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Rechtspsychologie (Subject) / Delinquenz (Lesson)

und interindividuelle Unterschiede

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  • Warum sind interindividuelle Unterschiede im Bereich der Rechtspsychologie relevant? o   Für die Ableitung von Präventionsprogrammen oder alternativen Handlungsoptionen o   In der Zeugenvernehmung: dort können sich diese Unterschiede auswirken o   Auswirkungen von Gedächtniskonformität und Persönlichkeit bei Zeugenaussagen o   Diathese-Stress-Modell & Delinquenzentwicklung (Wer wird wann bei Stress straffällig?) o   Entscheidungen über Aussetzung des Strafrestes bei Freiheitsstrafe -> Beurteilung der Persönlichkeit o   Aufklärung von Straftaten eine Mehr-Ebenen-Analyse -> Persönlichkeit ist eine Ebene davon o   Behavioral Investigate Advisor // Verhaltensermittungsberater                 - Transparente, evidenz-basierte Analyse
  • Interindividuelle Unterschiede im Zusammenhang mit Delinquenz Koordinationsystem mit den Polen           - gesund / nicht gesund           - delinquent / nicht delinquent  Gesund + Nicht delinquent = Verhalten entsprechend moralischer, ethischer und gesellschaftlicher Werthaltungen  Gesund + delinquent = Handlungen, die im Bewusstsein begangen werden, dass es sich um eine Straftat handelt  krank + delinquent = Handlungen, bei denen zum Tatzeitpunkt eine Einschränlung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit vorlag  krank + nicht delinquent = Entwicklungsstörungen, Psychische Störungen, Körperliche Erkrankungen 
  • Was ist Delinquenz? = Verhaltensweisen, die sich auf gesetzliche Grenzüberschreitungen beziehen, die im Strafgesetzbuch (StGB) definiert sind und strafrechtlich verfolgt werden können. o   Beispiele: §  Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung§  Straftaten gegen das Leben §  Straftaten gegen die persönliche Freiheit §  Raub und Erpressung
  • Bewertungsdimensionen von Delinquenz o   Das Strafgesetzbuch ist ein Normen und Referenzsystem o   Mögliche Bestrafungen / Abstufungen in der Bestrafung:           §  Geldstrafe          §  Ersatzfreiheitsstrafe           §  Freiheitsstrafe (abhängig von Deliktart)           §  Aussetzung des Strafrestes bei zeitiger Freiheitsstrafe -> zur Bewährung           §  Führungsaufsicht           §  Aufgabe der Rechtspsychologie ist es auch, die verschiedenen Vollzugsmaßnahmen zu evaluieren o   Strafmaße können sich verändern und immer wieder angepasst werden o   Zudem werden Strafmäße immer differenziert gewählto   Delinquenz ist auch immer von einem ethisch-gesellschaftlichen Wertesystem geprägto   Delinquenz kann auch in den sozialen Medien stattfinden
  • (Psychiatrischer) Maßregelvollzug und Justizvollzugsanstalt -(Psychiatrischer) Maßregelvollzug: hier sitzen Straftäter ihre Strafe ab, welche aufgrund von psychischen oder Suchterkrankung das Unrecht ihrer Tat einsehen können (meist Einweisung in forensisch-psychiatrische Kliniken) -Justizvollzugsanstalt: dort sitzen voll verantwortliche Rechtsbrecher
  • Aktualisierungen im Strafgesetzbuch - Gesetzesentwurf der Bundesregierung: o Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung         §  Es reicht aus, wenn der Wille des Opfers erkennbar ist und der Täter sich darüber hinwegsetzt          §  Nur noch ein Paragraph statt zweien (mit und ohne Widerstand) o Ausweitung des Begriffs der Vergewaltigung, indem auch Tathandlungen erfasst werden, die nicht mit einer Nötigung des Opfers einhergehen. o Neuer Paragraph entsteht: §177 Sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung; Vergewaltigung (mögliche Strafe 6 Monate – 5 Jahre)        §  Enthalten auch sexuelle Belästigung und Gruppenhandlungen
  • Delinquenznahe Persönlichkeitsstörungen Antisoziale Persönlichkeitsstörung       o   Es besteht ein tiefgreifendes Muster von Missachtung und Verletzung der Rechte anderer, das seit dem Alter von 15 Jahren auftritt. Mindestens 3 von 10 Kriterien müssen erfüllt sein.            §  Folgende Kriterien können zu Delinquenz führen:                - Fehlende Anpassungsfähigkeit an Normen                - Falschheit (Betrügen, Decknamen, etc.)                - Impulsivität                - Reizbarkeit und Aggressivität               - Missachtung der Sicherheit anderer           §  Besonders starke Ausprägung münden im Konstrukt des „Psychopathen“
  • Persönlichkeitsmerkmale, die nach dem Diathese- Stress-Modell mit delinquentem Verhalten in Zusammenhang stehen können Persönlichkeitstheorien:      o Im Diathese-Stress-Modell (Meehl, 1962) wird eine Interaktion von Persönlichkeitsdisposition x Situativen Faktoren angenommen, die zu delinquentem Verhalten führen kann.      o Persönlichkeitsmerkmale, die mit delinquentem Verhalten bzw. delinquenznahen Persönlichkeitsstörungen in Zusammenhang gebracht werden:           §  Impulsivität           §  P-ImpUSS (Psychotizismus-Impulsivität und unsozialisiertes Sensation-Seeking)          §  Sensation Seeking (Korrelationen zu Kriminalität)          §  Empathie, Moralische Wertungen           §  Geringe Verträglichkeit, geringe Gewissenhaftigkeit und Psychopathie      o MA von Cale (2006)          §  Psychotizismus & antisoziales Verhalten: d = 0.39          §  Extraversion & antisoziales Verhalten: d = 0.09          §  Neurotizismus & antisoziales Verhalten: d =.019     o Dark Triad:           §  Machiavellismus (Machtstreben)          §  Narzissmus (Selbstverliebtheit)          §  Psychomathie
  • Persönlichkeitsunterschiede bei Sexualdelinquenten o   Annahmen der RST (Belohnungs-Bestrafungssensitivität -> neuronal) können genutzt werden, um Annahmen zu interindividuellen Unterschieden in der Verhaltensadaption herzuleiten o   Verstärkungssensitivität ist ein wertegeleitetes Konzepto   Hoyer et al. (1999): Differenzierung von Sexualstraftätern bezüglich Paraphilie vs. Impulskontrollstörung o   Systematisierungsansätze sind häufig delikt- oder typologieorientiert      §  Weitere Option: Diagnoseorientierte Klassifikation – Arten von Paraphilien             - Pädophilie             - Sexueller Sadismus             - Impulskontrollstörung      §  Verschiedene Delinquenten bzw. unterschiedliche Tätergruppen lassen unterschiedliche Diagnosen naheliegen           - Kindesmissbrauch eher Pädophilie (Paraphilie)            - Vergewaltigung eher Impulskontrollstörung       §  Zudem lassen sich auch unterschiedliche Persönlichkeitsstörungen zuordnen und es gibt Unterschiede zwischen z.B. Kindesmissbrauchstätern und Vergewaltigern           - Kindesmissbrauch eher Cluster C (Selbstunsicher, zwanghaft)           - Vergewaltiger eher Cluster B (narzisstisch, antisozial)       §  Auch Unterschiede bei den folgenden Skalen zu finden          - Big 5 (Neurotizismus, Extraversion)           - BIS Scale           - BAS-Fun-Seeking (Behavorial Approach System)          - Impulsivität           - Disinhibition          - Thrill und Adventure Seeking
  • Paraphilien vs. Impulskontrollstörungen §  Paraphilie = Phantasien und Bedürfnisse -        Zu sexuellen Aktivität mit Kindern -        Bezüglich psychischen oder physischen Quälens des Opfers §  Impulskontrollstörung = Keine sexuellen Phantasien -        Impulshandlungen auch in anderen Bereichen -        Spannungsabbau-        Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung
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  • Beitrag biopsychologischer Persönlichkeitstheorien zur Erklärung delinquenten Verhaltens Zwischenfazit Persönlichkeit und Delinquenz       o Korrelative Zusammenhänge zwischen verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen und delinquentem Verhalten bzw. delinquenznahen Persönlichkeitsstörungen In Bezug zum Mehr-Ebenen-Ansatz (Persönlichkeit als Tatbestand) werden Biopsychologische Persönlichkeitstheorien als Erklärungsansätze hinzugezogeno   Z.B. interindividuelle Unterschiede in der Verstärkungssensitivität        §  Kortikales Arousal-Niveau       §  Sensitivität für appetitive Verstärker       §  Neurotransmitter        §  Genetische Dispositionen
  • Zum Erklärungsansatz des Annäherungs-Vermeidungs-Konflikts bei Sexualstraftätern o   Paraphile weisen eine höhere Lebenszeitprävalenz der Sozialphobie auf als impulskontrollgestörte Sexualstraftäter       § Laut Reinforcement-Sensitivity-Theorie (RST) geht Sozialphobie mit hoher Tendenz zur Verhaltenshemmung einher (BIS+)        §  Schluss daraus: höhere Ängstlichkeit Paraphiler (im Vergleich zu impulskontrollgestörten Sexualstraftätern) führt zu höherer Verhaltenshemmung auf aversive Verstärker im Annährerungs-Vermeidungs-Konflikt         -> Ein Paraphiler reagiert anders auf soziale Beschimpfungen als impulskontrollgestörte Sexualstraftäter Weitere Forschungsergebnisse: - Sexualstraftäter hemmen Verhalten bedeutsam weniger auf aversive Verstärker als Nicht-Straftäter- Impulskontrollgestörte Sexualstraftäter hemmen ihr Verhalten auf aversive Verstärker bedeutsam weniger als Nicht-Straftäter - Impulskontrollgestörte Sexualstraftäter hemmen ihr Verhalten auf aversive Verstärker bedeutsam weniger als Paraphile Sexualstraftäter - Die Korrelativen Zusammenhänge zwischen Traits und Delinquenz sind post-hoc Beschreibungen     o   Die biophysischen Untersuchungen zu kognitiv-motivational-affektiven Prozessen und delinquentem Verhalten unterstützen jedoch die Erklärungen      o   Wichtig für Präventive Maßnahmen!! Und keine a-apriori Zuweisung von Traitausprägungen und psychophysiologischen Ausprägungen
  • FRAGE Nenne 4 Bewertungsdimensionen von Delinquenz o   Art und Weise der Strafe (Freiheitsentzug, Geldstrafe, etc.) o   Veränderte / Angepasste Strafmaßeo   Was soll Strafe bewirken? Wie soll Strafe wirken? o   Ort der Straffälligkeit (z.B. auch online)o   Wie ist Strafe ethisch und gesellschaftlich vertretbar?
  • FRAGE Was ist eine Paraphilie? Paraphilie sind empirisch deutlich abnormale sexuelle Phantasien und/oder Bedürfnisse o   Z.B. zu sexuellen Aktivitäten mit Kindern o   Oder bezüglich psychischen oder physischen Quälens des Opfers