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RAAP Klinische Psychologie (Subject) / 1 Einführung & Epidemiologie (Lesson)
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- Was ist klinische Psychologie? = diejenige Teildisziplin d Psychologie, die sich mit psychischen Störungen & den psychischen Aspekten somatischer Störungen und Krankheiten in der Forschung, der Diagnostik & Therapie beschäftigt
- Definition Psychotherapie (Definition nach STROTZKA, 1975) - ein bewusster & geplanter interaktioneller Prozess - zur Beeinflussung v Störungen & Leidenszuständen - die in einem Konsensus (möglichst zw Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) f behandlungsbedürftig gehalten werden, - mit psychologischen Mitteln meist verbalen, aber auch non-verbal, - in Richtung auf ein definiertes Ziel, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitet (Symptomreduktion und/oder Strukturänderung d Persönlichkeit) - mittels lehrbarer Techniken - auf der Basis einer Theorie d normalen und pathologischen Verhaltens - in der Regel ist dazu eine tragfähige emotionale Beziehung notwendig
- Gegenstandsbereiche der KP? - psychische Störungen: Angststörungen, Affektive Störungen, Schizophrenie, etc. - psychische Krisen: Akute Belastungsstörung, Anpassungsstörung - psychische Aspekte körperl Erkrankungen: Krebserkrankungen, Herzerkrankungen
- Aufgaben d KP? (4 Stk) - Was ist eine psych Störung & welche Störungen kann man unterscheiden? =KLASSIFIKATION & DIAGNOSTIK - Wie häufig sind psych Störungen? =EPIDEMIOLOGIE - Warum & wie entsteht eine psych Störung? =ÄTIOLOGIE & PATHOGENESE - Wie kann man eine psych Störung verhindern; heilen od verbessern? =INTERVENTION
- Teilgebiete d KP? (5 Stk) - Gesundheitspsychologie Arbeit m gesunden Personen (Risikogruppen) -> Prävention - Verhaltensmedizin psych Aspekte bei somatischen Erkrankungen - klin Neuropsychologie psych Methoden zur Behandlung neurologischer Erkrankungen / Verletzungen - Psychotherapie psych Störungen m psycholog Methoden lindern od heilen - Versorgungsforschung Verfügbarkeit psychlog Interventionsangebote
- Was ist eine psych Störung nach dem traditionellen medizinischen Krankheitsmodell? Modell anhand Bsp erklären. Vorteile nennen. Probleme nennen. ...eine Geisteskrankheit? traditionelles medizinisches Krankheitsmodell:--> körperl Störung od Schädigung (zB genetischer Fehler, Neurotransmitterstörung)--> verursacht...--> psych Auffälligkeiten (zB starke Angst) = Symptome Vorteile:- verspricht eindeutige Diagnostizierbarkeit (Labortests etc)- eindeutige Zuordnung, Diagnose & Therapie (dichotome Unterscheidung: krank vs gesund)- dadurch eindeutiger Anspruch auf Behandlung - wird v Patienten oft als Entlastung empfunden Probleme:- monokausale, somatische "Verursachung" ≠ heutiger Wissensstand- multikausale Verursachung psych Störungen: biologische, psychologische, soziale Faktoren- konkretes Bedingungsgefüge idR unklar-->Verzicht auf den Krankheitsbegriff, stattdessen neutraler: psych Störung
- Was ist eine psych Störung? (4 Merkmale) ! keine einheitl Definition v psych Störungen 1 Persönliches Leid- Verh & Erleben einer Pers gilt als gestört, wenn die Pers erheblich darunter leidet- aber nicht alle Störungen führen zu Leid: zB antisoziale Persönlichkeitsstörung- nicht alles Verh, das Leiden verursacht, ist eine psych Störung (zB Hunger bei Fasten) 2 Beeinträchtigung d Lebensführung (Behinderung)- Schwierigkeiten, in wichtigen Lebensbereichen (zB am Arbeitsplatz od in persönlichen Beziehungen)- nicht alle Störungen führen zu Beeintröchtigungen d Lebensführung (zB Bulimie) 3 Verletzen von (sozialen) Normen - normabweichendes Verh gilt als gestört - aber: zu weit gefasst: nicht alles normabweichende Verh ist eine psych Störung (zB Kriminalität, Intelligenz)- und zu eng gefasst: nicht immer ist sozial abweichendes Verh beobachtbar (zB ängstliche Menschen)- unterliegt kulturellen Einflüssen 4 Dysfunktionales Verhalten - DSM: entwicklungsbezogene, psychische & physische Dysfunktionen - bedarf einer Norm
- Was ist eine psych Störung (nach DSM-5 inkl Abgrenzungen) DSM-5 (APA, 2013)= Syndrom, welches durch klinisch signifikante Störungen in den Kognitionen, in der Emotionsregulation & im Verh einer Pers charakterisiert ist - Störungen sind Ausdruck v dysfunktionalen psychologsichen, biologischen od entwicklungsbezogenen Prozessen, die psych und seelischen Funktionen zugrunde liegen - Störungen sind typischerweise verbunden m bedeutsamen Leiden od Behinderung hinsichtl sozialer od berufs-/ausbildungsbezogender und anderer wichtiger Aktivitäten Abgrenzungen:- eine normativ erwartete & kulturell anerkannte Reaktion auf übliche Stressoren od Verlust (wie zB der Tod einer geliebten Pers) sollte nicht als psych Störung angesehen werden - sozial abweichende Verhaltensweisen (zB politischer, religiöser od sexueller Art) und Konflikte zw Individuum & Gesellschaft sind keine psych Störungen, es sei denn, der Abweichung od dem Konflikt liegt eine der oben genannten Dysfunktionen zugrunde
- Was ist eine psych Störung (allg Definition & Praxis & Störungskategorien)? Allg Definition psych Störung- grobe Kennzeichnung d Phänomens üb Symptome- keine präzisen Regeln zur Anwendung im Einzelfall- subjektives Leiden, Beeinträchtigung Praxis- Feststellung einer psychischen Störung anhand bestimmter Diagnosekriterien f spezif Störungskategorien (zB "depressive Episode" Spezif Störungskategorien- (prizipiell) empirisch überprüfbare wissenschaftliche Konstrukte (Reliabilität, Validität, Nützlichkeit?)- basieren auf dem aktuellen Kenntnisstand zu einem psychopathologischen Phänomen - unterliegen Veränderungen, durch neue Erkenntnisse & Revision d Manuale--> psych Störung = das, was Psychater & klin Psychologen als (spezifische) psych Störung definieren
- Was ist eine psych Störung nach dem Labelling Approach (SCHEFF, 1972)? Was ist Kritik an diesem? ...ein Label (Etikett) Labelling Approach (SCHEFF, 1972)- psych Auffälligkeiten sind normalerweise vorübergehender Natur- Zuweisung einer Diagnose → öffentliches Stereotyp- Übernahme d Krankenrolle durch Patienten wird sozial verstärkt → Etablierung d Störung (Man darf Schonverh zeigen; Mitleid durch Andere) Kritik- Verharmlosung d "primären Abweichung" verhindert Ursachenforschung - Labelling als "bedeutendste Ursache d klin Verlaufs" nicht belegt - unklare Konsequenzen f Therapie: reicht Verzicht auf Label? Aber: Sensibilisierung f das Problem d Stigmatisierung & Diskriminierung
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- Hauptkategorien des DSM-5? (21 Stk) - Entwicklungsstörungen - Schizophrenie & andere psychotische Störungen - bipolare Störungen - depressive Störungen - Angststörungen - Zwangsstörungen & verwandte Störungen - Trauma- und Stressbezogene Störungen - Dissoziative Störungen - somatische Symptome & verwandte Störungen - Fütter- und Essstörungen - Ausscheidungsstörungen - Störungen d Schlaf-Wach-Rhythmus- Sexuelle Störungen - "Gender Dysphoria"- Störungen d Impulskontrolle- Substanzbezogene & verwandte Störungen - Neurokognitive Störungen - Persönlichkeitsstörungen- paraphile Störungen - andere psychische Störungen - Medikamentös-induzierte Bewegungsstörungen & andere Nebenwirkungen
- Was ist Epidemiologie? Unterscheidung Dekriptive E. & Analytische E. im Rahmen psychischer Störungen? Epidemiologie= deskriptive Wissenschaft v der Entstehung, Verbreitung, Bekämpfung & den sozialen Folgen v Epidemien, zeittypischen Massenerkrankungen & Zivilisationsschäden Deskriptive E.→Versorgung→Politik- Wie häufg sind psych Störungen in der Bevölkerung?- Wie häufig werden psych Störungen erkannt & (angemessen) behandelt?- Wie hoch ist der Bedarf an Behandlung & Versorgung?- In welchem Alter beginnen psych Störungen & wie verlaufen sie? Analystische E.→Ätiologie- Was sind Risikofaktoren f psych Störungen?
- Was sind die 5 häufigsten psych Störungen in Europa? (12-Monatsprävalenz/12MP; Alter 18-65; aus 21 europäischen Studien; WITTCHEN & JACOBI, 2005) 1 Major Depression (12MP = 6,9)2 Spezifische Phobien (12MP = 6,4)3 somatoforme Störungen (12MP = 6,3)4 Alkoholabhängigkeit (12MP = 2,4)5 Soziale Phobie (12MP = 2,3)
- Wie gewinnt man epidemiologische Daten? Stichprobenziehung - möglichst repräsentativ f Zielpopulation- möglichst hohe Ausschöpfungsquote (response rate)- angemessene SPgröße (v.a. für seltene Ereignisse) Datenerhebung- exakte Falldefinition- standardisierte diagnostische Verfahren - Interviewertraining- Voraussetzung: Verfügbarkeit reliabler Diagnosekriterien! erste methodisch befriedigende Studie:- Epidemiological Catchment Area Program (ECA; Robins & Regier, 1990)- Anregung international vergleichbarer Studien
- Wie viel % der erwachsenen Deutschen erhalten eine Lifetime-Diagnose für Major Depression oder/und Dysthymie? unipolare depressive Störungen (DSM-IV) Lebenszeit-Prävalenz→17%
- Bundesgesundheitssurvey 1997/98 (BGS98): Methode? Ergebnisse? Methode- repräsentativ: Zufallsstichprobe aus Einwohnermelderegistern in 130 repräsentativ ausgewählten Regionen- Ausschöpfungsquote: 55%- Gewichtung d Daten zum Ausgleich systematischer Nichtteilnahme- diagnostisches Interview: Composite International Diagnostic Interview (CIDI) Ergebnisse→ 12-Monatsprävalenzen psychischer Störungen in der erwachsenen Allgbevölkerung (in %) in Deutschland - Angststörungen 14.5 - spezif Phobien 7.6- affektive Störungen 11.9 - Major Depression 8.3- somatoforme Störungen 11.0 - Schmerzstörung 8.1- substanzbezogene Störungen 4.5 - Alkabhängigkeit / -missbrauch 4.1- psychotische Störungen 2.6- psych Störungen aufgrund eines med Krankheitsfaktors - 1.3- Essstörungen - 0.3- mind 1 Störung - 31.3 (bedeutet: jeder 3. hat in einem 12-Monatszeitraum 1 Störung)- davon > 1 Störung - 43.7 - Lebenszeitrisiko (alle Störungen) - 48%
- Fragestellungen d analytischen Epidemiologie? (2 Stk) Was sind Risikofaktoren f psychische Störungen?Mit welchen biologischen, psychologischen & sozialen Merkmalen sind psychische Störungen assoziiert?
- Risikofaktoren f psych Störungen: Wie äußert sich der Risikofaktor "Geschlecht" in den 12MP psych Störungen (in %)? Frauen haben höheres Risiko f psych Störungen als Männer (außer Substanzmissbrauch) - mind. 1 Störung → Frauen höheres Risiko → 37.0 > 25.3- Angststörungen → Frauen höheres Risiko → 19.8 > 9.2- Affektive Störungen → F höheres Risiko → 15.4 > 8.5- somatoforme Störungen → F höheres R →15.0 > 7.1- substanzbezogene Störungen → F geringeres R → 1.7 < 7.2- psychotische Störungen → F gleiches R wie M → 2.5 = 2.6- psych Störungen aufgrund eines med Krankheitsfaktors → 1.9 > 0.8- Essstörungen → F höheres R → 0.5 > 0.2
- Risikomaße: Relatives Risiko (RR) inkl Berechnung? Relatives Risiko (RR)- gibt das Ausmaß an, in dem ein Risikofaktor die Inzidenz d Krankheit beeinflusst - Verhältnis d Krankheitshäufigkeit in einer Bevölkerung m einem Risikofaktor im Vgl zu einer Bevölkerung oh diesen Risikofaktor:- Verhältnis d Wsk f Störung bei Vorliegen d Risikofaktors A (pA) zur Wsk f Störung oh Vorliegen d Risikofaktor A (p0) → RR = pA / p0 - Bsp: Das relative Risiko (RR) zum Vgl d Risikos f eine Angststörung bei Frauen & Männern wird definiert als der Quotient aus der Wsk pFrauen f eine Angststörung & der Wsk pMänner - RR = pFrauen / pMänner- mind 1 Störung → Frauen 37.0 > Männer 25.3 → RR = 37/25.3 = 1.46
- Risikomaße: Odds Ratio (OR) inkl Berechnung? Odds Ratio (OR)= Quotenverhältnis: besser geeignet bei seltenen Erkrankungen (im Vgl zu häufigen)- Das Maß gibt an, wie viel häufiger das Erkrankungsrisiko m Risikofaktor im Vgl zu einer Vergleichsstichpobe oh diesen Risikofaktor ist - Quotient aus den Odds in 2 Gruppen (zB mit/ohne Risikofaktor, Männer/Frauen)- Odds = Quotient p/(1-p) aus dem Risiko f eine Störung bei Vorliegen eines Risikofaktors & der Gegenwsk→OR Frauen/Männer = OddsFrauen/OddsMänner = (pFrauen / (1-pFrauen)) / (pMänner / (1-pMänner)) - OR zw 0 & unendlich - OR = 1 → Odds in beiden Gruppen gleich - OR > 1 → Risiko in einer Gruppe größer bzw kleiner (<1)- OR = 2 → eine Gruppe hat ein doppeltes Odds, d.h. doppelt so hohes Risiko
- Soziodemografische Risikofaktoren f psych Störungen? (BGS98) Odds Ratios:- Familienstand ledig (vs verheiratet) → 1.4- Familienstand getrennt / verwitwet (vs verheiratet) → 2.1- Arbeitslos (vs Vollzeitbeschäftigt) → 1.8- Wohnort Großstadt (>500.000 Ew) → 1.7- hohe soz Schicht (vs niedrige) → 0.7 ! Achtung bei Interpretation - Ursache oder Folge? Aussage nicht mögl!
- Risikofaktoren f psych Störungen: andere psych Störungen? - Angststörungen am häufigsten komorbid m affektiven Stör- affektive am häufigsten m Angst- somatoforme Stör am häufigsten m Angst - Substanzstör am häufgsten m Angststör & affektiven Stör
- Prävalenz? Inzidenz? Risiko? Prävalenz - Prozentsatz aller Störungsfälle in definierter Poulation zu bestimmtem Zeitpunkt (Stichtag): Punktprävalenz bzw in bestimmtem Zeitraum: Periodenprävalenz- zB 12-Monats-Prävalenz, Lebenszeitprävalenz Inzidenz- Anteil d neuen Störungsfälle in bestimmtem Zeitraum nur längsschnittlich zu erfassen (mind 2 Messzeitpunkte) Risiko- Wahrscheinlichkeit bis zu Alter X Störung Y jemals gehabt zu haben - zB Lebenszeitrisiko: Schätzung aufgrund bekannter Prävalenz & Inzidenz - wichtig: das Lebenszeitrisiko > Lebenszeitprävalenz (Das Lebenszeitrisiko ist höher als die Lebenszeitprävalenz, da letztere sich auf alle Personen der untersuchten Population bezieht, also auch auf die jüngeren, die die gesamte Risikophase noch nicht durchlaufen haben.)