24

Klassische Philologie (Subject) / Textkritische Begriffe (Lesson)

hallo

This lesson was created by beagh.

Learn lesson

This lesson is not released for learning.

Advertisement
  • recensio Erster Schritt der Textherstellung, in dem man die vorhandenen Textzeugen möglichst vollständig sammelt und einer sorgfältigen vergleichenden Lektüre unterzieht, um festzustellen, was überliefert ist.   = Musterung Eine grundlegende Arbeit, die die Verhältnisse zwischen den Handschriften beschreibt. Zuvor hat man die Musterung betrachtet. Anschließend macht man ein Stemma.
  • Hauptüberlieferung Hierzu gehören alle Überlieferungsträger, die den fraglichen Text vollständig oder teilweise direkt darbieten.   Alle Überlieferungsträger, die vollständig oder teilweise
  • Nebenüberlieferung Alle Quellen, die sich in irgendeiener Form auf den zu edidierenden Text beziehen oder ihn auszugsweise zitieren oder in irgendwie modifizierter Form wiedergeben.   Das den anderen Werken geschrieben wurde. Z.B. Zitate. Servius arbeitet mit Zitaten
  • eliminatio codicum descriptorum Die Texte bzw. Handschriften werden ausgeschlossen, von dem man weiß, dass sie von einer einzigen Quelle abgeschrieben wurden
  • stemma codicum Ein Schaubild, das das Abhängigkeitsverhältnis aller Hss zeigt.
  • errores signifivativi Leitfehler bzw offensichtliche und auffällige Textschäden, die zur Ermittlung von Abhängigkeitsverhältnissen beitragen.
  • Bindefehler Fehler, die die Zusammengehörigkeit zweier Zeugen B und C gegenüber einem dritten A erweisen. B und C haben im Gegensatz zu A dieselben Fehler.
  • Archetypus Eine durch Bindefehler erschlossene Vorlage, auf die sämtliche Handschriften zurückgehen. Hier hat die erste Spaltung begonnen. Er ist manchmal erhalten, normalerweise aber mit dem Autograph nicht identisch.   Urtyp vom Text, weil es verloren gegangen ist. à zu erschließende Handschrift
  • Hyparchetypus Vorlage, bei der auf eine Handschriftengruppe durch Erschließen zurückgeführt werden kann.   Späterer Typ und somit Zwischenstufe der Überlieferung
  • Kontamination Schreiber entschied nach eigenem Gutdünken das Abschreiben beim Vergleichen von zwei oder mehr Vorlagen. Kontamination erschwert also die Erstellung eines Stemmas.
  • Advertisement
  • offene recensio Wenn im Laufe der Überlieferungsgeschichte eine Kontaminatio mehrfach aufgetreten ist, kann die recensio mit ihrer Methode keine eindeutige Unterscheidung zwischen alter Überlieferung und sekundärer Textänderung treffen und endet offen.   Es geht darum, dass Verhältnisse der Überlieferungen geklärt werden
  • geschlossene recensio Der Editor muss Varianten im zweiten und dritten Schritt seiner Arbeit berücksichtigen, die in den Textzeugen vorzufinden sind   Stemma wird ersichtlich
  • examinatio Stadium der Überprüfung, das die Wiederherstellung des ursprünglichen Wortlautes zum Ziel hat und mit denselben Kriterien wie die emendatio arbeitet. Sie geht der emendatio voraus.   Überlieferungsschriften, die überprüft werden à wir versuchen einen Text herzustellen
  • utrum in alterum abiturum erat? Gibt es zwei oder mehr Varianten, die die Anforderungen der examinatio erfüllen, kann die Entscheidung schwieriger werden. Hier dient diese Überlegung: Von welcher der beiden Versionen ist eher zu erwarten, dass sie zu der anderen verändert wurde?   Text soll einen Sinn ergeben, man soll drauf achten. Wir haben zwei Varianten und schauen, wo der Ursprung ist.
  • lectio difficilior Grundsatz, der besagt, dass der Wahrscheinlichkeit nach eher die schwierigere Version zu einer leichten geändert wird als umgekehrt.   Texte oft von schwer zu leicht. Für ein ganz einfaches Wort wird man nicht ein ganz seltenes nehmen.
  • recentiores non deteriores Philosophensprichwort „Jüngere sind nicht unbedingt schlechter.“ Eine Hss. des 15. Jhds. muss nicht schlechter sein als eine des 9. Jhds.. Denn es kann sein, dass sie auf eine (verlorene) Quelle zurückgeht, die besser war, als die erhaltene Hss. des 9. Jhds.   Längere Handschriften müssen nicht die schlechteren sein, weil es andere Vorlagen gibt.
  • emendatio Fehlerbeseitigung, die die Wiederherstellung des ursprünglichen Wortlautes zum Ziel hat und mit denselben Kriterien wie die examinatio arbeitet. Sie kann nur angewendet werden, wenn die examinatio zu einem bestimmten Ergebnis geführt hat.   Korrektur von Überlieferungsfehlern durch einen Herausgeber (deshalb oft auf der Titelseite von Texteditionen die Angabe „emendavit“)   Es gibt verschiedene Ausgaben zu demselben Text
  • divinatio Kategorie, die sich teils auf qualitative, allein divinatorisch begründbare und bisweilen fragliche Kategorien beruft   Keine stichhaltigen Beweise
  • Konjektur Korrektur eines Textes durch den Herausgeber, indem der überlieferte Wortbestand verändert oder durch eine Lacuna (Lücke im überlieferten Text) ausgefüllt wird. à Wird durch Spitzklammern oder kursivem Druck angezeigt   Vorschlag für Verbesserung (Gegenteil crux)
  • korrupt Eine kontaminierte oder verdorbene Textstelle à Mit einem Crux gekennzeichnet   Kommt im Text und wenn man die Stelle nicht übersetzen kann, ist es eine korrupte Stelle
  • Kritische Ausgabe Ausgabe, die die Entstehungsgeschichte des Textes nachzeichnet und einen möglichst fehlerfreien Text präsentiert
  • Positiver Apparat verzeichnet zunächst die Lesart, die im Text steht bevor dann Lesarten verschiedener Handschriften und andere Informationen folgen, z.B.:   26 caput : capitis MV Im lateinischen Text der vorliegenden Edition steht als im Vers 26 „caput“, während die Handschriften MV „capitis“ aufweisen   Alles wird angegeben, woher man das im Text hat
  • Negativer kritischer Apparat Er verzeichnet nur die anderen Lesarten, z.B. 26 capitis MV   Nur Abweichungen werden angegeben
  • Testimonien-Apparat Verweise auf spätere Bezeugungen des Textes. (In einer Vergilausgabe etwas Verweise auf Augustinusstellen, wo dieser Vergil zitiert).