen - SÄKK - Selbstbeurteilung -Fokus: Negative und positive Selbstbewertung Bewältigung (20 min)
  • Fragebögen - SASC-R - Selbstbeurteilung (Kind) /Fremdbeurteilung (Eltern) - Fokus: Furcht vor negativer Bewertung Vermeidung und Distress in sozialen Situatione (15 min)
  • Fragebögen- SPAIK - Selbstbeurteilung Kind - Fokus: Kognitive, somatische und verhaltensbezogene Reaktionen in verschiedenen sozialen Situationen, z. B. mit unbekannten oder bekannten Gleichaltrigen oder Erwachsenen(20 min)
  • Verhaltensbeobachtung - Bsp.:  Beobachtungsbogen für sozial unsicheres Verhalten (BSU)-> umfasst Aspekte wie Stillsein, Sprechen, Stottern, den Gesichts- und Körperausdruck -> kann in naturalistischen Situationen eingesetzt werden - weiter: andere Beobachtungsbögen:  Mikroverhalten (Mimik, Gestik, Tonalität, Blickverhalten des Kindes) + nervöse Verhaltensweisen (z.B erröten) - auch: Beurteilung der rethorischen Leistung in einem Vortrag
  • Warum unterschätzen manche Kinder ihe Ängste in Selbstberichten? → weil die Ängste, wenn die Kinder jünger sind, stärker alszu sich selbst gehörend und nicht unbedingt als „fremdartige Angst“ wahrgenommen werden, → weil sie vielleicht soziale Situationen geschickt vermeiden und ihnen ihre Angst selbst tatsächlich nicht so bewusst ist → weil sie sich sozial erwünscht präsentieren möchten -> Verhaltenstest deshalb sinnvoll, u.a aber auch, um herauszufinden, ob zu überfürsorgliche Eltern oder Unterschätzung der eigenen Ängste durch das Kind für Diskrepanz zwischen Angaben führen
  • Familiendiagnostik - sinnvoll Verfahren zu wählen, das (1) die eigenen sozialen Ängste der Eltern und/oder (2) dasErziehungs- und Beziehungsverhalten der Eltern erfasst - Erziehungsverhalten zu beurteilen ist nicht so einfach : Die Konzeptualisierung von Erziehungsverhalten ist sehr unterschiedlich, ebenso Bezeichnung von Dimensionen
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Unterscheidung zwischen F40.1 und F93.2 - Furcht bei der soziale Angststörung (F93.2) in der ICD-10 primär auf Fremde, soll vor dem 6. Lebensjahr begonnen haben und muss lediglich 4 Wochen andauern. - sozialen Angststörung (F40.1) in der ICD-10 und dem DSM-5 müssenhingegen eine bestimmte Anzahl und Art körperlicher Symptome vorliegen, und die Beschwerden müssen in der Regel 6 Monate andauern
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung zu anderen Ängsten - vor allem abzugrenzen gegenüber Trennungs-ängsten, der generalisierten Angststörung sowie den spezifischen Phobien und dem selektiven Mutismus - generalisierten Angststörung dominieren antizipatorische Ruminationen (darüber, was passieren könnte), bei der sozialen Angststörung häufig auchretrospektive Ruminationen (darüber, was in der sozialen Situation passiert ist) auftreten - am besten Abgrenzung über eine Berücksichtigung der Kombination vonVerhaltensweisen, Befürchtungen und der begleitenden physiologischen Erregung
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung zum selektiven Mutismus - DSM-5: selektive Mutismus bei Angststörungen (tritt primär angstbedingt auf) - ICD-10 Kapitel F94:  gemeinsam mit Bindungsstörungen im Kindes- und Jugendalter unter demKonzept Störung sozialer Funktionen -> selektiver Mutismus kann unterschiedliche Ursachen haben und muss nicht primär angstbedingt auftreten 
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung zu depressiven Störungen - soziale Rückzug bei depressiven Störungen ist in der Regel kombiniert miteiner Antriebslosigkeit und einem Interessenverlust an bisherigen Aktivitäten -> findet sich bei sozialen Phobien so nicht - Kinder ziehen sich auch eher vor Menschen außerhalb der Familie zurück und nicht vor Familienmitgliedern - bei soz. Phobie dominieren affektiv Angst und Scham, bei depress. Traurigkeit und Schuld
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung zu sozialen Ängsten im Rahmen organisch begründeter Probleme - Soziale Ängste kommen z. B. bei Kindern mit Entstellungen vor (z. B. bei Verbrennungen) oderauch bei Kindern, die stottern. Inwiefern es sich hier um eineKomorbidität handelt, muss sorgfältig abgeklärt werden
  • Therapeutisches Vorgehen - Vor- und Nachteile von Einzeltherapie vs Gruppensettings - Vorteil Einzelsettings: Kinder mit sehr starkausgeprägten sozialen Ängsten können Gruppenangebot nicht wahrnehmen , weil die Angst noch zu groß ist, um sich überhaupt in eine Gruppe zu begeben. - Nachteil einer Einzeltherapie ist aber, dass das Kind selten Übungen durchführen kann ( mit gleichaltrigen) -> Schwierigkeit: homogene Gruppen von Kindern mit soz. Angststörung finden -> Lösung: gestuftes Modell, erst einzeltherapeutischen Settingim weiteren Verlauf auch Teilnahme an Gruppe ermöglicht
  • Ritualisierter Aufbau bei Interventionen - Bsp.: Petermann und Petermann (2010) immer 4 Phasen in einer Sitzung:  -> Auswertung des Detektivbogens (5 Minuten)  -> Erzählen einer Kapitän-Nemo-Geschichte (10–15 Minuten)                                                   -> Arbeitsphase mit modulspezifischem Material (25 Minuten)    -> Eintausch der Tokens in Spielminuten + Spielzeit (10 Minuten)
  • Kognitiv behaviorale therapeutische Konzepte umfassen:- Exposition (z. B. im Rollenspiel),- Konfrontation in-vivo, Identifikation und Disputation dysfunktionaler Gedanken                      -eine Rückfallprophylaxe (inkl. Elternarbeit).
  • Behaviorale therapeutische Konzepte -> stärker auf Selbstsicherheits- und Fertigkeitentrainings ausgerichtet . Rollenspiele dienen eher dem Einüben (neuer) Verhaltensweisen, es werden operanteMethoden zur Verstärkung von erwünschten Verhaltensweisen genutzt, und es werden Verhaltensübungen durchgeführt, bei denen ein Modell zur Verfügung gestellt wird + pos. Selbstinstruktionen
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  • Unterschied kogn. / behav. therapeutische Methoden - dieselbe Übung machr ganz unterschiedliche Vor- undNachbereitung oder Nachbesprechung erforderlich - je nach therapeutischem Ziel wird auch in Übung auf anderes fokussiert, erfordert a priori Festlegung der Ziele -> Patient muss auch noch verstehen warum was wie gemacht wird.
  • Typische Probleme und Schwierigkeiten bei soz. ängstl. Kinder (in der Arbeit mit Interventionsmanualen) - hohen Abstraktionsgrad -> für Kinder nicht leicht zu verstehen (besonders kogn. Interventionen) - Arbeitsblätter wie in der Schule, hauptsächliches Mittel der Kommunikation = Schrift und Sprache -> intuitive Neigung von Kindern spielerisch, künstlerisch oder durch Geschichten zu lernen kommt zu kurz - Kinder, die ihre Ängste nicht richtig einschätzenkönnen + weniger Ängste angeben, als sie vermutlich haben - Geschicktes Vermeidungsverhalten von Kindern imRollenspiel -> steht Aufbau von neuem Verhalten entgegen (aber auch albernes Verhalten oder nicht ernst nehmen des Spiels) - Kinder in der Verhaltenstherapie überfordern -> wenn Übung zu hohen Schwierigkeitsgrad aufweist
  • Empirische Belege -  Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen für die Diagnosegruppe F40–42 wissenschaftlich anerkannt - keine Wirksamkeitsstudie bekannt, die sich explizit auf die entwicklungsphasentypische sozialeAngststörung mit dem Kern der Fremdenangst konzentriert - keine Studie bekannt die Diagnosegruppen (F40.1 oder F93.2) in einer Studie präzisediagnostisch trennt und dann die potenzielle differenzielleWirksamkeit einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Maß-nahme prüft
  • Empirische Belege - Psychotherapie und soz. Angststörung - mittlere Effektstärke der psychotherapeutischen Behandlung bei sozialen Ängsten mit 0.79 (Konfidenzintervall: 0.19 bis 1.39) liegt niedriger als bei anderen Angststörungen - schlechtere Wirksamkeit eines kognitiv-verhaltenstherapeutischen Gruppentherapieangebots bei Kindern mit einer sozialen Angststörung im Vergleich zu anderen Angststörungen -> bei kognitivverhaltenstherapeutischen Behandlung von Kindern mit sozialer Angststörung noch Potenzial zur Verbesserung der Wirksamkeit - Einbezug von Eltern in die Psychotherapievon Kindern mit Angststörungen führt zu keiner signifikanten Steigerung des Therapieerfolgs → Bisher nicht gelungen, klinisch bedeutsame Prädiktoren für eine höhereoder geringere Wirksamkeit zu identifizieren