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Epidemiologie (Subject) / Def. (Lesson)
Begriffe und Definition
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- Deskriptive Epidemiologie 1. Deskriptive Epidemiologie Feststellung d. Krankheitshäufigkeiten/ -verteilung über Raum und Zeit in Abhängigkeit von Umwelt, Organismus und Persönlichkeit Ermittlung ErkrankungsratenIdentifizierung allg. Krankheitsrisiken u. Risiko-/Schutzfaktorendeskriptive Querschnittsstudien (große Stichproben!)
- Analytische Epidemiologie 2. Analytische (genetische) Epidemiologie: Untersuchung von Entstehung, Verlauf und Ausgang von Erkrankungen (inkl. Versorgung) Prüfung von Hypothesen über kausale Beziehungen zw. Umweltfaktoren, Krankheit u. Person (Erg. klinischen Forschung)Ermittlung von individuellen KrankheitsrisikenLängsschnittstudien (prospektiv-longitunal, quasi-experimentelle Designs)Untersuchung d. Versorgungsstruktur u. -qualität u. Funktionsweise d. Gesundheitswesens (administrative E., Versorgungsepidemiologie)
- Inzidenz Die Inzidenz zählt die Neuerkrankungen innerhalb eines vorgegebenenZeitraumes und setzt sie in Bezug zur nicht kranken Bevölkerungam Anfang dieser Beobachtungsperiode. Sie kann also ebenfalls alsProportion (Prozentzahl, Anteil) ausgedrückt werden und beziehtsich immer auf einen bestimmten Zeitraum.Zur Messung der Inzidenz gibt es zwei grundlegende Inzidenzmaße.Das erste Maß ist die kumulative Inzidenz oder das absolute Risiko,die für einen definierten Zeitabschnitt und eine bestimmte Anfangsbevölkerung(Kohorte) berechnet wird.Kumulative Inzidenz Ic = BezugsbevölkerungAnzahlderNeuerkrankungenDie kumulative Inzidenz wird als Anteil ausgedrückt und ist dimensionslos.Es muss dabei stets eine Angabe über den Bezugszeitraumgemacht werden. Beispiel: Das Risiko (die Ic), in den nächsten 10Jahren zu erkranken, beträgt 30%. Die kumulative Inzidenz liegt zwischen0 und 1 (0 bzw. 100%).In
- Prävalenz Die Prävalenz gibt den Anteil Erkrankter zu einem bestimmten Zeitpunkt(Punktprävalenz) oder innerhalb eines gewissen Zeitraums(Periodenprävalenz) an. Sie ist also eine Verhältniszahl.Prävalenz P =GesamtpopulationAnzahl der FälleDie Prävalenz unterliegt dabei dem Einfluss verschiedener Faktoren:• der Schwere der Krankheit (wenn zahlreiche Erkrankte sterben,nimmt die Prävalenz ab);• der Krankheitsdauer (bei kurzer Krankheitsdauer ist die Prävalenzniedriger als bei langer Krankheitsdauer);• der Zahl der Neuerkrankungen (wenn viele Menschen erkranken,ist die Prävalenz höher als bei wenigen Erkrankten).
- Querschnittsstudien Der Begriff „Querschnittsstudie“ wird oft synonym mit Prävalenzstudieoder Cross-sectional-study verwendet. In Querschnittsstudien wird zueinem einzigen Zeitpunkt eine Population (oder eine Stichprobe daraus)untersucht. Es werden verschiedene Merkmale erfasst und korrelativmiteinander in Beziehung gesetzt. Für den kausalen Nachweiseines Zusammenhangs von Expositionen und Krankheiten sind Querschnittsstudienin der Regel wenig geeignet. Sie eignen sich vorallem für die Erhebung von Prävalenzen und für die Bildung vonHypothesen über mögliche Krankheitsursachen. Querschnittsstudiensind relativ einfach und ökonomisch durchzuführen.Eine typische Querschnittsstudie im Gesundheitsamt ist die Schuleingangsuntersuchung.Auch die vom Landesamt für Statistik undDatenverarbeitung veröffentlichten Jahresscheiben der Todesursachenstatistikhaben den Charakter einer Querschnittserhebung. Inder Gesundheitsberichterstattung werden häufig Daten aus solchenQuerschnitt-Designs verwendet, da in der Gesundheitsberichterstattungdas Monitoring-Ziel, also das Beobachten der gesundheitlichenVerhältnisse, gegenüber dem Forschungs-Ziel, also dem Auffindenneuer Zusammenhänge, im Vordergrund steht.
- Fall-Kontroll-Studien Synonyme dafür sind case-control-study oder case-comparisonstudy.Bei Fall-Kontroll-Studien wird eine Gruppe von Erkrankten undNicht-Erkrankten im Hinblick auf eine zurückliegende (ggf. hypothetische)Exposition untersucht. Das Verhältnis von Gesunden undKranken ist hier also durch die Auswahl der Studienpopulation festgelegt.Man kann daher keine Inzidenzen und Relativen Risiken berechnen,sondern greift auf die Berechnung von Odds Ratios zurück.Fall-Kontroll-Studien eignen sich besonders zur Untersuchung derUrsachen seltener Erkrankungen. Wichtig bei Fall-Kontroll-Studienist, dass die beiden Gruppen, die sog. „Fälle“ und „Kontrollen“, vergleichbarund möglichst repräsentativ für die Population sind, überdie man Aussagen treffen möchte.
- Kohortenstudien Synonyme dafür sind Longitudinalstudien, Follow-Up-Studien oderprospektive Studien. In gewisser Weise arbeiten Kohortenstudienumgekehrt wie die Fall-Kontrollstudien. Es wird eine gesunde Population,bestehend aus einer Gruppe von Exponierten und einer Gruppevon Nichtexponierten, in ihrer weiteren Entwicklung beobachtet, dasAuftreten von Erkrankungen in den beiden Gruppen registriert undanalysiert. Kohortenstudien sind gut geeignet, um die (ggf. auch unbekannten)gesundheitlichen Folgen von (bekannten) Expositionenzu analysieren. Sie lassen die Berechnung von Inzidenzen und somitRelativen Risiken zu. Ein typisches Problem bei Kohortenstudien besteht darin, dass dieKohorten oft nicht über den gesamten Untersuchungszeitraum konstantbleiben, z.B. weil Personen sterben oder wegziehen.Eine Sonderform der Kohortenstudie ist die retrospektive Kohortenstudie,bei der man Daten über eine in der Vergangenheit gesundePopulation hat.
- Experimentelle Studien (RCT) Experimentelle Studien, kontrollierte Studien oder Interventionsstudienzeichnen sich dadurch aus, dass – im klassischen Design – dieEinflussfaktoren experimentell variiert werden. Es gibt daneben auchein sog. „quasi-experimentelles Design“, bei dem die Variation derEinflussfaktoren durch externe Gegebenheiten erfolgt und nur beobachtetwird. Inzidenzen und Relative Risiken können berechnetwerden. Experimentelle Studien sind sehr gut für den Nachweis kausalerFaktoren geeignet. Allerdings ist es aus technischen oder ethischenGründen nicht immer möglich, die fraglichen Expositionen einemexperimentellen Design zu unterwerfen. Crossover
- Kausalitätskriterien 1. Stärke der Beziehung Schwache Assoziation: Zufall?2. Konsistenz der Beziehung Ist die Beziehung wiederzufinden in anderenStudien, Populationen und unter verschiedenenBedingungen?3. Spezifität des Effekts Ist der Effekt klar abgrenzbar? Viele Effekte imZusammenhang mit der Ursache?4. Zeitliche Sequenz Ist die Reihenfolge Exposition-Krankheit gegeben?5. Dosis-Wirkungs-Beziehung Gibt es eine höhere Wirkung bei höherer Dosis?6. Biologische Plausibilität Ist die Kausalbeziehung biologisch plausibel?7. Kohärenz Steht ein angenommener Zusammenhang inWiderspruch zum aktuellen Wissensstand vonÄtiologie und Pathogenese der Erkrankung?8. Experimentelle Evidenz Eine neue Hypothese sollte prüfbar sein. Ist einesolche Prüfung durchgeführt worden?9. Analogie mit ähnlichen KausalzusammenhängenGibt es ähnliche Kausalzusammenhänge beiähnlichen Sachverhalten?
- Ursachenbündel Hinreichende Krankheitsursachen („sufficient cause“)Zusammentreffen einer Reihe von Bedingungen bzw. Ereignissen,die unweigerlich zum Krankheitsausbruch führen.• Teilursachen („component cause“)Bedingung, die Bestandteil einer hinreichenden Krankheitsursacheist, für sich genommen aber nicht zur Verursachungder Krankheit führt.• Notwendige Ursachen („necessary cause“)Bedingung, die Bestandteil aller hinreichenden Krankheitsursachenist, d.h. ohne die die Entstehung der Krankheit nichtmöglich ist.
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- Recall bias Der Begriff Erinnerungsverzerrung bzw. recall bias bezeichnet im Sinne einer kognitiven Verzerrung eine Fehlerquelle vor allem in retrospektiven Studien.
- PASS-Studien im Rahmen der Pharmakovigilanz durchgeführte Post Authorisation Safety Study - Studien klinischen Studien vor Zulassung bestimmte Gruppen wie Kinder, Schwangere, Alte sowie Personen mit mehreren Erkrankungen nur unzureichend berücksichtigt seltene und sehr seltene Nebenwirkungen von Arzneimitteln im Rahmen der klinischen Studien nur unzureichend erfasst, deshalb PASS
- RR rel. Risiko: Quotient aus zwei Risiken oder Inzidenzen RR = I1/I2 bzw. I exponiert/I nicht exponiert
- PAR Population Attributable Risk PAR = p x (RR - 1)/ p x (RR - 1) + 1 z.B. bei Querschnittstudien berechenbar bei Fall-Kontrollstudien RR durch OR ersetzen oder PAR-Berechnung durch Inzidenzen oder Mortalitätsraten PAR = I Gesamt - I nicht exponiert/ I exponiert PAR widerspiegelt den Anteil der Fälle einer Erkrankung oder Todesursache in der Bevölkerung, welcher durch die Eliminierung der Exposition hätte vermieden werden können
- Letalität beschreibt das Risiko, an einer bestimmten Krankheit zu sterben und ist ein Mass dafür, wie häufig eine Krankheit tödlich verläuft Letalität = Gestorbene an einer Krankheit innerhalb eines Zeitraums/ alle von der Krankheit Betroffene engl. case fatality rate
- Periodenprävalenz Periodenprävalenz = aller Erkrankten * + Neuerkrankte in einem Zeitraum#/ gesamte Bevölkerung * zu Beginn des Rückfragezeitraums, # innerhalb des Rückfragezeitraums
- Punktprävalenz = Inzidenz x Dauer der Erkrankung immer pro 1000 Personen und pro Jahr berechnet
- Mortalitätsrate = Gestorbene in einem Zeitraum/ mittlere Bevölkerung unter Risiko x 100'000 Anzahl pro 100'000 Personen aus Bevölkerung engl. mortality rate oder death rate (rohe Sterberate = crude mortality rate)
- Inzidenzdichte = Zahl der Neuerkrankungen in einem Zeitraum/ Personenjahre unter Risiko x 1000 (pro 1000 Personen)
- kumulative Inzidenz = Zahl der Neuerkrankungen innerhalb eines Zeitraums/ Personen unter Risiko zu Beginn des Zeitraums resp. Inzidenzrisiko engl. incidence risk oder cumulative incidence
- Inzidenzrate = Neuerkrankungen innerhalb eines Zeitraums/ mittlere Bevölkerung unter Risiko "mittlere" Zahl zum 30.6. oder Schnitt von 31.12. aus Vorjahr und aktuellem Jahr