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Klinische Psychologie (Kinder) (Subject) / Trennungsangst (Lesson)

Definition , Ätiologie, Diagnostik, Therapeutisches Vorgehen

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  • Trennungsangst - Allgemeines • Unter Trennungsangst wird sowohl eine für ein bestimmtes Alter typische Entwicklungsphase…    = Protestreaktion eines Kindes bei der Trennung von der primären Bezugsperson; beginnt  typischerweise im Alter zw. 7 und 12 Monaten; Höhepunkt mit 15–18 Monaten, dann kontinuierliche Abnahme; entwicklungsphasentypisch • …als auch ein abweichendes Verhalten eines Kindes ab dem Vorschulalter verstanden    = kindliche Angststörung (Störung mit Trennungsangst); kann ab dem Alter von 3 Jahren auftreten; deutliche Beeinträchtigung des Kindes in seinem Alltag und in seiner normalen Entwicklung
  • Trennungsangst - Darstellung der Störung • Kinder zeigen eine exzessive und unrealistische Angst in Erwartung oder unmittelbar bei einer Trennung von den Eltern oder anderen engen Bezugspersonen • Sorge, dass ihren Eltern oder ihnen selbst etwas Schlimmes zustoßen könnte, was zu einer dauerhaften Trennung führen würde • Häufig vermeiden diese Kinder    - abends alleine einzuschlafen    - mit einem Babysitter zu Hause zu bleiben    - alleine tagsüber zu Hause zu bleiben,    - bei Freunden zu übernachten oder zum Kindergarten bzw. zur Schule zu gehen • können eine gereizte, aggressive oder auch apathische Stimmung aufweisen, wenn eine Vermeidung der Trennungssituation nicht möglich ist
  • Trennungsangst - typische Symptome • typische Symptome:- somatische Beschwerden wie Bauch- o. Kopfschmerzen, Übelkeit o. Erbrechen (lassen nach, wenn Trennungsangst nicht mehr besteht) → diese körperlichen Symptome des Kindes verunsichern viele Eltern → verstärkter Schutz des Kindes → kurzfristige Angstreduktion des Kindes, aber mittel- undlangfristig Aufrechterhaltung und Generalisierung der Trennungsangst - Träume, von den Eltern getrennt zu sein;- Bedürfnis, immer in unmittelbarer Nähe der Bezugsperson zu sein (bei jüngeren)
  • Definition/ Fazit Trennungsangst Die Störung mit Trennungsangst ist durch eine starke,über einen langen Zeitraum anhaltende Angst vor einer dauerhaften Trennung von wichtigen Bezugspersonen charakterisiert. Trennungen von Bezugspersonen werden nurunter starker Angst ertragen bzw. vermieden.
  • Trennungsangst - Familiäre Merkmale -> Früher: häufig problematische Familienkonstellationen (geringes Ausmaß an Kohäsion und Adaptabilität), können nicht mehr belegt werden -> Kinder mit Angststörungen erleben ihre Familien als weniger akzeptierend und Autonomie gewährend, weniger kontaktfreudig und unterstützend sowie konfliktreicher -> Eltern von Kindern mit Angststörungen sowie Eltern mit einer Angststörung (primär wurden hierbei Mütter untersucht)wiesen mehr Ablehnung und Kontrolle in der Interaktion mit ihren Kindern auf -> Eltern von Kindern mit AS: mehr dysfunktionale Gedanken, geringere erlebte elterliche Selbstwirksamkeit -> hohe Überfürsorglichkeit und Kontrolle sagen Ausmaß der Angst des Kindes voraus -> Sichtweise, dass Welt bedrohlich ist, wird geprägt -> Mit Geschwistern: mehr Konflikte, stärkere gegenseitige Kontrolle, geringere emotionale Wärme
  • Beziehungen zu Gleichaltrigen - in Klasse weniger beliebt, von Mitschülern als schüchtern und soz. zurückgezogen beschrieben - mehr soziale Benachteiligung durch ihre Alterskameraden als bei Kindern mit aggressiven Verhaltensstörungen
  • Biologische Merkmale - Suffocation False Alarm Hypothese: überreagierende CO2 Sensoren führen zu Atemunregelmäßigkeiten - Studien zur Untersuchung von Atemanomalien haben Unterschiede zwischen Kindern mit gemischten Angstgruppen, einschließlich Trennungsangst, und nicht ängstlichen Kindern gefunden - Störungsspezifische Unterschiede inder Atmung konnten jedoch in einer Studie, in der speziellKinder mit Trennungsangst mit Kindern mit anderen Angststörungen und Kindern ohne psychische Störungen verglichen wurden, nicht reproduziert werden - Suffocation False Alarm Hypothese kann nicht bestätigt werden
  • Klassifikation DSM 5 und ICD 10 - Unterschiede - Neu kann nun in DSM­5 die Störung mit Trennungsangst auch im Erwachsenenalter vergeben werden. Es ist nicht mehr notwendig, dass die Störung in der Kindheit oderJugend beginnt, wohingegen die ICD­10 einen Beginn der Trennungsangst vor dem 6. Lebensjahr vorsieht 
  • Diagnosekriterien der Störung DSM5 Eine dem Entwicklungsstand unangemessene und übermäßige Furcht oder Angst vor der Trennung von Bezugspersonen, wobei mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sein müssen: 1. Wiederholtes übermäßiges Leiden, wenn eine Trennung von zuHause oder von wichtigen Bezugspersonen erwartet oder erfah ren wird. 2. Andauernde und übermäßige Besorgnis über den Verlust von Bezugspersonen oder darüber, dass diesen etwas zustoßen könnte, etwa Krankheit, Verletzung, Unheil oder Tod. 3. Andauernde und übermäßige Besorgnis, dass ein Unglück passieren könnte (z. B. verloren gehen, entführt werden, einen Unfall haben, erkranken), welches die Trennung von einer wichtigen Bezugsperson zur Folge hat. 4. Andauernder Widerwille oder Weigerung, aus Angst vor der Trennung auszugehen, von zu Hause weg, in die Schule, zur Arbeit oder an einen anderen Ort zu gehen. 5. Andauernde und übermäßige Furcht oder Widerwillen, allein oder ohne wichtige Bezugspersonen zu Hause oder in einem anderen Umfeld zu bleiben. 6. Andauernder Widerwille oder Weigerung, auswärts zu übernachten oder ohne die Nähe einer wichtigen Bezugsperson schlafen zu gehen. 7. Wiederholt auftretende Alpträume von Trennungen. 8. Wiederholte Klagen über körperliche Beschwerden (wie z. B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen), wenn die Trennung von einer wichtigen Bezugsperson bevorsteht oder stattfindet.
  • Diagnosekriterien DSM5 (B) Die Furcht, Angst oder Vermeidung ist anhaltend, bei Kindernund Jugendlichen mindestens über 4 Wochen und bei Erwachsenen typischerweise über 6 Monate oder länger
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  • Diagnosekriterien DSM5 (C) Das Störungsbild verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen
  • Diagnosekriterien DSM5 (D) Das Störungsbild kann nicht besser durch eine andere psychische Störung erklärt werden, beispielsweise durch die Weigerung, das Haus zu verlassen - aufgrund übermäßigen Widerstands gegenüber Veränderungen (wie bei der Autismus-Spektrum Störung); - Wahn oder Halluzinationen bezüglich Trennungen (wie bei psychotischen Störungen); -Weigerung ohne eine Vertrauens person außer Haus zu gehen (wie bei Agoraphobie); - Sorgen über Gesundheitsprobleme oder anderes Unheil bei wichtigen Bezugspersonen (wie bei der Generalisierten Angststörung); - oder Befürchtungen, an einer ernsthaften Erkrankung zu leiden (wie bei einer Krankheitsangststörung)
  • Trennungshypothese der Panikstörung - Störung mit Trennungsangst steht in der Kindheit in enger Verbindung zur Panikstörung undAgoraphobie  (erhöhte WSK im Erwachsenenalter) - Schwelle zur Auslösung vom angeborenen Kontrollmechanismus zur Regulation von Trennungangst ist pathologisch niedrig -> würde erklären warum es immer wieder zu "falschem Alarm" kommt (Angst obwohl Person noch da ist.) - Kinder mit Trennungsangst haben signifikant höheres Risiko für Panikstörungen im Erwachsenenalter (oder generell einer Angststörung) - Trennungsangst = kindliche Form von Panikstörung?
  • Epidemiologie 1. Störung mit Trennungsangst tritt bei etwa 3% der Kinder auf 2. zeigt unter den Angststörungen im Kindes- und Jugendalter den frühesten Beginn (Erstauftrittsgipfel mit ca. 8 Jahren) und ist die häufigste Angststörung des Kindesalters 3. tritt vorwiegend bei Kindern vor der Pubertät auf, nimmt mit zunehmenden Alter ab 4. Trennungsangst tritt bei Mädchen und Jungen gleich häufig auf 5. Komorbidität: Ca. 1/3 Depression; 1/5 Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung oder Störung mit oppositionellem Trotzverhalten; etwa 10% Enuresis 6. Risikofaktor für Panikstörung und andere psychische Störungen des Erwachsenenalters
  • Modelle zur Ätiologie - Das integrierte behaviorale Inhibition-Attachment-Modell von Manassis und Bradley - beschäftigt sich mit Faktoren der Entstehung von Angststörungen - behavioraler Inhibition = Temperamentsmerkmal, das durch ein zurückgezogenes und scheues Verhalten in neuen, unvertrauten Situationen charakterisiert ist und mit hoher sympathischer Erregung in diesen Situationen einhergeht - nimmt an, dass die Kombination aus behavioraler Inhibition und einem unsicheren Bindungsstil zur Entstehung von Angststörungen führt - die Art der Bindung kann eine vorhandene Prädisposition für eine Angsterkrankung verstärken oder reduzieren    ➢ z.B. keine hohe behaviorale Inhibition, aber „missbrauchendes“ Elternteil  desorganisierter Bindungsstil → Entwicklung von chronisch-klinischer Angst
  • Empirische Belege zum integrierte behaviorale Inhibition-Attachment-Modell von Manassis und Bradley Behaviorale Inhibition: - Belege, dass Kinder von Eltern mit einer Angststörung häufiger eine hohe Ausprägung von behavioraler Inhibition zeigten und Kinder mit einer stabilen behavioralen Inhibition erkrankten häufiger an einer Angststörung Bindungsforschung: - Studien zeigen, dass elterliche Kontrolle und insb. ein geringes Ausmaß an »Autonomiegewährung« und exzessives »Überengagement« signifikant mit kindlicher Angst assoziiert ist - Ein unsicher/widersetzender Bindungsstil in der Kindheit verdoppelt das Risiko für eine Angststörung im Alter von 18 Jahren
  • Modelle zur Ätiologie - Das kognitive Modell von Kendall und Ronan - konzentriert sich auf die Erklärung der Aufrechterhaltung von Angststörungen im Kindesalter - 2 zentrale Elemente für die Erklärung der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen    ➢ 1. die Überaktivierung sog. Gefahrenschemata    ➢ 2. das Vorliegen kognitiver Defizite und Verzerrungen→ Die Überaktivierung führt zu einer Informationsverarbeitung bei der bedrohliche Informationen chronisch und unangemessen fokussiert werden - Es wird angenommen, dass ängstliche Kinder➢ Gefahren höher einschätzen➢ mehr katastrophisierende Gedanken berichten➢ ihre Copingmöglichkeiten unterschätzen➢ ihre Kontrollmöglichkeiten bezüglich der Gefahr unterschätzen➢ negative Selbstverbalisationen aufweisen.
  • Empirische Belege zum kognitiven Modell von Kendall und Ronan -> Empirische Unterstützung erfährt das kognitive Modell aus Arbeiten zur Untersuchung vonInterpretation-Bias, Aufmerksamkeits-Bias und Angstsensitivität bei Kindern mit hoher Trait-Angst und Kindern mit Angststörungen
  • Wie bilden sich kognitive Stile aus ? • Noch wenig Wissen darüber, wie es zur Ausbildung kognitiver Stile bzw. verzerrterInformationsverarbeitung bei Kindern kommt. Vermutungen: - Eltern oder Lehrer begünstigen ängstliche Interpretationen mehrdeutiger Situationen -> Kind lernt dadurch keine angemessenen Bewältigungsstrategien - Elterlicher Erziehungsstil, der durch ein hohes Ausmaß an Kontrolle und geringes Ausmaß anFeinfühligkeit geprägt ist (insb. Eltern, die selbst unter einer Angststörung leiden) - kognitive Stile könnten genetisch festgelegt sein, aber vermutlich eher globale Vulnerabilität -> Kinder und Jugendliche mit Angststörungen weisen eine verzerrte und fehlerhafte Informationsverarbeitung auf
  • Modell zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der Trennungsangst Ausgangspunkt: überdauernde elterliche psychische Befindlichkeit, dieneben genetischen Faktoren insbesondere die Ausprägungpsychopathologischer Symptome, allgemeiner Selbstwirksamkeitserwartung und psychischer Gesundheit umfasst und die kindliche Vulnerabilität prägt - elterliche Befindlichkeit + Vulnerabilität des Kindes bestimmen Qualität und Quantität elterlicher Kognitionen und Verhalten, denen das Kind von Geburt an ausgesetztist und auf denen aufbauend das Kind implizite und explizite Lernerfahrungen sammelt. - Kind übernimmt durch ängstliche Instruktionen und Verhaltensweisen des Elternteils dysfunktionale Kognitionen und kognitive Verzerrungen sowie vermeidende Problemlösestrategien - bei kritische normative und/oder individuelleEntwicklungs­/Lebensereignisse (z. B. Fremdeln, Kindergarteneintritt, Verlust eines Elternteils): anstehenden Trennungssituationen -> eskalieren der Angst (Aufschaukelungsprozess beginnt auf beiden Seiten) - ASP beginnt mit dysfunktionalen Gedanken Eltern/Kind -> Körperliche Symptome -> emotionale Belastung -> dysfunktionale Copingstrategien -> verschlimmern dysfunktionale Gedanken -> Aufschaukeln -> Verlassen/ Vermeiden der Situation
  • Empirische Belege Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Trennungsangst Kindern mit Trennungsangst→ nicht nur das Kind dysfunktionale Kognitionen aufweist, sondern auch die Eltern → die Eltern eine geringere Selbstwirksamkeitsüberzeugung bzgl. der eigenen Erziehungskompetenzen im Vergleich zu Eltern von Kindern mit anderen Angststörungen berichten →Eltern stärkere Fremdelreaktionen im Kleinkindalter berichten als Eltern von Kindern ohne psychische Störungen
  • Diagnostik bei Trennungsangst Die diagnostische Phase der Störung mit Trennungsangst enthält idealerweise folgende Schritte: 1. gemeinsames Erstgespräch mit Eltern und Kind zur Klärung eines allgemeinen Eindrucks undVermittlung eines Überblicks über die Therapie 2.  Differenzialdiagnostik mit Hilfe eines strukturierten Interviews, jeweils separat mit Eltern bzw. Kind 3. medizinische Differenzialdiagnostik zum Ausschluss organischer Ursachen 4. Einsatz von Fragebogen und evtl. Tagebuch 5. Problemanalyse
  • Kinder mit Trennungsangst im therapeutischen Rahmen 1. Diagnosegespräch des Kinds mit Körperkontakt zur Bezugsperson (danach Schrittweiser Abbau Abbau der Anwesenheit der Bezugsperson(en) 2. Gespräch Therapeut, Bezugsperson, Kind ohne Körperkontakt des Kindes zur Bezugsperson 3. Bezugsperson bleibt bei Gespräch im Raum, sitzt allerdings abseits 4. Bezugsperson verlässt den Raum während des Therapeutengesprächs und wartet vor der Tür
  • Differenzialdiagnose - Abgrenzung zu sozialer Phobie / Angststörung ➢ Sozialphobische Kinder haben Angst, sich zu blamieren oder etwas Peinliches zu sagen ➢ für sozialphobische Kinder verschwindet die Angst vor Bewertung nicht durch das Beisein derBezugsperson (↔ zu Kindern mit Trennungsangst)
  • Differenzialdiagnose - Abgrenzung generalisierte Angststörung ➢ Vielzahl von Sorgen und Ängsten, die sich auf verschiedene Situationen und Lebensbereichebeziehen ➢ Ängste und Sorgen von Kindern mit Trennungsangst beziehen sich überwiegend auf dieTrennung von zu Hause oder von den Hauptbezugspersonen
  • Differenzialdiagnose - Abgrenzung Störung des Sozialverhaltens ➢ Im Unterschied zu trennungsängstlichen Kindern, die zu Hause in der Nähe der Bezugspersonbleiben möchten, wollen Jugendliche mit einer Störung des Sozialverhaltens jedoch die Zeitmit Freunden verbringen oder durch die Gegend ziehen ➢ + eindeutige Verstöße gegen gesellschaftliche Regeln und Normen
  • Differenzialdiagnose - Abgrenzung Agoraphobie / Panikstörung ➢ Angst des trennungsängstlichen Kindes bezieht sich auf die Trennung von der Bezugspersonoder von zu Hause ➢ die Befürchtung im Rahmen einer Panikstörung bezieht sich auf das Auftreten einesPanikanfalls und seiner Folgen + die Panikanfälle entstehen aus heiterem Himmel und nichtaufgrund von drohenden Trennungssituationen
  • Schulverweigerung = Trennungsangst? ➢ ca. 9 % aller schulpflichtigen Kinder verweigern den Schulbesuch ➢ Schulverweigerung ist keine Diagnose nach ICD-10 oder DSM-5! ➢ Schulverweigerung= Kinder, die aufgrund emotionaler Belastung, insbesondere Angst undDepression, Schwierigkeiten haben, die Schule aufzusuchen ➢ 50% der Schulverweigerer im Alter von 13-15 J. erfüllte nicht die Kriterien für eine psychischeStörung, 1/3 litt unter einer expansiven Verhaltensstörung, 1/5 hatte Angst oder depressiveStörung ➢ die Trennungsangst tritt unter den Angststörungen am häufigsten in Verbindung mitSchulverweigerung auf → Schulverweigerung ≠ Trennungsangst; aber umgekehrt verweigern 2/3 der Kinder mit einerStörung mit Trennungsangst den Schulbesuch
  • Fragebögen bei Trennungsangst - TAI Trennungsangstinventar TAI     ➢ erfasst den Schweregrad des Vermeidungsverhaltens     ➢ Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrument     ➢ 5-16 Jahre, bestehend aus je 16 Items (Kinder/Elternversion), 5 stufige Likertskala     ➢ interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) .70-.87 -> gut bis sehr gut
  • Fragebögen bei Trennungsangst - CASI »Childhood Anxiety Sensitivity Index« CASI (deutsch: KASI) ➢ für Diagnostik der Angstsensitivität bei Kindern und Jugendlichen zwischen 8–17 Jahren ➢ 17 Items, 3stufige Ratingskala ➢ interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) .97 -> hoch
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  • Fragebögen bei Trennungsangst - B-BAT - Basler Bilder-Angst-Test ➢ bildbasiertes Instrument zur dimensionalen Erfassung von Ängstlichkeit und Vermeidung beiKindern zwischen 4 und 8 Jahren ➢ 21 Zeichungen mit Kind in potentiell angstauslösenden Situation -> für mehr Altersgruppen geeignet, da lesen nicht erfoderlich ist ➢ behandelt zentrale Elemente der spezifischen Phobie, sozialen Phobie, Störung mit Trennungsangst und GAS
  • Familiendiagnostik bei Trennungsangst - Ausmaß der elterlichen Angst scheint große Rolle zu spielen → Vorliegen elterlicher Angst, der Umgang der Eltern mit den gegebenenfalls vorliegenden eigenen Angstsymptomen sowie mit denen des Kindes sollte geklärt werden → Erfassung von Merkmalen der Familien von Kindern mit einer Störung mit Trennungsangst -> Tests: FIT und FAST, SFB
  • Verhaltensbeobachtungen bei Trennungsangst - geben Aufschluss über die aufrechterhaltenden Bedingungen der Trennungsangst und erlauben eine Validierung der von dem Kind und den Eltern berichteten Verhaltensauffälligkeiten - Z.B. Trennungssituationen beobachten
  • Therapeutisches Vorgehen bei Trennungsangst • Heute: nicht nur Umkonditionierung angstauslösender Reize und Löschung der Angstreaktion, sondern auch Betrachtung von kognitiven Gesichtspunkten der Angst (z.B. Befürchtungen und Bewertungen des Kindes). → Ziel: Stärkung der Autonomie und Selbstwirksamkeitsüberzeugung des Kindes • Einige neue verhaltenstherapeutische Programme: beziehen Eltern signifikant in die Behandlung des Kindes mit ein (z.B. Erziehungsstil ändern, angemessene Reaktion auf Angst des Kindes lernen, Kommunikations- und Problemlösefähigkeiten trainieren)
  • Therapeutisches Vorgehen - Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (allegemein) - Das TAFF­Programm setzt sich aus 4 Sitzungen mit dem Kind alleine, 4 Sitzungen mit den Eltern alleine und 8 Sitzungen gemeinsam mit Kind und Eltern zusammen - großer Wert auf kindgerechter Therapie - Grundlage: Eltern sollen Erziehungsstil reflektieren + ggf. verändern -> sollen sich überlegen wie sie adäquater reagieren können  in Angstsituationen des Kinds
  • Therapeutisches Vorgehen - Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (1. Phase - Kind) 4 Sitzungen Kind alleine ➢ Psychoedukation    o Aufklärungen über normale und pathologische Angst    o Erklärung der 3 Komponenten, der Ätiologie und Aufrechterhaltung der Angst ➢ Entwicklung von TAFF-Gedanken      o Kind lernt, seine »Panikgedanken«, die die Angst in Trennungssituationen verstärken,         zu identifizieren und zu korrigieren      o Ziel: pos. und realistische Gedanken zur Bewältigung der Angst aufzubauen bzw. zu         stärken ➢ Vorbereitung auf die Konfrontation      o 1. Schritt: Individuelle Habituationserfahrungen des Kindes explorieren             » Gemeinsam herausarbeiten, dass Übung den Meister macht      o 2. Schritt: Übertragung von Übungserfahrungen auf die Trennungsangst des             Kindes/Herausarbeiten von Vermeidungsverhalten als Angstverstärker             » Kind vermitteln, dass man auch die Angstbewältigung üben kann       o 3. Schritt: Der Angst ins Gesicht schauen, um die Angst dauerhaft zu besiegen       » Angst kann man nur bewältigen, wenn man regelmäßig übt, ihr zu begegnen
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (2. Phase - Eltern) 4 Sitzungen Eltern alleine ➢ Psychoedukation/Trennung als Entwicklungsaufgabe    o Info über Störungsbild der Trennungsangst    o Ausbildung von Angststörungen kann als Folge einer nicht bewältigten       Entwicklungsaufgabe verstanden werden ➢ Bearbeitung dysfunktionaler Gedanken der Eltern    o dysfunktionalen Gedanken sind Annahmen u. Befürchtungen, die die Eltern daran       hindern, das Kind in der Auseinandersetzung mit seiner unangemessenen Angst zu       unterstützen und es in seiner Autonomieentwicklung behindern → diese auf ihren       Realitätsgehalt überprüfen und alternative Gedanken erarbeiten ➢ Vorbereitung auf die Konfrontation     o Angstverlaufskurven: zeigen, dass Angst kontinuierlich abnimmt, je häufiger die        angstauslösende Situation geübt wird     o Möglichkeiten für einen hilfreichen Umgang mit der Trennungsangst erarbeiten
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (3. Phase -Eltern/Kind) ➢ Angsthierarchie gemeinsam erstellen und jeweils konkrete Übungen finden und einenVerstärkerplan aufstellen (Verstärker muss individuell für jedes Kind passend ausgewähltwerden, sofort und konsequent nach dem erwünschten Verhalten erfolgen und immer auf dieGröße des Fortschritts angepasst werden) ➢ Vorgehen bei Konfrontation in vivo:    o Ziel: Kind u. Eltern die Erfahrung vermitteln, dass angstauslösende Situationen       ertragen werden können, ohne dass die befürchteten unangenehmen Folgen       eintreten    o Konfrontationsübungen häufig und in kurzen Abständen, bei mittlerer bis starker       Angststufe beginnen; Verbleiben in Situation, bis die Habituation eintritt
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (3. Phase -Eltern/Kind) - Coaching Eltern o Kontinuierlich wird mit den Eltern erarbeitet wie sie ihr Kind im Umgang mit der Angst   unterstützen und den Aufbau der Selbstständigkeit des Kindes fördern können o Arbeit an elterlichen Metabotschaften (z. B. durch Überbehütung wird dem Kind   vermittelt, dass die Eltern ihm nichts zutrauen) und dysfunktionalen Gedanken der   Eltern bezüglich Trennung o In Rollenspielen lernen Eltern, wie sie mit der Angst des Kindes umgehen können
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (3. Phase -Eltern/Kind) - Abbau inadäquaten Elternverhaltens in den vom Kind gefürchteten Situationen o Verhalten der Eltern in den für das Kind angstauslösenden Situationen besprechen o Eltern genaue Verhaltensregeln vorgeben und diese mit ihnen einüben
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (3. Phase -Eltern/Kind) - Erziehungskompetenzen - Erlernung Konzept des autoritativen Erziehungsstils ein → durch hohe Wertschätzung und klare Regeln und Grenzen definiert
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (3.Phase Eltern/Kind) - Abbau von überbehütendem Verhalten der Eltern/Förderung der Autonomie des Kindes  - überbehütenden Erziehungsstil aufzeigen -> Ermutigung, Kind mehr Eigenverantwortung zu lassen  = Förderung der Selbstständigkeit
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (3. Phase Eltern/Kind) - Einbezug des Kindergartens/der Schule o Aufklärung der Lehrer/Erziehungsperson und ggf. Mitschüler über Angstsymptomatik   des Kindes o Unterstützung der Konfrontationstherapie durch Lehrer/Erziehungsperson und ggf.   Mitschüler
  • Trennungsangstprogramm für Familien (TAFF) (3. Phase Eltern/Kind) - Rückfallprophylaxe o Ende: Kind und Eltern sollen aufschreiben/auf Band zu sprechen, was für sie die   Hauptbotschaft der Therapie war und was sie in der Therapie gelernt haben o Zur Vorbereitung auf mögliche Rückschläge geht der Therapeut mit der Familie ein   »Worst-Case-Szenario« durch und prüft den Transfer der gelernten Fertigkeiten auf   eine solche Situation
  • Instruktionen an Eltern bei Schulvermeidung des Kindes mit Trennungsangst → Auf die körperlichen Symptome am Morgen wird nicht näher eingegangen. → Den Symptomen wird sachlich und unaufgeregt begegnet und es wird, falls überhaupt nötig, ein Arzttermin nach der Schule vereinbart. → Das Kind wird aufgefordert, zur Schule zu gehen und ggf. von einem Elternteil bis zur Schule gebracht. Nachdem das Kind in der Schule ist, verlässt der Elternteil sofort die Schule. → Geht das Kind nicht zur Schule, verbleibt es in seinem Zimmer, ohne dabei jedoch fernzusehen oder andere angenehme Tätigkeiten zu verüben. → Das Kind wird nach dem Schulbesuch für das Aufsuchen der Schule explizit gelobt, unabhängig davon, wie oft das Kind erbrochen, geschrien oder versucht hat, die Schule zu verlassen. → Am Nachmittag, Abend oder Wochenende wird möglichst nicht über den Schulbesuch diskutiert. Lediglich am Sonntagabend kann darauf hingewiesen werden, dass das Kind am nächsten Tag wieder zur Schule geht
  • Empirische Belege verhaltenstherapeutischer Intervention -> nachgewiesen, Remissionsrate zw. 56%-69% -> Effektstärke nach der Therapie von 0,66 -> Langzeitstabilität des Therapieerfolgs bis zu 7 Jahre nach Therapie
  • Empirische Belege - TAFF - Therapieerfolg in 2 Studien nachweisbar 1. Studie: nach 4 Wochen: 76% der Kinder erfüllten Kriterien für Trennungsangst nicht mehr 2. Studie: 8-13 jährige: Vergleich Coping-Cat mit TAFF, Coping Cat bezieht Eltern nicht mit ein -> ähnliche große Effekte beider Behandlungsprogramme - Angstbehandlung des Kindes hat nicht nur positive Effekte auf das Kind, sondern auch auf die Mutter des Kindes -> transgenerationale Effekte von Psychotherapie, die weiterer Forschung bedürfen