Welche entscheidenden Beiträge hat Friedrich Ratzel zur Entwicklung der Geographie geleistet?
Ratzel gilt als Begründer der Anthropogeographie und der Politischen Geographie sowie als einflussreicher Wegbereiter der Geopolitik. Durch seine Ausformulierung der wissenschaftlichen Zielsetzung und der Systematik der traditionellen Geographie verschaffte Ratzel der Geographie entscheidend mehr Ansehen und innere Geschlossenheit. Durch seine überaus umfangreiche Publikationstätigkeit und seine Anziehungskraft als Hochschullehrer (mehr als 300 Hörer) hat er das Profil des Faches im In- und Ausland wie kein anderer bestimmt.
Nennen Sie den Grundgedanken des Naturdeterminismus!v
Eine mit dem Geodeterminismus verwandte sozialphilosophische Position, gemäß der alle Gesellschaften und Kulturen – streng genommen überhaupt alle Tätigkeiten der Menschen – von den natürlichen, physisch-materiellen Grundlagen kausal (Kausalität) bestimmt bzw. determiniert sind.
Auf welchen Grundgedanken stützte sich die Politische Geographie von Friedrich Ratzel? Und wie wurde diese Vorstellung in der Folge politisch wirksam?
Der Staat als mit seinem Boden verwurzeltes „organisches Wesen“ und dynamisches Raumgebilde war sein Grundgedanke. Von A. Penck aufgegriffen wurde daraus eine Karte des deutschen Volks- und Kulturbodensund wurde zur Legitimation territorialer Ansprüche der Nationalsozialisten als wissenschaftliche Grundlage verwendet.
Begründen Sie knapp die Aussage „Die deutsche Geographie war ideologische Wegbereiterin des 2. Weltkrieges“
Durch Haushofers Begeisterung über Ratzels Lebensraumkonzepts, definierte er die Wesenheit der Erdräumeals Rahmen für die Geopolitik. Die geographisch naturwissenschaftlich gewonnene Erkenntnis Ratzels legitimierte das Zurückholen von Lebensraum für die überlegende arische Rasse und die Zusammenführung aller Deutschen zu einem Volk auf einem Staatsterritorium.
Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen der Evolutionstheorie Darwins und den der politischen Geographie nach F. Ratzel!
Auf Basis Ratzels Feststellungen vom begrenzten „Raum der Erde“ gelangte er zur Schlussfolgerung, dass der wie auch immer geartete Kampf um Boden der Dreh- und Angelpunkt des menschlichen „Kampf[s] ums Dasein“ sei. Ähnlich Darwins würde nur der Fitteste und am besten Angepasste überleben und die anderen verdrängen. Das Fortbestehen einer Nation sei deshalb nur durch territoriale Expansion und soziale Unterdrückung anderer Völker gewährleistet.
Welchen Beitrag hat Paul Henri Vidal de la Blache zur Weiterentwicklung der Sozialgeographie geleistet?
Für die Herausbildung einer Sozialgeographie bildete sein Geopossibilismus eine grundlegende Voraussetzung. Als Begründer der französischen Schule der Humangeographie, wies er der Geographie die Aufgabe zu, das Verhältnis von Mensch und Umwelt in möglichst gleichartigen Räumen ("milieux") mit den darin vorkommenden Lebensformengruppen ("genres de vie") zu untersuchen. Im Gegensatz zu den Naturdeterministen und den Sozialdeterministen sah er den in seiner Entscheidung freien Menschen als den bestimmenden Faktor bei der Gestaltung seiner Lebensumwelt. Dadurch war jedes "milieu" die individuelle Ausprägung menschlicher bzw. gesellschaftlicher Raumgestaltung und -adaption.
Was versteht man unter Possibilismus in der Geographie?
Ist das Gegenteil von Determinismus (Geographie), er beschreibt die Ansicht, dass der Mensch in seinen Entscheidungsprozessen frei von der Natur sei. Der Mensch kann sich demnach frei entwickeln und wird nicht durch die Natur in seinem Handeln eingeschränkt, sondern nur durch seine eigenen sozialen und physischen Grenzen. Erdraum bildet nur den Rahmen für gesellschaftliche Entwicklungen. Es liegt kein lineares Kausalitätsverhältnis vor. (Naturraum als Ermöglichungsraum)
Welche verschiedenen Perspektiven auf das Mensch-Natur-Verhältnis lassen sich unterscheiden? Beschreiben Sie diese jeweils kurz.
Geodeterminismus: Der Mensch ist direkt von den erdräumlichen Bedingungen bestimmt. Probabilismus: Leichter Einfluss der Natur auf den Menschen, wodurch bestimmte gesellsch. Entwicklungen wahrscheinlicher werden als andere. Possibilismus: Der Mensch besitzt Entscheidungsmöglichkeiten innerhalb bestimmter physischer Grenzen. Voluntarismus: Der Mensch besitzt zu jeder Zeit vollständige Handlungsfreiheit. Menschliches H andelns und damit gesellschaftliche Entwicklungen sind unabhängig von der natürlichen Umwelt zu betrachten.
Wie stehen Korrelationen zu Kausalitäten?
Trotz hoher Korrelation zwischen zwei Variablen, muss nicht unbedingt ein Zusammenhang haben. Z.B. Rückgang der Geburtenrate (Pillenknick) und Rückgang der Storche.