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Medien und Kommunikation (Subject) / 04 (Lesson)
- Computervermittelte Kommunikation (CvK) Von der face-to-face Kommunikation lässt sich zwischenmenschliche Kommunikation abgrenzen, die über computergestützte Technologien vermittelt wird (CvK) CvK umfasst „jene Kommunikation, „bei der auf Seiten des Senders und des Empfängers einer Botschaft ein Computer zur En-und Dekodierung der Nachricht zum Einsatz kommt (nach Boos et al., 2000)Obwohl CvK ursprünglich primär auf Kommunikation fokussierte, die über das Internet realisiert wird, sind auch andere Kommunikationswege denkbar (z.B. WhatsApp, Twitter) CvK spielt in ganz unterschiedlichen Kontexten eine Rolle, u.a. Im Unternehmenskontext (z.B. Entscheidungsfindung in Kleingruppen)Privatleben (z.B. Pflegen sozialer Kontakte via Facebook, Skype etc.)Pädagogik und pädagogische Psychologie (z.B. E-Learning)Wissenschaft (z.B. Virtuelle Konferenzen, Aufrechterhaltung von Forschungskooperationen)Gesundheitswesen (z.B. Online-Psychotherapie)
- Unterscheidungskriterien der CvK Computervermittelte Kommunikation Formen der CvK können unterschieden werden bzgl. 1)Anzahl und Güte beteiligter SinneskanäleEs geht hier um die Frage, welche Sinnesmodalitäten bei der CvK beteiligt sind. Je mehr Sinneskanäle von einem Medium angesprochen werden, desto größer das immersivePotential (Immersion = Eintauchen) des Mediums 2)Kommunikation ist zeitlich synchron vs. asynchronBei asynchroner Kommunikation gibt es eine (deutliche) zeitliche Verzögerung zwischen dem Aussenden einer Mitteilung und der Antwort auf diese.Eine eindeutige Einordnung unterschiedlicher Kommunikationstechnologien in synchrone und asynchrone Verfahren ist jedoch nicht möglich. Die Grenze zwischen beiden Gruppen ist fließend und hängt von der jeweiligen Art der Nutzung ab. 3)Anzahl der Adressaten/Empfänger von MitteilungenEs gibt one-to-oneCvK(ein Sender, ein Empfänger, z.B. per Email),one-to-many(ein Sender, viele Empfänger, z.B. Internet-Forum) undmany-to-many(viele Sender und Empfänger, z.B. Video-Konferenz
- Modelle der CvK –Media-Richness-Modell Es lassen sich Modelle, die die Auswahl und die Nutzungsintensität von Kommunikationstechnologien adressieren (sog. Selektionsmodelle), von Modellen, die auf den Wirkungsaspekt von CvK fokussieren (sog. Wirkungsmodelle), unterscheiden. Erstes Beispiel eines Selektionsmodell: Media-Richness-Modell Media-Richness-Modell Es betrachtet Medienwahl als eine wohlüberlegte Entscheidung des Nutzers (rationale Medienwahl) Die Vorstellungen der Nutzer von einem Medium werden hauptsächlich durch technologische Faktoren determiniert, insb. die generelleInformationsreichhaltigkeitdes Mediums, die umso stärker ausgeprägt ist, je mehr folgende Merkmale erfüllt sind: die Unmittelbarkeit des Feedbacksdie Möglichkeit der Bedeutungsvermittlung einer Nachricht durch soziale HinweisreizeReichhaltigkeit und Symbolhaltigkeitder Sprache undMöglichkeit der Darstellung persönlicher Emotionen Es wird im Modell nicht zwischen der objektiven Rangfolge unterschiedlicher Medien bzgl. Informationsreichhaltigkeit und der empfundenen Rangfolge der Nutzer unterschieden. Beide Hierarchien werden als deckungsgleich angenommen, denn die technologischen Faktoren sollen ja die Vorstellungen er Nutzer determinieren. Kernaussage des MR-Modells: JereichhaltigerdiedurchdasKommunikationsmediumvermittelbarenInformationensind,destostärkerkannUnsicherheit(vgl.InformationstheorievonShannon&Weaver,1949)sowieMehrdeutigkeitreduziertwerdenunddestoeffektiverderBeitragdesMediumszurBewältigungderAufgabe. ReichhaltigeMediendienendabeiinsb.derMehrdeutigkeitsreduktion(z.B.AusschließenmehrererAlternativen,„worüberwirhiereigentlichsprechen“),wenigerreichhaltigeMedienreichenoftaus,umUnsicherheitzureduzieren(durchSammelnvonFaktenzuebenjenemAspekt,überdenmanspricht) Medien sind unterschiedlich reichhaltig (z.B. Skype vs. Email). Im Mittelpunkt steht die Passung von Medium und Aufgabenanforderung
- Modelle der CvK –Modell des sozialen Einflusses Zweites Beispiel für ein Selektionsmodell: Modell des sozialen Einflusses Das Modell des sozialen Einflusses fokussiert stärker auf den Einfluss sozialer Kontextbedingungen auf die Medienselektion Die Wahrnehmung und Einstellung gegenüber einem Kommunikationsmedium basiert auf Individueller Nutzungserfahrung (personale Determinante)Meinungen, Bewertungen und Verhalten anderer Mitmenschen –z.B. in Form von Gruppennormen oder durch Beobachtung des Nutzungsverhaltens anderer (soziale Determinante) Insbesondere die soziale Determinante beeinflusst unsere Medienbewertung und letztlich die Medienselektion
- Modelle der CvK –Wirkungsmodelle Wirkungsmodelle lassen sich grob in zwei Gruppen aufteilen:Modelle im Sinne der Destruktionshypothese, nach der es durch CvK zum Verlust des spontanen, nonverbalen, emotionalen und kollektiven Charakters von Kommunikation kommt.Modelle im Sinne der Komplementaritäts-bzw. Reproduktionshypothese, nach der die Nutzer in der CvK eine ganz eigene Dynamik in der Interaktions-und Beziehungsentwicklung schaffen. Modelle mit Fokus auf der Destruktionshypothesepostulieren negative Auswirkungen der CvK, denn diese… führe im Vergleich zur face-to-face Kommunikation durch die Reduktion der angesprochenen Sinneskanäle zu einer Entsinnlichung und Verarmung in der sozialen Interaktion (Kanalreduktionsannahme). sei arm an ganz bestimmten sozialen Hinweisreizen (z.B. Gestik und Mimik) die im Vergleich zur face-to-face Kommunikation durch das Medium herausgefiltert werden (Filterannahme). Dadurch kann der Kommunikationspartner nicht vollständig wahrgenommen werden und es kann zu Fehlinterpretationen von Mitteilungen kommen. erhöhe die Anonymitätin einer Kommunikationssituation.Diese reduziert nach dem Prozess der Deindividuation(Diener, 1980) die Selbstaufmerksamkeit und steigert in Folge enthemmtes und antisoziales Verhalten mit Normverletzungen Prozess der Deindividuation(Diener, 1980) Anonymitätverminderte Selbstaufmerksamkeit (anders im SIDE-Modell!)verminderte Beobachtung und Kontrolle des eigenen Verhaltensreduzierte soziale Urteilsfähigkeiterhöhten Bereitschaft zu unsozialem Verhalten Aber: Erhöhte Anonymität durch das Herausfiltern sozialer Hinweisreize kann ggf. auch positive Effekte haben, z.B. Egalisierungstendenzen(Reduktion von Statusunterschieden der Kommunikationspartner) und stärkere Demokratisierung der Kommunikation. Aber: Fraglich ist jedoch, inwieweit soziale Hinweisreize wie Geschlecht, ökonomischer Status und Bildungsniveau im Verborgenen bleiben, selbst wenn eine CvK relativ arm an sozialen Hinweisreizen ist. Fazit: Modelle mit Fokus auf der Destruktionshypothese sind stark technologiezentriert, emotionale und kognitive Eigenbeteiligungen der Nutzer am Kommunikationsprozess werden kaum beachtet. Hingegen: Modelle im Sinne der Komplementaritäts-bzw. Reproduktionshypothese (z.B. das SIDE-Modell oder der Ansatz der sozialen Informationsverarbeitung) betonen den konstruktiven Prozess von CvKdurch die Kommunikationsteilnehmer*innen.
- Modelle der CvK –SIDE-Modell Das SIDE-Modell(Social-Identity-/Deindividuation-Modell) betont, dass CvK durch soziale Normen beeinflusst wird und beschäftigt sich mit den Auswirkungen derphysischen Isolation und visuellen Anonymität in der CvK (wie die Filtermodelle wird davon ausgegangen, dass wichtige soziale Hinweisreize nicht übermittelt werden). Wichtige Konzepte im SIDE-Modell sind Personale Identität, die durch individuelle Eigenschaften und der Bewertung dieser durch soziale Vergleichsprozesse entsteht. Soziale Identität, die aus verschiedenen Teilidentitäten besteht, die sich durch Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen und Kategorien ableiten. Die Merkmale der eigenen Gruppe werden hier durch den Vergleich mit jeweils relevanten Fremdgruppen bewertet. Die Salienzder einzelnen soziale (Teil)Identitäten variiert durch situative Bedingungen über die Zeit hinweg. Wenn Gruppenzugehörigkeit statt Individualität betont wird (soziale Identität salienterals personale), kommt es zu Deindividuation, d.h. man definiert sich über die Gruppe, zu der man gehört und dem Vergleich mit Fremdgruppen. Deindividuation kann durch CvK gefördert werden durch das Herausfiltern individueller, sozialer Hinweisreize (=höhere Anonymität, d.h. Möglichkeit, Personen individualisiert wahrnehmen zu können, da man sie z.B. nicht hört und sieht; im SIDE-Modell abzugrenzen von Identifizierbarkeit, dem eigenen Wissen, dass andere Personen mich erkennen können Social ldentityDeindividuationModel (SIDE, Reicher et al., 1995) fehlende identifizierung ungleich anonymität Das SIDE-Modellumfasst zwei Theoriezweige:Anonymität führt zu kognitiver Aspekt des Side-Modells Kommunikationspartner*innen nehmen sich durch Verlust individueller Merkmale in der (z.B. textbasierten) CvK nur noch stereotyp als Mitglied einer sozialen Kategorie/Gruppe wahr. Die Gruppennormen (z.B. Verhaltensnormen) der Eigengruppe erfahren dadurch stärkere Bedeutung. Ist die soziale Identität dagegen schwach ausgeprägt, weil keine soziale Kategorie erkennbar ist, zu der man sich zugehörig fühlen könnte, oder weil Gruppengrenzen unscharf sind, verhindert die Anonymität den Prozess der Deindividuation. Stattdessen kommt es zu einem egozentrischen Verhalten (es wird sich mehr an individuellen Standards und Bedürfnissen orientiert). Das SIDE-Modellumfasst zwei Theoriezweige: Identifizierbarkeit strategischer Aspekt des SIDE-ModellsAusrichtung des Verhaltens an den Normen jener Gruppe, gegenüber der man identifizierbar ist, d.h.:ist man identifizierbar gegenüber der Eigengruppe… Orientierung an den Normen der Eigengruppe aufgrund von erwarteter Unterstützung durch die Gruppeist man identifizierbar gegenüber der Fremdgruppe… Orientierung an den Erwartungen und Normen der Fremdgruppe, um Sanktionen zu verhindern Abbildungen in Folien
- Modelle der CvK –Ansatz der sozialen Informationsverarbeitung Der Ansatz der sozialen Informationsverarbeitung postuliert positive soziale Effekte. Technisch bedingte Defizite in der CvK werden nach diesem Ansatz kreativ kompensiert (z.B. werden für fehlende Mimik Emoticons verwendet oder Akronyme wie „lol“ in Chats), sodass die CvK sozio-emotional intensiviert wird, sofern… Die Nutzer ausreichend Zeit zum Kompetenzerwerb und zur Durchführung der spezifischen CvK haben Die Nutzer die Erwartung haben, dass es zukünftig weitere Interaktionen mit den Kommunikationspartnern geben wird. Zudem hat auch die Antwortlatenz bei asynchroner CvK ein sozio-emotionales Interpretationspotential (z.B. Wertschätzung bei geringer Antwortlatenz
- CvK und der Aufbau von Beziehungen Ja, die CvK kann insb. durch den technologischen Fortschritt und die Entwicklung verschiedener Kommunikationsplattformen auch den Aufbau sozialer Beziehungen fördern (entgegen früheren Vorstellungen)CvK eignet sich für den Beziehungsaufbau, weil… Die Nutzer*innen durch kreative Leistungen auch sozio-emotionale Inhalte in der CvK vermitteln können (vgl. Ansatz der soz. Informationsverarbeitung) Möglichkeiten bestehen, eine idealisierte Selbstdarstellung aufzubauen (kann aber auch problematisch sein), insb. bei asynchroner CvK Möglichkeiten bestehen, eine idealisiertes Selbstdarstellung aufzubauen (kann aber auch problematisch sein), insb. bei asynchroner CvK Nutzer*innen sich in spezifischen Kommunikationsräumen begegnen und kennenlernen können (die Umgebung der Kommunikation hat auch Deutungspotential) Und:Online-Beziehungen werden insb. von schüchternen Personen bevorzugtOnline-Beziehungen können soziale und emotionale Unterstützung bereitstellen (können aber auch das Gegenteil bewirken)Intensive Internetnutzung führt nicht zwangsläufig zu einer sozialen Vereinsamung
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