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RAAP Klinische Psychologie (Subject) / 6 Schizophrenie (Lesson)

Schizophrenie

This lesson was created by PsychologieSemester6.

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  • Was sind positive Symptome und welche gibt es bei der Schizophrenie? Welche der positive Symptome bilden in Faktorenanalysen einen eigenen Faktor und wie nennt man diesen? Was sind negative Symptome und welche gibt es bei der Schizophrenie? Positive Symptome (auch: "Plus-", "produktive", "psychotische" Symptome) - Wahnphänomene - Halluzinationen - Störungen des Ich-Erlebens die folgenden drei bilden in Faktorenanalysen den Faktor "Desorganisation" - desorganisierte Sprechweise - bizarres und/oder desorganisiertes Verhalten - katatone Symptome  Negative Symptome (auch: "Minussymptomatik") - Alogie (Sprechverarmung) - Affektverarmung - Abulie (Willensschwäche) & Apathie (Teilnahmslosigkeit) - Anhedonie (Lustlosigkeit) & Ungeselligkeit, sozialer Rückzug - Aufmerksamkeitsstörungen
  • Definiere das positive Schizophreniesymptom "Wahnvorstellungen". Was sind typische Wahninhalte und wodurch zeichnen sie sich aus? Welche treten häufiger/seltener auf? Definition:• (krankhafte) Fehlbeurteilung der Realität, die erfahrungsunabhängig auftritt und an der mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird• Überzeugung steht im Widerspruch zur Erfahrung der Mitmenschen Typische Wahninhalte: • Verfolgungswahn: sich selbst als Ziel von Feindseligkeiten erleben; Überzeugung, von anderen bedroht, beleidigt oder verspottet zu werden (Beispiel: „ich bin sicher, dass ich abgehört werde“)• Beziehungswahn: Ereignisse, Objekte oder andere Menschen haben eine für die Person spezielle oder ungewöhnliche Bedeutung (Beispiel: „der Radiosprecher hat mich gemeint als er gesagt hat…“)• bizarrer Wahn: völlig ungewöhnlich, nicht aus Erfahrung ableitbar (Bsp: bizarrer Wahn: „ein Außerirdischer hat meine inneren Organe entnommen“, das Wetter kontrollieren können oder mit Außerirdischen in Verbindung zu stehen)• nicht-bizarrer Wahn: „ich werde von der Polizei überwacht“• Ausprägung: Wahnstimmung, Wahneinfall, Wahngedanke/Wahnidee, Wahnsystem • seltener: Größenwahn, hypochondrischer Wahn, Eifersuchtswahn
  • Definiere das positive Schizophreniesymptom "Halluzinationen". Was für Formen von Halluzinationen gibt es? Welche ist am seltensten? Definition:Wahrnehmungserlebnisse ohne entsprechende physikalische Reizquelle Formen:• Stimmen hören: eine oder mehrere Stimmen, die das eigene Verhalten kommentieren, die sich untereinander unterhalten oder die Befehle geben -> kommentierende oder dialogisierende Stimmen• andere akustische Halluzinationen: undifferenzierte Geräusche wie „Scheppern“, „Knacksen“, „Rauschen“• taktile / leibliche Halluzinationen: z.B. „Elektrizität“, „Kribbeln“, „Bewegung im Bauch“• optische Halluzinationen: von einfachen Sinneseindrücken (Farben, Licht) hin zu gestalteten Szenen (Bsp: „..wir sind zu einer Kirche gekommen, und plötzlich hat die Kirche begonnen zu pulsieren. Es hat ausgesehen als ob ein Herz schlägt. Es war wunderbar.“)• Geschmacks- und Geruchshalluzinationen (selten)
  • Definiere das positive Schizophreniesymptom "Ich Störungen". Welchem anderen Symptom werden die Ich Störungen manchmal auch zugeordnet? Welche Formen davon gibt es? Definition:Störungen, bei denen die Grenze zwischen dem Ich und der Umwelt als durchlässig erscheint.Eigene psychische Vorgänge werden als von anderen gemacht erlebt.Ich Störungen werden manchmal zu den Wahnphänomenen gerechnet, z.B. im DSM. Formen• Gedankeneingebung„Die Gedanken, die in meinem Kopf sind, sind nicht meine Gedanken, sie werden in meinen Kopf eingeschleust, durch Telepathie, durch Strahlen, durch elektromagnetische Wellen ... “• Gedankenentzug„Meine Gedanken werden abgezapft oder abgehört mit speziellen Mikrophonen oder speziellen Methoden ... “• Gedankenausbreitung„Meine Gedanken lesen alle, alle wissen was ich denke, ich kann meine Gedanken nicht schützen.“
  • Definiere das positive Schizophreniesymptom "Desorganisierte Sprechweise". Welche Formen gibt es? Definition:Probleme beim sprachlichen Ausdruck, der auf Desorganisation der Denkabläufe hinweist (auch: formale Denkstörungen) Formen:1. Zerfahrenheit (Inkohärenz):• sprunghafter Gedankengang: weitgehendes oder vollständiges Fehlen von sinnvollen Beziehungen zwischenAussagen• zugehörig: Paralogik (fehlender Sinnzusammenhang), Paragrammatismus (fehlender Satzbau)• Bsp.: „Die Versorgung der Ukraine mit Schnellboten ist ein echtes Kanarienproblem. Nicht die Durchschauung eines Umformungsprozesses steht dabei im Vordergrund, sondern es ist eine grobe Vernachlässigung der Individualpflichten zu verzeichnen...“2. Danebenreden: Antworten haben mit der Frage nichts zu tun3. Neologismen: Wortneubildungen4. Gedankenabreißen: Abbruch des Gedankengangs ohne erkennbaren Grund
  • Beschreibe das positive Schizophreniesymptom "grob desorganisiertes Verhalten". • reicht von kindlichem und albernen Verhalten bis zu unberechenbarer Unruhe• unordentliche oder ungewöhnlich gekleidet (z.B. an heißen Tagen mehrere Mäntel übereinander)• sozial auffälliges / unangemessenes Auftreten in der Öffentlichkeit: Schreien, Fluchen, Masturbation etc. • Katatone Symptome
  • Schließen sich Positiv- und Negativsymptomatik gegenseitig aus? Nein, Positiv- und Negativsymptomatik können bei demselben Patienten gleichzeitig auftreten. z.B. soziale Zurückgezogenheit (Negativsymptom) und bizarres Verhalten (Positivsymptom)
  • Nenne die zwei Hauptgruppen katatoner Symptome und die ihnen zugehörigen Untergruppen. Hypokinese• Stupor: Fehlen von Bewegung und Sprechen bei klarem Bewusstsein; Patient reagiert nicht auf äußere Reize, obwohl er die Vorgänge registrieren kann• Negativismus: Sperren gegen jede Handlung, zu der man aufgefordert wird (passiv: ohne aktive Handlungen; aktiv: andere Handlungen werden ausgeführt)• Katalepsie: passiv vorgegebene und auch noch so unbequeme Körperstellungen werden abnorm lange beibehalten• Haltungsstereotypie: verharren in bestimmten Haltungen über lange Zeit, äußere Versuche der Veränderung sind wirkungslos Hyperkinese• psychomotorische Erregung: sinn- und zweckloser Bewegungsdrang, psychomotorische und sprachliche Unruhe (Laufen, Schlagen, Seufzen oder Schreien)• Bewegungs- und Sprachstereotypien: fortgesetztes, leeres und zielloses Wiederholen von Bewegungsabläufen, Sätzen, Wörtern oder Silben• Echopraxie: ständiges sinnloses Nachahmen von Bewegungen und Handlungen der Umgebung (sprachlich: Echolalie)• Manirismen: sonderbare verschrobene oder bizarre Abwandlung alltäglicher Bewegungen und Handlungen (Mimik: Grimassieren)
  • Was versteht man unter dem Schizophrenienegativsymptom Affektverflachung? Verringerung der emotionalen Reaktionsfähigkeit, insbesondere des emotionalen Ausdrucks (starre Mimik, monotone Stimme, kaum Gestik)
  • Was versteht man unter dem Schizophrenienegativsymptom Alogie (Sprachverarmung)? • Verringerung Sprachumfang: kurze, konkrete Antworten• Verringerung Sprachinhalt: Antworten sind vage, enthalten kaum Information• verzögerte Antwortlatenz
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  • Was versteht man unter den Schizophrenienegativsymptomen Abulie(Willensschwäche) & Apathie (Teilnahmslosigkeit)? • Schwierigkeiten, Handlungen zu initiieren und aufrechtzuerhalten (z.B. in Beruf oder Haushalt)• fehlende Energie, äußert sich z.B. in stundenlangem „Nichtstun“• Vernachlässigung von Körperhygiene, Kleidung
  • Was versteht man unter dem Schizophrenienegativsymptom Anhedonie(Lustlosigkeit)? verringertes Interesse an Freizeitaktivitäten & Sexualität
  • Was versteht man unter dem Schizophrenienegativsymptom Ungeselligkeit/sozialer Rückzug? • Schwierigkeiten, enge Beziehungen aufzubauen• Präferenz fürs Alleinsein
  • Was versteht man unter dem Schizophrenienegativsymptom Aufmerksamkeitsstörungen? • fehlende Aufmerksamkeit in sozialen Situationen, Patient „ist weit weg“• schlechte Leistungen in Konzentrationstests• Bsp.: „Ich bin entweder total verblödet oder aus irgendeinem Grund immer unkonzentriert ... Ich frage mich, warumnichts mehr geht. Bis vor zwei Jahren war es noch viel besser, und in der Schulzeit habe ich nebenher mehr getan als ...(jetzt) .. den ganzen Tag. Mir fällt ... immer mehr auf, wie wenig ich eigentlich machen kann, ohne völlig erschöpft zu sein.“
  • Wie wird Schizophrenie im ICD-10 klassifiziert? (G1 & G2 nennen, inkl. Dauer) G1: entweder mind. ein Symptom aus 1. oder mind. zwei Symptome aus 2. sollen die meiste Zeit während einer psychotischen Episode von mindestens einem Monat Dauer vorhanden sein 1. mindestens 1 der folgenden Merkmale:• Ich-Störung: Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug oder -ausbreitung• Kontroll- und Beeinflussungswahn, das Gefühl des Gemachten• kommentierende oder dialogische Stimmen• anhaltender, kulturell unangemessener, bizarrer und völlig unrealistischer Wahn (das Wetter kontrollieren können, in Kontrakt mit Außerirdischen sein) 2. oder mindestens 2 der folgenden Merkmale:• anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität begleitet von Wahngedanken• desorganisiertes Denken/Sprechen: Neologismen, Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit oder Danebenreden führt• katatone Symptome: Erregung, Haltungsstereotypien oder wächserne Biegsamkeit, Negativismus, Mutismus und Stupor• negative Symptome: Apathie, Sprachverarmung, verflachte oder inadäquate Affekte G2: Ausschluss• medizinische Erkrankungen und Substanzeinwirkungen• falls gleichzeitig eine affektive Episode vorliegt, müssen die psychot. Symptome zuerst aufgetreten sein
  • Wie wird Schizophrenie im DSM-5 klassifiziert (A.-F. Symptomgruppen)? A. mind. zwei der folgenden Symptome für einen Monat (oder weniger falls erfolgreich behandelt), mind. eines aus den ersten dreien:• Wahn• Halluzinationen• Desorganisierte Sprechweise (häufiges Entgleisen oder Zerfahrenheit)• Grob desorganisiertes oder katatones Verhalten• Negativesymptome (flacher Affekt, Alogie, Willensschwäche) B. soziale/berufliche Leistungsbeeinträchtigung: für eine bedeutende Zeitspanne seit dem Beginn der Störung sind eine odermehrere Funktionsbereiche wie Arbeit, zwischenmenschliche Beziehungen oder Selbstfürsorge deutlich unter dem Niveau, das vor dem Beginn erreicht wurde. C. Dauer: mind. 6 Monate (sonst Schizophrenieforme Störung)• mind. über 1 Monat Kriterium A erfüllt sein• kann Prodromal- und Residualphasen mit Negativsymptomatik oder abgeschwächter Positivsymptomatik einschließen D. Ausschluss einer affektiven oder schizoaffektiven Störung: Gesamtdauer der affektiven Episode war kurz im Vergleich zurGesamtdauer der Schizophrenie-Symptome. E. Störung ist nicht Folge einer Substanzwirkung oder eines medizinischen Krankheitsfaktors F. Bei Autismus oder Kommunikationsstörung mit Beginn im Kindesalter kann die Diagnose nur gestellt werden, wenn ausgeprägte Wahnphänomene oder Halluzinationen vorhanden sind.
  • Nenne die Subtypen der Schizophrenie. Paranoide Schizophrenie (F20.0)• Wahnideen und/oder Halluzinationen• häufigster Subtyp• Verfolgungswahn oder Beziehungswahn Hebephrener Typ (F20.1)• verflachter oder inadäquater Affekt (Stimmung und Affekt passen nicht zur Situation)• desorganisiertes und planloses Verhalten• Denken und Sprechen sind ungeordnet Katatone Schizophrenie (F20.2)• v.a. motorische Störungen (motorische Übererregung, Haltungsstereotypien)• kaum verbale Kommunikation Undifferenzierte Schizophrenie (F20.3)
  • Was für andere psychotische Störungen gibt es? Wie lassen sich diese von der Schizophrenie abgrenzen? F21 schizotype Störung (schizotype Persönlichkeitsstörung) F22 Wahnhafte StörungNicht-bizarre Wahnphänomene für mindestens 3 Monate: Verfolgungs-, Größen-, Eifersuchts-, Liebes-, oder hypochondrischer Wahn weiteren Symptome der Schizophrenie lagen niemals vor keine Halluzinationen Depressive Symptome können im Verlauf vorkommen (aber Wahn ausserhalb depressiver Episoden)F23 akute vorübergehende psychotische Störung (akuter Beginn psychotischer Symptome)• F23.1 akute polymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie- einige Symptome einer Schizophren, aber evtl. nicht voll erfüllt- Symptome fluktuieren stärker und Dauer < 1 Monat• F23.2 akute schizophrenieforme psychotische Störung- Symptome einer Schizophrenie sind erfüllt- Dauer < 1 Monate F25 schizoaffektive StörungSymptome der Schizophrenie & Kriterien für affektive Episode im gleichen Zeitraum erfülltICD-10 parathyme psychotische Symptome rechtfertigen die Diagnose nicht
  • Wie läuft die klassifikatorische Diagnostik für eine Schizophrenie ab? Was sind typische Probleme dabei? Wie wird die Symptomschwere beurteilt? Klassifikatorische Diagnose• Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV (SKID-I)• ggf. andere strukturierte Interviews / Diagnose-Checklisten• Fremdanamnese (v.a. im stationären Setting) Typische Probleme• erschwerte Kommunikation durch formale Denkstörung• geringes Störungsbewusstsein („mangelnde Einsicht“)• Misstrauen gegenüber dem Interviewer• Patienten möchten nicht über psychotisches Erleben sprechen Beurteilung der Symptomschwere (Fremdratings)• Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS)• Scale for the Assessment of Negative Symptoms (SANS) & Scale for the Assessment of Positive Symptoms (SAPS)
  • Beschreibe die Epidemiologie der Schizophrenie (Prävalenz, Inzidenz, Haupterkrankungsalter/Erstmanifestation, Geschlechtsunterschiede). Prävalenz der DSM-IV Schizophrenie: 0.5 – 1.0 % Inzidenzrate: 1 – 4 auf 10000 pro Jahr Haupterkrankungsalter: 20 – 35 Jahren keine wesentlichen kulturellen Unterschiedekeine Geschlechtsunterschiede in der Häufigkeit Erstmanifestation:- bei Männern Ø 21 J.- bei Frauen Ø 26 J.- desorganisiert: beginnt früher, paranoid: beginnt später
  • Welche soziodemografischen Gruppen haben die höchsten Raten für Psychosen? höhere Raten für Psychosen• bei jungen Männern• ethnischen Minderheiten• geringem sozioökonomischen Status
  • Was versteht man unter der "Prodromalphase"? Prodromalphase: "clinical high-risk" (CHR) syndrome • 80-90% der Schizophrenie Patienten• unspezifische Symptome (z.B. Ängste, Schlafstörungen, Depression, sozialer Rückzug) • psychosenahe Symptome:abgeschwächte Symptome von Wahn und Halluzinationen (Ratlosigkeit, ungewöhnlicheÜberzeugungen, Wachsamkeit, hören von Geräuschen) • 22% bzw. 36% entwickeln innerhalb von einem bzw. drei Jahren eine Psychose
  • Wie sieht der typische Verlauf einer Schizophrenie aus? Was für Verlaufsformen gibt es? episodischer Verlauf von abgrenzbaren Episoden- Prodromalphase: unspezifische Symptome & psychosenahe Symptome- akut psychotischen Phase: Postivsymptomatik- Residualphase: Negativsymptomatik Verlaufsformen:- <25% nur eine akut psychotische Episode- mehrere akut psychotische Episoden mit unterschiedlich starken Einschränkungen zwischen den Episoden- selten: dauerhaft akut psychotische Symptome (ca 10 %)
  • Was sind positive/negative Prädiktoren, die die Prognose einer Schizophrenie beeinflussen? Positive Prädiktoren- weibliches Geschlecht- Verfügbarkeit einer größeren sozialen Bezugsgruppe- aktiver selbstverantwortlicher Umgang mit der Erkrankung Negative Prädiktoren- schlechte prämorbide Anpassung- ausgeprägte Negativsymptomatik- vermeidungsorientierter Umgang mit der Erkrankung- kognitive Defizite (psychologische Leistungstests)
  • Beschreibe das Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Genetische Abweichung (z.B. SNP) biologische/physikalische Schädigung (z.B. Virus, Geburtskomplikation) Stress --> Vulnerabilität (psychologisch/biologisch) --> Symptome
  • Was sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer Schizophrenie? Risikofaktoren • niedriger sozioökonomischer Status („social drift“-Hypothese)• Aufwachsen in einer Großstadt (Bedeutung unklar)• China: erhöhtes Risiko nur bei Aufwachsen in der Großstadt (nicht bei Zugezogenen) Vulnerabilitätsfaktoren• perinatale Hirnschädigungen als Folge von Geburtskomplikationen (Sauerstoffmangel)• Virusinfektionen der Mutter während der Schwangerschaft• positive Familienanamnese für Schizophrenie (Genetik) Religion & Psychotische Erfahrungen (PE)starke Religiosität ist mit einem höheren Risiko für psychotische Erfahrungen verbundenKausalität aber unklar
  • Was kann man Zwillingsstudien zu Schizophrenie entnehmen? - hoher Anteil genetischer Varianzaufklärung (EZ: 45-75%; DZ: 4-15%) - aber: keine vollständige Determination durch genetische Faktoren!
  • Was kann man Adoptionsstudien zu Schizophrenie entnehmen? Adoptionsstudienermöglichen die Untersuchung von Effekten einer systematischen Umweltvariation bei genetisch verwandten Individuen Finnische Adoptionsstudie (Tienari et al., 1991)• Untersuchung adoptierter Kinder:leibliche Mutter mit Schizophrenie (genetisch belastet) vs. ohne Schizophrenie (unbelastet)• Genetischer Effekt: Prävalenz Schizophrenie bei genetisch belasteten Kindern 9.4% vs. 1.1% bei genetisch unbelasteten• Gen x Umwelteffekt: Risiko zur Entw. einer Schizophrenie am höchsten bei Kindern, deren Mutter schizophren ist und die in einem konfliktreichen Erziehungsmilieu aufwachsen (allerdings kann konfliktreiches Familienklima auch Folge prämorbider Symptome/Verhaltensabweichungen sein)
  • Was sagen Befunde der Molekulargenetik über den Einfluss genetischer Faktoren auf Schizophrenieentwicklung aus? Was sind damit verbundene Probleme? Was besagt der Endophänotypenansatz? Molekulargenetik- genomweite Assoziationsstudien und Suche nach Kandidatengehen erbrachte Assoziationen mit Single Nukleotid Polymorphismen (SNPs) auf mehreren Chromosomen- polygene Übertragung des Erkrankungsrisikos Probleme:- Effekte einzelner Gene klein & fehlende Replikation einzelner Befunde- phänotypische Heterogenität der Schizophrenie- Vermutung: Symptome beruhen auf unterschiedlichen neurobiologischen & neuropsychologischen Abweichungen, welche unterschiedliche genetische Ursachen haben Endophänotypenansatz: genetischen Ursachen von biologischen bzw. kognitiven Merkmalen
  • Nenne und erkläre einen neurochemischen Erklärungsansatz der Schizophrenie und seine Limitationen. Dopaminhypothese (Carlsson, 1977)• Überaktivität des dopaminergen Systems• Neuroleptika blockieren D2-Rezeptoren• vorübergehende psychotische Symptome durch Kokain und Amphetamine spätere Revision• erhöhte Domamin Transmission im Striatum• reduzierte dopaminerge Aktivität im präfrontalen Kortex• unzureichende Hemmung striataler Dopaminaktivität Limitationen:• Neuroleptika wirken nicht bei allen Patienten und allen Symptomen• Neuroleptika führen sofort zu Rezeptorblockade, aber antipsychotische Wirkung z.T. verzögert• weitere relevante Transmitter: Serotonin, Glutamat (Phenylcyclidin, PCP, kann positive und negative Symptome auslösen)
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  • Was für Befunde gibt es zu Veränderungen des Gehirns im Zusammenhang mit Schizophrenie? Beispielbefunde• erweiterte Seitenventrikel• Reduktion der grauen Substanz, v.a. Temporallappen und Hippocampus• neurohistologische Auffälligkeiten, z.B. veränderte Neuronendichte im präfrontalen Cortex (PFC) CHR (clinical high-risk):• Abnahme der Dicke der grauen Substanz im PFC beidenjenigen, die eine Psychose entwickeln (Converters) imVergleich zu Kontrollen und denjenigen, die nichterkranken (Nonconverters)• Abnahme korreliert mit anfänglicher Symptomschwere
  • Was kann man zur kognitiven Leistung von folgenden Gruppen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe sagen? - schizophrene Patienten: neuroleptikafrei vs. unter Neuroleptika - Geschwister von schizophrenen Patienten) Die Kontrollgruppe schneidet von allen SPn am besten ab. Geschwister von schizophrenen Patienten weisen im Vergleich zur KG kogn. Leistungsdefizite auf, allerdings nicht so stark wie die schizophrenen Patienten selbst. Unter Neuroleptikern, schneiden schizophrene Patienten in kogn. Leistungen besser ab als die Gruppe der neuroleptikafreien schizophrenen Patienten, allerdings nicht in den Bereichen Sprache und Sensomotorische Fähigkeiten.
  • Wie viele Komponenten muss eine Therapie schizophrener Patienten umfassen? Muss die Therapie integrativ sein? Nenne mögliche Komponenten der Therapie. Die Therapie schizophrener Patienten muss mehrere Komponenten umfassen und integrativ sein:• evtl. stationäre Aufnahme (bei akuter oder schwerer Symptomatik)• Pharmakotherapie (v.a. Neuroleptika, z.T. Sedativa, Antidepressiva)• Psychologische Interventionen• Sozialtherapie & Berufliche Rehabilitation
  • Was sind Indikationen für eine stationäre Behandlung? Indikationen• akute Selbst- oder Fremdgefährdung• manifeste Suizidabsichten• extreme Wahn- oder Angstzustände oder extreme Negativsymptome- mangelhafte Alltagsbewältigung (Versorgung, Ernährung, Pflege)- Bedrohung anderer Menschen• Besondere diagnostische oder therapeutische Erfordernisse- komorbide Alkohol- oder Drogenabhängigkeit- andere Begleiterkrankungen
  • Was für eine medikamentöse Behandlung kann bei Schizophrenie durchgeführt werden? Medikamentöse BehandlungAntipsychotika, Neuroleptika• pharmakologisch nicht einheitliche Gruppe (z.B. Clozapin, Olanzapin)• Gemeinsamkeit: antipsychotische Wirkung (Reduktion von Wahn &Halluzinationen)• Hauptwirkmechanismus: Blockade von Dopaminrezeptoren (v.a. D2)• Weitere pharmakologische Wirkorte: Noradrenalinrezeptoren,Histaminrezeptoren, Serotonin, Glutamat … typische AP: Neuroleptika• hochpotent: gute antipsychotische & wenig sedierende Wirkungz.B. Haloperidol (Haldol®), Flupentixol (Fluanxol®)• niedrigpotent: geringe antipsychotische & stark sedierende Wirkung (v.a. beipsychotischen Erregungszuständen) z.B. Melperon (Eunerpan®), Pipamperon(Dipiperon®)
  • Was sind mögliche Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie? Extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen• Akathisie (motorische Unruhe), vorübergehend• Parkinsonoid: Rigor (Muskelstarre), Tremor, Akinese (Bewegungsarmut)• Frühdyskinesien: Krämpfe, unwillkürliche Bewegungen• Spätdyskinesien: unwillkürliche Bewegungen, meist erst nach Jahren, z.T. irreversibel (Schmatz-, Kau- und Zungenwalzbewegungen) Anticholinerg (Mundtrockenheit, Obstipation, Akkommodationsstörung, Harnretention, Sexualstörungen) Antiadrenerg (Orthostatische Hypotension, EKG-Veränderungen, Sexualstörungen) Endokrin (Prolaktinerhöhung, Sexualstörung, Gewichtszunahme) Blutbildveränderungen
  • Was sind die Behandlungsziele psychologischer Interventionen für schizophrene Patienten? Welche Methoden gibt es? Behandlungsziele:• Reduktion der Rückfallrate• Verbesserung der Medikamentencompliance• Reduktion der Vulnerabilität• Reduktion der Belastung durch stressige Lebensereignisse• Verbesserung der Lebensqualität• Reduktion residualer Symptome: Verbesserung sozialer und kognitiver Fertigkeiten & Reduktion von Wahn und Halluzinationen Methoden:• Psychoedukation (Information, Compliance)• Familieninterventionen• kognitives Training• kognitive Verhaltenstherapie (Umgang mit Symptomen, Bearbeitung wahnhafter Überzeugungen): erste vielversprechende Befunde
  • Beschreibe die psychologische Intervention "Psychoedukation". „Systematische didaktisch-psychotherapeutische Interventionen, um den Patienten und seine Angehörigen über die Krankheit und die Behandlung informieren, das Krankheitsverständnis und den selbstverantwortlichen Umgang mit der Krankheit zu fördern und sie bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen“ (Bäumel et al. 2008) Ziele & Elemente:• Förderung der Medikamentencompliance: Information über die Medikation• Erkennen von Frühsymptomen eines Rückfalls• Vermitteln des Vulnerabilitäts-Stress(-Bewältigungs) Modells ➡ Reduktion von Schuld und Scham & Ansatzpunktefür Rückfallvermeidung• Bewältigung von schwierigen Situationen (Stress) z.B. Psychoedukatives Training (Kieserg & Hornung, 1995)
  • Beschreibe die psychologische Intervention "Familienintervention (Expressed Emotion [EE])". Definition: Negative Haltung von Angehörigengegenüber dem Patienten• Kritik: Ausdruck von Missbilligung, Ärger, Abneigung (auch nonverbal)• Feindseligkeit: generalisierende & abwertende Äußerungen• Emotionales Überengagement: extreme Fürsorge einschließlich Verletzung der Intimsphäre des Patienten, Aufopferung• Erfassung: Camberwell Family Interview (halbstandardisiertes Interview mit Patienten &engen Angehörigen) Befunde: • insgesamt > 20 Studien, überwiegend Replikationen• Zusammenhang zwischen EE & Rückfallrisiko gilt als empirisch gesichert Verhaltenstherapeutische Familienbetreuung (Hahlweg et al, 2006):1. Information über die Krankheit2. Verhaltensanalyse familiärer Konflikte3. Kommunikationstraining in Rollenspielen4. Training gemeinschaftlichen Problemlösens ==> deutlich weniger Rückfälle nach 1. und 2. Jahr Familienbetreuung, als nach Einzelbehandlung (=Antipsychotika + unspezifische Betreuung)
  • Beschreibe die psychologische Intervention "Kognitive Verhaltenstherapie". • Beziehungsaufbau & Problemerfassung• Erarbeitung individueller Problemanalysen (z.B. ABC-Schema)• Erarbeitung von Copingstrategien im Umgang mit Symptomen- z.B. Aufmerksamkeit von Stimmen weglenken- Veränderung der Bewertung von Stimmen• kognitive Umstrukturierung wahnhafter Überzeugungen- z.B. Erarbeitung von Alternativerklärungen- z.B. behutsames Aufdecken von Ungereimtheiten• Veränderungen negativer kognitiver Schemata• Aktivitätsaufbau, Training sozialer Fertigkeiten Evaluation: Effekte vergleichbar mit anderen psychologischen Interventionen, Verringerung der Rehospitalisierungsrate (Lincoln et al. 2008) Effekte kognitiver Verhaltenstherapie bei Schizophrenie- Psychologische Interventionen als add-on zur Medikamentösen Therapie- derzeit Verfügbare Methoden weisen kleine bis mittlere Effektstärken auf
  • ZUSAMMENFASSUNG: Schizophrenie ZusammenfassungSymptome und Diagnostik• Wahn, Halluzinationen, Ich-Störung, Desorganisiertheit, Negative Symptome Epidemiologie & Verlauf• Prävalenz: ca. 1-2 %, ähnlich bei Männern und Frauen• Beginn: Jugend, frühes Erwachsenenalter• ca. 25 % haben nur eine Episode, selten dauerhaft psychotische Symptome, sonst episodischer Verlauf Ätiologie• hohe Erblichkeit• Dopaminhypothese & andere Neurotransmitter• degenerative Veränderungen im Gehirn (v.a. im präfrontalen Kortex) & kognitive Beeinträchtigungen• Umweltfaktoren beeinflussen Ersterkrankung und Verlauf Therapie• Antipsychotika, Neuroleptika (z.T. starke Nebenwirkungen)• Psychoedukation, Familieninterventionen, Kognitive Verhaltenstherapie