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Politikfeldanalyse (Subject) / PFA Bamberg 19 (Lesson)
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- Drei Dimensionen von Politik Politics: Prozessdimensionen Polity: instituinelle Rahmenbedingungen Policy: Output und Outcomes
- Erläutern Sie das Konzept des Politikzyklus (oder policy cycle). Welche Phasen lassen sich unterscheiden und wodurch sind sie jeweils charakterisiert? Der Politikzyklus nach Eastons Modell beschreibt deskriptiv analytisch den Prozess der „Produktion von Policies“ analog zum Planungsprozess in der BWL.Phasen:1.Problemdefinition und Agenda Setting − Handlungsbedarf wird identifiziert und kommt auf die politische Tagesordnung2.Politikformulierung − Es wird eine policy aus verschiedenen Optionen gewählt3. Implementation − Die policy wird durchgeführt/durchgesetzt4. Evaluation − Die outcomes der policy werden bewertet5 Terminierung, bzw. meistens zurück zu Phase 1
- Stimmen Sie der folgenden Aussage zu? „Auf die politische Agenda geraten jene Themen, bei denen aus Gründen des Gemeinwohls Handlungsbedarf besteht“. Diskutieren Sie sie! Obwohl es durchaus geschieht dass Themen auf die politische Agenda geraten, bei denen aus Gründen des Gemeinwohls Handlungsbedarf besteht, stimme ich der Aussage nicht grundlegend zu, da zum einen das Gemeinwohl nicht eindeutig definiert werden kann und sich je nach den Perspektiven und Interessen der Akteure unterscheidet. Zum anderen geraten Themen auch durch andere Einflussfaktoren heraus auf die politische Agenda
- Stimmen Sie der folgenden Aussage zu? „Policies werden nach rationalen Kriterien formuliert“. Diskutieren Sie sie! Rationalität spielt bei der Formulierung von Policies nur eine bedingte Rolle, da neben rationalen Kriterien vor allem die Interessen, die Werte/ Ideale / Normen, die zur Verfügung stehenden Ressourcen und exogene Rahmenbedingungen bei der Policy-Formulierung überwiegen.
- Lassen sich die einzelnen Phasen isoliert analysieren? Diskutieren Sie! (Policy- Zyklus) Es lassen sich die einzelnen Phasen des Policy-Zyklus nicht isoliert betrachten, da dieser den Prozesscharakter der Produktion von Policies veranschaulichen will. In der Realität ist es deshalb empirisch unmöglich die Phasen unabhängig voneinander zu betrachten, da einzelne Phasen ineinander übergehen, entfallen, übersprungen werden oder sich wiederholen können.Tutorium:Ja! „Work within each stage has tended to develop on its own, almost totally without reference to research in other stages.“ (Sabatier 2007: S. 7)
- Diskutieren Sie Vor- und Nachteile des Konzepts des Politikzyklus. Was bedeutet es, wenn man den Politikzyklus als „heuristischen Orientierungsrahmen“ (Blum/Schubert 2009: 101) versteht? Vorteile:- Hilfreiche Strukturierung- Prozessale Dimension wird fokussiert- Analyse wird auf Phasen nach Verabschiedung erweitert- In der Wirkung wird zwischen Policy-Output und Policy-Outcome unterschiedenNachteile:- Sequenzierung nicht empirisch tragfähig, Phasen können entfallen oder übersprungen werden- Keine Hypothesenformulierung möglich, da nicht theoretisch weiterführend (reine Heuristik)- Keine Berücksichtigung von Akteuren, Ideen, Wissen und Lerneffekten- Vernachlässigung von Politikfeldinterdependenzen, da Konzentration auf einzelne ProgrammeHeuristischer Orientierungsrahmen:Keine Theorie, nicht hypothetisch verwendbar, keine allgemein geltenden Kausalzusammenhänge ableitbar, sondern Werkzeugkasten/Herangehensweise um deskriptiv Problemstellung zu analysieren.
- Erläutern Sie verschiedene Möglichkeiten, Typen von Politiken zu unterscheiden. Warum können solche Unterscheidungen nützlich oder notwendig sein? 1. Unterteilung in Nominalkategorien, also nach Politikfeldern (Finanzen, Arbeit, Bildung, Umwelt) Häufig parallel zur Organisation des politischen Systems2. Unterteilung in Regelungsmechanismen & Steuerungsmedien Zuordnung oft nicht eindeutig3. Unterteilung nach Konfliktstärke- Lösungsansätze unterscheiden sich je nach Konflikthaftigkeit von vier verschiedenen Typen von Policies: distributiv, redistributiv, regulativ, sozial-regulativ (später noch fünfter Typ)Einteilung nützlich und notwendig da eine Kategorisierung von Policies nicht immer einfach vorzunehmen ist. Allerdings ist die Zuordnung nicht immer eindeutig.
- Welche Regelungsmechanismen und Steuerungsprinzipien lassen sich unterscheiden? Regelungsmechanismen: - (materielle) Anreitze -Gebot/Verbot - Angebot - Überzeugung/ Aufklärung - Vorbild Steuerungsprinzipien: - Recht -Geld - Macht - Gewalt
- Welche Typen von Policies unterscheidet Theodore Lowi? Erläutern Sie sie knapp! Unterteilung nach Unterteilung nach KonfliktstärkeLösungsansätze unterscheiden sich je nach Konflikthaftigkeit von vier verschiedenen Typenvon Policies: distributiv, redistributiv, regulativ, sozial-regulativ (später noch fünfter Typ
- Was meint Theordore Lowi, wenn er behauptet: „Policy determines politics“? Lowi meint dass die Prozessdimension der Politik abhängig ist von der Wirkung und den Effekten des Ouputs und den Outcomes der einzelnen politischen Handlungsentscheidungen. Der Policy-Typ bestimmt den Prozesscharakter. Diese Betrachtung ist genau umgekehrt zur eigentlichen Anschauung der Poltikfeldanalyse, die besagt dass der Prozesscharakter den Policy-Typ bestimmt.Wesen der Policy erklärt wie politischer Prozess
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- Was sind die Schwächen des Konzepts von Lowi? Typologie unklar: Ist Kosten-Nutzen-Verteilung das Kriterium oder Steuerungsmedium? Policies sind nicht einfach zu kategorisieren, umfassen mehrere Aspekte (Wahrnehmung; „Issue-relabeling“) Andere Einflüsse auf den politischen Prozess (z.B. Institutionen) Analysekategorien Lowis sagen nichts über konkrete Politikfelder aus, in denen sich u.U. mehrere verschiedene Policytypen finden.
- Wie sind Parteien definiert? Wodurch zeichnen sie sich gegenüber anderen Akteuren aus, die ebenfalls versuchen, Politikinhalte zu beeinflussen? Deutsches Parteiengesetz von 1967:„Parteien sind Vereinigungen von Bürgern, die dauernd oder für längere Zeit für den Bereich des Bundes oder eines Landes auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen und an der Vertretung des Volkes im Deutschen Bundestag oder einem Landtag mitwirken wollen, wenn sie nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere nach Umfang und Festigkeit ihrer Organisation, nach der Zahl ihrer Mitglieder und nach ihrem Hervortreten in der Öffentlichkeit eine ausreichende Gewähr für die Ernsthaftigkeit dieser Zielsetzung bieten. Mitglieder einer Partei können nur natürliche Personen sein.“
- Was sind die Funktionen von Parteien? Wie erfüllen Parteien diese Intermediation (Bindegliedfunktion) Interessenvertretung Legitimation Personalrekrutierung Kontrollfunktion
- Was ist die Kernaussage der Parteiendifferenzhypothese? Politikinhalte hängen in entscheidendem Maße davon ab, welche Parteien die Regierung stellen.Die jeweilige Regierungspartei wird die Politik in den unterschiedlichsten Politikfeldern in ihrem Sinne prägen.
- Welche drei Ziele verfolgen Parteien? Policy-seeking Office-seeking Vote-seeking
- Wie leitet Douglas Hibbs die Erwartung her, dass Parteien einen Unterschied bei wirtschaftspolitischen Outputs und Outcomes machen sollten? Welche Ziele verfolgen rechte und linke Parteien bei ihm? Zielkonflikt zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit („Phillips-Kurve“)In der Wählerschaft existieren soziale Gruppen mit unterscheidbaren wirtschafts-politischen InteressenInteressen werden durch politische Parteien vertreten
- Welche Kritik lässt sich an Hibbs üben? Der Typus der Massenintegrationspartei wurde spätestens in den 1960er Jahren vom Typus der Volkspartei abgelöst Volksparteien sind darauf angelegt, die Interessen einer breiten Bevölkerungsmehrheit zu vertreten Klare wirtschaftspolitische Interessensmuster nicht mehr gegebenÜberschätzung der Steuerungsfähigkeit des politischen Systems Vernachlässigung institutioneller Beschränkungen, denen sich Regierungen ausgesetzt sehen Begrenzte Möglichkeit voluntaristischer Steuerung der Arbeitslosen- und der Inflationsrate
- Wie könnte man unter Berufung auf Edmund Burke Parteiendifferenzen herleiten? Inwieweit ist es gerechtfertigt, in diesem Zusammenhang von einer ideenbasierten (ideologischen) Herleitung von Parteiendifferenzen zu sprechen? Parteiendifferenzen entstehen, weil Mitglieder und Entscheidungsträger einer Partei bestimmte grundlegende Wertvorstellungen darüber, wie sich diese Werte politisch verwirklichen lassen, teilen, die sich von den Wertvorstellungen anderer Parteien unterscheiden. Unterschiedliche Auffassung darüber, was der Inhalt des „Gemeinwohls“ sein soll und welche Mittel geeignet sind, um das „Gemeinwohl“ zu verwirklichen.
- Wie kann die parteipolitische Färbung der Regierung empirisch gemessen werden? Gehen Sie dabei auf Stärken und Schwächen der jeweiligen Konzepte ein. a) Qualitativ: detailierte, historische Rekonstruktion Zuordnung zu „Parteifamilien“ (Liberale, Konservative, Arbeiterparteien, Agrarparteien, Grüne, Sozialdemokraten, Christdemokraten, etc.) Erkennt Idiosynkrasien und Multidimensionalität gut, schlecht zum Vergleichenb) Quantitativ: Dichotomie (Links/Rechts) oder Trichotomie (Linke/Mitte/Rechts) Reduziert Datenmenge: gut zum Vergleichen, ignoriert aber auch wichtige Differenzen (z.B. wirtschaftspolitische Positionierung vs. gesellschaftspolitische) Entweder über Bevölkerungs- oder Expertenbefragung; Elitenbefragung; WORDFISH, Wordscoresc) Party Manifesto Daten Quantitative Inhaltsanalyse von Parteiprogrammen Vorteil: Veränderung über Zeit sichtbar Nachteil: Programmatische Skalierung oft schwierigd)Abstimmungsverhalten im Parlament Vorteil: beobachtbares Verhalten Problem: Abstimmungsverhalten nicht unbedingt „echte“ Präferenz, sondern strategisch Zirkulär bezüglich These, dass Parteien einen Unterschied machen
- Was sind Interessengruppen? Wie unterscheiden sie sich von Parteien? Interessengruppen sind Private Organisationen die soziale, politische und wirtschaftliche Interessen ihrer Mitglieder vertreten.Der Unterschied zu Parteien besteht darin dass sie: keine Mandate anstreben Partikularinteressen vertreten überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden Politische Entscheidungsprozesse nur beratend beeinflussen hierarchisch organisiert sind sie vom privaten und wirtschaftlichen Umfeld – von außen – auf das politische System wirken
- Was ist Pluralismus? Unterscheiden Sie dabei die normative und positive Bedeutung. Im Pluralismus wird staatliches Handeln als Resultat des politische Wettbewerbs und Drucks von Interessengruppen auf die Regierung angesehen.Normativ: Leitbild moderner Demokratien, zeigt Anerkennung und Respekt vor vielfältigen individuellen Meinungen, Überzeugungen, Interessen und Zielen. (Gegenteil: Monismus)Positiv: wegen unterschiedlicher Konflikt- und Organisationsfähigkeit der Interessengruppen besteht kein Pluralismus im normativen Sinne, sondern eine unterschiedliche Machtverteilung, bei der die durchsetzungsfähigste Interessengruppe ihre Interessen in der Politik durchsetzen kann.
- Was ist ein pluralistisches Gleichgewicht? Pluralistisches Wettbewerbsgleichgewicht: freien Bildung von Interessengruppen: jedes Interesse ist organisiert Dadurch sollten im Idealfall viele kleine, gleich starke Interessengruppen entstehen. Individuen haben multiple Interessen (cross-cutting cleavages). Staat ist getrennt und neutral wird beeinflusst/programiert Ist im Sinne des Gemeinwohls
- Erläutern Sie Olson’s Logik des kollektiven Handelns! Welche Implikationen hat sie für die Bewertung eines unregulierten pluralistischen Gleichgewichts? Das Verfolgen von Partikularinteressen hat für die Gruppe mit diesem Interesse den Charakter eines unteilbaren Kollektivguts. Kleine Gruppen können das Trittbrettfahrer-Problem besser lösen als große Gruppen, die dazu selektive Anreize benötigen. Dadurch werden kleine Interessengruppen mit speziellen Interessen organisationsfähiger und somit konfliktfähiger. Dies erklärt weshalb ein unreguliertes, pluralistisches Gleichgewicht verzerrt und somit nicht im Sinne des Gemeinwohls ist
- Welche Vorhersagen über den „Aufstieg und Niedergang von Nationen“ trifft Olson auf der Grundlage der Logik des kollektiven Handelns? Interessengruppen sind Verteilungskoalitionen (rent-seeking) und streben nicht nach zusätzlicher Produktion sondern nach Umverteilung der bestehenden Güter durch staatliche Regulierung.Im Aufschwung wächst die Zahl der Interessengruppen, was mittel bis langfristig zu einem geringeren Wirtschaftswachstum führen wird. Auch Gruppen mit durchgesetzten Interessen bleiben weiterhin ein Faktor durch selektive Anreize. Je älter eine Demokratie → desto stärker die Verkrustung, wobei Staaten mit umfassenden Interessengruppen bessere Bedingungen haben als die mit speziellen.
- Was ist die Organisationsfähigkeit einer Interessengruppe? Was ist ihre Konfliktfähig-keit? Organisationsfähigkeit:Die Fähigkeit eines Kollektives sich zu organisieren und die gemeinsamen Interessen zu bündeln.Konfliktfähigkeit:Die Fähigkeit die Interessen im politischen Rahmen zu artikulieren und gegen den Widerstand gegensätzlicher Interessengruppen durchzusetzen.
- Was ist Neokorporatismus? Neokorporatismus bezeichnet das System der Interessenvermittlung zwischen dem Staat und Interessengruppen. Interessenvermittlung durch Aushandlungsprozesse zwischen Staat und Interessengruppen geprägt, Konsens und Kooperation als Ziel Staat deligiert gewisse Aufgaben an einzelne Interessengruppen und nimmt sie damit in die Pflicht für das Gemeinwohl (reguliert Interessengruppenwettbewerb) Manche Entscheidungsprozesse sind außerparlamentarisch organisiert.
- Was versteht man unter der Mitgliedschafts- und der Einflusslogik? Welche Bedeutung kommt ihnen jeweils in einem System der pluralistischen und neokorporatistischen Interessenvermittlung zu? Mitgliedschaftslogik:Verbandsvertreter müssen aus der Sicht der Mitglieder Wünschenswerte vertretenEinflusslogik:Verbandsvertreter müssen ihre Ziele an das gesellschaftliche Machbare anpassen.Teilweise Präferenzen von Interessengruppen endogen Im System der pluralistischen Interessenvermittlung sind die Interessenvertreter einzig der Mitgliedsschaftslogik verpflichtet. Im Neokorporatimus müssen sowohl Mitgliedsschafts- als auch Einflusslogik beachtet werde, da es in diesem System zu einer Interessenbearbeitung statt einer reinen Artikulation. Müssen auch Machbarkeit beachten
- Welche institutionellen Vorschriften ließen sich ergreifen, um einer Verzerrung des pluralistischen Gleichgewichts entgegen zu wirken? Kontrolle durch Transparenz, z.B. Offenlegungspflichten Konsultation- und Beschwerderecht für (benachteiligte) Gruppen Staatliche Förderung von Interessengruppen, deren Organisation schwierig ist (z.B. die Gründung von Finance Watch) Erhöhung von Transparenz im Prozess der Politikentwicklung Verstärkung neokorporatistischer Strukturen, welche darauf abzielen, dass schwächere Interessengruppen vermehrt in politische Entscheidungs-prozesse eingebunden und diesen dabei auch Organisationshilfen (z.B. in Form von Subventionen) angeboten werden ABER: Problem der Pfadabhängigkeit institutioneller Strukturen!!
- Kann Neokorporatismus in der Globalisierung noch erfolgreich sein? Diskutieren Sie auch unter Rückgriff auf empirische Befunde! Auch dies ist unklar. Ein Großteil der wissenschaftliche Literatur sagt, Neokorporatismus sei in einer gobalisierten Welt durchaus noch möglich, aber es zeigt sich, dass nationale Konzertierung (Koordination) abnehme und sich hin zu sektoraler Konzertierung wandelt.In jüngerer Zeit wird die Frage diskutiert, ob die Wahrnehmung öffentlicher Funktionen durch Interessengruppen und -verbände auch - gewissermaßen als vierte Ebene - in supra-nationalen Zusammenhängen wie z.B. in der Politik der Europäischen Union zu beobachten ist Der Wirtschafts- und Sozialausschuss, die Komitologie oder der so genannte "Soziale Dialog" wären Beispiele für einen solchen "europäischen Korporatismus„ (auch wenn nicht zu verkennen ist, dass korporatistische Arrangements in der europäischen Politik nicht den Stellenwert erreichen können, den sie zumindest in einigen Mitgliedsstaaten einnehmen)
- Was ist die Kernaussage der sozio-ökonomischen Schule bzw. des Funktionalismus? Wie lässt sie sich herleiten? Sozio-ökonomische Entwicklungen führen zu neuen Herausforderungen und Problemen, die mittels politischer Maßnahmen abgefedert werden sollen Reiz-Reaktionsschema Funktionsprobleme der Gesellschaft werden von der Politik erkannt und im Rahmen des politischen Prozesses gelöst Primat des Wirtschaftlichen oder Gesellschaftlichen über das Politische„Die Nachfrage schafft sich ein Angebot“ Neues Problem formiert sich Funktionslücke Nachfrage nach staatlichen Leistungen Problemdruck wird vom Staat aufgegriffen und durch ein politisches Angebot befriedigt Beispiel: Entwicklung des Sozialstaates
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- Welche Rolle spielt Politik (im Sinne von polity und politics) für die funktionalistische Erklärung von policies? Polity und Politics spielen kaum eine Rolle in der Erklärung von Policies.Beispiel: Zöllner (1963) – Erklärung der Höhe der SozialleistungsquoteSozialleistungsquote:Die Sozialleistungsquote misst, wie viele Sozialleistungen im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) ausbezahlt werden. Je höher die Zahl, desto mehr wendet ein Staat für sein Sozialsystem auf.Liegt die Quote beispielsweise bei 25%, bedeutet dies, dass ein Viertel der gesamten Wertschöpfung (oder jede 4. Arbeitsstunde) über den Sozialstaat umverteilt wird.Sozialleistungsquote hängt bei Zöllner ab Von der Arbeitnehmerquote Vom Ausmaß der Kriegsfolgelasten Vom Durchschnittsalter der Bevölkerung Von der Arbeitslosenquote
- Kann Neokorporatismus in der Globalisierung noch erfolgreich sein? Diskutieren Sie auch unter Rückgriff auf empirische Befunde! Auch dies ist unklar. Ein Großteil der wissenschaftliche Literatur sagt, Neokorporatismus sei in einer gobalisierten Welt durchaus noch möglich, aber es zeigt sich, dass nationale Konzertierung (Koordination) abnehme und sich hin zu sektoraler Konzertierung wandelt.In jüngerer Zeit wird die Frage diskutiert, ob die Wahrnehmung öffentlicher Funktionen durch Interessengruppen und -verbände auch - gewissermaßen als vierte Ebene - in supra-nationalen Zusammenhängen wie z.B. in der Politik der Europäischen Union zu beobachten ist Der Wirtschafts- und Sozialausschuss, die Komitologie oder der so genannte "Soziale Dialog" wären Beispiele für einen solchen "europäischen Korporatismus„ (auch wenn nicht zu verkennen ist, dass korporatistische Arrangements in der europäischen Politik nicht den Stellenwert erreichen können, den sie zumindest in einigen Mitgliedsstaaten einnehmen)
- Was versteht man unter „Wagners Gesetz“? Gesetz „der wachsenden Ausdehnung der […] Staatsthätigkeit“ Erklärungsversuch für das international beobachtbare nachhaltige Staatswachstum Stetige technologische und gesellschaftliche Entwicklung Entstehung neuer Aufgaben, die der Staat zu erfüllen hat Erweiterung der Staatstätigkeit vom „Rechts- und Machtzweck“ um die Kategorie „Kultur- und Wohlfahrtszweck“ Die öffentliche Hand musste auch in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sozialfürsorge, Wissenschaft etc. tätig werden und diese fördern, unterstützen und ausbauen Notwendigkeit weiterer Finanzmittel Normative Komponente: Nach Wagner diene der Einsatz der Mittel einem positiven gemeinwohlen Zweck, weshalb der steigende Finanzbedarf der öffentlichen Hand als positiv zu beurteilen sei
- Wenden Sie die Überlegungen der sozio-ökonomischen Theorieschule auf die Arbeitsmarktpolitik sowie die Verkehrspolitik an. Was wären jeweils relevante unabhängige Variablen? Arbeitsmarktpolitik Arbeitslosenquote FachkräftemangelVerkehrspolitik Wirtschaftliche Entwicklung Zunehmender Bedarf an infrastruktureller Vernetzung Zunehmende Mobilität
- Was kann die sozio-ökonomische Schule gut erklären? Welche Stärken der Theorieschule lassen sich konstatieren? Unterschiede zwischen Ländern mit sehr unterschiedlichem Entwicklungs-niveau lassen sich gut erklären, wohingegen Unterschiede zwischen ähnlichen Ländern nur sehr schwer erklärbar sind Beispiel – Staatsquote sozio-ökonomisch ähnlicher Länder: USA (2010): 43,2%; Deutschland (2010): 46,6%; Dänemark (2012): 58,2% Problemdruck ist eine wichtige Variable in vielen Politikfeldern ABER: Die Annahme eines gleichsam „politikfernen“ Reiz-Reaktions-Schemas unzureichend Mechanismus, welcher Problemdruck in politische Programme umwandelt wird theoretisch nicht beleuchtet
- Welche kritischen Einwände lassen sich gegen funktionalistische Theorien vorbringen? Nachfrage führt nicht immer zu einem AngebotMechanismus, welcher Problemdruck in Politikwandel übersetzt, nicht theoretisch erfasstFeine Unterschiede lassen sich nicht erklärenEndogenitätUnabhängige Variable: Sozio-ökonomische EntwicklungAbhängige Variable: Zunahme der StaatstätigkeitABER: Möglichkeit der umgekehrten Wirkungsrichtung?Zunahme der Staatstätigkeit Sozio-ökonomische Entwicklung
- Was ist der Kerngedanke der Machtressourcentheorie? Regierungspolitik wird von der politischen Auseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital, insbesondere deren Kräfte- und Machtverhältnis beeinflusstPolitikinhalte, aber auch Institutionen, spiegeln den Klassenkompromiss wider, der in Aushandlungen zwischen antagonistischen Klassen gefunden wurdeInhalt des Kompromisses ist abhängig von den Machtressourcen der Gruppen
- Was sind Machtressourcen? Geben Sie Beispiele Gewalt, Recht Besitz an Produktionsmitteln/Geld, Besitz an Arbeitskraft/Humankapital Abstimmungsmacht, Parlamentssitze, RegierungsbeteiligungDimensionen der Unterscheidbarkeit verschiedener Machressourcen Adressatenkreis bzw. Ausdehnung Reichweite Knappheit Konvertibilität Konzentrierbarkeit Kosten des Einsatzes Initiativ oder reaktiv
- Wieso herrscht bei der Verteilungsauseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital auf dem Markt kein Machtressourcengleichgewicht? In der Marktarena ist die Arbeit dem Kapital unterlegen, weil sich Arbeit nicht von einer Person trennen lässt, während Kapital veräußert und akkumuliert werden kann
- Wie kann die Arbeiterklasse die Nachteile bei den Machtressourcen verringern? Auseinandersetzung von Marktarena in politische Arena verlagern Politisierung des Marktes kollektive Arbeitsverträge oder Mitbestimmung Bedeutung politscher Parteien politischer Einflusskanal Ausgleich der Nachteile: Organisation der Arbeit in Gewerkschaften und Parteien Gewerkschaften: Bündelung der Machtressourcen der Arbeiter, um ihr Machtpotential in der Marktarena zu verstärken Organisation in linken Parteien: Verlagerung des Machtkampfes von der Marktarena in die politische Arena Wohlfahrtsstaat als Machtressource: senkt Abhängigkeit der Arbeiter vom Markt (Dekomodifiziert
- Inwiefern ist der Wohlfahrtsstaat eine Machtressource und für wen? Der Wohlfahrtsstaat ist eine Machressource der Arbeiterklasse, da er die Abhängigkeit des Arbeitnehmers vom Markt verringert, indem er ihm eine materielle Versorgung garantiert Senkt den Kommodifizierungsgrad von Arbeit
- Was versteht man unter Dekommodifizierung? KommodifizierungKommodifizierung meint die Transformation von Gütern, Arbeit und Ideen in Waren. Der Begriff geht auf den Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi zurück Er beschreibt den Übergang von einer Gesellschaft mit bäuerlicher Naturalwirtschaft, gewerblicher Kleinproduktion und merkantilistisch reguliertem Handel zu einer „reinen”, von der wirtschaftlichen Eigenlogik von Angebot und Nachfrage dominierten Marktgesellschaft In dieser werden alle Produktionsfaktoren (Boden, Arbeit und Geld) zu WarenDekommodifizierungVerringerung des Marktcharakters von Arbeit
- Was besagt die liberale Variante der Pluralismuskritik, also Olsons Logik des kollektiven Handelns Die pluralismustheoretische Variante des Machtressourcenansatzes bezieht sich nicht auf die Machtressourcen unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessen-gruppen, sondern auf deren gemeinsame Wirkung auf das Wirtschaftswachstum und den Umfang des Staatshaushalts Ökonomische Theorie des Zusammenhangs zwischen Organisationsgrad der Interessenverbände und der Rate des Wirtschaftswachstums einer Volks-wirtschaft Interessengruppen kein Interesse an der Steigerung des gesamt-gesellschaftlichen Reichtums, sondern streben eine Umverteilung zu ihren Gunsten an und suchen die Kosten der Gemeinschaft aufzubürden Dies gilt vor allem für kleine Gruppen, da die Kosten ihres Tuns und Lassens für die Allgemeinheit gering sind und der Nutzen für jedes Gruppenmitglied hoch ist „Verteilungskoalitionen“
- Welche Vorhersagen über den „Aufstieg und Niedergang von Nationen“ trifft Olson auf der Grundlage der Logik des kollektiven Handelns? „Rise and Decline of Nations“ (1982):Ökonomische Theorie des Zusammenhangs zwischen Organisationsgrad der Interessenverbände und der Rate des Wirtschaftswachstums einer Volkswirtschaft.Annahme:Interessengruppen sind „Verteilungskoalitionen“ (rent-seeking), welche nicht nach zusätzlicher Produktion, sondern nach Umverteilung der bestehenden Güter zu ihren Gunsten durch staatliche Intervention/Regulierung streben.Konsequenzen:Es kommt mittel- bis langfristig zu geringerem Wirtschaftswachstum, weil nicht mehr produziert, sondern umverteilt wird („Institutionelle Sklerose“)
- Was ist Globalisierung? In welchen Bereichen kommt Globalisierung vor? Unterschiedliche Dimensionen von Globalisierung: wirtschaftlich, sozial, kulturell, politisch Policies sind nicht allein durch nationalstaatliche Faktoren bedingt! (Wirtschaftliche) Globalisierung hat Einfluss auf nationalstaatliche Politik. Aber wie?
- Wieso könnte Globalisierung einen Einfluss auf nationalstaatliche Policies haben? Was ist die Grundidee der Globalisierungsforschung bzw. der internationalen Hypothese? Probleme haben zunehmend grenzüberschreitenden Charakter und lassen sich somit immer schwieriger allein im nationalstaatlichen Rahmen lösenInternationale Hypothese Staatstätigkeit einschließlich der sozialpolitischen Regierungspraxis wird von externen, inter- oder transnationalen Konstellationen oder Kräften bestimmt oder nachhaltig beeinflusst. These, dass sich die internationalen Rahmenbedingungen nationalen Regierungshandelns insbesondere durch zunehmende internationale Interdependenz, wachsende Weltmarkteinbindung, Liberalisierung des Handels und der Kapitalmärkte und die Europäische Integration erheblich gewandelt hätten. ABER: Unterschiedliche Auffassungen darüber, welches die wichtigsten internationalen Einflussgrößen sind und wie diese auf die Staatstätigkeit der Nationalstaaten einwirken. Internationale Hypothese ist daher vielgestaltig
- Erläutern Sie kurz die Theorie komparativer Vorteile von Ricardo! Nutzen Sie dazu evtl. ein Zahlenbeispiel! David Ricardo – Theorie der komparativen Kosten: Außenhandel ist auch dann vorteilhaft für ein Land, wenn es alle Güter billiger als das Ausland produziert Es ist dann sinnvoll, die relativ billigsten Güter zu exportieren und die relativ teuersten zu importieren Handel ist immer dann lohnenswert, wenn die zwei Vertragsparteien unterschiedliche Kostenstrukturen haben Jede Vertragspartei sollte sich dann auf die Produktion desjenigen Gutes konzentrieren, welches es relativ zum anderen Vertragspartner günstiger produzieren kann
- Beschränkt Globalisierung die Handlungsfähigkeit von Staaten? Diskutieren Sie unterschiedliche theoretische Erwartungen! Effizienzhypothese: Die zunehmende Offenheit der Märkte verstärke den Standortwettbewerb Wirtschaftsakteure wie Kapitalanleger haben die Möglichkeit, ihre Aktivitäten an geographische Standorte zu verlagern, die den höchsten Profit versprechen Starker Druck auf die Staaten, der Logik ökonomischer Effizienz zu folgen Konvergenzbewegung staatlicher Policies in Richtung „mehr Markt“ und „weniger Staat“Kompensationshypothese: Staaten haben auch im Zeitalter der Globalisierung Möglichkeiten, wirksame politische Instrumente zur Beschleunigung oder Verlangsamung der Marktöffnung einzusetzen Staaten weisen unterschiedliche politische, wirtschaftliche und soziale Strukturmerkmale im Staatsinnern auf, welche zu unterschiedlichen Reaktionen auf die Globalisierung führen Sozialpolitik: Staaten, die ihre Außenwirtschaft öffnen, federn den häufig damit verbundenen Strukturwandel durch Kompensation an die Globalisierungsgegner ab Außenpolitische Öffnung führt zu „mehr Staat“ (zumindest in bestimmten Bereichen)
- Warum sollten sich Staaten an Globalisierung anpassen? Argumentieren Sie einmal aus der Perspektive des sozio-ökonomischen Funktionalismus, einmal aus der Perspektive der Machtressourcentheorie Bedingungen globaler KapitalmobilitätVariante 1: Wegen des Wettbewerbsdrucks kommt es zur automatischen Anpassung Globalisierung erzeugt Probleme, auf die Regierungen jedweder Couleur unabhängig von institutionellem Kontext reagierenVariante 2: Globalisierung stärkt die Macht der Kapitalseite (Exit-Option des Kapitals) Um das Kapital im Land zu halten, werden Regierungen eine kapitalfreundliche Politik betreiben
- Welche Politiken lassen sich erwarten, wenn man Anpassungsreaktionen an Globalisierung als Ergebnis des politischen Prozesses versteht? Anpassungsreaktionen sind Ergebnis des politischen Prozesses, inklusive seiner innenpolitischen Determinanten (Institutionen, Parteien, Vetospieler, etc.)