Geographie und Umwelt (Subject) / Anthropogeographie (Lesson)

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Raumbeziehungen, Veränderungen, Stadtgeographie

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  • Anthropogeographie (Definition) derjenige Teilbereich der Allgemeinen Geographie, der sich mit der Raumwirksamkeit des Menschen und mit der von ihm gestalteten Kulturlandschaft und ihren Elementen in ihrer räumlichen Differenzierung und Entwicklung befaßt (Hartmut Leser) Die gesellschaftswissenschaftlich ausgerichtete Humangeographie [...] befasst sich mit der Struktur und Dynamik von Kulturen, Gesellschaften und Ökonomien und der Raumbezogenheit menschlichen Handelns (Dt. Gesellschaft für Geographie)
  • Teildiziplinen der Anthropogeographie physische Anthropogeographie Bevölkerungsgeographie Wirtschaftsgeographie Verkehrsgeographie Siedlungsgeographie politische Geographie historische Geographie Kulturgeographie
  • Stadt (Begriffsdefinition) Siedlung mit geschlossener Bebauung (wenige freie Flächen), hohe Bebauungsdichte Bebauungsüberschuss  unscharf definiert Stadtbegriff verändert sich (historisch und regional)
  • Stadtgeographie Untersucht städtische Siedlungen nach ihrer Genese, Lage, Struktur, ihren Funktionen, ihren Verflechtungen mit anderen Raumkategorien sowohl modellhaft-verallgemeinernd als auch regional-spezifische Typen
  • Statistischer Stadtbegriff Statistische Einheiten (Gemeinden) werden dabei nach ihrer Einwohnerzahl bewertet ab bestimmtem Wert werden statistischen Einheiten als "städtisch“ eingestuft Welcher Wert als Schwellenwert gilt, ist e. normative Festsetzung
  • geographischer Stadtbegriff Stadt hat bestimmte bauliche, soziale und ökonomische Merkmale Sie muss gekennzeichnet sein durch: Dichte und Zentrierung- einwohnerbezogene Mindestgröße- Bevölkerungszahl pro Flächeneinheit muss hoch sein - dichte mehrgeschossige Bebauung funktioneller Bedeutungsüberschuss- Bedeutungsüberschuss Stadt hat spezifische Funktion für Umland (Strahlkraft (Stadt hat Unis, Krankenhäuser, Kulturangebote, Arbeitsstätten, Ämter)) (d.h. in der Stadt gibt es mehr Güter und Dienstleistungen, als die Einwohner konsumieren können) spezifische sozioökonomische Struktur- Bedeutungsüberschusses bedingt spezifische sozioökonomische Struktur--> Erwerbstätigkeit in der Stadt ist von Industrie, Gewerbe und v.a. von DL geprägt--> Frauenerwerbstätigkeit ist wg. DL-Sektor hoch --> Tagbevölkerung übertrifft Nachtbevölkerung (d.h. viele Pendler)--> mehr ausländische Arbeitskräfte intensive Stadt-Umland-Beziehung- funktionelle Bedeutungsüberschuss bedingt auch Stadt-Umland-Beziehung- Asymmetrie zwischen Stadt und Umland: Ungleichgewicht an Arbeitsplätzen, Wohnungen, DL und Freizeiteinrichtungen, Folge: Verkehr- Stadt ist mit Umland durch Netz von Straßen und Schienen verbunden
  • Soziologischer Stadtbegriff Stadt als sozialer Raum, der eine bestimmte Lebensweise ermöglicht, v.a.: Anonymität:- weniger soziale Interaktionen- ohne soziale Kontrolle- Vergesellschaftung/Individualisierung Toleranz und Gleichgültigkeit- Folgen der hohen Kontaktdichte- man steht dem Nächsten gleichgültig, tolerant gegenüber
  • historischer Stadtbegriff (Voraussetzung) Stadtrecht (verbunden mit Privilegien, z.B. Abhalten eines Marktes) Stadtbefestigung Markt- und Herrschaftsfunktion (Grundherren o. Fürstensitz)
  • Innerstädtische Strukturelemente City daran anschließende Kernstaft Außenzone
  • Innerstädtische Strukturelemente: City (Begriff) In Deutschland: City = Geschäftszentrum, Stadtkern, angloamerikanischer Raum: City = Stadt mit eigener Verwaltungsfunktion, die aber deutlich größer sein kann als eigentliche Innenstadt City im dt. Sprachgebrauch entspricht Downtown bzw. CBD
  • Innerstädtische Strukturelemente: City (Merkmale) Konzentration tertiärer Funktionen (=DL und Handel):- hohe Dichte an DL-Unternehmen und Einrichtungen des tertiären Sektors (z.B. Banken, Ausbildungszentren, …)-->Konzentrationen von Funktionen, die Maximum an Umsätzen pro Flächeneinheit erzielen, besondere öffentliche Bedeutung besitzen oder spezifisches Prestige der City benötigen-->Passagen, Kaufhäuser, Fußgängerzonen Überhang der Tagbevölkerung dichte Bebauung-hohe Grundstückspreise-Nutzungswandel in der Vertikalen
  • innerstädtische Strukturelemente: City (Citybildung) charakteristischer Funktionswandel- führt zur Verdrängung der Wohnbevölkerung und des umsatzschwachen Einzelhandels und Gewerbes- frei gewordenen Wohn- und Grundstücksflächen werden durch Büros, Einzelhandelsgeschäfte, Kanzleien besetzt- Stadt als soziale Mitte
  • innerstädtische Strukturelemente: City (neuere Entwicklung) Attraktivität der City für Einzelhandel und kundenorientierte Dienstleistungen sinkt (Einzelhandel leidet z.B. durch Internethandel) Innenstädte können verfallen, in europäischen Städten aber geringer ausgeprägt als in nordamerikanischen Prozess einer Cityverschiebung oder -verlagerung
  • innerstädtische Strukturelemente: City (Citynahe und Cityferne Kernstadtbereiche) Um City: Wohn- und Gewerbegebiete unterschiedl. Zusammensetzung, Struktur und Dichte Kennzeichen: - Wohnfunktion nimmt von innen nach außen zu (geschlossene Mietshausbebauung findet sich erst in cityfernen Stadtteilen) - Abfallender Sozialgradient (Europa: einkommensstarke Haushalte eher in citynähe als am Stadtrand, in Nordamerika andersrum) - abnehmende Bebauung in cityfernen Stadtteilen (Bodenpreis, Bebauungsdichte und Gebäudehöhe nehmen am Stadtrand ab, Grünflächenanteil nimmt dagegen zu (Ausnahme: europäische Großtstädte) - Hohe Verkehrsbelastung in den citynahen Stadtteilen (City: motorisierte Individualverkehr sowie ruhender Verkehr werden verdrängt (wenig Parkplatzfläche), radiale Ausfallstraßen u. konzentrische Ringstraßen: z.T. überlastet) - altindustrielle Inseln (Ehemalige oder noch aktive Industriebetriebe, Gegründet am damaligen Stadtrand, der sich immer weiter hinausschob, liegen sie heute in der Stadtdienen als öffentliche Gebäude, Freizeiteinrichtungen, Wohngebäude) 
  • innerstädtische Strukturelemente: Außenzone und Stadtrand (Merkmale) funktionierendes Patchwork- Stadtrand: unterschiedlicher Nutzungen (Wohnfunktion überwiegt) Dominanz der Nachtbevölkerung:- Pendelwanderungen in citynahen Stadtteile, City geringe Bebauungsdichte:- größeres Flächenangebot bei geringerer Bebauungsdichte- Gruppenhaus- und Zeilenbauweise gehen nach außen hin in Reihen- und Einzelhausbebauungflächenintensiven Nutzungen (Lagerräume, Friedhöfe, Sportplätze, Flughäfen,…)- Grüngürtel Ruhender und fließender Verkehr- Verkehrsdichte sinkt- Autos wird zur Notwendigkeit (aufgrund der Distanzen)- Fehlender/unzureichender ÖPNV- genug Parkplätze (z.B. bei Geschäften)
  • Sozialreformatorische Projekte: Gartenstadt (Intention) Intention: -neue städtebauliche Konzepte, Fokus auf kleinstädtischem Leben, Auflockerung, Nachbarschaft-durch Bau der Gartenstädte sollten Großstädte entlastet und Landflucht gestoppt werden-anstelle der Wachstumsringe an Peripherie sollte in gew. Abstand von Zentralstadt ein Kranz von sechs kleineren Städten mit rund 30.000 EW entstehen
  • Sozialreformatorische Projekte: Gartenstadt (Merkmale) geringe Bebauungsdichte deutliche Stadtmitte m. darauf ausgerichtetem Straßensystem sind durchgrünt Gliederung in durch strahlenförmige Straßen getrennte Nachbarschaften Randliche Anordnung von Eisenbahn und Industrie funktionell getrennte Einheiten (Wohngebiete u. Industriegebiete getrennt) genossenschaftliche Eigentumsverwaltung (sozial: keine Segregation)
  • sozialreformatorische Projekte: Gartenstadt (Kritik) Bei Standortwahl der Städte wurden wichtige Faktoren, wie z. B. Absatzmöglichkeiten der Industrie, naturräumliche Gegebenheiten vernachlässigt Howard schätzte menschliche Verhaltens- und Denkweisen falsch ein: Es war schwer, Geldgeber zu finden, die Kapital in neue Städte stecken Modell war zu starr/unveränderlich Landflucht konnte nicht verhindert werden Umzug der Industrie auf das Land erwies sich als schwierig
  • US-Amerikanische Stadt (Hahn) Städte sind rel. jung schachbrettartiger Verlauf der Straßen Kernstadt mit CBD in der Stadtmitte (downtown) Ghettos mit hoher Wohndichte und große aufgelassene Flächen in Nähe des CBD Stadt wurde durch Suburbanisierung und spätere Desurbanisierung verändert: - Viele Bewohner zogen in Außenbezirke (u. a. hohe Bodenpreise in der Stadt, attraktive Wohngegenden) - Suburbanisierung: nicht nur Wohnbevölkerung, auch Verlagerung von Arbeitsplätzen in periphere Lagen der Stadt - viele Außenstadtzentren - Daran schließen sich häufig Büro- sowie auch Wohnfunktionen an - neue multifunktionale Außenstadtzentren (=edge cities), 
  • US-Amerikanische Stadt: Edge-Cities = multifunktionale Außenstadtzentren Kennzeichen: - hohe Bodenpreise - Hochhaus- Skylines - häufig bereits überregionale o. kontinentale Bedeutung - dichtes Autobahnnetz - sehr weiträumig
  • Gentrifizierung Aufwertung der Stadt: -bauliche Aufwertung - soziale Aufwertung - funktionale Aufwertung - symbolische Aufwertung führt dazu, dass Wohnen in der Stadt attraktiver wird
  • Gated Communities nach außen abgeschottete, bewachte neue Wohnsiedlungen gehobener Einkommensschichten Fragmentierung und Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft
  • Modell "Stadtland USA" nach Holzner Merkmale:- Schachbrettmuster des Straßenverlaufs- Wolkenkratzer im Geschäftszentrum- klassische Strukturierung der Stadt in CBD, Übergangszone und Außenbereich- gehobenere Schichten wohnen in Vororten- zunehmende Entstehung von Gated Communties- z.T. verfallende Kernstädte und Ghettobildung
  • Die Lateinamerikanische Stadt - Verstädterungsprozess in Lateinamerika - Merkmale - neuere Entwicklungen - Verstädterung (79%) nahezu so hoch wie in den USA - Verstädterungsprozess setzte sehr früh ein (16. Jhd) Merkmale der spanischen Kolonialstadt (sind auch heute noch prägend) - Kern: Schachbrettgrundriss, aufgeteilt in jeweils vier Teile (cuadras) - Zentrum: Quadrat, Hauptplatz (plaza mayor) - Eingerahmt wurde/wird Plaza von öffentlichen Repräsentationsbauten     - Um Repräsentationsbauten: Wohnhäuser führender Familien an, dann vornehme Bürgerhäuser mit großen Innenhöfen (Patio-Häuser) - Größe/Ausstattung der Häuser und damit auch Sozialstatus nahmen mit zunehmender Entfernung vom Zentrum ab - starke soziale Fragmentierung von Wohnvierteln - Märkte am Stadtrand - von Stadt getrennt: Hütten der untersten Schichten neuere Entwicklungen: - Wichtige Grundmuster noch (zentrale Plaza, Kathedrale, Repräsentationsbauten im Kern), aber: stärkere sozialräumliche Mischung in großräumiger Betrachtung mit gleichzeitiger starker Segregation/Abschottung auf Mikroebene - Gated Communities - Shopping Malls (UEC im gesamten Großraum, nicht nur in Sektoren der Oberschicht),  - Gestiegene Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur - Neue CBDs und Subzentren in verkehrsgünstiger Lage - Bildung von Industrieparks in der Peripherie - Hochhäuser im Innenstadtbereich, geschlossene gated towers für Ober- und obere Mittelschicht - Sanierung von Altstadtvierteln - Verslumung/Degradierung von Innenstadtbereichen, - Am Stadtrand informelle Marginalviertel - Stadtökologische Probleme
  • die Islamisch-orientalische Stadt (nach Dettmann und Ehlers) z.B. Altstadtbereiche Nordafrikas, Vorderasiens Prozess der Verwestlichung seit dem 19. Jahrhundert, Idealtypus vielfach durch moderne Einflüsse verändert typische Merkmale: - Konzentrisch-ringzonale Anordnung - große Moschee (Freitagsmoschee) als geistlicher, intellektueller, öffentlicher Kern - Souk/Suk/Bazar (auch zentral (um Hauptmoschee herum) - Zahlreiche Wohnviertel - Stadtmauer, am Stadtrand auch Sitz des Herrschers; - Friedhöfe außerhalb der Mauer - Diagonalstraßen verbinden Stadttore, in Wohn- quartieren: Sackgassengrundriss: Gewirr aus Gassen in Altstadt (Medina) - Abgeschlossene Innenhofhäuser
  • Die neue Orientalische Stadt (nach Serger und Heineberg) - "Aufbrechen" der traditionellen orientalischen Stadt durch Stadterweiterungen, v.a. durch Bau moderner Wohnviertel - soziale wie wirtschaftliche Umschichtungen in Städten: Angleichung in Grundriss, sozialer Differenzierung an europäisch-westliche Städte - Orientalische Stadt ist heute zweipolig (CBD mit Kern und Mantel, sowie Bazar und Altstadt sind vebunden durch alte Geschäftsstraßen - klare Segregation der Wohnviertel nach Sozial- bzw. Einkommensschichten  --> neueste/modernste Geschäfte im peripheren CBD-Bereich --> zentrumsseitig gelegener CBD-Rand (altes Oberschicht- viertel): Regierungs- und Verwaltungsgebäude --> Mittel- und Oberschichten bewohnen landschaftlich schöne Gebiete am Stadtrand --> zw. Villenvororten und CBD: Zone mit modernen mehrgeschossigen Mietshäusern -->  Unterschicht wohnt in Altstadt und benachbarten jüngeren Vierteln -->  Nach außen schließt sich Slumzone an (abgewerteter Rand) --> industrielle Großbetriebe sind i.d.R. von Wohngebieten getrennt; an Ausfallstraßen