Wie grenzen sich die Konzepte Lebensform, privater Haushalt und Familie voneinander ab?
LebensformBeziehungsmuster des Allein-oder Zusammenlebens im privaten Bereich Privater HaushaltPersonen, die zusammenleben und gemeinsam wirtschaften FamilieLebensform mit mindestens einem Erwachsenen und mindestens einem KindAchtung! Zum Teil werden auch andere Definitionen verwendet,z.B. Knüpfung an die Bedingung des gemeinsamen Haushalts
Auf welchen Dimensionen lassen sich unterschiedliche Lebensformen voneinander abgrenzen und welche Typen von Lebensformen unterscheidet man entsprechend?
Art des Allein-oder Zusammenlebens (Institutionalisierungsgrad)- Ohne Partner- Living Apart Together (LAT, getrennt lebende Paare)- Nichteheliche Lebensgemeinschaft (NEL)- eingetragene Lebenspartnerschaft (bis September 2017)- Ehe Art des Haushalts- Haushaltsgröße: Ein-oder Mehrpersonenhaushalt- Zahl der Generationen: Ein-, Zwei-, Drei-Generationen-Haushalt Vorhandensein von Kindern- keine Kinder- eigene Kinder- nicht-eigene Kinder und Patchwork-Familien Geschlechterzusammensetzung von Partnerschaften- gleichgeschlechtlich vs. verschiedengeschlechtlich
Welche Probleme ergeben sich im Mikrozensus bei der Abgrenzung von Lebensformen?
Der Mikrozensus ist eine Haushaltsbefragung.keine Informationen über- Eltern-Kind-Beziehungen, die über einen Haushalt hinausgehen- Partnerschaften mit getrennter Haushaltsführung--> Angaben zu Lebensformen in der amtlichen Statistik beziehen sich daher meist auf Haushalte
Welche Etappen des Wandels von Lebensformen lassen sich historisch unterscheiden? Erläutern Sie dies.
Vorindustrielle Agrargesellschaft- „Das ganze Haus“: Drei-Generationen-Haushalt plus Personal und ggf. Verwandte Industrialisierung (->Erster Demographischer Übergang)- Rückgang der Fertilität, Schrumpfung der Familien- Kernfamilie: Verheiratetes Ehepaar und wenige Kinder- Neudefinition von Geschlechterrollen (Ehemann=Ernährer, Ehefrau=Kinder und Haushalt) „Golden Age ofMarriage“ (1950/60er)- Höhepunkt des Ideals der Kernfamilie- sehr hohe Heiratsraten- Male-Breadwinner-Model (Ehemann=Erwerbsarbeit, Ehefrau=Kindererziehung/Hausarbeit) Postindustrielle Gesellschaft (->Zweiter Demographischer Übergang)- „Pluralisierung“ von Lebensformen, Kernfamilie verliert an Bedeutung- Geburtenrückgang- Zunahme von: NEL, Alleinerziehenden, Einpersonenhaushalten
Was versteht man unter dem Ausdruck „Pluralisierung von Lebensformen“?
es entstehen neue, zusätzliche Lebensformen (strukturelle Pluralisierung)es entstehen keine neuen Formen, aber Lebensformen, die bisher wenig vorkamen, gewinnen an Bedeutung (distributive Pluralisierung)
Warum sollten Lebensformen immer in Bezug auf den Lebenslauf betrachtet werden?
individuelle Lebensverläufe können Wechsel zwischen Lebensformen enthalten dabei können bestimmte Verlaufstypen identifiziert werdendie Bedeutung einzelner Verlaufstypen kann sich zwischen den Kohorten verändern
Welche Unterschiede ergeben sich mit Blick auf Partnerschaftsformen und Familie zwischen Ost-und Westdeutschland?
OD: weniger Leute allein und ledig weniger Leute mit Kinder bis 5 & mit Kinder zwischen 6 und 17 mehr Partner ohne Kinder mehr Alleinerziehende
Welche theoretischen Erklärungen kann man für den Wandel von Lebensformen anführen? Wie wird jeweils argumentiert?
Funktionalismus und ModernisierungstheorieLebensform erfüllt Funktionen, z.B. Sozialisation, Reproduktionvorindustrielle Agrargesellschaft --> Einheit von Produktion und Reproduktion („ganzes Haus“)Industriegesellschaft --> funktionale Differenzierung (Trennung von Produktion und Reproduktion) --> „Kontraktionsgesetz“: typische Lebensformen werden immer kleiner (Kernfamilie)post-industrielle Dienstleistungsgesellschaft --> erhöhte Flexibilität und Mobilität in der Arbeitswelt --> Pluralisierung von LebensformenKritikpunkte: -Makroansatz, keine Mikrofundierung-ex-post-Erklärungen Individualisierungsthese (Beck 1986)Modernisierungsschübe seit den 1950ern Fahrstuhleffekt: mehr Wohlstand, Bildung, Freizeit für alle sozialen Schichten Wertewandel, Ausleben neuer Möglichkeiten Bedeutungsverlust dominanter normativer Lebensverlaufsmuster Heterogenisierung von Arbeitswelt-Privatleben-Modellen Individualisierung von Lebensverläufen Pluralisierung von LebensformenKritikpunkte: -unvollständige Erklärung der Ursachen des Wertewandels-Fehlen einer expliziten Handlungstheorie auf der Mikroebene-ex-post-Erklärungen
Wie lassen sich die Erklärungen für Lebensformwandel in das Modell soziologischer Erklärung einbetten?
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Welche Partnerschaftsformen lassen sich unterscheiden und wie hat sich deren Bedeutung historisch gewandelt?
nicht-eheliche Lebensgemeinschaft - bei Frauen mehr ausgeprägt in den 20ern - in jüngeren Kohorten wächst neL Anteil Ende der 20er Living apart together - bei Frauen mehr ausgeprägt in den 20ern - in jüngeren Kohorten wächst LAT Anteil in den 20ern Single - mehr Single Männer in 20ern Ehe
Was bedeuten die Begriffe „Homogamie“ und „Heterogamie“?
Homogamie Partnerwahl basiert auf ÄhnlichkeitenHeterogamie Partnerwahl basiert auf GegensätzenKriterien z.B. Alter, Herkunft, sozialer Status, Bildung, politische Orientierung, Religion
Welche typischen Muster der Homogamie hinsichtlich sozialstruktureller Merkmale finden sich empirisch?
Zwischen 60% und 70% der Partnerschaften haben das gleiche Bilungsniveau Christen untereinander sind ca. 50% der Partnerschaften Männer sind häufiger älter, 2-5 Jahre am häufigsten
Wie lässt sich Homogamie theoretisch erklären?
Nutzenmaximierung (Familienökonomie) a) Auswahl des „bestmöglichen“ PartnersAusmaß der Homogamiehängt davon ab, wie ähnlich die Merkmalsverteilungen bei Männern und Frauen sind b) Präferenz für ähnliche Merkmale („Gleich und Gleich gesellt sich gern“)Ausmaß der Homogamiehängt nichtdavon ab, wie ähnlich die Merkmalsverteilungen bei Männern und Frauen sind (folien 5 seite 50 f) Gelegenheitsstrukturen-um sich zu verpartnern, muss man sich begegnen- Orte der Begegnung sind häufig sozial strukturiert(z.B. nach Bildungsniveau, Herkunft, Alter etc.)- Beispiele: Universität, Schule, Arbeitsplatz, Vereine
Welche Kennzahlen verwendet man zur Beschreibung der Häufigkeit von Eheschließungen und Scheidungen?
Rohe Scheidungsziffer Anzahl der Ehescheidungen eines Jahres pro 10.000 Einwohner.(Berechnungsbasis --> inklusive Nichtverheiratete) Scheidungsziffer der Ehen (spezielle Scheidungsziffer) Anzahl der Ehescheidungen eines Jahres pro 10.000 bestehenden Ehen im jeweiligen Jahr.(Berechnungsbasis --> exklusive Nichtverheiratete)
Wie lassen sich der Rückgang der Eheschließungshäufigkeit und die Zunahme der Scheidungshäufigkeit theoretisch erklären?
Erklärungen (vgl. Meyer 2014: 426ff.)Kultureller Geltungsverlust des auf Dauerhaftigkeit basierenden EhemodellsGestiegene Ansprüche an Ehebeziehung„Scheidungsspirale“ (Wahrnehmung steigender Steigungsraten lockert Hemmnisse)Scheidungserfahrungen im Elternhaus Familienökonomische ErklärungScheidung, wenn Alternativen mit höherem Nutzen vorliegenAbwägung von „Erträgen“ und Kosten einer Scheidung-- Zunehmender Drang nach Selbstverwirklichung/Erfüllung erhöht Erträge einer Scheidung-- Soziale Kosten einer Scheidung gesunken (Scheidung zunehmend gesellschaftlich akzeptiert)
Wie ordnet sich die in Deutschland beobachtbare Häufigkeit von Eheschließungen und Scheidungen im europäischen Vergleich ein?
Scheidung: etwas über Mitte
Wie grenzen sich die Konzepte „Alleinstehende“, „Alleinlebende“ und „Singles“ ab?
Alleinstehende Personen, die nicht mit Partner/Partnerin oder eigenen Kindern zusammenleben Alleinlebende Einpersonenhaushalte Singles Personen, die nicht in einer Partnerschaft leben
Was sind die dominanten Familienkonstellationen in Deutschland und welche Wandlungsprozesse lassen sich beschreiben?
Ehepaare und Alleinerziehende sind häufigste uneheliche Konstellationen steigen an
Welche Problemlagen lassen sich in Bezug auf Alleinerziehende erkennen?
Armustrisiko steigt, wenn alleinerziehend Bildungsniveau bei Alleinerziehenden liegt knapp unter dem der nicht-Alleinerziehenden
In welchen Wechselbeziehungen stehen Wandlungsprozesse privater Lebensformen mit veränderten Rahmenbedingungen?
GenerationenbeziehungenWandel zur Kernfamilie: Großeltern leben seltener im gleichen Haus/ am gleichen Ortaber: steigende Lebenserwartung!Folge: längere Koexistenz von Kindern/Eltern/Großeltern/UrgroßelternImplikationen:− Verfügbarkeit von Großeltern zur Betreuung der Enkel− vermehrt Aufgaben bei der Pflege von Familienangehörigen älterer Generationen Ausbau der Kinderbetreuung Inanspruchnahme institutioneller Kinderbetreuung korreliert stark mit dem Bildungsniveau der Eltern/Mütter Prozess der „Entprivatisierung“ der Kindererziehung:Ausbau von Kindertagesstätten und schulischer GanztagsbetreuungWesentlich besser ausgebaute Infrastruktur in Ostdeutschland Erwerbstätigkeit von Frauen Male-Breadwinner-Model vs. „Zuverdiener-Modell“ vs. Dual-Career-ModelEinflüsse auf Kinderwunsch und Timing
Welche zwei grundlegenden Bedürfnisse haben Menschen laut Adam Smith?
Warum ist dies soziologisch relevant?
physisches Wohlbefindensoziale Wertschätzung „Wertschätzung und Wohlbefinden erhält man nur für Leistungen und Eigenschaften, dieandere für interessant und anerkennenswert halten und die dem eigenen Körper gut tun.Kurz: Für die Erlangung von sozialer Wertschätzung und für das physische Wohlbefinden ihresOrganismus müssen die Menschen meist etwas tun.“ Esser 1999
Was sind Zwischengüter und welche Arten von Zwischengütern unterscheidet
man? Erläutern Sie dies anhand von Beispielen.
„Zwischengüter“ erzeugen Wertschätzung und Wohlbefindenprimäre Zwischengüteruniverselle Mittel (Ressourcen, Objekte, Ereignisse und Leistungen), die unmittelbar sozialeWertschätzung und physisches Wohlbefinden erzeugenindirekte Zwischengüterwirken indirekt auf das Wohlbefinden, indem sie die primären Zwischengüter beeinflussen
Was ist der Unterschied zwischen Einkommen und Gehalt?
BruttoeinkommenAlle erzielten Einkünfte vor Abzug der Steuern und Sozialabgaben.z.B. Gehalt aus nicht selbständiger Arbeit, Einkünfte aus selbständiger Arbeit , Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung, Vermögen, Sonderzahlungen und öffentlichen Transferzahlungen. Nettoeinkommen (verfügbares Einkommen) Einkommen, das nach Abzug der direkten Steuern und Sozialabgaben übrig bleibt. BruttogehaltEinkünfte aus nicht selbständiger Beschäftigung. Nettogehalt (verfügbares Gehalt)Einkünfte aus nicht selbständiger Beschäftigung, die nach Abzug der direkten Steuern und Sozialabgaben übrig bleiben.
Welche Einkommenskonzepte werden unterschieden? Erläutern Sie dies.
(Netto-)Individualeinkommen(Netto-)Einkommen einer Einzelperson (Netto-)Haushaltseinkommen(Netto-)Einkommen, das einem Haushalt insgesamt zur Verfügung steht (Netto-)Pro Kopf Haushaltseinkommen(Netto-)Haushaltseinkommen geteilt durch die Anzahl der Haushaltsmitglieder. (Netto-)Äquivalenzeinkommen (bedarfsgewichtetes Haushaltseinkommen)Auf Haushaltsmitglieder ungelegtes Einkommen wird nach Bedarf gewichtet.(Haushaltsvorstand: 1,0 Personen ab 15 Jahre: 0,7 unter 15 Jahre: 0,5)
Wozu dient das Äquivalenzeinkommen und wie wird es berechnet?
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Beschreiben und erläutern Sie die verschiedenen einkommensbasierten
Kennzahlen zur Beschreibung des Wohlstandsniveaus einer Gesellschaft
Bruttonationaleinkommen BNE (Bruttosozialprodukt)alle von Inländern erwirtschafteten Einkommen egal ob die erwirtschafteten Einkommen im In-oder Ausland erzielt wurden. Bruttoinlandsprodukt BIPalle im Inland erwirtschafteten Einkommen egal ob die erwirtschafteten Einkommen von In oder Ausländern erzielt wurden. Nettonationaleinkommen NNE (Nettosozialprodukt)Summe aus von Inländern empfangenes Arbeitnehmerentgelt sowie der Unternehmens- und Vermögenseinkommen
Wie stellt man die Vergleichbarkeit von Einkommen oder Preisen zwischen
verschiedenen Zeiten oder Ländern her?
RealeinkommenEinkommen, das anhand der Kaufkraft kalibriert wurde (Kaufkraftbereinigung).Realeinkommen = Nominaleinkommen geteilt durch einen Preisindex. VerbraucherpreisindexMisst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, dieprivate Haushalte für Konsumzwecke kaufen z.B. Nahrungsmittel, Mieten, Strom, Kraftstoffe und Dienstleistungen. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex für Deutschland gegenüber demVorjahresmonat oder dem Vorjahr wird auch als Inflationsrate bezeichnet.
Was sind Konsumgüter und welche Arten von Konsumgütern unterscheidet
man?
Güter, die für den privaten Ge oder Verbrauch hergestellt und gehandelt werden.(langlebige) Gebrauchsgüterz.B. Haus, Auto, Waschmaschine(kurzlebige) Verbrauchsgüterz.B. Nahrung, Kosmetika, Zeitung abzugrenzen von:InvestitionsgüternBetriebs und Rohstoffen (zur Warenerzeugung)
Woran macht sich der Unterschied zwischen Erwerbspersonen und Nicht
Erwerbspersonen fest?
ErwerbspersonenPersonen, die eine Erwerbstätigkeit ausüben oder suchen und somit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.Erwerbstätige --> üben Erwerbstätigkeit ausErwerbslose --> üben keine Erwerbstätigkeit aus, sind aber auf der SucheArbeitslose --> Erwerbslose, die arbeitslos gemeldet sind Nicht Erwerbspersonen Personen, die weder eine Erwerbstätigkeit ausüben noch suchen
Warum ist die Erwerbsquote immer höher als die Erwerbstätigenquote ? Wie
definieren sich beide Begriffe?
ErwerbsquoteErwerbspersonen als Anteil der gleichaltrigen Bevölkerung (i.d.R. werden hierbei 15 64 jährige Personen betrachtet) (Erwerbstätige + Erwebslose) / Bevölkerung ErwerbstätigenquoteAnteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung (i.d.R. werden hierbei 15 64 jährige Personen betrachtet) Erwerbstätige / Bevölkerung
Wie hat sich die Arbeitslosenquote in Deutschland seit den 1960er Jahren
entwickelt?
Rezessionen durch Ölpreiskrise haben Arbeitsplätze gekostet (70er) Anpassungsprobleme der Ostdeutschen Wirtschaft: Rezession 90er Konjunktur nach New-Economy-Boom 2000er Besserung des Arbeitsmarktes seitdem
Wie ist die heutige Arbeitslosenquote Deutschlands im europäischen Vergleich
einzuordnen?
sehr weit unten
Warum ist die Jugendarbeitslosigkeitsquote ein wichtiger Indikator?
Aussagen darüber, wie schwierig der Berufseinstieg für junge Leute ist
Welche Arten atypischer Beschäftigung lassen sich unterscheiden?
Teilzeitgeringfügige Beschäftigung (nicht sozialversicherungspflichtig)BefristungLeiharbeit
Welche Wirtschaftssektoren unterscheidet man nach Fourastié ? Wie haben sich
deren relative Anteile seit Beginn des 19. Jahrhunderts verändert?
Primärer Sektor:mittlere Steigerung der Produktivität möglichSekundärer Sektor:hohe Steigerung der Produktivität möglichTertiärer Sektor:begrenzte Möglichkeit zur Steigerung der Produktivität Primärer Sektor (Land und Forstwirtschaft, Fischerei)Sekundärer Sektor (Industrie, Handwerk, Bergbau)Tertiärer Sektor (Dienstleistungen) immer nachrücken in den nächsten sektor, wenn güter aus vorigem sektor befriedigt sind
Welche Teilarbeitsmärkte unterscheidet man nach der Theorie der Arbeitsmarktsegmentation und was sind deren Merkmale?
primärer Arbeitsmarktgut entlohnte Tätigkeitenguten Arbeitsbedingungengute Aufstiegsmöglichkeitenhohe Arbeitsplatzsicherheiterfordert qualifizierte Arbeitskräfte sekundärer Arbeitsmarktschlecht entlohnte Tätigkeiteninstabile und unsichere Beschäftigungsverhältnissegeringe Aufstiegsmöglichkeitenerfordert in der Regel keine qualifizierten Arbeitskräfte
Welche Arten der beruflichen Stellung werden gemeinhin unterschieden und auf
welchen Kriterien basiert diese Unterscheidung?
Selbständigemithelfende Familienangehörigeabhängig Beschäftigte- Beamtinnen und Beamte- Angestellte- Arbeiterinnen und Arbeiter- Auszubildende Berufsklassifikation nach Berufsbereich, -hauptgruppe, -gruppe, -untergruppe, und -gattung
Warum verwendet man in westlichen Ländern meist das Konzept der relativen
Armut? Wie wird diese definiert?
-Bemisst sich am allgemeinen Lebensstandard einer Referenzpopulation-Das durchschnittliche Einkommensniveau dient als Vergleichsmaßstab-Die relativen Einkommensgrenzen bezeichnen den Abstand zum„üblichen“ Einkommen in einem Land
Wie wird die Einkommensarmut berechnet? Welche Grenzwerte werden in der
Regel verwendet und was zeigen diese an?
Im Mittelpunkt steht die Ausstattung von Personen oder Haushalten mitEinkommen. „Harter Kern“ der Armut in modernen GesellschaftenFestlegungen sind zumeist auf das Netto Äquivalenzeinkommenbezogen. Verwendet werden unterschiedliche Grenzwerte zur Bestimmung vonArmut.Es ist üblich, einen Grenzwert von 50% des durchschnittlichennationalen Haushaltsäquivalenzeinkommens zu verwenden.Auch der Median wird herangezogen.40%: strenge Armut50%: Armut60-70%: Niedrigeinkommen, Armutsgefährdung
Wie groß ist der Anteil der Bevölkerung Deutschlands, der heute nach der jeweiligen Definition als armutsgefährdet bzw. arm gilt?
arm: etwa 11% armutsgefährdet: 50%?
Welche sozialstrukturellen Gruppen sind insbesondere armutsgefährdet?
ArbeitslosePersonen mit Migrationshintergrundbildungsferne Schichtenalte MenschenObdachlosealleinerziehende Frauenkinderreiche Familien
Welche Kriterien legt Esping Andersen zur Typologisierung von
Wohlfahrtsstaatsregimen an?
Drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus nach Esping AndersenKernaussage:Länder unterscheiden sich im Ausmaß, in dem die folgenden Institutionen dazu beitragen, die Wohlfahrt der Menschen zu sichern:Staat -> Regulierung, UmverteilungMarkt -> Wettbewerb, LeistungFamilie -> Solidarität Drei Kriterien:1) Grad der Dekommodifizierung {= Unabhängigkeit sozialer Sicherheit vom Arbeitsmarkt Inwieweit ist die soziale Absicherung (z.B. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente, medizinische Versorgung) unabhängig von vorher erbrachten Leistungen im Arbeitsmarkt?} 2) Wirkung wohlfahrtsstaatlicher Sozialpolitik auf soziale Ungleichheit (Inwieweit werden durch sozialpolitische Maßnahmen und Transferleistungen bestehende soziale Ungleichheiten reduziert oder aufrechterhalten?) 3) Relative Bedeutung von Staat, Markt und Familie (Zu welchen Anteilen tragen die drei Institutionen Staat, Markt und Familie zur Herstellung und Sicherung der Wohlfahrt der Bürgerinnen und Bürger bei? z.B.: wodurch wird die soziale Absicherung (z.B. Altersfürsorge) hauptsächlich getragen?)
Welche Typen von Wohlfahrtsstaaten unterscheidet Esping Andersen und
wodurch zeichnen sich diese aus?
1)Korporatistisch konservative Wohlfahrtsstaatenstaatlich organisiertes Sozialversicherungswesen mit Zwangsmitgliedschaft und verschiedenen Zweigen (Bismarck Modell)Versorgungsansprüche werden durch Erwerbsarbeit erworbenMarkt und Statusabhängigkeit sozialer SicherungStaat greift ein, wenn Absicherung über Familie nicht gewährleistet ist (Subsidiaritätsprinzip)Durch Kopplung an Erträge der Erwerbsarbeit und familiäre Ressourcenwirkt das System der Reproduktion sozialer Ungleichheit nicht entgegenBeispiel: Deutschland 2) Liberale WohlfahrtsstaatenRisikoabsicherung durch steuerlich finanzierte Sozialleistungen, anBedingung der Bedürftigkeit gekoppelt (Beveridge Modell)niedriges Niveau staatlicher Leistungen, niedrige Steuerlastsoziale Absicherung in hohem Maße privatisiert, Niveau hängt vomindividuellen wirtschaftlichen Erfolg oder familiären Ressourcen abhohes Niveau sozialer UngleichheitBeispiele: USA, Vereinigtes Königreich 3) Sozialdemokratische Wohlfahrtsstaatensteuerfinanzierte, universelle soziale Sicherungweitreichende Reglementierung des Arbeitnehmerschutzes, allgemeinerZugang zu gesundheitlicher Versorgung und Bildunghohes Steuerniveau, hohes Niveau an UmverteilungBeispiele: Schweden, Norwegen
Wie definiert man jeweils formale, nicht formale und informelle Bildung?
Formale BildungLernen, das üblicherweise in einer Bildungsoder Ausbildungseinrichtung stattfindet , in Bezugauf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung) strukturiert ist und zur Zertifizierung führt Nicht-formale BildungLernen, das nicht in Bildungsoder Berufsbildungseinrichtung stattfindet und üblicherweisenicht zur Zertifizierung führt. Gleichwohl ist es systematisch (in Bezug auf Lernziele , Lerndauerund Lernmittel) Informelle BildungLernen, das im Alltag, am Arbeitsplatz, im Familienkreis oder in der Freizeitstattfindet. Es ist(in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung) nicht strukturiert und führt üblicherweisenicht zur Zertifizierung.
Welche gesellschaftlichen und individuellen Funktionen erfüllt Bildung?
Gesellschaftlich Enkulturation: Sozialisation und Vermittlung von kulturellem Wissen Qualifikation: Vermittlung von Fertigkeiten und Kompetenzen Allokation: Selektion Integration: Befähigung zur politischen Teilhabe Individuell Kulturelle Teilhabe und Identität Berufsfähigkeit Lebensplanung Soziale Identität und politische Teilhabe
Warum ist Bildung ein Investitionsgut? Erläutern Sie dies anhand der
Humankapitaltheorie.
Humankapitaltheorie (Becker 1964)- Bildung ist ein Produktionsfaktor (Humankapital)- Je mehr Bildung, desto höher die Produktivität- Je höher die Produktivität, desto höher die Entlohnung--> Bildung ist ein Investitionsgut, Individuen können in Bildung investieren--> Kosten Nutzen Abwägung: Nutzen = Erträge Kosten → Ziel: Maximierung des Nutzens
Wie erklärt das soziologische Rational Choice Modell von Erikson und Jonsson
Bildungsentscheidungen?
Entscheidungsfaktoren werden subjektiv und unter Unsicherheit bewertet(keine umfassenden objektive Informationen über Kosten und Erträge)erwartete Bildungserträge werden mit Erfolgswahrscheinlichkeit gewichtet
Welche Unterschiede im Bildungsstand zeigen sich heute nach Altersgruppen
und nach Geschlecht? Worauf sind diese zurückzuführen?
Jüngere haben höheren Bildungsstand als Ältere unter Jüngeren haben Frauen höheren Bildungsstand
Was bezeichnet man mit dem Begriff „Bildungsexpansion“?
Prozess der Höherqualifizierung der Bevölkerung.
Was waren die Hintergründe für die Reformen im deutschen Bildungssystem in
den 1960er Jahren?
Sorge des Westens vor mangelnder wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit in den1950er Jahren „Bildungskatastrophe“ (Picht 1964): Erschließung von „Begabungsreserven"