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Klinische Psychologie (Kinder) (Subject) / Spezifische Phobien (Lesson)

Kriterien, Diagnostik, Therapie, Empirie

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  • Klinisches Erscheinungsbild spezifischer Phobien → unangemessene, dauerhafte und starke Angstreaktion ggü. bestimmten Objekten (z. B. Spritzen), Situationen (z. B. Dunkelheit) oder Tieren, von denen keine reale Gefahr ausgeht → Angst tritt in der Regel unmittelbar durch die Konfrontation mit dem phobischen Stimulus (z. B. Hund) auf → Kinder vermieden Situation bzw. flüchten aus ihr: klammern an Bezugsperson, weinen, jammern, gelähmt, aggressives Verhalten, … → Kinder sehen oft ein, dass Angst unbegründet ist (Einsicht kann aber v.a. bei jüngeren Kindern fehlen) → Phobische Reaktion zeigt sich auf physiologischer, kognitiver und Verhaltensebene → Klinisch relevante Phobien führen zu erheblichen Beeinträchtigungen des Kindes im familiären,schulischen und Freizeitbereich
  • Spezifische Phobien in bestimmten Altersgruppen - Vorschulkinder: Fremde, Dunkelheit, Tiere - Grundschulkinder: Stürme, Gewitter, Angst um eigene Sicherheit - 12-17 jährigen: Tieren, Naturkatastrophen, spezif. Situationen (Höhe, enge Räume etc.), Angst vor dem Erbrechen
  • Klassifikation DSM 5 und ICD 10- Unterschiede → DSM 5: gleiche Kriterien für Kinder/Jugend und Erwachsenenalter, ICD 10 getrennt („phobischen Störung des Kindesalters“ nur dann, wenn die Befürchtungen des Kindes entwicklungsphasenspezifisch sind) → Das DSM-5 sieht anders als die ICD-10 keine Einsichtdes Patienten vor, dass die Furcht oder Angst übertrieben oder unangemessen ist. Allerdings wird im DSM-Kriterium D gefordert, dass die Furcht oder Angstüber das Ausmaß der tatsächlichen Gefahr durch dasspezifische Objekt oder die spezifische Situation hinausgeht. → Bei Personen unter 18 Jahren fordert das DSM-5 eine Dauer der Phobie von mindestens 6 Monaten. Die ICD-10 macht bei den spezifischen Phobien hierzu keineAngaben (während bei der phobischen Störung eine Dauer von 4 Wochen angegeben wird)
  • Klassifikation nach DSM 5 und ICD 10 Die beiden Klassifikationssysteme unterscheiden die spezifischen Phobien in mehrere Subgruppen:→ Tier-Typ (z. B. Insekten, Hunde),→ Umwelt-Typ (z. B. Sturm, Wasser),→ Blut-Injektion-Verletzungs-Typ,→ situativer Typ (z. B. Fahrstuhl, Tunnel, Flugzeug),→ andere Typen (laute Geräusche, kostümierte Figuren)
  • Klassifikation nach ICD10 - kritische Aspekte • in der ICD-10 vorgenommenen Unterscheidung zwischen „phobischer Störung des Kindesalters“ und „spezifischer Phobie“ muss kritisch angemerkt werden, dass die empirische Grundlage für die separaten Kriterien nicht vorliegt. • Unterscheidung beruht auf Annahme, dass phobische Störungen im Kindesalter vorübergehend sind -> eher Verstärkungen normaler Entwicklungstrends als eigenständige Phänomene darstellen • phobischen Störungen im Kindesalterbeteiligten Prozesse unterscheiden sich von denen bei Störungen im Erwachsenenalter
  • Epidemiologie • Häufigkeit von spezifischen Phobien im Kindesalter: ca. 7–9%• Mädchen sind häufiger betroffen und berichten tendenziell über eine größere Zahl von Ängsten als Jungen • Spezifische Phobien (aber auch Trennungsangst) zeigen von allen Phobien den frühesten Beginn und können bereits im Kleinkindalter auftreten (frühester Beginn der Tierphobien (7 Jahre)), danach folgt soziale Phobie • Auftrittsalter weiterer Störungen im Median bei 19-31 Jahren • größter Anstieg von Phobien im Alter zwischen 10 und 14 Jahren
  • Komorbidität → Komorbidität von Angststörungen ca. 50% → Bremer Jugendstudie (12-17J.): die spezifische Phobie tritt am häufigsten gemeinsam mit einer PTBS, Zwangsstörung und nicht näher bezeichneten Angststörung auf; ca. die Hälfte der Jugendlichen hatte gleichzeitig eine weitere Angststörung und etwa 1/3 wies gleichzeitig eine depressive oder eine somatoforme Störung auf
  • Verlauf • Allgemein: Vorliegen einer Angststörung im K+J-Alter stellt einen Risikofaktor für die Ausbildung von Angststörungen, affektiven Störungen und Substanzstörungen im Erwachsenenalter dar • spezifische Phobien im Kindes- und Jugendalter sind – anders alslange gedacht – ein wichtiger Prädiktor für eine Reihe psychischer Störungen z.b     - Panikstörung, generalisierter Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörungen     - Zwangsstörung, Major Depression, dysthymer Störung, Schmerz- und Essstörung
  • Verlauf • Allgemein: Vorliegen einer Angststörung im K+J-Alter stellt einen Risikofaktor für die Ausbildung von Angststörungen, affektiven Störungen und Substanzstörungen im Erwachsenenalter dar • spezifische Phobien im Kindes- und Jugendalter sind – anders alslange gedacht – ein wichtiger Prädiktor für eine Reihe psychischer Störungen z.b     - Panikstörung, generalisierter Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörungen     - Zwangsstörung, Major Depression, dysthymer Störung, Schmerz- und Essstörung
  • Modelle zur Ätiologie und Verlauf - 2 Faktoren Theorie → 2 Faktoren: klassische und operante Konditionierung → Annahme: bei Ängsten werden urspr. NS (z. B. Hund) aufgrund traumatischer Ereignisse (z. B.Hundebiss) mit einem zentralen motivationalen Angstzustand assoziiert und zu einem CS (klassische Konditionierung). Die darauffolgende Vermeidung dieser Reize wird durch den Abbau dieses unangenehmen Zustandes verstärkt (operante Konditionierung) → Einige Kritikpunkte (klass. Kond. nicht ausreichende Erklärung für Entstehung)    ➢ Rachman formulierte »Three-Pathways-Theorie«, die von drei verschiedenen Wegen des       Angsterwerbs ausgeht: Klassische Konditionierung, Modelllernen, Instruktionslernen → Tendenz zur Übergeneralisierung von konditionierten Furchtreaktionen sowie Defizite beimExtinktionslernen bei Personen mit Angststörungen → Angstpatienten generalisieren gelernte Furchtreaktionen leichter auf neutrale Reizedie dem konditionierten Furchtreiz ähneln
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  • Kritikpunkte an Mowrers 2 Faktoren Theorie 2. Teil (operante Konditionierung) gilt als ausreichend belegt,                                              1.Teil (klassische Konditionierung) ist nicht ausreichend als Erklärung - großer Teil der Phobiker: keine Erinnerung an traumatische Ereignisse zu Beginn Störung - Nicht alle, die traumatisches Ereignis erleben, entwickeln eine Phobie. - Konditionierungstheorie sagt vorher, dass Angst abnehmen sollte, wenn konditionierte Reiz(z. B. Hund) wiederholt ohne traumatisches Ereignis (z. B. Hundebiss) auftritt.              Häufig Gegenteil zu beobachten: Angst nimmt zu - Mangelnde Äquipotenzialität (nicht alle Reize mit gleicher WSK als phobischeAuslöser dienlich) ->  Angst vor Spinnen, Hunden und Gewittern sehr viel häufiger als Angstvor Steckdosen oder Messern, obwohl genauso gefährlich.                                                  → „PreparednessTheorie“ von Seligman: bestimmte Reiz-Reaktions-Verbindungen leichter zu lernen, weil „biologisch“ vorbereitet, durch EvolutionsgeschichteAngstreaktionen auf bestimmte Objekte, Situationen oder körperliche Symptome, die eine Bedrohungfür das Überleben der Menschheit darstellen, besonders schnell und überdauernd gelernt werden.- Indirekte Wege des Angsterwerbs: Ängste nicht nur durch Konditionierung, sondern auch durch verbale Informationen und durch Modelllernen erworben werden (Rachman 1977, vgl. „ThreePathways-Theorie“)
  • Modelle zu Ätiologie und Verlauf -Modelllernen → Kann auch über indirekte Beobachtung (z.B. Video, TV) auftreten → Tierforschung zeigt, dass phobische Ängste allein durch die Beobachtung eines phobischen Modells erworben werden können und, dass die Beobachtung von nichtängstlichen Modellen gegen den Erwerb von Phobien immunisiert
  • Modelle zu Ätiologie und Verlauf - Instruktionslernen → Exp.: Kindern wurden 2 unbekannte Puppen gezeigt, Kinder bekommen entweder über Video oder über eine Geschichte (verbal) Informationen über die Puppen dargeboten, Info positiv oder negativ -> Ergebnis: pos. Info: keine Veränderung der Bewertung bzgl. der Puppen vs. neg. Info: nur inverbaler Bedingung bedrohlichere Einschätzung der Puppen → Weiteres Exp.: nur wenn Erwachsener Info gibt bedrohlichere Einschätzung, nicht bei gleichaltrigem Kind → Weiteres Exp.: bedrohliche Info beeinflusste nicht nur den Selbstbericht, sondern auch implizite Annahmen und das Vermeidungsverhalten des Kindes
  • Modelle zu Ätiologie und Verlauf - Kognitive Ansätze → gehen davon aus, dass durch die Bewertung der phobischen Stimuli als gefährlich die eigentliche Angstreaktion hervorgerufen wird, indem die physiolog. Angstreaktionen in Gang gesetzt werden → ungeklärt: Entstehung phobische Kognitionsmuster; zuerst Angst oder zuerst Kognition? → Forschung zeigt: ängstliche Kinder bzw. Kinder mit Phobien weisen mehr neg. Selbstverbalisationen, weniger aufgabenbezogene Gedanken und mehr kognitive Verzerrungen in der phobischen Situation auf als nichtängstliche K+J
  • Modelle zu Ätiologie und Verlauf - Informationsverarbeitungsprozesse → Erst wenig Studien mit Kindern und Jugendlichen → 3 Arten von Verzerrungen (»Cognitive Biases«) (auch bei ängstlichen K+J gefunden):    ➢ Neigung, angstrelevante Reize als bedrohlich zu bewerten (»Interpretation Bias«)    ➢ Aufmerksamkeitsverschiebung auf bedrohliche Reize (»Attentional Bias«)    ➢ Neigung, bedrohliche Reize besser zu erinnern (»Memory Bias«) → ängstliche Kinder und Jugendliche zeigen einen größeren Aufmerksamkeitsbias hin zu bedrohlichen Reizen → Altereffekt: Aufmerksamkeitbias bei ängstl. Kindern nimmt mit Lebensalter zu → ängstliche Kinder haben stärkere negative Interpretation von mehrdeutigen Reizen alsnicht-ängstliche Kinder -> auch hier: Alterseffekt - Interpretationsbias wird größer mit Alter ABER: Stärke des Interpretationsbias nicht nur alters-, sondern auch inhaltsabhängig. Jeähnlicher das zu interpretierende Reizmaterial dem Angstinhalt der Angststörung des Kindes und Jugendlichen war, umso deutlicher zeigte sich der Interpretationsbias
  • Diagnostik → Differenzialdiagnostik nach DSM 5 oder ICD 10 + Analyse der konkreten auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen für das Problemverhalten des Kindes → Neben Exploration im Gespräch: Selbstbeobachtungsmethoden, Verhaltensbeobachtungen sowie Eltern- und Lehrergespräche geeignete Hilfsmittel → alle drei Komponenten der Angstreaktion (physiologisch, kognitiv, verhaltensmäßig) zu erfassen → bei Diagnose Phobie beurteilt werden, inwieweit die Angst des Kindes altersgemäß oder übermäßig ist → Problem: ängstl. Verhalten nur in bestimmten Situationen + Kinder und Eltern beschreiben Angst völlig anders
  • Fragebögen bei spezifischer Angst - ab dem Alter von 9–18 Jahren:„Bereichsspezifische Angstfragebogen für Kinder und Jugendliche“ (BAK) -> Cronbachs Alpha .81 - »Basler-Bilder-Angst-Test« (B-BAT) für Kinder zwischen 4 und 8 J. - »Phobiefragebogen für Kinder und Jugendliche«; (PHOKI), Normwerte von 8 bis 18 J - Kinder-Angst-Test II (Kat-II) für Kinder von 9-15J. - Kinder-Angst-Sensitivitätsindex (KASI), Normwerte von 8-17 J. - Fremdbeurteilungsbogen Angst für Eltern, Lehrer oder Erzieher (FBB-ANG)
  • Verhaltensbeobachtung bei spezif. Phobien → z.B. »Behavioral Avoidance Test« (BAT): für die Beobachtung phobischer Verhaltensweisen → Verhaltensaspekte des Kindes beobachtet: - die Zeitdauer, die das Kind in der Nähe des phobischen Stimulus verbringt,                              - der räumliche Abstand, den das Kind zum phobischen Stimulus hält                                        - Anzahl und Latenz des Annäherungsverhaltens etc.
  • Familiendiagnostik bei spezif. Phobien - Vorliegen der elterlichen Angst z. B. durch Fragebogen/ klinischen Befragung klären + deren Umgehen mit ihrer und kindlicher Angst→ erfolgreiche Angstbehandlung des Elternteils beeinflusste psychische Entwicklung des Kindes positiv - Eltern / Kind suchen vermeintlich gefährliche Situation auf, Therapeut beobachtet:                danach ggf. angstreduzierendes Erziehungsverhalten mit den Eltern konkret eingeüben
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung Trennungsangst ➢ Keine spezifische Phobie, wenn die Angst oder das Vermeidungsverhalten ausschließlich aufTrennungssituationen begrenzt ist
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Agoraphobie ➢ bei der Panikstörung mit Agoraphobie müssen zu Beginn der Störung unerwartetePanikanfälle aufgetreten sein ➢ Ein agoraphobischer Patient befürchtet das Auftreten eines Panikanfalls und seiner Folgen,während bei der spezifischen Phobie die Situation oder das Objekt an sich gefürchtet werden
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung soziale Phobie ➢ Ängste immer in soz. Situationen, zentral: Angst vor Bewertung, Peinlichkeit oder Blamage
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung Zwangsstörung ➢ bei der Zwangsstörung werden Situationen vermieden, um sich nicht zu kontaminieren oderDinge zu tun, die man nicht tun möchte ➢ typischerweise Zwangshandlungen, diese aber nicht bei spezifischer Phobie
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung PTBS ➢ das Vermeidungsverhalten im Rahmen einer PTBS entwickelt sich erst nach dem Erleben einertraumatischen, lebensbedrohlichen Situation und steht in Bezug zum traumatischen Ereignis ➢ Vermeidungsverhalten wird von charakteristischen Merkmalen wie Wiedererleben desTraumas oder eingeschränkter Affekt begleitet
  • Differenzialdiagnostische Aspekte - Abgrenzung Schulphobie ➢ Obschon im DSM-IV oder in der ICD-10 nicht näher definiert, werden Kinder mitSchulverweigerung häufig als »schulphobisch« bezeichnet ➢ Bei spezifischer Phobie Angst vor best. Objekt/Situation (z.B. Angst der Höhe desSchulgebäudes, vor der Schulglocke, etc.) ➢ Bei Schulphobie: plus weitere Gründe für Schulverweigerung wie Trennungsangst oderSozialphobie
  • Therapeutisches Vorgehen - Reizkonfrontationsverfahren Mittelpunkt bei Behandlung von spezifischen Phobien - One-session Treatment (OST) zur Behandlung von spezifischen Phobien für das Kindesund Jugendalter -> massierte und intensive Konfrontationsbehandlung→ Mittel der Wahl da gute Wirksamkeit
  • Therapeutisches Vorgehen - systematische Desensibilisierung - systematische Desensibilisierung basiert auf der Annahme der klass. Konditionierung und geht davon aus, dass der Prozess der Löschung durch den Einsatz von angstreduzierenden Techniken unterstützt und beschleunigt werden kann. - Kinder in einem entspannten Zustand, entlang einer Angsthierarchie, möglichst behutsam mitStimulusbedingungen konfrontieren, die ihnen Angst bereiten- Kinder in einen entspannten Zustand versetzen → in Vorstellung Konfrontation mitangstauslösendem Reiz → wenn Angstanstieg: Reiz wird weggenommen und Kind anhand erneuter Instruktionen wieder in einen entspannten Zustand versetzt -Jedoch v.a. bei jüngeren Kinder schwer; bei diesen Kindern haben sich andere angstinkompatible Reaktionen (z. B. entspanntes Essen oder Ablenkung durch Spiele oder Geschichten) bewährt
  • Vorgehen bei der systemat. Desensibilisierung - Schritt 1: Erstellen einer Angsthierarchie - Schritt 2: Vorbereitung des Kindes auf die systematische Desensibilisierung - Schritt 3: Erlernen der Entspannungstechnik - Schritt 4: Prüfung der Vorstellungsfähigkeit - Schritt 5: Paarung der Entspannung mit den Angstsituationen
  • Systemat. Desensibilisierung in vivo ➢ Insg.: kindgerechter und, zumindest im Fall einfacher Phobien, auch erfolgversprechender alsin sensu (z.B. manche Dinge, wie z.B. plötzliche laute Geräusche, schwer vorzustellen)
  • Systemat. Desensibilisierung in sensu ➢ Manche Kinder: Konzentrationsschwierigkeiten → dann kann man Desensibilisierung inFantasiegeschichte einbetten, die pos. Emotionen als Gegenreaktion zur Angst erzeugt     o ängstigende Situationen werden nun z.B. im Auftrag von »Superman« oder »Batman«       gemeistert
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  • Fazit: systemat. Desensibilisierung Die syst. Desensibilisierung sollte vor allem dann eingesetzt werden, wenn sich Kind und Elternnicht auf ein Konfrontationsverfahren einlassen können oder wenn der gefürchtete phobischeStimulus mit einer realen Gefährdung des Kindes verbunden ist. In allen anderen Fällen sollte für die Behandlung von spezifischen Phobien die Konfrontation in vivo die Methode der ersten Wahl sein
  • Reizkonfrontation - = Verfahren, bei denen Kinder mit Phobien dem angstauslösenden Stimulus ausgesetzt werden - 2 Klassen von Verfahren:     ➢ Bei der einen Verfahrensklasse, werden die Kinder angeleitet, bei Auftreten der Angst    sofort angstreduzierende Strategien wie etwa Entspannung oder bestimmte Atemtechnikeneinzusetzen
  • Konfrontationsverfahren Kind soll die Angst so lange ertragen, bis es zu einem Rückgangder Angst kommt, ohne dabei jedoch angstreduzierende Techniken einzusetzen a) Methoden, bei denen der Angststimulus ausschließlich in der Vorstellung dargebotenwird (»Konfrontation in sensu«), b) Methoden, bei denen der Angststimulus in der Realität dargeboten wird(»Konfrontation in vivo«)         o Beide Konfrontationsformen können so angewandt werden, dass in hierarchisch            langsam aufsteigender Angstintensität die einzelnen Angststimuli vorgegeben werden            = graduelles Vorgehen (s.u.) (Gegenteil=massiertes Vorgehen: Kind wird gleich zu            Beginn mit stark angstauslösenden Situationen konfrontiert)          o Erst Beendigung, wenn die angstauslösenden Situationen weitgehend angstfrei     ertragen werden          o Flucht- und Vermeidungsverhalten wird verhindert         o Ziel: Kind vermitteln, dass angstauslösende Situationen ertragen werden können,                   ohne dass die von ihm erwarteten Folgen eintreten       
  • Wie wirkt Konfrontationstherapie? o Beruhen auf Annahme der Habituation: =Prozess, bei dem Reaktion eines   Organismus auf gleichen Reiz bei wiederholter Darbietung abnimmt    -> Gewöhnung; physiologische Habituation während der Konfrontationsübung führt zu einer  Lockerung der Assoziation zwischen Auslöser und Reaktionselementen + zu einer Integration korrektiver Information über die Bedeutung der gefürchteten Elemente (es kommt also zu einer Veränderung im semantischen Netzwerk)→ bei nächster Konfrontation: geringere physiologische Reaktion o Theorie des Inhibitionslernens: keine vollständige Löschung derursprünglichen Assoziation von konditioniertem Reiz (CS, z. B. Hund) und Angstreaktion (US) ->  sondern ursprüngliche Assoziation zwischen dem angstauslösenden Reiz und dem unkonditionierten Stimulus bleiben bestehen→ kommt parallel zum Aufbau einer inhibitorischen (nicht angstauslösenden) Assoziation:     im Wettbewerb zur ursprünglich erlernten Assoziation + stark situationsabhängig
  • Wann ist eine Konfrontationstherapie besonders erfolgreich? -> dürfen nicht nur auf einen reinen Habituationsprozess setzen, sondern müssen Extinktionslernen, also den Aufbau robuster inhibitorischer Assoziation mit dem gefürchteten Reiz (z. B. der Hund hat mich nicht gebissen), optimieren
  • Forcierte, langanhaltende Konfrontation  Frage nach Unterbindung von Vermeidungsverhalten bei Kindern wichtig, besonders dann wenn Erfahrung gemacht werden soll dass: - seine Angst bei der Konfrontation mit den gefürchtetenBedingungen aushalten lässt und allmählich abnimmt- die jeweils befürchteten katastrophalen Konsequenzen(die Spinne wird mich beißen; wenn ich eine Spritze erhalte, kippe ich um; ich sterbe) in Wirklichkeit nicht einstellen, auch wenn das gewohnte Flucht- oder Vermeidungsverhalten ausbleibt ➢ Kind wird gleich zu Beginn mit einer stark angstauslösenden Situation konfrontiert,anschließend wird die Konfrontation in unregelmäßiger Abfolge in möglichst vielenangstauslösenden Situationen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad weitergeführt ➢ Vorteil: schnelle und langfristig stabile Wirkungsweise
  • graduiertes Vorgehen bei Konfrontation ➢ Beginn: leicht angstauslösende Situation, dann Schritt für Schritt Heranführung an dieschwierigste Situation ➢ Angstreduktion und der Abbau der Erwartungsangst werden im Gegensatz zum massiertenVorgehen länger hinausgezögert (kann zu Motivationsproblemen beim Kind und bei denEltern führen) → Graduiertes oder massiertes Vorgehen?: abhängig vom Alter bzw. der kognitiven Entwicklung (bei jüngeren Kindern (bis 12 J.) eher graduell, bei älteren eher massiert)
  • Lernen am Modell  - Kinder sollen beobachten, wie eine Modellperson angstfrei mit dem Stimulus umgeht (graduelle Annäherung); noch besser: zusätzlich aktive/in vivo Beteiligung der Kinder an der Interaktion mit den phobischen Stimuli (auch graduelles Vorgehen) - Modelllernen in Kombi mit Konfrontation in vivo geeignet, alleine jedoch nicht ausreichend
  • One-Session Treatement OST -> für spezif. Phobien ausgearbeitetes Programm, im Vgl. zu anderen Therapieformen: hochdosiert in einer einzigen Sitzung (2,5-3h) -> umfasst insgesamt allerdings 9 Sitzungen 1. Diagnostische Sitzung (1 Woche vor Untersuchung):  - strukturiertes klinisches diagnostisches Interview mit dem Kind (bei Kindern ≧ 8 Jahre, Dauer: ca. 90 Minuten)- strukturiertes klinisches diagnostisches Interview mit den Eltern- kognitive Verhaltensanalyse mit dem Kind und Vermittlung des Therapierationals 2. Elternsitzung: vor Beginn Konfrontation: Gespräch mit Eltern, um weitere Informationen zur spezifischen Phobie des Kindes zu erhalten 3. Konfrontationssitzung: 1x 3 h (Realität oft 2 x 3h) -> niemand wird gezwungen -  OST greift auf klassische KVT-Interventionen zurück und nutzt zusätzlich die folgenden Interventionen:- Lernen am Modell- Operante Vorgehensweisen- Kognitive Interventionen Beginn: Besprechung Verhaltensexperiment, Durchführung durch Therapeuten, Durchführung  Kind (Lob für Erfolge: operante Intervention) -> Abgleich Befürchtungen vor Experiment und Zustand danach
  • Operante Vorgehensweise - Einsatz von Verstärkern, um Motivation des Kindes zur Angstbehandlung zu stärken - Verstärker muss individuell für jedes Kind passend ausgewählt werden -Er muss zeitlich sofort und konsequent nach dem erwünschten (z.B. angstfreien) Verhalten erfolgen; einem großen Fortschritt muss ein entsprechend großer Verstärker folgen, und umgekehrt
  • Kognitive Therapieansätze -> Kind soll in Therapie über das Wesen und die Ursachen von Angst informiert werden -> in OST: angstfördernde Gedanken in der phobischen Situation identifizieren und verändern -> Selbstkontrollstrategien: Kind soll Verhalten selbst regulieren lernen
  • Kognitive Therapieansätze - Erwartungsverletzungen herbeiführen -> wichtig: Erwartungsverletzung herbeiführen für Erfolg der Konfrontationstherapie -> Erfahrungen des Kinds während der Konfrontation soll Erwartungen maximal widersprechen -> dazu: anfänglich Befürchtungen/Erwartungen überprüfbar niederschreiben -> Schritte vor Beginn der Konfrontationstherapie: 1. Was möchte ich erreichen?Beispiel: Ich möchte einen hohen Turm besteigen und mich dort umschauen.2. Was denke ich, was passieren wird? Beispielantwort: Ich werde umkippen.3. Wie sehr bin in überzeugt davon, dass dies auch passieren wird? (0–100 %)4. Wie viel Angst habe ich vor der Übung? (0–100 %) Im zweiten Schritt werden direkt nach der Konfrontations­ übung dem Kind weitere Fragen gestellt und ebenfalls schriftlich festgehalten:1. Wie viel Angst (0–100 %) hatte ich vor(0–100 %), während (0–100 %), nach(0–100 %) der Übung?2. Ist das, was ich befürchtet habe, passiert? Ja Nein3. Woran habe ich gemerkt, dass dies nicht passiert ist? Beispielantwort: Die Symptome haben nachgelassen, und ich bin nicht umgekippt.4. Was habe ich gelernt?Beispielantwort: Ich kann einen Turm besteigen und mich dort über längere Zeit aufhalten, ohne dass mir etwas passiert.5. Wie sehr glaube ich, dass meine Befürchtung beim nächsten Mal passiert? (0–100 %)
  • Förderung der Selbstwirksamkeit - Kinder mit Angststörungen scheinen über eine geringe Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu verfügen-> Folge: Kind nimmt eine Situation als unkontrollierbar wahr - Förderung der Selbstwirksamkeit: durch kognitive Umstrukturierung (Gegenbeweise fürGefährlichkeit/Unkontrollierbarkeit der Situation) und pos. Selbstinstruktionen („Ich bin mutig!“ etc.) wird das Vertrauen des Kindes in seine Fähigkeit, den phobischen Stimulus kontrollieren zu können, gestärkt - Studie mit Kindern in der Dunkelheit und Sätzen zur Ermutigung. Kompetenzgruppe (Ich kann aktiv Kontrolle ausüben) am besten abgeschnitten
  • Spezielles Vorgehen bei Blut-, Spritzen- und Verletzungsphobie - Hier kann die Angst mit Ohnmachtsanfällen einhergehen (Anstieg und dann rapider Abfall derHerzfrequenz/des Blutdrucks) - Vorgehen: Methode der »Applied Tension«: Kind erlernt Anspannungstechnik → dann Konfrontation mit Dias, die Ohnmacht auslösen können → dabei Aufforderung, bei den ersten Anzeichen einer Ohnmacht die Anspannungstechnik anzuwenden; mehrere Weiderholungen in verschiedenen Situationen
  • Empirische Belege OST -> sehr wirksam (wirksamer als Wartelisten, Placebobedingung und EMDR) -> Kinder mit komorbiden ADHS profitieren weniger gut als andere -> Hinzunahme von Eltern bei Konfrontationsphase = keine signifikante Verbesserung