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Psychologie (Subject) / Diagnostik VL (Lesson)

VL 8

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  • Psychologische Gutachten: Definition Selbstständige, zusammenfassende Darstellung der psychodiagnostischen Vorgehensweise, der Befunde und Schlussfolgerungen in Bezug auf einer konkreten Fragestellung zu begutachtenden Personen für Gutachtenempfänger (Auftraggeber) Mit Hilfe des Gutachtens soll ein Empfänge Entscheidungen in seinem System fundierter treffen können  
  • Abgrenzung Gutachten zu anderen Beantwortungen Es handelt sich nicht um ein Gutachten bei- Antworten zu Detailfragen- Stellungnahmen (Die nicht auf Befunden beruhen, die man selbst erhoben hat)- Erlebnisberichten („Befund“ ohne Integration der Ergebnisse & Beantwortung einer Fragestellung)  
  • Allgemeine Merkmale der Begutachtung: Zusammenfassende schriftliche Darstellung von o    Fragestellung o    Einzelnen Befunden o    Diagnostischen Methoden o    Wissenschaftlich begründeten Schlussfolgerungen Empfänger muss Aussagen so verstehen können, wie sie vom Verfasser gemeint wurden
  • Sorgfaltspflicht ·       Größtmögliche sachliche und wissenschaftliche Fundiertheit, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ·       Expertenwissen vorhanden? ·       Frist- und formgerecht ·       Föderative Richtlinien für Erstellung von Gutachten beachten
  • Transparenz Gutachten müssen für Adressaten inhaltlich nachvollziehbar sein --> Eingesetzte Verfahren Teilschritte diagnostischer Prozesse Schlussfolgerungen
  • Einsichtnahme ·       Auftraggeber und Begutachtete nicht identisch: Einsichtnahme durch Begutachteten nur mit Einverständnis des Auftraggebers ·       Psychologen sollen darauf hinwirken, dass Begutachtete Einsicht erhalten, wenn dies ihrem Gesundheitszustand nicht schadet ·       Schließt der Auftrag eine Einsichtnahme von vornherein aus, müssen die Begutachteten vorab davon in Kenntnis gesetzt werden
  • Unzulässige Gutachten ·       Gefälligkeitsgutachten ·       Gutachten durch Dritte, an denen der Psychologe selbst nicht mitwirkt ·       Stellungnahme zu Gutachten von Kollegen sind zulässig --> kollegiales Verhalten
  • Arten diagnostischer Gutachten 1. Vergangenheitsbezogen --> forensische Psychologie 2. Zukunftsbezogen
  • Aufbau eines Gutachtens: 1.     Deckblatt 2.     Inhaltsverzeichnis 3.     Fragestellung(en) des Auftraggebers 4.     Bisheriger Sachverhalt, Aktenanalyse 5.     Anforderungsprofil bzw. psychologische Fragen/Hypothesen 6.     Untersuchungsmethoden (Beschreibung & Begründung der verwendeten Verfahren) 7.     Ergebnisse 8.     Psychologischer Befund (Diagnostische Urteilsbildung) 9.     Empfehlung (falls gefordert) 10.   Datum, Unterschriften 11.   Anhang (Literaturverzeichnis, evtl. Tabellen & weitere Dokumente)
  • Die Fragestellung Psychologische Fragen Aufgliederung der Ausgangsfragestellung in psychologische Fragen Gefahr: vorschnelle Einengung, Verzerrung, Self-Fulfilling-Prophecy- Hypothesenreich- Alternativhypothese formulieren „Organisiere Deine Hypothesen & die ihnen zugeordneten Beobachtungs- und Befragungsmittel so, dass sie gezielt streuen und dich zwingen, Pro&Contra-Belege zu sammeln“ 
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  • Bedingungen 1.     Verhaltensorientiertes Vorgehen bei Planung, Datenerhebung, Auswertung von Infoangeboten, Kombi von Info 2.     Vermeiden von Urteilsfehlern und Verringern von Urteilstendenzen 3.     Explizite Entscheidungen unter Berücksichtigung von Kosten & Nutzen
  • Anforderungsprofil Definition Anforderung: Erforderliche Ausprägung eines Verhaltensmerkmals eines Individuums in einem bestimmten Verhaltensbereich Anforderungsprofil -> Menge aller Anforderungen Merkmale von Anforderungen:- Kompensierbarkeit- Stabilität
  • Auswahl von Variablen Verhaltensgleichung: V = fi (U, O, K, E, M, S) U = UmgebungsvariablenO = OrganismusvariablenK = Kognitive VariablenE = Emotionale VariablenM = Motivationale VariablenS = Soziale Variableni = indiziert Wechselwirkungen zwischen U, O, K, E, M, S
  • Umgebungsvariablen Umgebungsvariablen (U) = äußere Lebensbedingungen o    Finanzielle Situation o    Wohnsituation o    Verkehrsverbindungen o    Kommunikationsbedingungen o    Zur Verfügung stehende Zeit
  • Organismusvariablen Organismusvariablen (O) = körperliche Bedingungen o    Allgemeine körperliche Belastbarkeit o    Ernährungsweise o    Alter & Altersunterschiede o    Beeinträchtigungen o    Besonderheiten (Anatomisch, physiologisch etc.) o    Abhängigkeit von Drogen
  • Kognitive Variablen Kognitive Variablen (K) = Leistungsfähigkeit und Inhalte des Wahrnehmens, Lernens und Denkens o    Allgemeine Intelligenz o    Konzentration o    Gedächtnis o    Kreativität o    Leistungen o    Kenntnisse
  • Emotionale Variablen Emotionale Variablen (E) o    Emotionale Belastbarkeit o    Umgang mit Belastungen o    Verhalten bei Frustrationen o    Umgang mit Gefühlen o    Emotionale Bindung o    Stimmungen, Stimmungsschwankungen
  • Motivationale Variablen o    Motive, Leistungsmotiv, Machtmotiv o    Interessen, Werte oder Wertvorstellungen o    Ziele o    Überzeugungen (zu Zielen, Normen, Regeln, Selbst etc) o    Erwartungen  
  • Soziale Variablen o    Soziale Intelligenz/Kompetenzen o    Einstellungen und Erwartungen o    Vorurteile/Stereotype o    Normen, Pflichten, Verpflichtungen o    Einflüsse von „bedeutsamen Anderen“
  • Psychologische Fragen: Beispiel „Kindeswohl“ Regelung der elterlichen Fürsorge nach Ehescheidung zum Wohl des Kindes Kriterien: o    Bindung des Kindes o    Wille des Kindes o    Kontinuität der Betreuung und Umgebung für das Kind o    Förderung des Kindes durch Eltern -> Für jedes Kriterium relevante psychologische Variable auswählen!  
  • Wo gibt es Verzerrungen bei der Urteilsbildung 1.     bei Psychologischen Fragen 2.     bei der Planung diagnostischer Untersuchungen 3.     bei der Darstellung der Untersuchungsergebnisse 4.     im Befund 5.    allgemein 6.    durch Persönlichkeit des Diagnostikers bedingt direkt oder indirekt
  • Fehlerquellen im diagnostischen Prozess: soziale Stereotype Nicht-Berücksichtigung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses Beurteilungsverzerrung (Milde&Strenge-Fehler) Implizite Persönlichkeitstheorien, Unangemessene Urteilsheuristiken Vermutete Ähnlichkeit mit Testperson- Verfolgen eigener Ziele und Wertvorstellungen- Tendenz zu konsistentem Bild
  • Fehler und Verzerrungen bei Planung diagnostischer Untersuchungen Fehler können auf der Absicht beruhen, möglichst viele Informationen zu gewinnen- Ohne Berücksichtigung ihrer Gültigkeit- Ohne Berücksichtigung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses Abhilfe: „Bilanzbogen“ (Kosten & Nutzen jeder Informationsquelle auflisten) ->  Grob-und Feinplanung des diagnostischen Prozesses!
  • Fehler und Verzerrungen bei der Darstellung der Ergebnisse Verteilungsfehler (Verzerrungen bei Verbalisierung von relativen Positionen in Verteilungen im Hinblick auf ein Merkmal)- „Milde“ und „Strenge“-Fehler- Neigungen zu „Mittleren“ und „extremen“ Formulierungen- Konservatismus -> Neigung, extreme Werte nicht so extrem einzuschätzen & zu verbalisieren, wie sie objektiv sind- Schwellenphänomene- Ambivalente Verbalisierungen
  • Fehler und Verzerrungen im Befund ·       Allgemein: alle bisher beschriebenen Fehler und Verzerrungen oder deren Auswirkungen ·       „Halo“-Effekt ·       Reihenfolgeeffekt ·       Tendenz zu konsistenten Bild ·       Attribuierung: Zuschreibung von Verhaltensweisen, die nicht hinreichend belegt sind ·       Adressatengerechte Formulierung Durch Persönlichkeit des Diagnostikers bedingt- Sensitivierung bzw. Wahrnehmungsabwehr- Interaktionsfehler   - Vermutete Ähnlichkeit + Verfolgen unangemessener eigener Ziele   - Kontrastfehler + Übertragungsfehler
  • Möglichkeiten zur Minimierung von Fehlern und Verzerrungen Ausgangsbedingungen: ·       Zu allen bei einer Fragestellung relevanten Variablen werden Psychologische Fragen (Hypothesen) formuliert ·       Zu jeder Positiv-Annahme versucht der Gutachter, auch die entsprechende Gegenhypothese zu formulieren ·       Konkrete Verhaltensweisen, Gewohnheiten oder Persönlichkeitsmerkmale werden beschrieben, erklärt oder vorhergesagt ·       Alle Aussagen, die sich auf individuelles Verhalten beziehen, werden mit systematischer Beobachtung belegt ·       Es wurde auch nach solchen Informationen gesucht, die den Positiv-Annahmen widersprechen  
  • Möglichkeiten zur Minimierung von Fehlern und Verzerrungen 1. Verknüpfen von Aussagen o    Aussagen werden nach Regeln der Logik zueinander in Beziehung gesetzt o    Ableitungen von Aussagen werden schrittweise und vollständig dargestellt o    Bei Abstraktionen werden alle dazugehörigen Überlegungen ins Gutachten geschrieben
  • Möglichkeiten zur Minimierung von Fehlern und Verzerrungen 2. Entscheidungskriterien o    Bei Aussagen über Zusammenhänge zwischen Variablen werden Art & Stärke des Zusammenhangs berücksichtigt o    Es werden nur solche Aussagen gemacht, die in einem begründeten Zusammenhang mit Fragestellung stehen o    Prozess der Entscheidung über diagnostische Hypothesen wird bei einem vorher festgelegten Kosten-Nutzen-Verhältnis abgebrochen
  • Möglichkeiten zur Minimierung von Fehlern und Verzerrungen 3. Beeigenschaften von Menschen? o    Statt Eigenschaften konkretes Verhalten beschreiben o    Vier Arten der Verhaltensbeschreibung (Graumann)- Verbaler Modus -> Martin klopft an- Adverbialer Modus -> Martin klopft leise an (!!!)- Adjektivischer Modus -> Martin ist schüchtern- Substantivischer Modus -> Martins Schüchternheit trägt dazu bei, dass o    Merkmale von Persönlichkeitseigenschaften- Konsistenz, Universalität, Stabilität vs. Änderbarkeit von Verhaltensweisen-> Persönlichkeitseigenschaften sparsam und mit exakten Begriffen verwenden!
  • Möglichkeiten zur Minimierung von Fehlern und Verzerrungen 4. Entwickeln dokumentierter Untersuchungspläne o    Untersuchung an Fernuni Hagen / 116 Gutachten aus Jahren 2010/2011 o    Rating Qualität anhand Kategoriensystems o    Ergebnisse:- 56% keine psychologischen Fragen/Arbeitshypothesen- 85% keine Begründung der diagnostischen Verfahren- 35% Datenerhebung über methodisch problematische Verfahren
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  • Kurzgutachten Psychologisches Gutachten Multimodale DiagnostikDiagnostisches Urteil wird aus Informationen gebildet, die mit unterschiedlichen Methoden erhoben werden Integrative Diagnostikintegriert Aussagen zu Teilfragen, um Gesamtfrage zu beantworten
  • Kurzgutachten ·       Ein Verfahren ·       Eine Fragestellung
  • Aufbau eines Kurzgutachtens 1.     Deckblatt 2.     Allgemeine Informationen zur Testung (Wer wurde wann, wo, von wem, wie lange womit und warum getestet?) 3.     Kurzinformationen zum Test (Was erfasst der Test und wie tut er das? Wozu setze ich ihn ein?) 4.     Verhaltensbeobachtung (Wie verhielt sich der Proband im jeweiligen Verfahren) 5.     Ergebnisdarstellung & Interpretation (Die Daten sollen beschreibend dargestellt und in einer anschaulichen Weise umschrieben werden) 6.     Befund/Resümee (Ergebnis der Testung auf Fragestellung beziehen und abschließend zusammenfassen) 7.     Literaturangabe (Tests & im Text angeführte Literatur angeben) 8.     Anhang 9.     Eigenständigkeitserklärung
  • Ergebnisdarstellung Kurzgutachten Da quasi jeder Testwert messfehlerbehaftet ist, müssen Konfidenzintervalle berechnet und im Anhang berichtet werden Wichtig: Konfidenzintervalle müssen bei Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden („Unter Berücksichtigung zufälliger Schwankungen...“) Konfidenzintervall = Bereich, innerhalb dessen der „wahre“ Wert mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit liegt
  • Do’s and Don’ts: ·       Keine Rohwerte ·       Keine Tabellen (bei Kurzgutachten) ·       Nur ein Normwert zu einem Testergebnis ·       Bei Ergebnisdarstellung sind Konfidenzintervalle zu beachten! ·       Trennung von Tatbestand und Deutung (Ergebnis & Interpretation) ·       Keine Testkritik, Gütekriterien oder genaue Auswertungsbeschreibungen