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Fernuni Hagen L1 Kurs 03531-2-01-S1 Grundlagen, Arbeitsweisen, Hilfsmittel der L (Subject) / Glossar L1 zu wissenschaftlichen und literaturtheoretischen Grundbegriffen (Lesson)
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- Anspielung Allgemein für einen angedeuteten Hinweis auf Titel, Formulierungen, Figuren, Situationen usw. aus einem als bekannt vorausgesetzten Text.
- arbitär/motiviert Strukturalistische Unterscheidung für zufällige Relation von Signifikant und Signifikat beziehungsweise begründete Relation.
- Argumentation In Sprache gefasste Strategie zur Begründung und Plausibilisierung wissenschaftlicher Thesen.
- Autor Literaturwissenschafltiche Bezeichnung für die empirisch-historische Person des Textproduzenten im juristischen Sinne des Urhebers eines Textes im Unterschied zur textexternen Handlungsrolle und der textinternen Figur des Erzählers oder lyrischen Ichs. Traditionell wird der Autor als intentionales Subjekt verstanden, das einen bestimmten Sinn in seinen Text hineinlegt.
- Bedeutung Bezeichnung für die im Schreiben und beim Lesen vollzogene Aufladung von Zeichen und Zeichenverknüpfungen mit Sinnzuschreibungen durch angeborene und kulturell erlernte emotive und kognitive Prozesse.
- Begriff Wörter oder Wendungen, die in einem historisch oder systematisch abgegrenzten Sinn gebraucht werden und daher meist eine Begriffsgeschichte haben.
- Buch Von den Buchholztafeln, in die Runen geritzt wurden abgeleitete Bezeichnung, für das deit der Antike bekannte Medium der Schriftaufzeichnung auf Holz, Ton, Wachs, Leder oder Papier, den Kodex. Er ermöglicht im Unterschied zur Schriftrolle den Textvergleich durch Sitenvergleich. Überschriften, Autorenname, Gattungszuweisung, Verlag, Seitenzählung und Kapiteleinteilung usw. sind erst seit dem Spätmittelalter und dann verstärkt durch den Buchdruck gebräuchlich werdende Gliederungen des Textes.
- Darstellung/Appell/Ausdruck Begriffstrias aus Karl Bühlers Buch "Sprachtheorie" von 1934 für die drei Grundfunktionen eines Zeichens, nämlich die Darstellung von Gegenständen und Sachverhalten, der Appell an den Empfänger und der Ausdruck von Seiten des Senders.
- Denotat/Konnotat Linguistische Unterscheidung für die wörtliche Bedeutung eines Zeichens gegenüber der übertragenen Bedeutung eines Zeichens (z.B. Ironie, Anspielung usw.).
- Diskurs Allgemein für "Unterredung", "Vortrag" oder "Abhandlung" bezeichnet in der Literaturwissenschaft vor allem die historische Gesamtheit effektiv geschehener Aussagen und der Praktiken innerhalb eines historisch umgrenzten Rahmens, denen eine spezifische Regelhaftigkeit immanent ist.
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- Distribution Im Unterschied zur Seite der Textproduktion und der Textrezeption Bezeichnung für das Feld des Textvertriebs durch Verlag, Buchhandel, Werbung usw.
- Epoche Seit dem 18. Jahrhundert genutzter Terminus zur historischen Klassifikation literarischer Texte nach Zeiträumen.
- Falsifikation Widerlegung einer wissenschaftlichen Aussage oder Theorie durch ein Gegenbeispiel.
- Form/Inhalt Dichotomie, die die Annahme bezeichnet, derzufolge Form und Inhalt eines Textes zu trennen seien, so dass auch bei einem Formwechsel wie einer Übersetzung der Inhalt als invariante Bedeutung erhalten bliebe.
- Gattung Bezeichnung zur Klassifikation von Textgruppen (vor allem nach der klassischen trias von Lyrik, Epik und Dramatik); wurd heute auch durch den neutraleren Begriff der Textsorten ersetzt.
- Gebrauchsliteratur Bezeichnung für Literatur, die für einen genau umrissenen Situationskontext geschrieben wurde (z.B. Flugblätter, Agitprop-Literatur usw.).
- Genre Bezeichnung häufig im Sinne von "Untergattung" (etwa für die "Novelle" oder "Roman" als Untergattung der Epik) oder auch für narrative Schmeata, die mit bestimmten Stoffbereichen verknüpft sind (z.B. "Western", "Thriller").
- Hypothesenbildung Aufstellung von plausiblen und im weiteren verlauf der Untersuchung begründbaren Vermutungen.
- Kommunikation Zwischenmenschliche Informationsvermittlung mit Hilfe sprachlich oder außersprachlich kodierter Botschaften.
- kulturelles Wissen das historisch variable und kulturabhängige Wissen, das in jedem Sinnbildungsprozess (z.B. Interpretation) mit eingeht und ihn erst ermöglicht.
- Immunisierung Wissenschaftstheoretischer Begriff für Theorien und Methoden, die sich gegenüber einer Überprüfung abschotten.
- Institution im weiteren Sinne regelhafte Verfestigung menschlichen Handelns, die es verbindlich erwartbar und berechenbar machen. Institutionen sind mit konkreten Handlungsnormen und Rollenerwartungen verknüpft, die von all denjenigen erfüllt werden müssen, die an den jeweiligen Formen der Interaktion und Kommunikation teilnehmen möchten (z.B. Autor, Kritiker Verleger, Leser usw.). Literatursoziologisch relevante Institutionen sind diejenigen Einrichtungen (oft rechtlich verfasste Körperschaften), die die Produktion, Distribution und Rezeption von Literatur regeln.
- Kanon 1. Ein Korpus von Werken, ie in einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe für eine bestimmte Zeit als allgemeingültig und verbindlich gelten oder gelten sollten (materieller Kanon). 2. Ein Korpus von Interpretationen, in dem festgelegt wird, welche Bedeutungen und Wertvorstellungen mit den kanonischen Texten verbunden werden (Deutungskanon). Kanones erfüllen die Funktionen der Identitätsstiftung, Legitimation und Handlungsorientierung.
- Köhäsion/kohärenz Während sich die Kohäsion auf die äußere Gestalt des Textes, das heißt die sprachlichen Mittel bezieht, verweist die Köhärenz auf die inhaltliche Ebene des Textes. Inhaltlicher Zusammenhang des Texten, Kohäsion = sprachliche, Kohärenz = logische Ebene.
- langue/parole Strukturalistische Bezeichnung für Sprache als abstraktes Zeichensystem gegenüber Sprache als konkreter Sprachrealisierung. Langue ist das sprachliche Inventar einer Sprache, Parole dessen Anwendung.
- Lesen/Textverstehen Bezeichnung für den emotiv-kognitiven Prozess bei der Textrezeption.
- Leser Bezeichnung für die textrezipierende, empirisch.historisch beobachtbare Person oder textintern fingierte Figur. Der intendierte Leser ist der von einem Autor vorgesehene Leser seines Textes, der ideale Leser derjenige, der alle in einem Text angelegten Bedeutungsangebote realisiert.
- Literarisches Leben Allgemein für die Gesamtheit aller Handlungen und Äußerungen der Literaturproduktion, -distribution und -rezeption.
- Literaturgeschichte Die im 19. Jahrhundert durch den Historismus entstandene Form der Anordnung von Autoren und ihren Texten nach histoiographischen Mustern (Nationalgeschichte, Sozialgeschichte, Ideengeschichte usw.). Löst die annalistische und additive Litterärgeschichte früherer Zeiten ab.
- Literaturkritik Vornehmlich wertende Beurteilung vor allem der gegenwartsliteratur in Zeitungen u.ä., oft mit dem Anspruch der Vermittlung zwischen Autor und Publikum.
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- Literaturmarkt Allgemein für die seit dem 18. Jahrhundert an die Stelle des Tauschhandels und des Mäzenatentums getretener Form der Literaturdistribution.
- Literaturtheorie Die explizite Thematisierung von Grundlagenproblemen der Literaturwissenschaft und Entwicklung begrifflicher und methodischer Verfahren zu ihrer Lösung.
- Literaturwissenschaft Gesamtheit der philologischen, methodischen und literaturtheoretischen Institutionen.
- Medien Sammelbezeichnung für die Aufzeichnungs-, Übertragungs- und Verarbeitungsformen von Literatur vom Buch bis zur CD-Rom innerhalb eines Kommunikationsprozesses. Eingeschränkte Begriffsverwendung (nur im Plural) für moderne Massenmedien seit 1880 vom Kolportageroman über Zeitschriften bis hin zu Filmen, Schallplatten und Computern etc.
- Mediengeschichte Literaturhistorisches Beschreibungsverfahren, das den Wandel der Medien und ihres Einsatzes untersucht (Buch- und Buchhandelsgeschichte, Bibliotheksgeschichte, historische Leseforschung, neue Medien usw.).
- Methode Auf einem Regelsystem aufbauendes Verfahren zur Erlangung wissenschaftlicher Ergebnisse.
- Morphologie Teilbereich der Linguistik, der die Erforschung der kleinsten bedeutungs- und funktionstragenden Elemente einer Sprache, der Morpheme, zum Gegenstand hat.
- Mündlichkeit Auch "Oralität": kommunikativer Zustand, in dem die Weitergabe immaterieller Wissensbestände in erster Linie mündlich erfolgt, vor allem bezogen auf nicht schriftlich verfasste Kulturen, Ihre Kennzeichen sind Formelhaftigkeit, Redundanz, eine ausgeprägte Gedächtniskultur, physische Anwesenheit der Kommunikationspartner.
- Nationalliteratur/Weltliteratur Als Dichotomie bezeichnet sie seit dem 19. Jahrhundert den Gegensatz von Literatur als innerhalb von einer Sprache und Kultur sich entwickelnd versus Literatur als Dialog verschiedensprachiger Literaturen.
- Objektsprache/Metasprache Sprache, die in einem zu untersuchenden Text verwendet wird im Unterschied zu der Sprache, mit der diese Untersuchung durchgeführt wird.
- Paradigma/Syntagma Strukturalistische Bezeichnung für linguistische Grundrelationen, die die komplexe Struktur des Sprachsystems beschreiben, nämlich die vertikale Klasse möglicher Zeichen gegenüber der horizontalen Verknüpfung von Zeichen.
- Paratext Begriff der Narrativistik für die Gesamtheit derjenigen Texte, die aus einem Manuskript ein Buch machen und dessen Rezeption steuern. Gérard Genette unterscheidet Peritexte die mit dem Buch zusammen erscheinen (Reihen- und Verlagsbezeichungen, Titel, Vor- und Nachworte, Klappentexte usw.), und Epitexte, die zwar auf das buch bezogen, aber räumlich von ihm getrennt sind (Entwürfe, Briefe, Prospekte usw.).
- Philologie [griech. "philos": "Freund", "logos": "Wort, Rede, Buch"] Bezeichnung für die Gesamtheit der theoriegeleiteten Erschließung (durch Textkritik, Edition und Kommentar) und der poetologischen und historischen Reflexion (durch Exgese, Interpretation, Textanalyse) sprachlicher (zumeist literarischer) Dokumente: Philologie ist diejenige Wissenschaft, die sich um Sicherung, Verständnis und Vermittlung literarischer Texte und deren geistiger, kultureller und sozialer Zusammenhänge bemüht.
- Phonetik Teilgebiet der Linguistik, das die konkreten, artikulatorischen, akustischen und sensorischen Eigenschaften der kleinsten leutlichen Einheiten, den Phonen, untersucht.
- Phonologie Teilgebiet der Linguistik, das die Systeme von Phonemen, den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Elementen von Sprachen untersucht.
- Plagiat Nachahmung bzw. Abschreiben eines Textes durch einen anderen im juristischen Sinne der Fälschung, d.h. ohne die verwendete Vorlage kenntlich zu machen.
- Pragmatik Bezeichnung für eine linguistische Teildisziplin, die die Relation zwischen natürlichsprachlichen Ausdrücken und ihren spezifischen Verwendungssituationen untersucht.
- Prätext Narrativistischer Begriff besonders in Konzepten der Intertextualität für die einem Text vorausgehenden und von ihm aufgegriffenen Texte.
- Querelle des anciens et des modernes "Streit der der alten (Antiken) und der Neuen (Modernen)", 1687 von Charles Perrault vor der Académie Francaise ausgelöster Streit um den kulturellen Vorrang der Antike vor der Neuzeit, um die Möglichkeit, von den tradierten Mustern abzuweichen bzw. diese übertreffen zu können.
- Referenz Bezeichnung für die Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat