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Rechtspsychologie (Subject) / Aussagepsychologie (Lesson)

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  • Logische Konsistenz Eine Aussage ist in sich schlüssig und frei von Widersprüchen. Logische Konsistenz ? ungleich Vordergründige Plausibilität
  • Ungeordnete Reproduktionsweise Ausgedachte Schilderungen werden chronologisch geordnet vorgetragen. Erlebnisbasierte Schilderungen können sprunghaft und ungeordnet dargestellt werden. Dies ist für ausgedachte Schilderungen kognitiv anstrengender.(z.B. aus einem komplexen Geschehen wird ein Detail herausgegriffen)
  • Quantitativer Detailreichtum Es werden quantitativ viele Einzelheiten aus verschiedenen Bereichen berichtet (z.B. zu Personen, Handlungen, Örtlichkeiten, Zeiten).
  • kontextuelle Einbettung (Subkriterium Detailreichtum) Eine Aussage ist zeitlich, örtlich, handlungsbezogen sowie biografisch referenziert. (z.B. Wann und wo wurde eine Absprache getroffen?)
  • Beschreibung von Interaktionen (Subkriterium Detailreichtum) Psychologisch nachvollziehbare Sequenzen von Aktionen und darauf folgende Reaktionen werden beschrieben. (z.B. Wie hast Du reagiert, als X. weggeschaut hat?)
  • Wiedergabe von Gesprächen (Subkriterium Detailreichtum) Aussage wird nach Gesprächssequenzen auf Rede und Gegenrede untersucht
  • Schilderungen von Komplikationen (Subkriterium Detailreichtum) Handlungsabbrüche oder -unterbrechungen, Störungen, die sich auf den weiteren Handlungsablauf beziehen, Misserfolge im Handlungsfortgang werden beschrieben. (z.B. Fahrradkette)
  • Ungewöhnliche Details (Subkriterium Detailreichtum) Ungewöhnliche Details, die eine geringe Auftretenswahrscheinlichkeit haben.
  • Nebensächliche und überflüssige Details (Subkriterium Detailreichtum) Aussagen, die mit dem Tathergang nichts zu tun haben und für das Kerngeschehen der Aussage meist unnötig sind
  • Phänomengemäße Beschreibung unverstandener Ereignisse (Subkriterium) Aussage enthält konkrete Schilderungen von Geschehensabläufen, die ein Zeuge nicht einordnen kann oder nicht verstanden hat, von deren Wahrnehmung ein Zeuge dennoch überzeugt ist.
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  • Externe Assoziationen oder indirekt handlungsbezogene Schilderungen (Subkriterium) Schilderungen von Erlebnissen, die dem behaupteten Tatgeschehen ähnlich sind, sich aber zu einem anderen Zeitpunkt und mit anderen Personen ereignet haben.
  • Beschreibung eigener psychischer Vorgänge (Subkriterium Detailreichtum) Schilderung von Gedanken, gefühlsbezogenen oder physiologischen Abläufen, die mit dem Kerngeschehen zusammenhängen. Schließt Gedanken zum Kerngeschehen und physiologische Vorgänge ein (z.B. Herzrasen, Schwitzen, Zittern)
  • Beschreibung psychischer Vorgänge beim Beschuldigten (Subkriterium Detailreichtum) Schilderung von Gedanken, gefühlsbezogenen oder physiologischen Abläufen, die mit dem Kerngeschehen zusammenhängen bei dem Beschuldigten.
  • Spontane Selbstkorrekturen Inhaltliche nicht grammatikalische Korrekturen oder Verbesserungen der eigenen Aussage. Spontan bedeutet, dass die Korrekturen ohne äußere Veranlassung (d.h. ohne Nachfragen, Aufzeigen von Widersprüchen erfolgen)
  • Zugeben von Erinnerungslücken Ein aussagender Zeuge ist bemüht, den Eindruck der Unsicherheit zu vermeiden und versucht keine Lücken in der Selbstdarstellung entstehen zu lassen. Ist eine Aussage erlebnisbegründet, können Erinnerungslücken und –ungenauig- keiten zugegeben werden. Wenn eine Aussage keine Erlebnisgrundlage hat, können der Aussage leicht Konfabulationen (Veränderungen der Aussage, z.B. Vertauschung von Details) hinzugefügt werden. => Konfabulationen können aber auch aus der Komplexität des Alltags entstehen / sollte nicht als alleiniges Kriterium interpretiert werden.
  • Zweifel an / Einwände gegen die Richtigkeit der eigenen Aussage Ein Zeuge findet seine Darstellung unplausibel, unwahrscheinlich oder kommentiert sie als „merkwürdig“, „komisch“ im Sinne von seltsam Beispiel: „Merkwürdig, ich hatte doch die Tür abgeschlossen. Wie kann sie nun unverschlossen sein?“
  • Selbstbelastende Äußerungen Ein/e Person/Zeuge stellt sich in ungünstiger Weise dar. Eigenbeteiligungen an einem Geschehen, Einräumen von Fehlverhalten gelten als Hinweis auf Erlebnisbezug. Beispiel: Herr X. gibt an: „Ich habe nicht insistiert, obwohl ich anderer Meinung war und die Entscheidung so nicht gewollt habe.“
  • Entlastung des Beschuldigten Es werden Umstände geschildert, die explizit oder implizit die behaupteten Handlungen des Beschuldigten/Verdächtigen entschuldigen. Beispiel: Herr Y. war stark alkoholisiert als er mit dem Auto gegen den Baum fuhr. Aufgrund des Alkoholspiegels konnte er sein Verhalten nicht angemessen steuern.
  • Deliktspezifische Aussageelemente Handlungen, die nach kriminologischen und viktimologischen Erkenntnissen im Zuge der behaupteten Tat typischerweise vorkommen.
  • Aussagegenauigkeit vs. Glaubwürdigkeit o   Aussagegenauigkeit = Aussagefehler, die durch unbeabsichtigte Irrtümer verursacht werden, betreffen die Genauigkeit einer Zeugenaussage (vgl. „accuracy“) o   Glaubwürdigkeit = Aussagen, die absichtlich von Zeugen verfälscht wurden, d.h. eine veränderte Darstellung des Sachverhalts ergeben, als sie vom Zeugen subjektiv für unzutreffend gehalten werden.1.     Zugrundeliegende Motivation des Aussagenden beeinflusst also die Differenzierung zwischen Aussagegenauigkeit und Glaubwürdigkeit 2.     Eine Aussage kann also glaubwürdig sein, aber Fehler und Lücken enthalten
  • Glaubwürdigkeit als Trait o   Generelle Glaubwürdigkeit: wenn bei Personen davon ausgegangen werden kann, dass sie generell aufrichtige Angaben machen, werden sie mit hoher W. sehr oft die Wahrheit sagen. o   JEDOCH: nach Undeutsch (1954) ist das Konzept der allgemeinen Glaubwürdigkeit unbrauchbar1.     Personen können in der einen Situation die Wahrheit sagen und in einer anderen lügen             -> keine Generalisierung möglich 2.     Keine Belege dafür, das allgemeine Glaubwürdigkeit ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal ist3.     WICHTIG: bei einer aussagepsychologischer Begutachtung geht es nicht um den Trait Glaubwürdigkeit, sondern um eine Beurteilung hinsichtlich der Angaben zu einem bestimmten Geschehen
  • Worum geht es also bei der Beurteilung von Zeugenaussagen? o   ..um die diagnostische Kompetenz, Befragungen fachlich so durchzuführen, dass diagnostisch auswertbare Informationen im Rahmen der Begutachtung entstehen 1.     Prüfung nach Suggestiv Fragen2.     Prüfung der Aussagefähigkeit 3.     (zu hohe) Aussagemotivation prüfen 4.     Psychische Störungen prüfen..
  • Soziales Hypothesentesten in der Aussagepsychologie o   4 Schritte nach Schulz-Hardt und Köhnken (2000)  1. „Wenn-Dann-Regeln“ über mögliche Evidenz formulieren („Wenn ein Missbrauch vorliegt, dann müssten die Kinder verstört sein“)2. Suche nach der für relevant gehaltenen Evidenz 3. Identifizierung der Evidenz (bei nicht völlig eindeutiger Evidenz muss sie kategorisiert bzw. interpretiert werden)4. Rückschlüsse in Hinblick auf die Hypothese ziehen (Einschätzung über die Wahrscheinlichkeit des Zutreffens der Hypothese) ·Methodische Grundsätze:o   Ein zu überprüfender Sachverhalt wird solange negiert, bis diese Negation mit den gesammelten Fakten und Evidenzen nicht mehr vereinbar ist. o   Dennoch forscht man nach Aspekten die für die Erlebnisbasiertheit und nicht für die Nullhypothese
  • „Bias“ beim konfirmatorischen Hypothesentesten ·Hypothesentesten sollte nicht konfirmatorisch (überprüfend) stattfinden: 1. durch Kognitive Prozesse         - uneindeutige Evidenz wird hypothesenkonsistent interpretiert         - Überschätzung der a-priori Wahrscheinlichkeit der Hypothese 2. durch die Konfirmatorische Teststrategie 3. durch Motivationale Prozesse         - Wahl einer höheren Schwelle zur Zurückweisung als zur Annahme der Hypothese
  • Modell des sozialen Hypothesentestens nach (Trope & Libermann, 1996) 1. Genereriung der Hypthese 2. Ableitung von Evidenzregeln  3. Informationssuche 4. Identifizierung der Evidenz  5. Schlussfolgerung  --> viele weitere Modelle sehr ähnlich aufgebaut!!
  • Soziales Hypothesentesten in der Aussagepsychologie 1. Induzierte Hypothese --> Dann entscheidend der "Interne Anfangsverdacht": entweder HOCH oder NIEDRIG - bei hohem Anfangsverdacht: Konfirmatorisches Testen als Folge mit einem Verzerrten Urteil als Resultat!  - bei einem niedrigen Anfangsverdacht: Ausgewogenens Testen mit einem objektiven Urteil als Resultat
  • Verzerrungen beim Hypothesentesten ·Viele Verzerrungen können beim Hypothesentesten entstehen, sobald der Prüfende subjektive Überzeugtheit mit reinbringt: Fachwissen kann diese Verzerrungen aufheben! ·Beispiele:    o   Subjektiv Überzeugte haben eine geringere Erkennungsleistung für hypotheseninkonsistente Informationen // Fachwissende erkennen diese eher!     o   Subjektive Überzeugte interpretieren uneindeutige Informationen häufiger hypothesenkonsistent // Fachwissende tun das weniger stark!     o   Subjektiv Überzeugte bestätigen die Prüfhypothese eher und weniger Alternativhypothesen werden berücksichtigt // Fachwissende bestätigen die Prüfhypothesen seltener und berücksichtigen auch Alternativhypothesen ·Folgende Punkte können sich ebenfalls negativ auf die Aussagen in Bezug auf eine Hypothese auswirken o   Solidarisierungsdruck o   Gruppendynamik (hypothesenbestätigendes Denken)o   Wiederholte suggestive Befragungen der „Opfer“
  • Aussagetüchtigkeit (auch Zeugentüchtigkeit, Aussagezuverlässigkeit) o   Voraussetzungen: 1.     Zeuge kann sein, wer keine offenkundigen, gravierenden Abweichungen vom Normalen aufweist 2.     Personen, die zur Wahrnehmung und Reproduktion eines Geschehens fähig sind 3.     Schließt Personen mit schweren körperlichen oder geistigen Gebrechen nicht grundsätzlich aus
  • Dimensionen der Aussagetüchtigkeit o   Grundvoraussetzungen: 1.     Adäquate Situationswahrnehmung -> Korrekte Einordnung auch gg. Soz. Druck2.     Speicherung über längeren Zeitraum -> Abstand von Wochen oder Monaten3.     Angemessenes Quellenmonitoring -> Wer, was, wann, wo, wie?4.     Weitgehend selbstständiger Abruf -> Spontane Widergabe, Stichwortbasiert, reduziert Einfluss suggestiver Fragen    o   In der Forensischen Befragungssituation1.     Konzentrationsfähigkeit 2.     Fähigkeit, eine für Dritte nachvollziehbare Schilderung zu produzieren            - Sprachliches Ausdrucksvermögen (Überschussbedeutung, Sprachstil)           - Vorhandensein von Kontrollmöglichkeiten gegenüber Suggestiv-Einflüssen (Gegenteilige Argumente vorbringen können)           - Beherrschung relevanter kommunikativer Kompetenzen 3.     Spezifischer Kontext          - Zuverlässigkeitsmotivation (motivationale Absichten?) Außerdem keine von vornhinein bestehende Altersgrenzeo   Es kann also jede Person als Zeuge fungieren, die zu einer gerichtsverwertbaren Aussage fähig ist Leitfrage der Aussagetüchtigkeit: o   Könnte der Zeuge eine Aussage über einen Sachverhalt der in Frage stehenden Art machen? o   Unter Berücksichtigung        1. Der gegebenen individuellen Voraussetzungen (zum Zeitpunkt des Ereignisses + Zeitpunkt der Befragung)         2. Der seither vergangenen Zeit und möglicher Einflussgrößen
  • Prüfung der Aussagetüchtigkeit o   2-schrittiges Vorgehen      1. Lag zum aussagerelevanten Zeitpunkt eine psychiatrische / psychische Störung vor?      2. Falls Ja: Wie wirken die Merkmale der Störung auf die Dimensionen der Aussagetüchtigkeit?      3. Falls Nein: Keine Weiteren psychiatrischen Fragen WICHTIG: Vorliegen einer psychiatrischen Störung führt nicht automatisch zur Aufhebung der Aussagetüchtigkeit
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  • Aussagequalität bei Persönlichkeitsstörungen o   Beispiel Border-Line: Prüfung ob vorhanden und wie sich diese auf Aussageentstehung- und Qualität auswirkt durch psychiatrischen und psychologischen Sachverständigen · Aussagetüchtigkeit bei Persönlichkeitsstörungen      o Autosuggestive Prozesse bei Personen mit Borderline relevant!              1.     Aussagezuverlässigkeit prüfen              2.     Nicht-intentionale vs. intentionale Aussageverfälschung prüfen              3.     Einfluss von recovered memories (Erinnerungen nur unbewusst vorhanden)! ·       Symptome von Borderline, die wichtig im Zusammenhang mit Aussagetüchtigkeit sind     o   Itentitätsstörungen (Instabilität des Selbstbildes und der Selbstwahrnehmung): kann zu gesteigerter Empfänglichkeit Betroffener für suggestive bzw. Autosuggestive Prozesse und Neuinterpretationen in der Vergangenheit führen à immer in Bezug auf die spezifische Aussage prüfen      o   Impulsivität: keine grundlegenden Kompetenzen beeinträchtigt, kann jedoch auch zu auto-suggestiven Prozessen führen. Außerdem wichtig: Borderline kann zu selbstschädigenden Aktivitäten auch im Bereich der Sexualität führen.
  • Realkennzeichen 1.     Logische Konsistenz der Aussagen 2.     (Chronologisch) unstrukturierte Darstellungen 3.     Quantitativer Detailreichtum der Aussagen 4.     Raum-zeitliche Verknüpfungen 5.     Interaktionsschilderungen 6.     Wiedergabe von Gesprächen 7.     Schilderung von Komplikationen im Handlungsablauf 8.     Schilderung ausgefallener Einzelheiten 9.     Schilderung nebensächlicher Einzelheiten 10.   Phänomengemäße Schilderung unverstandener Sachverhalte / indirekt Handlungsbezogen 11.   Schilderung eigener psychischer Vorgänge und des Beschuldigten12.   Spontane Verbesserung der eigenen Aussage 13.   Eingeständnis von Erinnerungslücken / Einwände gg. Eigene Aussage14.   Selbstbelastungen 15.   Entlastung des Anschuldigten 16.   Deliktspezifische Aussagenelemente
  • Subklassifikation Realkennzeichen -       Allgemeine Merkmale -       Spezielle Inhalte -       Inhaltliche Besonderheiten -       Motivationsbezogene Inhalte (potenzieller Bezug zu Absichten) -       Deliktspezifische Inhalte
  • Empirische Belege für die Differenzierung der Realkennzeichen -        Auswertung von 138 aussagepsychologischen Gutachten anhand der Realkennzeichen durch 14 Sachverständige -        Es zeigen sich hohe Trennschärfen und auch hohe Reliabilitäten (Cronbach’s alpha) -        Je nachdem wie leicht die Realkennzeichen zu erkennen sind, sind auch die Werte höher!                 §  Z.B. Logische Konsistenz, Detailreichtum, Eigenpsychische Informationen -        Im Vergleich dazu: Trennschärfen bei generierten Texten zwei bis dreimal niedriger!! Angabe zur Reliabilität fehlt. -        Außerdem hat sich in der Empirie gezeigt, dass Training extrem wichtig ist für korrekte Identifikation von Aussagen             §  Man kann das Erkennen von Realkennzeichen trainieren -        Zu Unterschieden bei den Realkennzeichen in verschiedenen Kulturkreisen                 §  Die Realkennzeichenanalyse ist in der Lage kulturunabhängig zwischen realen und nicht realen Ereignissen zu trennen                        §  Jedoch sind einzelne trennscharfe Realkennzeichen kulturell verschieden // deckt sich mit der Forschung zu kulturellen Unterschieden in der Wahrnehmung und der sozial-kognitiven Verarbeitung!
  • Zusammenfassung Leue Aussagepsychologie 1 o   Aussagegenauigkeit, Glaubhaftigkeit und Glaubwürdigkeit können differenziert werden. Glaubwürdigkeit kann als Trait verstanden werden, es sollte jedoch eine entsprechende  Konstruktdefinition vorliegen. Viel Kritik am Trait Ansatz der Glaubwürdigkeit! Immer eher die Glaubhaftigkeit einer Aussage prüfen. o   Aussagepsychologie entwickelt sich ständig weiter: BGH Urteile oder wissenschaftliche Erkenntnisse u.a. zum sozialen Hypothesentesten (Verzerrungen usw.) o   Verschiedene Kriterien definieren die Aussagetüchtigkeit von Zeugen o   Die Aussagepsychologie erfolgt allgemein kriterienbasiert und kann verschiedene empirische Belege vorweisen
  • Aussagepsychologie als diagnostischer Prozess 1.     Es gibt einen Ausgangspunkt (Fallschilderung) aus denen eine Nullhypothese und weitere Hypothesen gebildet werden 2.     & 3. Es folgen über mehrere Testzeitpunkte eine querschnittliche Ereignisanalyse (Aussagen werden hinsichtlich der Realkennzeichen geprüft) und eine längsschnittliche Ereignisanalyse à Konstanzanalyse-       Das ganze bildet dann eine kriterienbasierte Aussageanalyse ab 4.: Es kommt zu einer Gesamtbeurteilung der Aussagen -       Teilergebnisse werden integriert-       Annahme der Null vs. der Realitätshypothese?-       Fehlequellen werden diskutiert (Suggestionseffekte, Instruktionseffekte, Abwehr neuer Informationen)
  • Zu 1.: Wie werden Hypothesen in der Aussagepsychologie generiert? o   Erlebnis- oder Realitätshypothese: -       Es werden unter subjektivem Wahrheitsvorsatz eigene Erlebnisse berichtet o   Nullhypothese: -       Die Aussage ist unwahr.§  Es sollen keine Zeugen diskreditiert werden, sondern Evidenzen geprüft werden §  Die Nullhypothese wird dann verworfen, wenn sich auf der Grundlage der Evidenzen genügend Hinweise für die Realitätshypothese ergeben haben. o   Subhypothesen:         - SH1 – Konfabulationshypothese: Aussage hat keine Erlebnisgrundlage und wird als Phantasieprodukt eingeschätzt. Sobald eine Aussage Qualitäten aufweist (Realkennzeichen) wird die Konfabulationshypothese verworfen        - SH2 – Wahrnehmungsübertragungshypothese: Es wird geprüft, ob die Aussage durch eine Übertragung von Informationen aus Medien (Filmen, Zeitschriten, usw.) stammt.        - SH3 – Instruktionshypothese: Ein Zeuge wird instruiert eine falsche oder unwahre Aussage zu machen.             § Aussagen sind evtl. „trainiert“ und hat sich ein Erwachsener ausgedacht, nicht der kindliche Zeuge            § Oft bei konflikthaften Beziehungen zwischen Personen aus dem sozialen Unfeld (Sorgerechts- und Scheidungsfälle)       -SH4 Suggestionshypothese: Zeugenaussagen können Ergebnis von Suggestionseinflüssen sein.             § Eine Aussage kann eine hohe inhaltliche Qualität aufweisen (Realkennzeichen) und trotzdem nicht zuverlässig sein.             § Suggestionseinflüsse können zu Falschinformationseffekten bzw. Pseudoerinnerungen führen
  • Zu 3.: Konstanzanalyse o   Lage: Über einen Sachverhalt liegt eine Aussage zu verschiedenen Zeitpunkten vor. o   Die Aussage kann nun bewertet werden in Bezug auf folgende Verhaltensparameter: 1.     Auslassungen: Aussagendetails, die in einer vorherigen Aussage genannt wurden 2.     Ergänzungen: neue Aussagendetails, die zuvor nicht benannt wurden3.     Widersprüche: Anderslautende Aussagendetails in verschiedenen Aussageversionen o   Folgende Annahmen werden im Rahmen der Konstanzanalyse getroffen:       1. Erinnerungen an selbst erlebte Ereignisse werden länger im Gedächtnis gespeichert als mental Vorgestelltes      2. Erlebnisbasierte Aussagen beinhalten mehr Übereinstimmungen bezogen Kerngeschehen als erfundene Aussagen      3. Auch bei erlebnisbasierten Aussagen treten Erinnerungsverluste auf      4. Die Vergessensprozesse verlaufen ungleichmäßig (Gedächtnispsychologie)             - Vergessensprozesse die konstant verlaufen: Aspekte des Kerngeschehens, Unmittelbar beteiligte Personen, Örtlichkeit des Geschehens, Lichtverhältnisse             - Vergessensprozesse die inkonstant verlaufen: Aspekte außerhalb des Kerngeschehens, nicht unmittelbar beteiligte Begleitpersonen, Wortlaut und Sinngehalt von Gesprächen, Schätzungen o   Konstanz der Aussage = Mindestanforderung an eine als glaubhaft beurteilte Aussage!
  • Kriterienbasierte Aussagenanalyse: o   Wichtig: Mit Hilfe der Realkennzeichen kann die Qualität einer Aussage ermittelt werden. Dabei geht es nicht allein um das Vorhandensein von Realkennzeichen, um Glaubhaftigkeit zu ermitteln, sondern auch um den Vergleich zwischen der Aussagequalität und der (Erfindungs-) Kompetenz des Aussagenden. Also sind die Realkennzeichen keine einfach Checkliste sondern müssen noch in den Bezug zu Kompetenzen, Erfahrungen und allfällige psych. Störungen des Aussagenden gesetzt werden. o   Ebenfalls interessant: Sprache ist vielfältig deutbar (immer abhängig von Erfahrungshintergründen oder kulturellen Einflüssen)
  • Was ist Suggestion? o   Jede Form von Beeinflussung, die eine Person Übernimmt. Die beeinflussenden Informationen können einer Person durch Gespräche, Befragungen und nachträglich Informationen übermittelt werden. o   Suggestionseinflüsse können zu Falschinformationen und Pseudoerinnerungen führen. -Falschaussagen können durch unabsichtliche Irrtümer (z.B. Unwissen, sprachliche Ungenauigkeiten), bewusstes Lügen oder Suggestion zustande kommen.
  • Differenzierung von Suggestionseffekten o   (1) Falschinformationseffekt: -       Informationen, die Zeugen nach einem tatsächlich stattgefundenen Ereignis erhalten, können Erinnerungen an das Ereignis verzerren und verändern. o   (2) Befragungstechnik: -       Zusammenkrach-Frage vs. neutrale Frage -> Frageformulierungen beeinflussen Aussagen o   (3) Pseudoerinnerungen: -       Erinnerungen über Ereignisse werden induziert. Eine Person ist dabei überzeugt, dass ein Ereignis sicher stattgefunden hat.-       Erlebnisbasierte und suggerierte Erinnerungen lassen sich anhand der Realkennzeichen nicht unterscheiden.    §  Aufgrund der subjektiv empfundenen Wahrheit, weisen beide eine hohe Aussagequalität auf    §  Die Voreinstellung des Befragers, ein Ereignis sei tatsächlich passiert, ist ein zentrales suggestionsförderndes Element!
  • Zusammenhang zwischen Sprache und Pseudoerinnerungen: o   Unterschiede bei der Bildung von Pseudoerinnerungen durch die Verwendung von bestimmten vs. unbestimmten Artikeln o   Auch die Verwendung von Verben hat Einfluss auf Zeugenaussagen o   Und natürlich Suggestive Frageformen -       Leading questions (Vorhaltfragen mit vorausgesetzten Fakten)-       Eingekleidete Wertungen und Deskriptionen -       Implizite Erwartungen -       Geschaffener Konformitätsdruck
  • • Hinweise auf fremd-suggestive Prozesse bei Kindern: o   Befragungen erfolgten nicht ergebnisoffen, sondern auf ein bestimmtes Ziel hin o   Kind bestätigt entsprechende Fragen zunächst nicht, bzw. verneint diese explizito   Erste Äußerungen erst nach mehreren Befragungen o   Zunächst vage, inkonsistente Äußerungen; erst im Laufe mehrerer Befragungen zunehmende Konstanz und Überzeugung (durch Phantasie?)
  • • Hinweise auf Pseudoerinnerungen bei Erwachsenen o   Vor der Aussage bestand bei der Person selbst oder im Umfeld die Annahme, es lägen bislang nicht bekannte Erinnerungen voro   Mit oder ohne therapeutische Unterstützung erfolgten explizite Erinnerungsbemühungen o   Die Erinnerungen kamen erst im Laufe wiederholter Erinnerungsbemühungen o   Es kam zu Erinnerungen an Ereignisse aus den ersten beiden Lebensjahreno   Im Laufe der Zeit kam es zu immer mehr Erinnerungen
  • Zusammenfassung Leue Aussagepsychologie 2 o   Aussagepsychologie beinhaltet umfassenden diagnostischen Prozess, der auch mit Fehlern verbunden sein kann!-       Immer offen dafür sein, dass Fehler auftreten können, und auch offen dafür sein, dass neue Informationen zu veränderten Interpretationen führen können (jumping to conclusion -> voreilig Schlüsse ziehen) o   Sprachliche Kompetenzen der Befragten und Fragenden können die Hypothesenprüfung in aussagepsychologischen Situationen beeinflussen, sodass von einer Entscheidung die Integration weiterer Infos und Datenarten wünschenswert ist (Mehr-Ebenen-Ansatz! Z.B. wenn Aussage gg. Aussage steht)
  • • Ordnen Sie folgendes Beispiel dem passenden Realkennzeichen zu: Ein Zeuge sagt ,,dann hab ich das blaue Auto gesehen, ach ne das war doch rot‘   Spontane Verbesserung der eigenen Aussage / Selbstkorrekturen
  • • Was ist mit logischer Konsistenz gemeint bei den Realkennzeichen?  Eine Aussage ist in sich schlüssig und frei von Widersprüchen
  • Kriterien für Aussagetüchtigkeit 1.     Zeuge kann sein, wer keine offenkundigen, gravierenden Abweichungen vom Normalen aufweist2.     Personen, die zur Wahrnehmung und Reproduktion eines Geschehens fähig sind 3.     Schließt Personen mit schweren körperlichen oder geistigen Gebrechen nicht grundsätzlich aus
  • • 4 Annahmen zur Konstanzanalyse (MC) 1.     Erinnerungen an selbst erlebte Ereignisse werden länger im Gedächtnis gespeichert als mental Vorgestelltes2.     Erlebnisbasierte Aussagen beinhalten mehr Übereinstimmungen bezogen Kerngeschehen als erfundene Aussagen3.     Auch bei erlebnisbasierten Aussagen treten Erinnerungsverluste auf4.     Die Vergessensprozesse verlaufen ungleichmäßig (Gedächtnispsychologie)
  • • In welche 5 Subkategorien lassen sich die Realkennzeichen klassifizieren? -       Allgemeine Merkmale-        Spezielle Inhalte-       Inhaltliche Besonderheiten-       Motivationsbezogene Inhalte (potenzieller Bezug zu Absichten)-       Deliktspezifische Inhalte