12
Klinische Psychologie 1 (Subject) / Persönlichkeitsstörungen (Lesson)
Advertisement
- Persönlichkeit/-eigenschaften Persönlichkeit und Persönlichkeitseigenschaften eines Menschen sind Ausdruck der charakteristischen [...] Verhaltensweisen und Interaktionsmuster, mit denen er gesellschaftlich-kulturellen Anforderungen und Erwartungen zu entsprechen und seine zwischenmenschlichen Beziehungen auf der Suche nach einer persönlichen Identität mit Sinn zu füllen sucht.
- Persönlichkeitszüge überdauernde Formen des Wahrnehmens und des Denkens, und zwar im Hinblick auf die Umwelt und auf sich selbst. Sie kommen in einem breiten Spektrum von wichtigen sozialen und persönlichen Situationen und Zusammenhängen zum Ausdruck.
- Persönlichkeitsstörungen liegen vor, wenn Persönlichkeitszüge unflexibel und wenig angepasst und die Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen oder zu subjektiven Beschwerden führen.
- Definition Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 und DSM-5) Ein charakteristisches und überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten, das deutlich von kulturell erwarteten und akzeptierten Normen abweicht und zu klinisch bedeutsamem Leid oder Funktionsbeeinträchtigungen führt. Das Muster manifesVert sich in den Bereichen (min. 2):(1) Kognition (2) Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen (3) AffekVvität (4) Impulskontrolle - Die Abweichung ist stabil (ab ICD-11: länger als zwei Jahre andauernd) - beginnt in der späten Kindheit oder Adoleszenz, - kann nicht durch eine andere psych. od. organische Störung oder deutl. Funktionsstörung des Gehirns erklärt werden *ab ICD-11: länger als zwei Jahre andauernd
- Klassifikation von Persönlichkeitsstörungen 1. Kategoriale Klassifikationsversuche beschreiben voneinander abgrenzbare Krankheitsentitäten, also versch. Typen von Persönlichkeitsstörungen. 2. Dimensionale Klassifikationsversuche führen die Fülle der auftauchenden Persönlichkeitszüge mittels faktorieller Analysen auf wenige wesentliche Persönlichkeitsdimensionen zurück. Die jeweiligen Ausprägungsgrade machen die individuellen Ausformungen aus.
- Kategoriale Ansätze: Cluster (DSM-5) Cluster A: "Sonderbar, exzentrisch" - Schizoide PS - Paranoide PS - Schizotype PS Cluster B: "dramatisch, emotional, launisch" - Antisoziale PS - Historische PS - Narzistische PS - Borderline PS Cluster C: "ängstlich" - Zwanghafte PS - Selbstunsichere PS - Dependente PS
- Probleme kategorialer Ansätze - Stigmatisierung- Künstliche Dichotomisierung dimensionaler Merkmale- Unwahrscheinlich, dass aktuelle Kategorien alle Formen von PS abdecken- Exzessive Komorbidität zwischen verschiedenen PS- Hoher Anteil PS n.n.b. (nicht näher bezeichnet)- Mangelhafte Reliabilität der Erfassung kategorialer Diagnosen- Stabilität der PS-Diagnosen geringer als bei PS zu erwarten- Aber: trotz Remission der Diagnose keine hinreichende Funktionswiederherstellung- Schweregrad erlaubt bessere Vorhersage über aktuelle und zukünftige Dysfunktionen als spezifische Persönlichkeitsmerkmale- Diagnosen eigenen sich nicht für Therapieplanung
- Dimensionale Ansätze Persönlichkeitstraitmodelle Vorteile - Hinweise auf höhere Stabilität- Individuelle Beschreibung von Persönlichkeitsproblematik möglich- Integration kategorialer Modelle durch Cutoffs möglich Nachteile - Verschiedene konkurrierende Modelle ohne klaren Favoriten- Mangelhafte Passung mit Dominanz kategorialer Ansätze in der Diagnostik, Behandlung und versicherungsrechtlichen Betrachtung psychischer Störungen- Unhandlicher in der Kommunikation über Störungen
- DSM-5 Alternative Modell (AMPD) 1. Allgemeine Kriterien für Persönlichkeitsstörungen müssen erfüllt sein 2. Kriterium A: Levels of Personality Functioning: Intra- und Interpersonal -> Schweregrad: 5-stufig 3. Kriterium B: Maladaptive Eigenschaften (Traits): 5 breite Eigenschaften, die sich in 25 spezifischen Facetten zeigen können => Option zum Clustern zu 6 spezifischen Persönlichkeitsstörungen sowie Persönlichkeitsstörung „Trait Specified“
- Persönlichkeitsmerkmale (Traits) Domänen und Facetten nach DSM-5 Trait Domainen - Trait Facetten Negative Affektivität vs. Emotionale Stabilität - Emotionale Labilität, Ängstlichkeit, Trennungsangst, Feindseligkeit, Unterwürfigkeit, Depressivität, Perseveration, Argwohn, expressive Affektivität Distanziertheit vs. Extraversion - Rückzug, Vermeidung von Intimität, Anhedonie, Depressivität, geringe Affektivität, Argwohn Antagonismus vs. Verträglichkeit - Manipulativ, Falschheit, Grandiösität, heischend nach Aufmerksamkeit, Gefühllosigkeit, Feindseligkeit Enthemmung vs. Gewissenhaftigkeit - Unverantwortlichkeit, Impulsivität, Ablenkbarkeit, Risikosuche, Mangel an rigidem Perfektionismus Psychotizismus vs. Realitätsangemessenheit - Ungewöhnliche Annahmen und Erfahrungen, Exzentrizität, kognitive & perzeptuelle Dysregulation
- Advertisement
- Aspekte der Funktionsfähigkeit, die bei Schweregradeinteilung berücksichtigt werden Schweregrad, i.e. Durchdringungsgrad und Chronizität von Funktionsstörungen: des Selbst – Identität: Stabilität und Kohärenz des Identitätsgefühls– Selbstwertgefühl: insgesamt positives und stabiles Selbstwertgefühl– Genauigkeit der eigenen Sicht auf die eigenen Stärken und Grenzen– Fähigkeit zur Selbststeuerung der zwischenmenschlichen Funktion – Interesse an Beziehungen– die Perspektiven anderer verstehen und berücksichtigen– Entwicklung und Aufrechterhaltung enger, wechselseitig befriedigender Beziehungen– Fähigkeit, Konflikte lösen was zu emotionalen (z. B. unter- oder überreaktiv), kognitiven (z. B. Genauigkeit von situativen und zwischenmenschlichen Bewertungen, exekutiven F. insbesondere unter Stress) und Verhaltensmanifestationen (z. B. Flexibilität bei Steuerung von Impulsen) führt und zu Stress und/oder erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen/beruflichen u. anderen wichtigen Bereichen führen
- Trait-Domänen (ICD-11) Persönlichkeitsdomänen - negative Affektivität- Distanziertheit- Dissozialität- Enthemmung- Zwanghaftigkeit -> „Borderline“ Qualifier