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Markt und Staat (Subject) / Lektion 2 - Grundzüge der marktwirtschaftlichen Ordnung (Lesson)

Lektion 2 - Grundzüge der marktwirtschaftlichen Ordnung

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  • Wesentliche Vorteile der Marktwirtschaft - Effizienzvorsprung bei der Allokation - weitaus höhere Koordinationsleistung des Marktes - bessere Nutzung "neuen" Wissens über den Wettbewerb 
  • neues Wissen a) Erlangung der Kenntnis über bereits bestehende, aber bislang noch nicht bekannter Sachverhalte (Bsp. Marktlücken) -> Nutzung führt zu besserer Koordination und begründet die Tendenz zum Gleichgewicht b) völlig neue Sachverhalten (Ideen, Erfindungen, Entdeckungen) -> werden diese neuen Sachverhalte wirtschaftlich, technisch oder gesellschaftlich ein- bzw. umgesetzt, spricht man von Innovationen -> Verdrängung anderer Innovationen = Prozess der schöpferischen Zerstörung -> stellen für eine Organisation grundsätzlich ein Problem dar, da sich die konkreten Wirkungen von Innovationen weder vorhersehen noch genau planen lassen
  • Moral des Marktes die Moral des Marktes besteht in der Einhaltung allgemeiner Regeln Marktwirtschaft ist durch die Herrschaft von Regeln, nicht durch die Herrschaft eines Zieles gekennzeichnet die dem Marktgeschehen zugrunde liegenden Regeln basieren auf Werten wie individueller Freiheit und Eigenverantwortung --> d.h. die Entscheidung für eine Marktwirtschaft ist nicht wertneutral
  • konstituierende Prinzipien einer marktwirtschaftlichen Ordnung benennen sechs allgemeine Regeln der wirtschaftlichen Handelnsordnung einer Marktwirtschaft und das ordnungspolitische Grundprinzip ihrer Gestaltung - funktionsfähiges Preissystem - Gewährleistung einer stabilen Währung - offene Märkte - Privateigentum - Vertragsfreiheit - Haftung - Konstanz der Wirtschaftspolitik (nach Walter Eucken)
  • Koordination durch das Preissystem konstituierendes Prinzip nach Eucken Steuerung und Koordination wirtschaftlicher Handlungen durch Marktpreise bilden das zentrale Element jeder Marktwirtschaft
  • Gewährleistung einer stabilen Währung konstituierendes Prinzip nach Eucken eine Währung dient als Recheneinheit, allgemeines Zahlungsmittel und Wertaufbewahrungsmittel die wirtschaftliche Funktion der Währung wird durch Inflationsprozesse gefährdet (Kaufkraftverlust) - bei rascher Geldentwertung verliert eine Währung sogar ihre Zahlungsmittel- und Rechenfunktion ein --> kann zum Herausbilden einer Parallel- oder Ersatzwährung führen (Bsp. Zigaretten) --> kann negative sozial- und verteidigungspolitische Folgen haben   Geldwertstabilität sorgt für eine effiziente Koordination und Allokation 
  • Geldwirtschaft anders als in einer Naturalwirtschaft, müssen reale Güter und Dienste nicht mehr unmittelbar getauscht werden an die Stelle der realen Güter tritt ein absoluter Preis
  • Finanzmärkte Finanzmärkte eröffnen privaten Marktteilnehmern die Möglichkeit Zukunftsrisiken abzusichern und Zukunftsgüter zu handeln funktionierende Finanzmärkte sorgen für eine effiziente Koordination und Allokation
  • offene Märkte konstituierendes Prinzip nach Eucken das Preissystem kann nur funktionieren wenn kein Marktteilnehmer Preise und sonstige Bedingungen diktieren kann Wettbewerb findet zwischen Akteuren derselben Marktseite statt  diese sind jeweils darum bemüht mit der anderen Marktseite zu kontrahieren ohne sich dabei untereinander abzustimmen 
  • potenzieller Wettbewerb gewährleistet die Funktionsfähigkeit von Märkten neue Anbieter und Nachfrager müssen ohne Marktschranken in den Markt eintreten können, um so eine Monopolstellung bestehender Marktteilnehmer zu verhinden Bsp. Marktschranken: staatliche Auflagen, Verbote, Schutzzölle oder Marktmacht etablierter Marktteilnehmer
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  • Privateigentum konstituierendes Prinzip nach Eucken ermöglicht wirtschaftliche Verfügungsmacht und Verfügungsfreiheit über Ressourcen und begrenzt diese zugleich durch die Verhinderung von willkürlichem Zugriff Dritter
  • Theorie der Eigentumsrechte (Property Rights-Ansatz) befasst sich mit der Bedeutung von Verfügungsrechten  zeigt, dass die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbsmarktes wesentlich von der richtigen Verteilung der Verfügungsrechte abhängt
  • Vertragsfreiheit konstituierendes Prinzip nach Eucken Vertrag = Vereinbarung über den Tausch von Verfügungsrechten, bei dem beide Seiten Verpflichtungen eingehen Voraussetzung für das Funktionieren des Marktes: Der Tausch kommt freiwillig zustande --> beide Seiten müssen frei entscheiden können, ob, mit wem, wann und zu welchen Konditionen sie kontrahieren (= Vertragsfreiheit) eine Transaktion wird bei Vertragsfreiheit genau dann zustande kommen, wenn sie für beide Parteien vorteilhaft ist Vertragsfreiheit ist aber nicht grenzenlos (--> Beachtung von Rechtsregeln)
  • Private Haftung konstituierendes Prinzip nach Eucken Haftungsgrundsatz: Jeder trägt die Kosten und Folgen seiner Handlungen rechtliche Haftung = Verpflichtung zum Schadensersatz ggü Dritten Wenn Akteuere Kosten und Nachteile ihrer Entscheidungen auf Dritte abwälzen können, führt dies zu Fehlanreizen und Wettbewerbsverzerrung Haftungsprinzip wird oft auch vom Staat unterlaufen (Bsp. Übernahme von Verlusten bei drohenden Insolvenzen) --> führt auch zu einer verzerrten Anreizstruktur
  • Konstanz der Wirtschaftspolitik konstituierendes Prinzip nach Eucken Verwirklichung und Gewährleistung aller anderen Prinzipien ist Gegenstand der Ordnungspolitik Ordnungspolitisches Prinzip der Konstanz = Gewährleistung verlässlicher Rahmenbedingungen für die Marktteilnehmer; zudem keine kurzfristigen Eingriffe
  • Interdependenz der konstituierenden Prinzipien alle Prinzipien stehen im wechselseitigen Zusammenhang einzelne Elemente für sich genommen, können destabilisierend wirken
  • Regulierende Prinzipien die sanktionierte Kontrolle der Einhaltung allgemeiner Ordnungsregeln ist nicht ausreichend --> in bestimmten Fällen sind daher zusätzliche regulierende Eingriffe erforderlich Nach Eucken sind in 4 Fällen Regulierungen des Marktes begründet: - Auftreten eines natürlichen Monopols - zur Umverteilung aus sozialethischen Gründen - bei externen Effekten - bei Koordinationsproblemen aufgrund anormaler Verhaltensreaktionen
  • Regulierungen greifen steuernd und korrigierend in den allgemeinen Regelrahmen ein schränkt die allgemeinen Regeln in ihrer Geltung durch Ge- und Verbote teilweise ein --> Gebote = schreiben bestimmte Verhaltensweise vor (Bsp. Ausübung Gewerbe nur mit Gewerbeschein) --> Verbote = untersagen ein konkretes Verhalten (Bsp. gesetzlicher Kündigungsschutz)
  • Hauptaufgabenbereiche der Wettbewerbspolitik - Verhinderung und Beseitigung wettbewebsbeschränkenden Verhaltens (u.a. Kartellaufsicht) - Verhinderung und Beseitigung wettbewerbsbeschränkender Strukturen (u.a. Fusionskontrolle) --> Schutz vor monopolistischem Marktmissbrauch
  • Schutz gegen Monopole --> Funktionierender Wettbewerb setzt Ausnutzung einer Monopolstellung Grenzen, insbesondere durch das Sicherstellen eines freien Marktzugangs Ausnahme: natürliches Monopol (kann Regulierung benötigen)
  • Funktionen von Preisen - Informationsfunktion (Informationen für eine effiziente Allokation) - Koordinationsfunktion (Anpassungsmöglichkeiten an Kontrahenten) - Anreizfunktion (neue Handlungsalternativen finden und Anpassungen vornehmen)   Erfüllung der Funktionen nur bei freier Preisbildung