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Innovationsmanagement (Subject) / 6. Generierung von Innovationen: Innovationen als Kombination (Lesson)

Kapitel 6

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  • Sieben Quellen der Innovation (Drucker, 1985/2002) Ideen entstehen nicht durch bloße Gedankengänge, sondern durch Interaktion und Adaption des Innovators und dessen Umfeld. Drucker listet externe Faktoren sowie situative Bedingungen auf, die für Unternehmen den Anstoß für Innovationen geben können. 1. Unexpected Occurrences – Unrewarded Ereignisse 2. Incongruities – Unstimmigkeiten 3. Process Needs – Verfahrensnotwendigkeiten 4. Industry and Market Changes – Industrie- und Marktveränderungen 5. Demographic Changes – Demografischer Wandel 6. Changes in Perception – Veränderung der Wahrnehmung 7. New Knowledge – Neues Wissen
  • 1. Unexpected Occurrences – Unrewarded Ereignisse - Unerwartete Erfolge: Entdecken von neuen bzw. alternativen Anwendungen für eine Problemlösung (z.B. Computer wurde damals für Banken erfunden; diese hatten allerdings kein Geld dafür, also war eine Bibliothek der erste Abnehmer von > 100 Computern) - Unerwartete Fehlschläge: Neue Möglichkeiten durch Analyse von Misserfolgen (Ford Edsel als Wegbereiter für Ford Mustang)  
  • 2. Incongruities – Unstimmigkeiten: -  Neue Möglichkeiten durch Analyse von Unstimmigkeiten in Prozessen, ökonomischen Realitäten und Erwartungen (z.B. Schiffsbau: Herkömmliche Frachter sollten verbrauchsarmer und zugleich schneller werden. Sie wurden es auch, trotzdem starb das „Frachtschiff“ aus. Man stellte fest, dass die hohen Kosten der Frachter nicht durch den Betrieb auf hoher See, sondern den Nichtbetrieb im Hafen entstanden à RoRo-Schiffe und Containerschiffe wurden entwickelt)
  • 3. Process Needs – Verfahrensnotwendigkeiten - Möglichkeiten ergeben sich aus einem dringenden Bedürfnis (z.B. Straßen in Japan rühren aus Zeiten der Ochsenkarren her und sind dementsprechend kein richtiges „Straßennetz“ – dafür werden in Amerika erfundene Reflektoren eingesetzt, damit die Autofahrer sich gegenseitig sehen können. Media Industry: Zeitschriften konnten in großen Mengen gedruckt werden. Als dann „Advertising“ erfunden wurde, konnte der Druck praktisch „kostenfrei“ durchgeführt werden.)
  • 4. Industry and Market Changes – Industrie- und Marktveränderungen - Entdeckungen von neuen schnell wachsenden Marktsegmenten basierend auf Veränderung der Marktstruktur (z.B. Smartphones)
  • 5. Demographic Changes – Demografischer Wandel - Neue Möglchkeiten durch Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur (Alter, Bildung, etc.) (z.B. Arbeitskräftemangel in Japan, weil immer mehr junge Leute studieren und demnach sehr spät ins Arbeitsleben einsteigen. Aus diesem Mangel heraus forschten die Japaner früh in Sachen Robotertechnik und haben heute zehn Jahren Vorsprung auf diesem Gebiet.)  
  • 6. Changes in Perception – Veränderung der Wahrnehmung: - Veränderung oder von Fakten abweichende Marktwahrnehmung (z.B. Gesundheitsmarkt: Trotz immer besser werdender medizinischer Versorgung, niedriger Säuglingssterberate und steigenden Alters steigt das Gesundheitsbewusstsein an bis zu Hypochondrie betreffend krebserregende Substanzen, Herzprobleme, etc.)
  • 7. New Knowledge – Neues Wissen - Innovation durch neues Wissen als Resultat der Wissenskombination (z.B. Computer: Das technisch benötigte Wissen zur Herstellung eines Computers gab es bereits 1918, dennoch erschien der erste seiner Art erst 1946.)  
  • Kombinative Innovation (Schumpeter, 1911) Beispiele - Ford: Ingenieure sahen in einem Schlachthof, dass das Vieh zu mehreren auf Stangen gehängt zum Schlachtplatz getragen wurde. (Rinderzerlegung) Dieses Schema übernahm Ford zur effizienteren Autoproduktion à Fließband. Zerlegen der Tiere ≠ Zusammenbau von Autos=> deshalb: „Rekombination“, statt eine hundertprozentige Kopie des bestehenden Prozesses („watching others“) - „If I’d only listened to customers, I’d have developed faster horses.“ - Presse: Gutenberg erfand die Presse nicht neu. Er verwendete bereits vorhandene Techniken und Geräte (beispielsweise aus der Weinerzeugung) und entwickelte sie zielgerichtet weiter. Er riss diese Elemente also aus deren Kontext und passte sie seinem Zweck an. => Die Kunst wurde erst durch die Bündelung der verschiedenen Geräte und Arbeitstechniken ermöglicht- => „Assembly Montage“   - Röntgengeräte aus der Medizin werden nun auch aus Sicherheitsgründen an Flughäfen eingesetzt   - Aus dem Autobau: eine Art hydraulische Zylinder wird zweckentfremdet und in Freizeitparks für Fahrgeschäfte genutzt  
  • Theoretische Ansätze der kombinativen Innovation Basierend auf Schumpeter untersuchten Forscher das Phänomen der kombinativen Innovation aus verschiedenen Blickwinkeln: Multidisziplinäre Betrachtungsperspektive (Fliaster, 2007):
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  • Theoretische Ansätze der kombinativen Innovation (7 Punkte) 1. Kombination und Technologiefusion: Verknüpfung unverwandter Technologien 2. Kombination, Kreativität, Human Resource Management: Fähigkeiten zur Wissensverknüpfung und Analogiebildung von Individuen (Bisoziation ( = bezeichnet den kreativen Vorgang der Verknüpfung von Begriffen, Bildern oder Vorstellungen aus unterschiedlichen begrifflichen Bezugsrahmen) von „Genies“) 3. Kombination und organisationale Rollen: Gatekeeper und Boundary Spanner: Kooperativer F&E-Prozess, bei dem Subjekte (Wissensträger) im Fokus stehen 4. Kombination, Unternehmensroutinen und Kernkompetenzen: Kombination von Unternehmensroutinen und Kernkompetenzen (Verfahren, Prozeduren) 5. Kombination und Wissensgenerierung: Kombination von Wissen aus unterschiedlichen Domänen (explizites + implizites Wissen) 6. Kombination und Organisation als Wissensbroker: Wissensbroker (Wissensträger) bringen Erfahrungen aus unterschiedlichen Industrien ein 7. Kombination, Wissensfusion und soziale Netzwerke: Kombination von zuvor unverbundenem Wissen aus unterschiedlichen Bereichen durch Netzwerke
  • Cross-Industry Innovation Der Cross-Industry Innovation-Ansatz stellt einen Versuch dar, die Theorie der kombinativen Innovation systematisch zu nutzen.
  • Bei Cross-Industry Innovationen werden im Sinne der Schumpeterschen Kombinationstheorie folgende Objekte kombiniert: - Innovationen nicht durch neue Erkenntnisse und Entwicklungen schaffen, sondern durch eine Rekombination bereits vorhandenen Wissens aus unterschiedlichen Industrien - Kreative Imitation und Adaption als entscheidende Aktivität - Kombinationsobjekte: Existierendes Wissen über Märkte, Produkte, Technologien, Verfahren, Anwendungsprinzipien und Geschäftsmodelle neu kombinieren
  • Fallbeispiele für Cross-Industry Innovation EPO: Medikament => DopingmittelTeflon: Raumfahrt => HaushaltsprodukteGetränkehersteller: Man suchte nach einem Ausgießsystem für Suppen und stieß bei der Patentrecherche auf Lösungen anderer Industrien, beispielsweise aus der Ölförderung.Nähmaschine: Man suchte nach einer Lösung, eine Nähmaschine für Ungeübte zu entwickeln. Das Problem: Oftmals sei die Stichlänge unterschiedlich. Lösung: Die optische Maus, die sich durch Sensoren dem Nutzer anpasst.Nespresso: Nespresso verwendet das das magnetische Antriebssystem von Labormaschinen für den Milchaufschäumer.Henkel: Henkel stellte die ersten Sun Tabs Spülmaschinenreiniger auf einer Tofiffee-Maschine her.Nike: Der Schuh Nike Shox wurde mit einer Dämpfungstechnik aus der Formel Eins versorgt.
  • Nutzenpotentiale Cross-Industry Innovationen - Reduktion der Entwicklungszeiten und -kosten - Verkürzte Markteinführung - Geringe Modifikation bestehender Anlagen - Einfache Ausweitung des Produktportfolios - Hoher ROI ( = Return on Investment) - Geringes Entwicklungsrisiko
  • Herausforderungen Cross-Industry Innovationen - Unvollständige Systematisierung der Vorgehensweise im Rahmen von Cross-Industry Innovationen - Oft nur geringe Teilmenge an in Frage kommenden Lösungen in verwandten Industrien
  • Knowledge Brokering Cycle (Hargadon/Sutton, 2000) 1. Ideen neu erfassen -Wissensbroker suchen ständig neue Ideen, auch dort wo man sie nicht vermutet -WB betrachten alte Ideen als wichtiges Rohmaterial 2. Ideen am Leben erhalten -WB spielen mit Ideen und leiten sie weiter zum Nutzungsort -WB kommunizieren Informationen, damit Ideen gefunden, angewandt und weiterentwickelt werden 3.Neue Anwendungen für alte Ideen entdecken -WB innovieren, indem sie alte Ideen speichern und in neue Kontexte setzen -z.b. post-its 4. Erfolgsversprechende Ideen testen -Experimente ermitteln das Potential von Innovationen -Floppt die Idee, ist man eine Erfahrung reicher
  • Collaborativ Knowledge Fusion-Modell (Fliaster/Eggenhofer, 2007): Iteration & Feedback 1. Search for Relevant Ideas & Knowledge Actors in various domains 2. Approaching the Knowledge sources and Knowledge Actors                                ⇑     ⇓ 3. Collaborative Translation, Transfer and sharing of relevant ideas                               ⇑      ⇓ 4. Creative Fusion of Relevant ideas                               ⇑      ⇓ 5. Mutual Adaption, Modification, Refinement and Further Development of combined ideas                              ⇑        ⇓ 6. Recombination of Ideas
  • Collaborativ Knowledge Fusion-Modell (Fliaster/Eggenhofer, 2007): Erfolgsfaktoren "Thought contact with the outside world": Create ability to draw analogies and build connections between unrelated domains overcoming the "knowing-doing gap" cultivate F2F-contacts Respect and appreciation of others' work developing a "shared language" (by using metaphors, by visualization, ect.) Convince and involve the skeptics (persuasion, social influence and leadership) Don't stop learning
  • Collaborativ Knowledge Fusion-Modell (Fliaster/Eggenhofer, 2007): Ergebnis gemeinsam erarbeitetes Arbeitsprotokoll
  • Collaborativ Knowledge Fusion Ferrari & Great Ormond Street Hospital Case ??
  • Zusammenfassung: Innovation muss nicht immer aus grundsätzlich neuen Ideen entstehen. Oftmals basiert sie auf der Übertragung oder Kombinati-on bereits bestehenden Wissens. - Mögliche Quellen von Innovationen sind vielfältig und kommen aus den Unternehmen selbst, dem Branchenumfeld oder globalen makroökonomischen Entwicklungen. - Cross-Industry Innovation bezeichnet die Kombination von Wissen unterschiedlicher Branchen zur verbesserten Lö-sung von spezifischen Herausforderungen. - Nach Ansicht der Wissenschaft entstehen bahnbrechende Innovationen in einem Prozess der Kombination, wobei In-dividuen und soziale Strukturen eine entscheidende Rolle spielen. --