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PR (Subject) / Geschichte (Lesson)

KW Hauptfach

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  • Entwicklung deutscher PR-Historiografie Historische PR-Forschung der 1990er Jahre basierte in hohem Maße auf Fallstudien Seither: Entwicklung hin zu modell- und theoriegeleiteten Forschungsfragen Entwicklung und Ausdifferenzierung der Organisationsgesellschaft gilt als Anfang und Entwicklungsbedingung von beruflicher PR-Arbeit PR ist...eine Form (1)organisierter, (2)organisationaler, (3)öffentlicher Kommunikation (drei Bedingungen gleichzeitig!) Entwicklung der PR-Arbeit: - ist an Entwicklung der öffentlichen Kommunikation ausgerichtet Setzt PR eine demokratische Gesellschaftsstruktur voraus?Gründungslegende: PR = amerikanisches Phänomen (deutsche PR-Entwicklungsgeschichte setzt erst nach 1945 ein) Fakt: PR Entwicklung in Deutschland erfolgt unabhängig von der in USA
  • Entwicklung deutscher PR-Historiografie: Übersicht (1) PR-Vorgeschichte bis Wiener Kongress (1814/15) (2) PR-Frühgeschichte (1815-1929) [Entstehung eines ‚Berufsfeldes‘] [Zäsur zwischen Frühformen und eigentlicher PR-Geschichte schwierig] (3) Zwischen Demokratie und Diktatur (1929-1936) (4) NS-Pressearbeit und Propaganda (1933-1945) (5) Entwicklung des ‚Berufsfeldes‘ ab 1945 (6) Sozialistische Öffentlichkeitsarbeit in der DDR
  • PR-Vorgeschichte (bis Wiener Kongress 1814/1815): PR-ähnliche Aktivitäten - PR-adäquate Funktionalisierungen von Kommunikationsarbeit- PR-ähnliche Maßnahmen, die gleiche Ziele wie PR verfolgten, aber i.d.R. keine systematisierte Kommunikationsarbeit Andere frühere Beispiele:- Geplante Kommunikation von Stammes- und agrarischen Feudalgesellschaften - Imperiale PR antiker Reiche in Ägypten, Babylon usw. - Religionsstifter wie Moses, Lao-Tse, Kund-Fu-Tse oder Buddha - Handelshaus Fugger - Goethes` Auftragsdichtung zur Begrüßung der österr. Kaiserin in Karlsbad
  • PR-Frühgeschichte (1815-1929): Entstehung des Berufsfelds Wiener Kongress, Industrialisierung, gesellschaftliche Umverteilung von Macht- und Einflussstrukturen Zunehmende Verbreitung und Verfügbarkeit von Medien, Veränderung von Öffentlichkeit - Organisationsfunktionale Ausdifferenzierung von PR - Entstehung des Berufsfelds
  • PR-Frühgeschichte (1815-1929): Politische Kommunikationsarbeit des Preußischen Staates 1807: Rigaer Denkschrift (Karl August Fürst von Hardenberg und Karl Freiherr von Stein zum Altenstein) 1816: „Literarisches Büro“ des preußischen Staats als Vorläufer späterer Pressestelle 1841: Ministeriales Pressebüro 1850: Centralpreßbüreau (CPD) - Auf Informations- und Meinungswettbewerb gerichtet- Beginn staatlicher und später regierungsamtlicher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit- Arbeit des CPD als Vorbild für erste industrielle Pressestellen
  • PR-Frühgeschichte (1815-1929): Frühe PR-Arbeit in der Wirtschaft (Beispiel Krupp) - Zunehmende Industrialisierung und zunehmender Wettbewerb - Ängste und Widerstände gegen neue Produkte und Technologien - die Notwendigkeit der Fremdkapitalbeschaffung der AGs -> Öffentliche Auseinandersetzung mit Unternehmen und Interessenvertretung über Medien Krupp Stahlblock auf der ersten internationalen Industrie- und Kunstausstellung (Vorläuferin der „Weltausstellung“) in London 1851   1851: Krupp Stahlblock auf Londoner Weltausstellung1866: Krupp fordert eine gezielte Pressearbeit in Sachen Wirtschaftsberichterstattung1893: Krupp-Nachrichtenbüro
  • PR-Frühgeschichte (1815-1929): Frühe PR-Arbeit in der Wirtschaft (Beispiel AEG, Siemens) - Imagepolitik der Elektroindustrie (AEG, Siemens) für das neue Produkt „elektrischer Strom“- 1886: AEG Musterwohnung in Berlin- 1899: Siemens stellt Pressereferenten ein- 1902: Siemens gründet Zentralstelle für das Pressewesen- 1914: Siemensstadt in Berlin
  • PR-Frühgeschichte (1815-1929): Frühe amerikanische Einflüsse durch Ivy Lee (1877-1934) - Eröffnete 1904 die dritte PR-Firma der USA (Parker & Lee) Edward L. Bernays (1891-1995) - Vater der Public Relations“
  • Zwischen Demokratie und Diktatur (1929-1936): NS-Propaganda (1933-1945) Kommunale Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland - 1906: erste kommunale Pressestelle in Magdeburg - Bis 1926: 83 kommunale Nachrichtenämter zwischen Aachen und Trier - 1930er Jahre: jede größere Gemeinde verfügt über Nachrichtenamt Unternehmerische Öffentlichkeitsarbeit schrittweise verändert seit - 1933 (möglicherweise änderten sich Kommunikationsmodi sogar erst mit Beginn des 2. WK) 1933 -1945: NS-Pressearbeit und Propaganda - Parteiideologisch dominierte Pressearbeit im Rahmen politischer Propaganda- Totale staatliche & parteiliche Lenkung der öffentlichen Kommunikation (Journalismus, Mediensystem & nicht staatl. Pressearbeit)
  • Entwicklung des Berufsfeldes ab 1945: Berufsständische Entwicklung Mitte der 1950er Jahre informelle Zirkel von PR-Leuten im rheinischen und Hamburger Raum - 1958: Gründung eines Berufsverbands, der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) mit Carl Hundhausen an der Spitze - 1961: Oeckl übernimmt Vorsitz -> inhaltliche Institutionalisierung des Verbands - Abgrenzung gegenüber Propaganda als NS-Phänomen & gegenüber Werbung und Marketing - 1964: Oeckl veröffentlicht „Handbuch der Public Relations“ - 1964: „Grundsätze der DPRG“ (Verhaltensregeln für Praktiker) - 1980er Jahre: Profilierung als eigenständiger Berufsstand (Führungsaufgabe)
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  • Entwicklung des Berufsfeldes ab 1945: Weitere Berufsverbände 1974: Gründung Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) 2003: Berufsverband deutscher Pressesprecher (BdP)  DPRG verliert Brancheneinfluss ab ca. 1990 [2014: 2.700 Mitglieder]  Fachausschuss Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Journalistenverbandes (djv) [2014: 3.700 Mitglieder] 
  • Entwicklung des Berufsfeldes ab 1945: Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit PR: - Nachkriegszeit: PR-Diskurs auf einzelne Abschlussarbeiten beschränkt - Bis in die 1970er Jahre: Auseinandersetzung v.a. mit publizistischen Fragen von PR, z.B. Werkszeitschriften - 1977: Ronnebergers Essay „Legitimation durch Information“ als Beginn systematischer wissenschaftlicher Beschäftigung mit PR - 1992: „Theorie der Public Relations. Ein Entwurf“ von Franz Ronneberger & Manfred Rühl (gesellschaftsorientierter Ansatz)
  • Entwicklung des Berufsfeldes ab 1945: Periodisierung nach Bentele (1997) 1945-58: Neubeginn & Aufschwung 1958-85: Konsolidierung des Berufsfeldes Seit 1985: Boom und Professionalisierung
  • Entwicklung des Berufsfeldes ab 1945: Fünf-Phasen-Modell nach Szyszka Identitätssuche: Konzeptualisierung (51-60): - Extern: Zeitgeschichte - Etablierung einer neuen Gesellsch./Wirtschaftsordnung - Intern: PR-Diskurs mit 2 Diskurslinien führt zu erster Koorientierung / Herausbildung erster berufsständischer Strukturen Fremd-Positionierung (61-72): - Extern: Zeit-/Wirtschadtsgeschichte - Wandel von Nachfrage- zu Angebotsmärkten schafft Publizitätsnachfrage - Intern: Renaissance von Produkt-Publizität/Produkt-PR; Integration von PR-Arbeit ins Marketing Moderne Entwicklung: Re-Positionierung (73-83) - E: Mediensystem - Wiirtschaftskritische Medien / zunehmende Empörung und skandalisierung - I: Kleiner Expansionsschub / unternehmenspoli. Fu ktion (Umgang mit Akzeptanz) rückt neben absatzpol. Funktionen Expansion (84 -2004) - E: MEdiensystem - Privatisierung des Rundfunks leitet Expansion klass. Massenmedien ein - I: großer Expansionsschub / PR-Arbeit bei allen gesellschaftl. Organisationstypen / Koordinations./Integrationsbedarf Ausdifferenzierung (seit 2005):  - E: Mediensystem - Internet verändert Mediensystem und öffentliche Kommunikation - I: Zunehmender unternehmenspol. Stellenwert / Suche nach einem Operationsmodus für die neue Öffentlichkeit
  • Sozialistische Öffentlichkeitsarbeit in der DDR: Akteure und Strukturen staatlicher Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda - Individuelle PR-Akteure arbeiten in Kommunikationsabteilungen (z.B. Pressestellen) von Einzelorganisationen nach bestimmten politischen Richtlinien und Regeln - Presseamt beim Ministerpräsidenten der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik (Presseamt der DDR): Lizenzvergabe für alle Presseerzeugnisse der DDR, Koordination der Öffentlichkeitsarbeit der Ministerien, Erstellung von Informationsmedien, Organisation von Pressekonferenzen und -reisen, kommunikative Umweltbeobachtung. Registrierung dienstlich benötigter westlicher Medien und „Zensur“ der Partei und Kirchenzeitungen - Kommunale Öffentlichkeitsarbeit
  • Sozialistische Öffentlichkeitsarbeit in der DDR: Öffentlichkeitsarbeit in der DDR-Industrie und in anderen gesellschaftlichen Bereichen: - Ca. 3.000 PR-Beschäftigte in Abteilungen der Industrieproduktion, bei Massenorganisationen (Sportbund, Gewerkschaftsbund etc.), der Auslandsinformation (z.B. Leipziger Messe), in den Bereichen Kultur, Sport, und Hochschulen - Selbstverständnis aller Öffentlichkeitsarbeit: politisch-propagandistisch Informationsfunktion und Mobilisierungsfunktion (auf Basis der Parteiideologie) - PR als Dialog nicht möglich, sondern nur „Propaganda/Publicity“ und „Information“ - „Probleme“ der PR dieselben wie im Westen/wie in Demokratie: hierarchische Anbindung, Verhältnis zu Medien, Schwierigkeiten der Wirkungskontrolle, Qualität etc.