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Pädagogik & Didaktik (Subject) / Erziehungswissenschaft II - Erfahrungswiss. BiFo (RWTH Ac 2019) (Lesson)
Modul Erziehungswissenschaft II - Teil Erfahrungswissenschaftliche Bildungsforschung (RWTH Aachen 2019)
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- Funktionsweise von Bildaussagen + Kernthese der Qualitativen Bildinterpretation • Bilder eröffnen Zugänge zum Orientierungswissen eines Menschen • Bilder beinhalten implizite Regeln, Routinen und Werte sozialer Welten (Habitus). ⇒ Kernthese: Die Analyse der formalen Komposition (Perspektive, Akzente, Beziehungen...) ist der Schlüssel zur Rekonstruktion der Bildaussage.
- "Akzente" im Sinne der qualitativen Bildinterpretation = Bündelungen von Kontrasten an einer Stelle im Bild • Kontrastarten: Hell-Dunkel, Farbe, Formen, Größen, „Der-aus-der-Reihe-tanzt“-Auffälligkeiten
- formale Komposition von Bildaussagen - Fotografische Handschrift von Alex Webb • Viele Akzente im Bild ⇒ Unruhe • Dominante vertikale Linien ⇒ Trennung • Kippendes Dreieck zusammengehörender Akzente ⇒ Instabilität • Abschattung von Augen ⇒ Ent-persönlichung
- Ausgangspunkt der Dokumentarischen Bildinterpretation: Die Dokumentarische Methode nach Mannheim • Wechsel der Beobachterhaltung: vom Was (gesellschaftliche Realität) zum Wie (wie wird sie hergestellt) • Differenzierung: kommunikatives (∼inhaltliches) vs. konjunktives (∼prozedurales) Wissen
- Drei Sinnarten der Dokumentarischen Methode objektiver Sinn / Objektsinn (Objektive Einschätzung / um-zu Erklärung) intendierter Ausdruckssin (Intention / Motiv des Subjekts) Dokumentsinn / Ikonizität (Tiefenstruktur)
- Gegenstand und Zielsetzung der Dokmentarischen Bildinterpretation • Gegenstand: Ikonizität / Dokumentsinn des Bildes • Zielsetzung: Rekonstruktion und Analyse des Bildsinnes ⇒ in Bildern ist eine (handlungsorientierende) Sinnschicht enthalten, die wir im Alltag zwar spüren können, die uns in der Regel jedoch intransparent bleibt.
- Phasen der Dokumentarischen Bildinterpretation 1. Formulierende Bildinterpretation • Vor-Ikonographische Interpretation • Ikonographische Interpretation 2. Reflektierende Interpretation • Formale Komposition • Ikonologisch-ikonische Interpretation • Ggf. Einbezug eines Textlogos • Vergleich mit anderen Bildern
- Phasen der Dokumentarischen Bildinterpretation: Vor-Ikonographische Interpretation - Was ist zu sehen? – Objekte, Gegenstände, Bewegung des Bildes werden identifiziert, ohne sie in Handlungen oder Ereignisse einzubetten.
- Phasen der Dokumentarischen Bildinterpretation: Ikonographische Interpretation - Was geschieht? – Handlungen, unterstellte Motive, „Common Sense“ – dargestellte Handlungen, denen objektiv erkennbare Um-zu-Motive unterstellt werden müssen
- Phasen der Dokumentarischen Bildinterpretation: Formale Komposition 1. Perspektive: Rekonstruktion der Perspektität des Bildes (Fluchtpunkt(e), Horizontlinie) 2. planimetrische Komposition: Mit möglichst wenigen Linien die Komposition in der Fläche markieren 3. szenische Choreographie: Greift die formale Komposition auf und betrachtet das Verhältnis der dargestellten Personen und Objekte zueinander
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- Phasen der Dokumentarischen Bildinterpretation: Ikonologisch-Ikonische Interpretation – Bild als ganzes im Fokus der Betrachtung – Welche Geschichte erzählt das Bild? – Welchen Sinn erzeugt das Bild?
- Besonderheiten eines Bildes im Unterschied zu anderen Datensorten • Bilder vermitteln aufgrund ihrer Gesamtkomposition einen eigenen Sinn (Bildsinn) – Zugang zu handlungsorientierten, vorreflexiven, impliziten Wissensbeständen – Ausdrucksmöglichkeiten jenseits von Sprache und Text • Bilder können: – Gegenwelten enthalten – Realweltliche Bezüge zuspitzen
- Wo findet die Artefaktanalyse Anwendung und was ist das Ziel der Anwendung der Artefaktanalyse in der Pädagogik? ⇒ Anwendung: Industrieforschung, Marketing, Politik, Architektur, Sozialforschung ... ⇒ in Pädagogik: Bestehendes wird analysiert, um Rückschlüsse zu ziehen.
- Wo liegt der Ursprung der Artefaktanalyse? Archäologie und Kriminologie
- Vorteile der Artefaktanalyse • Artefakte befinden sich überall und sind zudem meist „kostengünstig“ • Artefakte als authentische Zeugnisse sozialer Entscheidungen; ein soziales Gedächtnis • Eröffnen Zugänge, die auf Grund von Regelungen sonst nur schwer zugänglich sind • Artefakte öffnen Zugänge zu latenten Sinnstrukturen, die den Akteuren selbst zumeist nicht transparent sind
- Was macht Artefakte aus? • Artefakte sind „materialisierte Kommunikation“ - sie sagen etwas aus, über den Kontext der Kommunikativen Beziehungen, in denen sie auftauchen und verwendet werden. • Wirklichkeit in Organisation ist sozial konstruiert, sie verfestigt sich in kommunikativ produzierten Erfahrungen zu typischen Strategien der Interpretation von Ereignissen und Routinen der Alltagsbewältigung • Artefakte als Ausdruck von Strukturierungsprozessen, die das soziale Leben in Organisationen nicht nur mit Sinn versehen sondern auch in geregelte Bahnen lenken.
- Ablauf einer Artefaktanalyse Fallbestimmung Interaktionseinbettung und Zerlegung Fallrekonstruktion - Geschichten erzeugen - Fünf Entscheidungsprozesse, die in Artefakten sichtbar werden Theoretisierung
- Ablauf einer Artefaktanalyse: Fallbestimmung • Klärung des Forschungsinteresses und der Fragestellung: Lücke?, Theorie? • Beobachtungsprotokolle
- Ablauf der Artefaktanalyse: Interaktionseinbettung und Zerlegung • Klärung der Funktion des Artefakts für den Forschungsprozess • Art des Artefaktes (nicht nur Inhalt: Akte vs. aufgezeichnetes Gespräch) • Gedankliche Zerlegung des Artefakts
- Ablauf der Artefaktanalyse: Fallrekonstruktion • Geschichten erzeugen – In welchem sinnhaften Kontext könnte das Artefakt stehen? – „Könnte es sein, dass...?“ • Fünf Entscheidungsprozesse, die in Artefakten sichtbar werden: 1. Logik des Anlasses: Warum wurde das Artefakt produziert bzw. wie kam die Organisation auf die Idee, dieses Artefakt zu gebrauchen? 2. Logik der Produktion: Auf welche Weise wird das untersuchte Artefakt hergestellt, bzw. wie hat die Organisation das Artefakt inkoprporiert? 3. Logik des Gebrauchs: Wofür wird das Artefakt in der Organisation verwendet, bzw. wie wird es verändert oder zerstört? 4. Logik der Sinnhaftigkeit: Welche Bedeutungen werden dem Artefakt in der Organisation zugeschrieben? 5. Logik der Organisation: Welche Funktionen und Wirkungen hat das Artefakt für die Organisation?
- Artefaktanalyse: Gegenstand der Theoretisierung Konfrontation der erzeugten Geschichte mit weiteren Daten
- Artefaktanalyse: Ziel der Theoretisierung Einigung auf eine "gültige" Geschichte
- Artefaktanalyse: 2 Wesentliche Tätigkeiten in der Theoretisierung Falsifikationsversuche & Kriterien der gültigen Geschichte
- Artefaktanalyse: Kriterien der gültigen Geschichte bei der Theoretisierung Konsensprinzip Kohärenzprinzip Einbezug von Theorien aus Forschungsgebiet
- Grundideen der Grounded Theory 1. theoretical sampling (iterativer Forschungsprozess) - Verzahnung von Datenerhebung und Datenauswertung - die Frage, welche Daten erhoben werden sollen, ist abhängig vom bisherigen Forschungsverlauf; kein theoriegeleitetes Verfahren 2. Das Kodierparadigma = es gibt drei aufeinander folgende Auswertungschritte: (1) offenes Kodieren (2) axiales Kodieren (3) selektives Kodieren
- Grounded Theory: offenes Kodieren - Aufbrechen - Was zeigen die ersten Seiten zum Thema? (dann sequenziell durchgehen) - „Was fällt auf? Gibt es besonders auffällige Episoden oder Begriffe im Text?“ § --> Rekonstruktion der Ereignisketten
- Grounded Theory: Weiterführende Fragen des offenen Kodierens Was, Wer, Wie, Warum, Wozu, Womit, Wann, Wie lange, Wie stark, Wo
- Grounded Theory: axiales Kodieren 1. Ursachen + Kontext --> Zentrales Phänomen im Material 2. + Intervenierende Bedingungen --> Strategien --> Konsequenzen
- Grounded Theory: selektives Kodieren - in der Auswertung ist eine Schlüsselkategorie aufgetaucht - mit der Schlüsselkategorie können alle bisher gewonnenen Kategorien und Konzepte in einen höchst plausiblen Zusammenhang gestellt werden - Schlüsselkategorie = Spinne im Datennetz
- Wandel der Schulkultur Homogenität: Schulpflicht, gemeinsames Lernen, Meritokratisches Prinzip Heterogenität: PISA, Reproduktion sozialer Ungleichheit, Homogenität ineffektiv, Postmoderne Bildungstheorien
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- Auswertungsebenen der Grounded Theory formale (syntaktische) Ebene semantische Ebene tiefenstrukturelle Ebene
- Grounded Theory = Wechselspiel zwischen... ... der Erhebung neuer Daten und der Entwicklung / Modifikation / Falsifikation von Theorieansätzen
- Wann ist der Forschungsprozess der Grounded Theory zuende? Wenn die Daten keine nennenswerten Modifikationen am Theorieansatz mehr erfordern / liefern.
- Systemische Professionstheorie: Professionen zeichnen sich aus durch... - ... die Bearbeitung von Kernaufgaben (eines Funktionssystems); Bsp. Heilen in Medizin - ... das Verwalten eines akademischen Wissenskorpus - ... Hierarchien von Berufsgruppen innerhalb eines Funktionssystems - ... Leistungs- und Komplementärrollenverteilung (Experte vs. Adressat)
- Interaktionistische Professionstheorie: Typische Muster von Lehrkräften im Umgang mit Antinomien „Nichtwissenheit“: Der Gehalt des Paradoxen wird nicht wahrgenommen, weil nur eine Wahrnehmungsperspektive vorhanden ist „Ausblendung“: Der Gehalt des Paradoxen wird nicht wahrgenommen, weil die Relevanz anderer Perspektiven bewusst abgelehnt wird „Versanden-Lassen“: Der Gehalt des Paradoxen wird zwar gesehen, eine Lösung aber immer wieder entweder zeitlich nach hinten verschoben „Abwälzen“: Der Gehalt des Paradoxen wird zwar gesehen, eine Lösung aber auf andere Personen abgewälzt „Flexibilisierung“: Es ist die Einsicht da, dass es einen Gehalt des Paradoxen gibt und dass der paradoxe Gehalt nur dadurch aufgelöst werden kann, indem (ggf. auch mit anderen) stets situativ nach adäquaten Lösungen gesucht wird
- Profession und Reflexivität nach S. Tiefel: 4 Wahrnehmungsperspektiven 4 Wahrnehmungsperspektiven: Selbst: Möglichkeiten und Baerrieren individueller Entwicklung und persönlicher Verortung in der Welt Nahbereich: Soziale Einbindung, Kommunikation und Interaktion als zentrale Bereiche der persönlichen und beruflichen Verortung Institution: Institutionelle Vorgaben, Maßstäbe oder Normen als leitende Prinzipien Gesellschaft: Politisch / philosophische Fragestellungen und Systembedingungen
- S. Tiefel: Profession und Reflexivität: 4 Reflexionsfoki Flexibel -komplexer: Unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven fließen parallel in Reflexionen einRelationaler: 2 oder mehrere Wahrnehmungsperspektiven werden situativ abwechselnd in Reflexionen einbezogenHierarchischer: Eine Wahrnehmungsperspektive wird den anderen bei Reflexionen (bewusst) vorgezogen Dominanter: Eine Wahrnehmungsperspektive ist bei Reflexionen zentral andere werden (unbewusst) nicht berücksichtigt von oben: Innovation nach unten --> Stabilität
- Experte und Expertise nach Bransford 1. Experten richten ihre Aufmerksamkeit auf große und bedeutungsvolle Muster. 2. Sie verfügen über eine große Menge inhaltlichen Wissens, das sie in einer Art und Weise organisiert haben, die ein tiefes Verständnis der Inhalte ausdrückt. 3. Experten verfügen über variierende Flexibilitätsniveaus bei der Lösung neuer Probleme.
- Die 4 Antinomien des Lehrerhandelns Konstitutive Antinomien • paradoxe Zielebenen, die sich nicht gleichzeitig erreichen lassen • logische Widersprüche --> Professionalität = reflexivee und abwägender Umgang mit diesen antinomischen Zielperspektiven. Antinomische Fremdkodierungen • Spannungsfeld zwischen pädagogischer und außerpädagogischer Anforderungen --> lösbar aber verschäft konstitutive Antinomien Pragmatische Antinomien • Handlungsdilemmata auf der unmittelbaren Interaktionsebene Modernisierungsantinomien • Vrlagerung konstitutiver Antinomien auf die Ebene der Modernisierungsprozesse der pädagogischen Profession selbst • Refexivität und Wandelbarkeit professioneller Praxis und des pädagogischen Selbstverständnisses
- Interaktionistische Professionstheorie: Grundaussage zu Professionen Professionen zeichnen sich wesentlich durch den Umgang mit strukturellen Paradoxien aus.
- Interaktionistische Professionstheorie: 4 Aufgaben von Professionen - höhersymbolische Sinnwelten in die Alltagswelt übertragen - den Gesamtarbeitsbogen der Kernaufgaben + Arbeitsteilung und Spezialisierungen vor Ort erfassen - als Experten die Deutungs- und Verfahrenshoheit vertreten und zugleich nah und authentisch mit den Adressaten interagieren - auf Standards der Problembearbeitung zurückgreifen und zugleich ein „seismografisches Gespür“ für die Grenzen dieser Wissensstandards entwickeln