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Master Psychologie: Rechtspsychologie (Subject) / Glaubhaftigkeit (Lesson)
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- Was ist von Bedeutung bei Glaubhaftigkeitsbegutachtung? (5) > Umstände der Aussagenentstehung- und entwicklung> Merkmale der aussagenden Person> Das Verhältnis des Zeugen zum Beschuldigten> Das soziale Umfeld der Beteiligten und> Die Aussage selbst
- Außerdem werden zwei Gegenannahmen zur Wahrannahme geprüft: > Die Lügenhypothese = absichtliche Fehldarstellung der Ereignisse> Die Suggestionshypothese /Pseudoerinnerungen= subjektiv für wahr gehaltene, auf einer vermeintlichen „Erinnerung“ basierende Darstellung der Ereignisse, die nicht der Realität entsprechen (oft ausgelöst durch fremd- und/oder autosuggestivier Prozesse)
- Theoretische Überlegungen zur Aussagequalität: (3) > Arousal Ansatz: Täuschungen rufen Erregungen hervor, die sich in psychologischen Reaktionen wie erhöhtem Blutdruck underhöhter Stimmlageausdrücken> Kognitive Ansätze: Täuschungen sind mental Anspruchsvoller für den Aussagenden -> das zeigt sich dann in einer höheren Antwortlatenz, geringerer Sprechgeschwindigkeit, Abnahme von Körperbewegungen, geringere inhaltliche Komplexität etc> Ansatz der Kontrollbemühungen: Täuschende versuchen ihr Verhalten zu kontrollieren um einen glaubwürdigen Eindruck zu vermitteln -> rigides und gehemmtes Aussageverhalten
- Meta-Analysen zu theoretischen Überlegungen zur Aussagequalität haben gezeigt: (3) > hinsichtlich non bzw paraverbaler Merkmale gibt es nur wenige signifikante Unterschiede zwischen lügenden und wahrheitsgemäß aussagenden Personen> einzelne Anzeichen für Nervosität wie Blickvermeidung unterscheiden sich nicht in den beiden Gruppen> es finden sich zwar Unterschiede im Hinblick auf Tonlage, Zusammenpressen der Lippen etc aber die Unterschiede sind zu wenig ausgeprägt als dass sie diagnostisch anzuwenden wären
- Undeutsch Hypothese wahre Aussagen haben im Vergleich zu erfundenen Darstellungen eine höhere Aussagequalität
- Wie kommt man auf Undeutsch Hypothese? (3) > Kognitive Theorien und Kontrollansätze begründen diese Hypothese> Die Wiedergabe einer wahren Begebenheit ist kognitiv leicht zu bewältigen, eine Lüge allerdings zu erfinden und konstant zu halten ist deutlich anspruchsvoller -> eine wahre Aussage wird aus dem Gedächtnis rekonstruiert, eine Lüge muss aus dem gespeicherten Allgemeinwissen konstruiert werden> Außerdem werden wahre Begebenheiten deutlich detailreicher erzählt, mit Banalen Details ausgeschmückt etc ->erfundene Aussagen haben also eine geringere Aussagequalität weil sie weniger schemainkonsistente und irrelevante Elemente enthalten als erlebnisbasierte Darstellungen
- Selbstpräsentation ist der zweite Unterschied zwischen einem aufrichtigen und einem lügenden Aussagendem: (2) > Ein lügender Kommunikator verfolgt das Ziel einen möglichst glaubhaften Eindruck zu machen und er greift deshalb auf Verhaltensweisen/Äußerungen zurück, die in seiner Vorstellung glaubwürdig wirken lassen > man nimmt daher an, dass falsche Aussagen nur im geringem Ausmaß Selbskorrekturen, Selbstbelastungen, Zugeben von Erinnerungslücken enthalten
- Wieso niedrige Sprachqualität? für eine Falschaussage in hoher Sprachqualität stehen nicht mehr ausreichend kognitive Ressourcen zur Verfügung, weil das meiste der kognitiven Energie darauf „verschwendet“ wird die Falschdarstellung plausibel darzulegen, ggf etwas spontan zu ändern, die eigene Wirkung zu kontrollieren etc
- Systeme für merkmalsorientierte Qualitätsanalysen > Merkmale inhaltlicher Glaubhaftigkeitsmerkmale modifiziert von Niehaus (2008)
- Inhaltliche Aspekte: (4) > anschauliche geschilderte Aussagen> Handlungen werden in raum-zeitliche Bedingungen eingebettet, die sich einfügen in die Routine des Aussagenden> Wenn eine Handlung nicht nur global behauptet, sondern Interaktionsketten beschrieben werden > Es werden für die Situation angebrachte Gespräche/Gesprächsfragmente geschildert
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- Motivationale Aspekte: (1) Beziehen sich auf Aspekte wie Selbstbelastungen und Entlastungen des Beschuldigten
- Empirische Befunde über Qualitätsunterschiede von wahren und erfundenen Aussagen (3) > Es gibt eine Vielzahl von Simulationsuntersuchungen und einige Felduntersuchungen, die die Hypothese des Qualitätsunterschiedes zwischen wahren und falschen Aussagen hinsichtlich der nichtmotivationalen Merkmale bestätigen> Damit ist die Undeutsch Hypotheseprinzipiell zu belegen, allerdings weisen die Verteilungen der Menge inhaltlicher Qualitätsmerkmale von wahren/falschen Aussagen einen großen Überlappungsbereich auf> Sie ist die Methode mit der höchsten Trefferquote (im Schnitt bei 54%)
- Konstanzanalyse: > es sind auch übergreifende Qualitätsmerkmale zu berücksichtigen, die sich aus dem Vergleich von Aussagen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ergeben
- Arntzen 1970/2007: Modell zur Bedeutung von Konstanz als Glaubhaftigkeitskriterium erlebnisbegründete Schilderungen werden bei wiederholter Befragung mehr Übereinstimmungen erfahren als erfundene Aussagen weil die Erinnerung an tatsächliche Erinnerungen länger im Gedächtnis bleiben als Vorgestelltes
- differenziere Inkonstanz (2) >erwartete konstante Inhalte bleiben konstant, erwartet inkonstante Inhalten werden nicht übereinstimmend berichtet > kann also auch einen Hinweis auf eine wahre Aussage geben, da diese differenzierte Inkonsistenz nicht simuliert werden kann
- Wie aussagekräftig ist das Modell von Anrtzen? eine diagnostische Aussagekraft bietet diese Methode allerdings nur im Zusammenspiel mit anderen Glaubwürdigkeitskriterien
- empirische Überprüfungen zu Widersprüchen (2) > erste empirische Überprüfungen ergaben, dass tatsächlich in wahren Aussagen signifikant weniger Widersprüche aufzufinden sind> ebenso wurde bestätigt, dass es wie erwartet Vergessensprozesse gibt, die auch bei wahren Aussagen auftreten und diese ungleichmäßig verlaufen
- WiIliam Stern (1904): Unterscheidung Suggestion > zwischen aktiver Suggestion (als ein von der Person ausgehenden Einfluss) > der passiven Suggestion (psychischer Zustand der auf bestimmte Wiese beeinflussten Person)
- In der forensischen Praxis können sich Formen der Empfänglichkeit sehr unterschiedlich darstellen. Möglich sind folgende Beispiele: > bei Aussagen über prinzipiell erlebte Erlebnisse besteht die Mangelsituation oft darin, dass nach Details gefragt wird, die nicht sehr gut erinnert werden, entweder weil ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde oder weil das Ereignis zu lange zurücklag > bei der Induktion von komplexen Erinnerungen durch Dritte bildet die Annahme des Befragenden, ein bestimmtes Ereignis sei geschehen den Ausgangspunkt für die suggestive Empfänglichkeit -> Bspw basiert die Annahme, ein Kind sei sexuell missbraucht worden, meist auf der einseitigen Interpretation unspezifischer Verhaltensweisen wie Auffälligkeiten im Verhalten und Erleben...
- autosuggestive Prozesse: (3) > entstehen oft durch schlechten psychischen Zustand der Betroffenen > es besteht das Bedürfnis eine Erklärung für die eigenen Beschwerden zu finden, auch wenn diese schwer auszumachen sind vermeintliche Erklärungen, bei denen die äußeren Umstände oder sogar ein Dritter in die Verantwortung gezogen könnten wirken sehr verlockend
- bei der Suggestion von Pseudoerinnerungen ist eine sogenannte Plausibilitätsschwäche zu überschreiten: einerseits muss es plausibel erscheinen, dass das fragliche Ereignis tatsächlich passiert ist, zum anderen muss es auch eine plausible Erklärung dafür geben warum es in der Zwischenzeit noch nicht erinnert wurde
- zweiter Schritt bei Suggestion: > Generierung der Ereignispräsentation, wobei alle Aktivitäten, die die Person ermuntern, über das fragliche Ereignis nachzudenken, es sich bildlich vorzustellen oder darüber zu sprechen, die Generierung einer visuellen und narrativen Repräsentation des Ereignisses fördern
- Fremdsuggestive Prozesse (Volbert 1999) sind vor allem gekennzeichnet durch: (1-4) > Indirekte Vorgaben spezifischer Informationen> Die Vorgabe unspezifischer Informationen, die bestimmte Schlussfolgerungen nahelegen> die Indizierung negativer Stereotype> Aufforderungen zur Spekulation über das fragliche Geschehen und zu Imaginationen
- Fremdsuggestive Prozesse (Volbert 1999) sind vor allem gekennzeichnet durch: (5-9) > Verstärkungen erwünschter und erwartungskonformer Antworten> Konformitätsdruck> Wiederholte Befragungen und wiederholte Fragen zu bereits dargestellten Sachverhalten> Befragung durch mehrere Personen mit ähnlicher Voreinstellung> soziale Isolierung von Personen mit anderer Auffassung
- um eine generierte Repräsentation für eine Erinnerung zu halten, muss ...? (3) > eine Quellenverwechslung erfolgen > hier spielt der Ablauf der Zeit eine Rolle, da die Erinnerungen an die Quelle einer Information schneller vergessen wird als die Info selbst > ob diese Quellenverwechslung auftrifft hängt auch von Stärke/Intensität der vorangegangenen Suggestion
- Ausgangspunkt für Suggestionsprozess: (2) > Suche nach einer schnellen Erklärung eines erklärungsbedürftigen Verhaltens> es wird angenommen, dass es in der Vergangenheit zu Erfahrungen gekommen ist, an die man sich allerdings nicht mehr erinnert und deswegen werden Techniken angewandt, die das „Wiedererinnern“ erleichtern sollen
- Fazit: was alles führt zu Pseudoerinnerung? (4) > die Kombination von Voreinstellungen (Überzeugung die Sachverhalte, an die man sich aktuell nicht erinnern kann seien sicher passiert) > unkritischer Verwendungvon Methoden zur Wiedererinnerungoder von suggestionsträchtigen Befragungstechniken >Ignorieren von nicht zur Ausgangshypothesepassenden Informationen und > Verstärkung von erwarteten Antwortenkann zu der Ausbildung vonPseudoerinnerungenführen
- Unterschiede zwischen erlebnisentsprechenden und suggerierten Aussagen (4) > Problem: bei der Darstellung eines Ereignisses auf der Basis einer Pseudoerinnerung, muss keine kognitive Energie verwendet werden, da er die Aussage nicht erfindet sondern die vermeintliche Erinnerung lediglich rekonstruiert> qualitative Unterschiede zwischen erlebnisbasierten und suggerierten Aussagen sind nicht oder in nur geringem Maß zu finden> vor allem dann, wen sich regelrechte Pseudoerinnerungen herausgebildet haben> allerdings liegt bei suggerierten Aussagen eine höhere Variabilität als bei wahren Aussagen vor --> Scheinerinnerungen können sich fortlaufend ausweiten und verändern
- Allerdings sind drei aussagepsychologisch relevanten Analysebereiche beschreibbar: > Analyse der Aussageentstehung und entwicklung:> Leistungs und Persönlichkeitsdiagnostik > Analyse der Aussage
- Frage für Gesamtbewertung: Könnte dieser Zeuge mit den gegebenen individuellen Voraussetzungen unter den gegebenen Befragungsumständen und unter Berücksichtigung der im konkreten Fall möglichen Einflüsse von Dritten diese spezifische Aussage machen, ohne dass sie auf einem realen Erlebnishintergrund basiert?
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- Zusammenfassung: (5) > Im Grunde geht es um die Abklärung von zwei Gegenhypothesenzur Wahrannahme:> Absichtliche Falschdarstellung (Lügenhypothese) oder subjektiv für wahr gehaltene, auf einer vermeintlichen „Erinnerung“ basierende Darstellung, deren Inhalt allerdings nicht wahrheitsgemäß ist> Derartige Pseudoerinnerungen entwickeln sich in der Regel auf der Basis von fremd-und/oder autosuggestiver Prozesse (Suggestionshypothese) > für den jeweiligen Fall ist zu prüfen, inwieweit die Voraussetzungen für die unterschiedlichen Konstellationen erfüllt sind -> sind diese gegeben, steht für die weitere Abklärung der Falschbezichtigungshypothese die qualitätsimmanente und qualitätsübergreifende Aussagenanalyse im Fokus> liegen gravierende Bedingungen vor, kann der Erlebnisbezug einer Aussage mit aussagepsychologischen Methoden nicht mehr substantiiert werden