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Klinische Psychologie (Kinder) (Subject) / Einführung (Vorlesung) (Lesson)
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- Was ist klinische Psychologie ? „...ist die Teildisziplin der Psychologie, die sich mit psychischen Störungenund den psychischen Aspekten somatischer Störungen undKrankheiten in der Forschung, Diagnostik und Therapie beschäftigt...“
- Definition psyische Störung Wenn das Verhalten/Erleben eines Kindes oder Jugendlichen unter Berücksichtigungverschiedener Faktoren (z.B. Alter) abnormal ist, überdauernd ist und zu einerBeeinträchtigung führt (z.B. persönliches Leiden, soziale Einengung, Behinderungder normalen Entwicklung)
- Was bedeutet Prävalenz? Prävalenz = Häufigkeit „aktiver“ Fäller– Lebenszeit, Punkt, 12 Monate
- was bedeutet Inzidenz? Anzahl neuer Fälle(Neuerkrankungen) in einem bestimmtenZeitraum
- Erstauftreten psychischer Störungen -> Hälfte aller Lebenszeitdiagnosen beginnen vor 14. Lebensjahr - 7. Jahr: Trennungsangst / ADHS / SpePh - 11. Jahr: Angststörungen - 13. Jahr: Soziale Angst - 20. Jahr: Störung durch Substanzmissbrauch - 30. Jahr: Affektive Störungen
- Inanspruchnahme Nur 20% der Kinder und Jugendlichen mit Hinweisen auf psychische Auffälligkeitenhatten einmal Kontakt mit Fachversorgern(Psychologe, Psychiater,Psychotherapeut) – Keine sign. Geschlechterunterschiede– ADHS wird signifikant häufiger behandelt als Depressionen und Ängste
- Ziele von Prävention • Reduktion der Inzidenz • Reduktion der Prävalenz zu einem bestimmten Zeitpunkt • Reduktion der Inzidenz anderer Störungen • Reduktion der Prävalenz • Beeinflussung Inanspruchnahmeverhalten
- Welche Formen der Prävention gibt es laut Gordon? 1. Universelle Prävention: Ganze Bevölkerung, ohne professionelle Hilfe 2. Selektive Prävention: Subgruppe mit erhöhtem Risiko 3. Indikative Prävention: Indiviuen mit individ. diagnistizierbaren Risikofaktoren 4. Therapie/Behandlung 5. Rehabilitation
- Welche weiteren Formen von Prävention gibt es laut Caplan? 1. Primäre Prävention -> Reduktion der Inzidenz, zielt auf Risikofaktoren, keine Krankheit 2. Sekundäre Prävention -> Reduktion der Prävalenz, Behandlung der Krankheit im Frühstadium 3. Tertiäre Prävention -> Rehabilitation und Rückfallprophylaxe
- Welche Unterschiedungen gibt es noch im Bezug auf Prävention? - Systemorientierte Prävention -> Verhältnispräventiv, ökologische: zielt auf das psychosoziale Milieu - Personenorientierte Prävention -> Verhaltensprävention: zielt auf das Individuum
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- Prävention gemäß Zielgruppen - Universell: Gesamtbevölkerung - Selektiv: Zielgruppenspezifische Prävention - Indiziert: Zielgruppenspezifische Prävention
- Veränderbare Risikofaktoren: Ausblick Prävention • Paartherapie/Eltern-Variablen:– Elterliche psychische Störungen– Partnerschaftskonflikte • Eltern-Kind-Variablen:– Insistentes Erziehungsverhalten • Kind-Variablen:– Soziale Kompetenzen– Emotionale Kompetenzen/Impulskontrolle
- Definition Psychotherapie PT: bewusster und geplanter interaktionaler Prozess-> zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsensus (Pat, Th,Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal, aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptomminimalisierung) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie desnormalen und pathologischen Verhaltens. In der Regel ist dazu eine tragfähige Bindung notwendig
- Phasen psychologischer Interventionsforschung 1. Legitimationsphase: Ist Psychotherapie generell wirksam? 2. Wettbewerbsphase: Welche Form der Psychotherapie ist besser? 3. Verschreibungsphase: Welche Form der Psychotherapie ist bei wem(unter welchen Umständen) indiziert?• Störungsspezifität• Wirksamkeit geprüft 4. Prozessforschungsphase zur grundlegenden Frage: auf welche Weisewirkt Psychotherapie?
- Verhaltenstherapie: Grundprinzipien • Problemorientierung• Zielorientierung• Handlungsorientierung• Transparenz• Hilfe zur Selbsthilfe• Überschreiten des therapeutischen Settings• Empirisch fundierte Weiterentwicklung
- VT im Kindes- und Jugendalter • Keine konzeptuelle Unterscheidung imtherapeutischen Vorgehen (z.B. Exposition) mit Kindern, Jugendlichen undErwachsenen– Unterschied: wie das Verfahren vermittelt und umgesetzt wird • Setting: Einbezug Eltern; Zusammenarbeit Schule, Jugendhilfe usw. • Berücksichtigung Entwicklungspsychologie usw
- Definition: Entwicklungspsychopathologie • Lehre von psychischen Störungen und Interventionen unter dem Aspekt der kognitiven, emotionalen, biologischen und interpersonellen Entwicklungsphasen einer Person • Die Entwicklungspsychopathologie umfasst das Wissen umdie altersbedingte Ausgestaltung psychischer Störungen
- Aufgaben der Entwicklungspsychopathologie • Suche nach biologischen, psychischen undsozialen Ursachen von Verhalten • Untersuchung von Kontinuität und Diskontinuität– Heterotypische Kontinuität– Homotypische Kontinuität • Prädiktoren • Untersuchung von Risiko- und Schutzfaktoren • Untersuchung von Vulnerabilität und Resilienz
- Sensible Phasen • Lebensabschnitt mit erhöhter Bereitschaft, bestimmte Verhaltensweisen, Fertigkeiten,Fähigkeiten zu erwerben • Zeitfenster, in den spezifische Erfahrungen besondere Wirkung haben, d.h. Neuesbesonders schnell gelernt werden kann
- Definition von Entwicklungsaufgaben Entwicklungsaufgaben sind Anforderungen,die eine Person in einem bestimmtenLebensabschnitt zu bewältigen hat
- Entwicklungsaufgaben - aufgabenspezifische Störungsquellen: Frühe Kindheit 0-3 Entwicklungsaufgabe: - Adaption an Schlaf-Ess-Rhythmus;Bindungs- und Sprachaufbau; aufrechter Gang; Kontrolle der Ausscheidungsorgane Soziale Störungsquelle: - Gestörte Mutter-, oder Mutter substitut-Kind-Interaktion;Diskontinuitäten der Interaktion (Trennungserlebnisse); zu wenig Interaktion
- Entwicklungsaufgaben - aufgabenspezifische Störungsquellen: Vorschule/ Schule 3-12 Entwicklungsaufgabe: Autonomie; soziale Anpassung;Leistungsorientierung; Erwerb der Kulturtechniken; Aufbau der Geschlechtsrollen Aufgabentypische Soziale Störungsquellen: Stark lenkende u. bestrafende Eltern; über- o. unterfordernde erzieherische Umgebung;Misserfolg im Leistungsbereich;desorganisierte oder überorganisierte Familie
- Entwicklungsaufgaben aufgabenspezifische Störungsquellen: Voradoleszenz/ Adoleszenz 12-18 Entwicklungsaufgabe: Identitätsfindung; Adaptation an sexuelle Reifung; sexuelle Identitätsfindung; Ablösung vom Elternhaus Aufgabentypische Soziale Störungsquellen: desorganisierte oder überorganisierte Familie;Tabuisierung der Sexualität;unangemessene Modelle;Autonomiehemmende familiäre Bedingungen
- Entwicklungsaufgaben aufgabenspezifische Störungsquellen: Junges Erwachsenenalter Entwicklungsaufgabe: Berufliche Ausbildung abschliessen u. berufliche Identitätsfindung;Partnerfindung u. oft Familiengründung; Erziehung Aufgabentypische soziale Störungsquellen: Misserfolge im Leistungsbereich;schlechte Arbeitsplatzbedingungen
- Entwicklungsaufgaben aufgabenspezifische Störungsquellen: Mittleres Erwachsenenalter Entwicklungsaufgabe: Entlassen der Kinder aus dem Elternhaus; Weiterentwicklung derPartnerbeziehung; berufliche Konsolidierung Aufgabentypische soziale Störungsquellen: Soziales Ressourcendefizit
- Entwicklungsaufgaben aufgabenspezifische Störungsquellen: Höheres Erwachsenenalter Entwicklungsaufgabe: Abschluss des Berufslebens; neue soziale Rollen; Schwächung der physischen Funktions-tüchtigkeit;Adaptation an Partnerverlust Aufgabentypische soziale Störungsquellen: Starre Pensionierungsbedingungen;Kontroll- u. Verstärkerverlust durch Pensionierung und Alter
- Was sind Risikofaktoren? Risikofaktoren sind Einflussgrößen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es zueiner Entwicklungsabweichung kommt, die eine Störung begünstigt.– Risikofaktor nicht gleich Ursache!
- Was ist Vulnerabilität? („Verwundbarkeit“): Besondere Bereitschaft/Empfindlichkeit Krankheit zuentwickeln – Primäre Vulnerabilität– Sekundäre Vulnerabilität
- Was versteht man unter Ressourcen? alle Formen von Potenzialen, die einem Individuum zur Verfügung stehenund bei der Entwicklung unterstützen – Schutzfaktoren– Kompensationsfaktoren
- Risikofaktoren im Entwicklungsverlauf Biologische Faktoren• Genetische Vulnerabilität• Temperament Soziale Faktoren• Belastende Lebensereignisse• Psychopathologie der Eltern• Abnorme Erziehungsbedingungen Familiäre Risikofaktoren• Kritik, Kontrolle, wenig Feinfühligkeit und Wärme• Invalidierendes Verhalten• Defizite Emotionsregulation
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- Schutzfaktoren im Entwicklungsverlauf Individuelle Faktoren• Intelligenz• soziales Interesse• soziale Kompetenz• Selbstvertrauen• Autonomie Soziale Faktoren• Soziales Netz• Emotionale Unterstützung inner- und außerhalb der Familie• Integrationsfähigkeit• Schule Familiäre Faktoren• Sichere Bindung• Elterliche Wärme, Grenzen• Akzeptierendes Erziehungsverhalten
- Isle-of-Wight-Study (Rutter, 1989) Mit zunehmender Anzahl von Risikofaktoren steigtWahrscheinlichkeit einer abweichenden Entwicklung • Kein - 1 Risikofaktor: 2% Wahrscheinlichkeit• 2 - 3 Risikofaktoren: 6% Wahrscheinlichkeit• ≥ 4 Risikofaktoren: 20% Wahrscheinlichkeit• Zeitpunkt des Auftretens entscheidend für Entwicklungsverlauf– Derselbe Faktor zu unterschiedlichen Zeitpunktenkann schützende aber auch negative Wirkung haben
- Das Resilienzkonzept Risiko-Kinder, die sich trotz massiver multiplenBelastungen zu „normalen“, kompetenten undstörungsfreien Personen entwickelten = „invulnerabel“
- Erklärungsansätze für die Entwicklung psychischer Störungen Wirkungsebene • Biologisch• Sozial• Psychisch Wirkung im Störungsverlauf-Entstehung-Auslösend-Aufrechterhaltung-Rückfall Wirkung nach Entwicklungsabschnitt-Pränatal-Perinatal-postnatal
- Risikofaktoren in der pränatalen Entwicklung • Genetische Defekte– Trisomie 21: schwerwiegende physische undpsychische Beeinträchtigungen • Teratogene– Alkohol, Drogen, Rauchen, Medikamente,Umweltgifte
- Perinatale Risikofaktoren • Frühgeburt– Mit medizin. Komplikationen: Lernstörungen, Verhaltensprobleme • Geburtskomplikationen– Sauerstoffunterversorgung• Hinweis aus APGAR Werten
- APGAR Werte Einschätzung des Neugeborenen nach 1.,5. und 10. Minuten nach der Geburt. Je 2 Punkte.– A= Atmung– P = Puls– G = Grundtonus– A = Aussehen– R = Reflexe
- Postnatale Risikofaktoren • Frühkindliche Regulationsfähigkeit– Frühkindliche Störungen (Schlafen, Schreien, Füttern)– Temperament: schwierig, langsam auftauend, Verhaltenshemmung • Bindung– Bindungstypen: unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent,desorganisiert- desorientiert • Eltern…
- Kindliche Selbstregulation • Dunedin Langzeitstudie• Alter 3-11 Jahre: hohe Selbstregulation,Konzentrationsfähigkeit, geringeImpulsivität• Sagt nach 32 Jahren: bessere körperlicheGesundheit, weniger Abhängigkeit voraus
- Prävalenzraten psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter 12-Monatsprävalenz psychischer Störungen imKindes- und Jugendalter: 22%
- Wenn eine Diagnose vorliegt (Lebenszeitprävalenz?) • NCS-A: 40% • Bremer Jugendstudie: 51% von Kindernmit Angststörungen (Essau, 2003) • Bei 6-jährigen: 30% hatten mehrereDiagnosen