29
RAAP Klinische Psychologie (Subject) / 3 Ätiologie & Forschungsmethoden (Lesson)
Wie entstehen psych Stör?
Forschungsansätze in der klin Psych;
Risikofaktoren f psych Stör;
Paradigmen in der klin Psych
This lesson was created by PsychologieSemester6.
Advertisement
- Was besagt das Kausalitätsproblem im Rahmen der Entstehung psychischer Störungen? Kausalitätsproblem: 1) die Ursache kovariiert mit der Wirkung 2) die Ursache geht zeitlich der Wirkung voraus,3) der Zusmmenhang zw Ursache und Wirkung besteht nicht nur aufgrund des Einflusses von weiteren Faktoren
- Medizinisches Krankheitsmodell vs. Bio-psycho-soziales Störungsmodell Medizinisches Krankheitsmodell greift zu kurz, da• Kausalität ist schwer nachweisbar• Ursprüngliche Ursachen ≠ aufrechterhaltenden Faktoren und therapeutischen Ansatzpunkten Bio-psycho-soziales Störungsmodell• multifaktorielles Geschehen: biologische, psychologische und soziale Faktoren • probabilistische statt deterministische Zusammenhänge (muss nicht unbedingt heißen, dass man erkrankt)• Diathese-Stress-(Bewältigungs-)Modell: - Belastungen führen im Zusammenhang mit Vulnerabilitäten zu verschiedenen Störungen - Vulnerabilitäten (Anfälligkeit): Gene, Lernprozesse, Persönlichkeit - Bewältigungsmöglichkeiten (zB Freunde etc)
- Was sind Grundaussagen des Diathese-Stress-Modells? Diathese-Stress-Modell• Diathese = genetisch und/oder umgebungsbedingte erhöhte Anfälligkeit (Vulnerabilität) gegenüber Umweltstressoren, die das Risiko für eine psychische Störung steigert• macht keine Aussagen darüber, wie sich Störungen entwickeln, sondern beschreibt lediglich die Bezihung zw einem früh auftretenden Merkmal und einer Folgestörung • weist Veranlagung eine prädispositionierende Bedeutung zu• weist Umwelt eine für die Entwicklung d ZNS schädigende Wirkung zu--> Sind die Belastungen (Disposition und Stressoren) zu groß und überschreiten sie eine gewisse "Schwelle", kommt es zur Symptomausbildung
- Vulnerabilitäts-Stress-Modell: Grafik? s. Folie 7 od Lehrbuch S. 21
- Was sind Merkmale der 2 versch Untersuchungsansätze "Querschnittsstudie" & "Prospektive Längsschnittstudie"? Querschnittsstudie• einmalige Untersuhung einer definierten Population (Population m einem bestimmten Risikofakor - zB geografisch, Kohorte, soziale Schicht)• diagnostische Fragestellungen • Erfassung psychopathologischer Merkmale auf versch Ebenen (zB neuronale Korrelate, Gedächtnis)• Daten = Momentaufnahme (zB Prävalenz, Korrelation)• Kausalschlüsse nicht möglich prospektive Längsschnittstudie• Untersuchung einer Ausgangsstichprobe zu mehreren Zeitpunkten • liefert präzise Inzidenzraten & Verlaufsdaten • ermöglicht Aussagen zur Pathogenese: Welche Risikofaktoren gehen einer (zeitlich) Störung voraus• Therapieevaluation (Behandlung A besser als B? Für wen eher A & für wen eher B?)
- Was sind 2 Formen von Längsschnittstudien? Merkmale dieser nennen. High-Risk Ansatz• Auswahl von als vulnerabel eingestuften (noch) nicht erkrankten Individuen -> detaillierte Längsschnittstudie zur Erfassung kritischer Bedingungen für Ausbruch der Störung • high-risk Definition ist sowohl anhand biologischer (genetischer) - zB prädistinierte Personen = Nachkommen von Menschen mit Schizophrenie als auch psychologischer Merkmale möglich - zB Trauma erlebt, hoher Neurotizismusscore, ... Kohorten-Längsschnittstudien • zB Stichproben bestimmten Alters, die über Jahre hinweg verfolgt wird -> Prüfung von Kausalannahmen (zB mit Strukturgleichungsmodellen) (→zB alle Psychologie-Erstsemestler WiSe 19/20) Problem: mangelnde Kontrollmöglichkeit von Drittvariablen
- Welche Forschungsansätze gibt es in der klin Psychologie? Nenne. (7 Stk) • Einzelfälle• Experimentelle Forschung• Analog-Experimente• Quasi-Experimente• Experimentelle Psychopathologie• Tierexperimentelle Forschung • Genetische Forschungsansätze
- Einzelfall - Merkmale & Probleme? • Generieren von neuen Ideen & Hypothesen (zB über Ursachen od Behandlungsmöglichkeiten)• Erproben v neuen therapeutischen Techniken & Methoden (zB Machbarkeitsstudien)• Beobachtung v seltenen Phänomenen bzw Konstellationen (-) Probleme:• Beobachter sind nicht neutral/objektiv• keine Kausalität• geringe Generalisierbarkeit
- Experimentelle Forschung - Merkmale Experimentelle Forschung= systematische Variation d UV & Prüfung d Auswirkungen auf die AV- Ermittlung v Faktoren, die zu Symptomen v psychischen Störungen führen (zB führt ein Trauma zu psychischen Störungen?)Beispiele: - Watson & Rayner (1920) --> klassische Kond d Furchtreaktion bei 9 Monate altem Kind --> ethisch nicht vertretbar- Lopatka & Rachman (1995): Manipulation v Gefahren- und Verantwortlichkeitskognitionen bei Patienten m Zwangsstörung -> vermehrtes Kontrollieren - Simon et al. (2010): Symptomprovokation bei Zwangsstörungen bei Darbietung zwangsrelevanter Bilder bei gleichzeitiger Messung hämodynamischer Signale → Ursache od Folge d Störung?
- Analogie-Experimente - Merkmale & Probleme? • Erzeugen v vorübergehenden symptomanalogen Zuständen bzw Korrelaten d Störung bei gesunden Personen --> zB Furchtkonditionierung, aversive Umweltfaktoren, Stress (TSST zB)-Analyse d veränderten psychischen Mechanismen (zB schlechtere Aufgabenbearbeitung, verringerte Anstrengungsbereitschaft, ...) • Untersuchung v subklinischen Fällen -Studenten m hohen Merkmalsausprägungen in einem Fragebogen zB Ängstlichkeit, Impulsivität, schizotype Merkmale, etc.-ebenfalls Analyse relevanter biologischer und psychologischer Variablen (-) Probleme:• ethische Vertretbarkeit bei der Induktion v Symptomen • begrenzte Generalisierung auf psychische Störungen -Eigendynamik psych Störungen (zB Angst vor der Angst)-veränderte Person-Umwelt-Interaktion bei psychischen Störungen • Kausalität: experimentelle Variation führt zu Symptomen, aber sind diese Faktoren auch unter realen Bedingungen relevant (zB Konditionierung)
- Advertisement
- Tierexperimentelle Forschung - Merkmale & Probleme? Ziel: experimentelle Überprüfung von KausalmodellenAnalyse verschiedener biologischer Mechanismen, um Rückschlüsse auf ähnlich veränderte Mechanismen beimMenschen zu ziehenBeispiele:• Theorie der Erlernten Hilflosigkeit (Seligman)• Bedeutung bestimmter Gene („knock-out“ Modelle)• Zuchtlinien (high/low anxiety rats) Probleme:Störungsdefinition: Was sind psychische Störungen bei Tieren?• analoge Verhaltensweisen als Modellindikator (z.B. wiederholte Rückkehr an bestimmten Platz als „Zwangsverhalten“)Zeit: psychische Störungen entwickeln sich über JahreKognition: kognitive Verarbeitung kann nicht berücksichtigt werdenSoziale Faktoren können schlechter untersucht werden
- Quasi-Experimente - Merkmale & Probleme? Untersuchung von unabsichtlicher Variationen potenziell relevanten Faktoren:• natürliche Variation (z.B. Geschlecht)• ungeplante Variation (z.B. Scheidung der Eltern, Aufwachsen im Heim, Arbeitslosigkeit, Naturkatastrophe, Krieg) Problem: Kontrolle von Drittvariablen -> konfundierte VariablenForschungsbereiche: Zwillings- und Adaptionsforschung, Lebensereignisforschung, epidemiologische undkulturvergleichende Forschung Beispiel: Werther-Effekt• Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ führte zu einer Suizidwelle• Suizidalität steigt nach öffentlicher Berichterstattung über Suizide öffentlicher Personen• ZDF Film „Tod eines Schülers“ (1981) -> Erhöhung der Selbstmordrate- zufällige Assoziation oder konfundierter Faktor?- nach Wiederholung der Sendung zeigte sich Replikation des Effekts
- Quasi-Experimente: Lebensereignisforschung? Kritische Lebensereignisse= im Leben einer Person auftretende Ereignisse, die ihre Lebenssituation so verändern, dass sie mit einer Anpassungsleistung darauf antworten muss.• Normativ vorgegebene Ereignisse (Schuleintritt, Geburt, Heirat)• Individuelle Ereignisse (Erkrankungen, Unfälle)• Traumata & chronische Belastungen (Armut, Arbeitslosigkeit)• z.B. führt sexueller Missbrauch in der Kindheit zu erhöhter Ängstlichkeit?Probleme:• retrospektive Erfassung, daher Verzerrungen möglich• Unspezifität der Life-Event-Forschung: keine differentielle Ätiologie (Summe von Life-Events für das Auftretenunterschiedlicher Störungen verantwortlich)• Kausalität: auslösende Funktion des Life-Events oder der psychischen Störung?
- Experimentelle Psychopathologie - Merkmale & Probleme? = querschnittsichtliche Untersuchung von Patienten mittels experimentalpsychologischer und neurowissenschaftlicher AnsätzeZiel: Untersuchung differentieller Merkmale (potentiell störungsbedingende Variablen), die für die Erklärung psychischer Störungen relevant sind• für eine psychische Störung (Patienten vs. Kontrollen)• für spezifische psychische Störungen: Identifikation von differentialätiologischen Faktoren• hohe Sensitivität und SpezifitätProbleme:• korrelative Aussagen, unklare Kausalität• unklarer Einfluss von Drittvariablen
- Genetische Forschungsmethoden --> Familiengenetische Studien - Definition & Arten & Probleme - Prävalenzen psych Störungen in belasteten Familien vs Allgemeinbevölkerung Familiengenetische StudienAuswirkungen von biologischer Verwandtschaft (genotypische Ähnlichkeit) auf phänotypische Ähnlichkeit• Familienstudien• Zwillingsstudien• Adoptionsstudien Ziel: Abschätzung familiärer vs. nicht familiärer UrsachenfaktorenPrävalenz in belasteten Familien / Prävalenz in Allgbevölkerung:Schizophrenie: 5.2 / 0.5Depression: 21.5 / 10.6Alkoholabhängigkeit: 17.3 / 6.8Panikstörung: 7.9 / 2.3 Probleme• familiäre Ähnlichkeit: genetische und nichtgenegische (soziale) Gemeinsamkeiten• erlaubt noch keine Entscheidung über genetischen Anteil der Übertragung,• Aber: Hinweis auf differenzierbare Störungsgruppen• weitergehende Untersuchungsstrategien notwendig
- Zwillingsstudien - Grundprinzip & Limitationen - Konkordanzraten f psych Störungen MZ / DZ Grundprinzip:• eineiige Zwillinge = 100% gleiche Erbanlagen (monozygot, EZ oder MZ)• zweieiige Zwillinge = 50% gleiche Erbanlagen (dizygot, ZZ oder DZ)• Übereinstimmungsmaß: Konkordanz rate (bzw. Intraclass-Correlation, ICC)• Verhältnis der phänotypischen Übereinstimmung von MZ und DZ ergibt: Schätzung des Anteils genetischer VarianzLimitation:• Gleichheit der Umweltbedingungen nicht gesichert• Repräsentativität nicht gegeben (z.B. Zwillingsschwangerschaft) Konkordanzrate MZ / Konkordanzrate DZSchizophrenie: 48 / 4Bipolare Störung: 79 / 19 Depression: 48 / 42Panikstörung: 24 / 11Generalisierte Angst: 28 / 17
- Adoptionsstudien - Grundprinzip (1. & 2.) - Probleme Grundprinzip:1. Vergleich wegadoptierter Nachkommen von erkrankten Eltern (Merkmalsträgern) mit wegadoptierten Nachkommen von Kontrollen (Nichtmerkmalsträgern)-> Prävalenzunterschiede sprechen für genetische Determination, da die Störung auch unter veränderten Umweltbedingungen entwickelt wird2. Vergleich wegadoptierter mit nicht wegadoptierten Nachkommen von erkrankten Eltern-> Prävalenzunterschiede sprechen für umgebungsbezogene Determination Problem • fehlende Repräsentativität (Adoption als Stressor)• ausgewählte Umgebungen (Familien) könnten unterschiedlich sein• Gen-Umwelt Interaktion
- Molekulargenetische Studien Molekulargenetische StudienPhänotyp-Genotyp-Beziehungen; Suche nach kritischen Genabschnitten (Single Nukleotid Polymorphismen, SNPs)• Assoziationsstudien: Vergleich von Genvarianten von Merkmalsträgern und Nicht-Merkmalsträgern -> Assoziation mit psychischer Störung• Kopplungsstudien: Kosegregation von Erkrankungen in Familien mit genetischen Variationen -> Eingrenzung von relevanten Genorten
- Therapiestudien Therapiestudien• Erfassung von Veränderungen aufgrund von psychologischen Interventionen (erwünschte und unerwünschte)• Kontrollgruppe: Spezifität der Intervention (Placeboproblem)Therapieprozessstudien:Welche Prozesse führen zu Veränderung/ Verbesserung?Folgen: Psychotherapie und Gesundheitspolitische Entscheidungen
- allgemein mögliche Risiko- und Schutzfaktoren für psych Störungen (8 Stk) • Genetische Prädisposition: genetische Risikofaktoren bzw. ungünstige Gen-Umwelt Interaktionen• Prä- und perinatale Schädigungen: Funktionsstörungen und fehlende Bewältigungsmöglichkeiten• Geschlecht:- Kindern: höheres Risiko für männliches Geschlecht- Erwachsene: höheres Risiko für weibliches Geschlecht• Alter: höchstes Risiko im mittleren Erwachsenenalter• Persönlichkeit: hoher Neurotizismus, Introversion, Sensation-/Novelty-Seeking, geringes Selbstwertgefühl, „experiential avoidance“• Komorbidität und vorangegangene Störung• Sozioökonomischer Status: Stress-and-Strain-Hypothese vs. Social-Drift-Hypothese• Elterliches Erziehungs- und Bindungsverhalten
- Risikofaktor: Traumatische Erfahrungen Traumata: Einzigartige bedrohliche Erlebnisse können bleibende Störung(en) hinterlassen (z.B. schwere körperliche Gewalt, Kriegserlebnisse, Internierung, Vergewaltigung, Unfälle, Katastrophen)• Traumatisierung kann über gesamte Lebensspanne stattfinden• notwendige Ursache von posttraumatischen Störungen und dissoziativen Störungen• aber: Trauma allein erklärt zu wenig, da viele Betroffene keine Störung entwickeln• „early adversity“ als allgemeiner Risikofaktor für psychische Störungen (=frühe ungünstige Lebenserfahrung)
- Risikofaktor: Kritische Lebensereignisse Kritische Lebensereignisse= Ereignisse mit hohem Anpassungsbedarf (Holmes & Rahe, 1967)können Ressourcen überfordern -> Lebenskrise -> steigern Krankheitsrisiko Evaluation:• Empirie: kleine bis mittelstarke Zusammenhänge• fast immer retrospektive Erfassung, daher Verzerrungen möglich• unspezifischer Erklärungsfaktor für viele Störungen• im Rahmen des Vulnerabilitäts-Stress-Modells wichtig Beispiele nach HOLMES & RAHE (1967):- Tod d Ehepartners- Heirat - Schwangerschaft- Urlaub - Berufswechsel- Weihnachten ...
- Risikofaktor: Erziehungs- und Bindungserfahrungen frühe Bindungserfahrung -> Erwerb von Emotionsregulationskompetenzennegative Bindungserfahrungz.B. dauernde Kritik, Verlust der Bezugspersonen➡ Gefahr der Internalisierung und negatives Selbst- und Weltbild➡ Risikofaktor für Depressionpositive Bindungserfahrungenz.B. fürsorglicher und liebevoller Umgang➡ SchutzfaktorAnwendung• Psychoanalytische Modelle aber auch in anderen Therapieschulen• Expressed Emotion Konzept:– kritisierendes, feindseliges, überengagiertes Familienklima– erhöht das Rückfallrisiko für Schizophrenie (u.a. Störungen)– vermutlich eher unspezifischer Stressor
- Risikofaktoren: Biochemische Ursachen v psych Störungen Neurochemische Transmitter• Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, GABA, Glutamat• Ansatzpunkte für psychopharmakologische Behandlung (z.B. Serotoinwiederaufnahmehemmer bei Depression)• Rückschlüsse auf zugrunde liegende TransmitterstörungenEndokrine SystemeHypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-System (HHN oder HPA Achse, Stressachse):• Kontrolle vegetativer Funktionen• Fehlregulation bei Angst, Depression und psychosomatischen ErkrankungenHypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-System:• Kontrolle von Stoffwechsel, Wachstum, Hirnreifung• moduliert wahrscheinlich depressive Zustände
- Psychoanalytisches Paradigma Entdeckung des Unbewussten: menschliches Handeln, Erleben und Denken wird von unbewussten und dynamischen Kräften beeinflusstSymptome: Lösungsversuch eines unbewussten innerpsychischen Konflikts oderAusdruck eines strukturellen DefizitsEinsicht als Wirkfaktor für Veränderung:• „freie Assoziation“ & Deuten der unbewussten Inhalte und Zusammenhänge• Wiedererinnern vergessener traumatischer Erfahrungen (Affekte) -> neurotische Reaktion• Heilung: Abreaktion (Katharsis) des „eingeklemmten Affekts“Instanzenmodell• Es = Triebe, instinktive Bedürfnisse• Ich = vielfältige Funktionen: Denken, Wahrnehmung, Steuerung, Abwehrmechanismen• Über-Ich = elterliche u. gesellschaftliche Werte, Ge- und Verbote, MoralvorstellungenProblem: Modellannahmen schwer empirisch überprüfbar, Belege für die Wirksamkeit als therapeutisches Verfahren
- Humanistisches (existentialistisches) Modell Gesprächspsychotherapie (GT): Carl Rogers (1902-1987)• humanistisches Menschenbild: positiv, vorwärts gerichtet, konstruktiv, realistisch, vertrauenswürdig• Aktualisierungstendenz: Bedürfnis, nach Entfaltung und Entwicklung• Selbstaktualisierung: Bedürfnis, das Selbst und seinen Selbstkonzept zu entwickeln und zu erhöhen (Integration vonErfahrungen) (Teil der allgemeinen Aktualisierungstendenz)Störungskonzept• Blockierung der Aktualisierungstendenz durch Sozialisierung (fehlende Befriedigung des Bedürfnisses nach Anerkennung)• Inkongruenz von Selbstkonzept und Erfahrung führt zu Problemen• chronische Inkongruenz: Verleugnen, Verdrängen und Verzerren von Erfahrungen -> Stabilisierung des Selbstwerts -> Entstehung und Aufrechterhaltung von Psychischen StörungenProblem: kaum empirische Evidenz für die Modellannahmen
- Verhaltenstheoretische Modelle psychische Störungen als Folge von LernprozessenVerhalten = jede beobachtbare Äußerung (inkl. Denken, Gefühle)Klassische Konditionierung: natürliche Reaktionen (UCR) generalisieren aufgrund assoziativer Verknüpfungen mit neuen Auslösern (CS), werden dabei überformt (CR)Operante Konditionierung: Verhalten formt sich aufgrund von Erfolg/MisserfolgModelllernen: Verhalten wird durch Beobachtung erlernt gute experimentelle GrundlageProblem: rein lerntheoretische Erklärungsmodelle können Psychopathologie nicht ausreichend erklären; aber Ansatzpunkte für sehr effiziente Interventionen: Verhaltenstherapie
- Kognitive Modelle Kognitive Variablen als vermittelnde Variable mit quasi-kausaler Bedeutung• Werte (z.B. hohe Leistungen sind sehr wichtig)• Überzeugungen (z.B. man muss sich auf Stärkere verlassen)• Attributionsmuster (z.B. eigene Erfolge sind zufällig)• kognitive Verzerrungen (z.B. selektive Verallgemeinerung) A Aktivierendes Ereignis B Beurteilung C Konsequenz (Äußeres od inneres Ereig) --> (Interpretation, --> (Emotion, Verhalten) Annahme)zB Vortragssituation zB "alle werden zB Angst mich auslachen" ...sind als Risikofaktoren sehr plausibel, empirisch zunehmend belegtProblem:• Kausalitätsproblem: Ursache oder Folge der Störung?• Entstehung der kognitiven Schemata ist ungenügend geklärtVorteil: Kognitive Modelle bieten sehr gute Ansatzpunkte für therapeutische Interventionen
- Biopsychologisches Modell (inkl Probleme) • Psychische Störungen sind Störungen des Gehirns (des gesamten Organismus)• Suche nach Korrelaten und Ursachen auf den Ebenen: Genetik, Neurotransmitter,Endokrine Systeme, Hirnanatomie, -funktion, -physiologie (Neuropsychologie)• Grundlage für die medikamentöse Behandlung (aber Ursache-Wirkungszusammenhänge oft unklar)• Entwicklung von innovativen Therapien, die direkt an biologischen Mechanismen ansetzenden,- Elektrokrampftherapie (EKT) oder Transkranielle Magnetstimulation (TMS) bei schwerer, therapieresistenter Depression- Tiefenhirnstimulation als Therapie bei schweren Zwangsstörungen Probleme:• „Medikalisierung“ der (klinischen) Psychologie• häufig werden korrelative Befunde als kausal betrachtet• Wechselwirkungen zwischen kognitiven, affektiven, verhaltensbezogenen und psychobiologischen Prozessen