15

Paradigmenlehre (Subject) / Vorlesung 9 (Lesson)

ka

This lesson was created by Amalaswinthaa.

Learn lesson

Advertisement
  • 3 Hauptarten der Konstruktion 1) Rationale/Deduktive Konstruktion --> benutzt von 90%, Z.B. Frage: Welche Partei werden sie nächste Woche bei der Wahl wählen; Theorie/Ratio 2) Externale/Kriteriumsbezogene Konstruktion • man müsste a priori wissen, welche Partei bei der letzten Wahl tatsächlich gewählt wurde; man braucht einen großen Pool von Fragebögen • Kriteriumsbezogene Analyse --> "welche Partei haben sie gewählt?" --> Vorhersage aus dem Antwortverhalten auf diese Items --> keine Ahnung WARUM diese Partei, Kombination aus mehreren Faktoren; keine Ratio; keine Theorie dahinter 3) Induktive Konstruktion --> welche Faktoren bilden sich, wenn Personen auf die Fragen antworten? - Ziel: Erfassung von psychologischen Konstrukten mit Erklärungswert - wir wollen nicht nru das Verhalten beim Ankreuzen haben, sondern Rückschlüsse auf ein zugrundeliegendes psychologisches Konstrukt, z.B. politische Einstellung
  • Kriterien für Fragebogen/Test/Messmethoden Objektivität - Durchführung (Instruktion etc.) - Auswertung (Ausreißer, Extremwerte, schiefe Verteilung) - Interpretation (Was bedeutet ein Test/Messwert?)
  • Kriterien für Fragebogen/Test/Messmethoden Reliabilität - Konsistenz (Split Half, Cronbachs Alpha: messen die einzelnen Testteile das gleiche Konstrukt?) - Stabilität bzw. Retest-Reliabilität (misst der Test bei wiederholter Messung das gleiche Konstrukt?) - Vorsicht: Veränderungsmessung! --> wenn man Veränderung messen will ist das kein gutes Kriterium für einen Test
  • Kriterien für Fragebogen/Test/Messmethoden Validität - misst mein Messverfahren/Test was er messen soll? z.B. Intelligenz und Sprachverstehen bei Zuwanderern - Konstruktvalidität (diskriminante und konvergente Validität mit anderen Messverfahren/Tests) - Kriteriumsvalidität --> manchmal schwierig, da keine Kontrollgruppe hergestellt werden kann 
  • Rationale Konstruktion - Notwendigkeit: Existenz einer Theorie über das zu erfassende Konstrukt, z.B. eine Trait Theorei: "Freundliche Menschen helfen häufiger als unfreundliche Menschen" - Arbeitsschritte: 1) Definiion und Spezifikation des interessierenden Konstrukts 2) Deduktive Konstruktion von Indikatoren (d.h. Test-Items) zu Skalen 3) Erproben der Skalen an einer größeren Stichprobe (Stabilität und interne Konsistenz prüfen) 4) Validierung der Skalen an einem Kriterium --> z.B. Items der politischen Einstellung und tatsächliches Wahlverhalten 
  • Externe Konstruktion - Notwendigkeit: Voraussetzungsfrei - Arbeitsschritte: 1) große Auswahl an Items, die etwas mit dem interessierenden Konstrukt zu tun haben (z.B. alles was mit Psychologie zu tun hat) 2) Blind-analytische Konstruktion der Skalen nach Korrelationen/Faktorenanalyse - Ziel: Einfachstruktur und Homogenität der Skalen - Vorsicht! Interpretation der sich ergebenden Faktoren ("going beyond the information given") - hier werden die Items interpretiert --> gehen gerne zum FC, mögen Basketball, lesen die Sportbild? --> vielleicht Fakro "Interesse an Sport" - über Faktoren hinausgehen und induktiv ein Konstrukt ableiten
  • Weitere Ansätze Prototypen Ansatz • Angelehnt an Roschs Prototypenansatz zu kognitiven Kategorien • mentale Kategorien sind nach Kategorien organisiert: Rotkehlchen prototypischer Vogel, Pinguin nicht • Was wäre ein Prototyp und wie ähnlich ist wie eine Person dem Prototyp? z.B. geschlecht und Gender Handlungs-Häufigkeits-Ansatz (AFA = act frequency approach) • Behavioristisch • Wie verhalten sich Leute? • Viel Sport, wenig Sport, rauchen, nicht-rauchen --> klar beobachtbares Verhalten - Fazit: Verfahren ergänzen sich und sind fast nie in Reinform anzutreffen; deduktive Konstruktion am ökonomischsten
  • Telling more than we can know - politische Einstellung - Konsumentenpsychologie --> Wissen sie überhaupt, dass es verschiedene Marken gibt? - Consulting --> kennen sie überhaupt alle Kollegen? - Problematisch in welcher Hinsicht? Warum hier keine Fragebögen? --> Personen wollen/können nicht die Wahrheit sagen - "Ich wähle die NPD; ich weiß nicht warum ich Milka lieber mag; Ich will nicht schlecht über meinen Vorgesetzten reden" - Für die Validität von Verfahren extrem schlecht - Nicht wohlen: Fehlergebnisse - Nicht können: Rauschen
  • Telling more than we can know These 1 - allgemein akzeptierter Befund: wir können nur sehr schlecht über unsere niederen mentalen Prozesse Auskunft geben - Wie funktioniert unser Sehvermögen/Gedächtnis? - Menschen auf der Straße können das nicht so erklären, wissen DASS es funktioniert, aber nicht WIE
  • Telling more than we can know These 2 - Menschen glauben, dass sie sehr gut über die Gründe für Entscheidungen und Verhalten Auskunft geben könenn: "Warum kaufen wir Produkt X und nicht Produkt Y? Warum können wir nicht einschlafen? Warum mögen wir den 1. FC Köln aber nicht den FC Bayern? - wenn man das fragt bekommt man normalerweise gute Antworten - laut Artikel relativ wenig damit zu tun, was die "wahren" Gründe für das Verhalten sind
  • Advertisement
  • Telling more than we can know Hypothesen des Artikels 1. Menschen können auch für bewusste Entscheidungen/Verhalten keine Gründe angeben 2. Menschen habne keine Einsicht in die zugrunde liegende Prozesse, sondern verlassen sich dann auf kulturell kausale Theorien 3. Menschen sind dann korrekt, wenn diese Theorien zutreffen (Zufall!) - konnte letzte Nacht nicht gut einschlafen --> Stress, zu laut, zu viel gegessen --> kulturell tradierte Theorien darüber, warum Menschen nicht einschlafen können - Problem: in den meisten Fällen treffen sie nicht zu 
  • Telling more than we can know Beispiel Dissonanztheorie - Stimuli (Instructions etc.) --> Personen müssen Schrauben drehen, entweder 1 oder 20 Dollar, nächste Person anlügen und sagen wie toll das war, danach gefragt wie gut sie das wirklich fanden --> wenn nur 1 Dollar = Einstellung ändert sich stärker, wenn 20 Dollar = verschwendete Lebenszeit - kognitiver Prozess --> Dissonanz: ich lüge und das nur für einen Dollar, deshalb muss Dissonanz reduziert werden also sagt man naja war nicht so schlim - evaluative und motivationale konsequenzen --> Verhaltensänderung - Lungenkongress und alle rauchen --> naja gar nicht so schlimm; Idealfall: Verhaltensänderung; Ich forsche zu Lungenkrebs und rauche selbst --> muss mein Rauchverhalten ändern wegen Dissonanz - der kognitive Prozess wird als bewusst konzipiert - jedoch gerade die Unbewusstheit des Prozesses eine Vorausestzung für erfolgreiche Effekte (z.B. Reaktanz: Wenn ich weiß, dass ich beeinflusst werden, wehre ich mich dagegen) - im Allgemeinen: keine Korrelaiton zwischen Verhalten und verbalen Äußerungen
  • Prominentes Beispiel zu Dissonanz - Lehrbuch Freud - Frau hypnotisiert - Hypnotiseur: wenn sie gleich wieder aufwachen gehen sie in die Ecke nehmen sie den Regenschirm und öffnen sie den; untypisches Verhalten weil = bringt Unglück -  ihre Begründung warum sie das gemacht hat: weiß nicht genau warum, aber wollte gucken ob der noch funktioniert - für alle drum herum: Ursache des Verhaltens --> posthypnotische Suggestion - wenn Verhalten gezeigt wird wird Begründung dafür gegeben, die nichts mit der Ursache zu tun hat --> war ja hypnotisiert
  • Weitere Beispiele Subliminale Wahrnehmung --> Essen und Trinkverhalten kann nicht ausgelöst, aber gesteigert werden Problemlöseaufgaben ("think aloud" - Protokolle) - Pendelproblem; 2 Pendel an der Decke, Leute kriegen einen Hammer; beide Pendel zusammenknoten, wenn man n Hamer hat ist jedes Problem ein Nagel (???), Lösung: Hammer als Gewicht nehmen und an andere Schnur binden, Pendel in Bewegung setzen und dann zusammenknoten 2. Versuchsteil: Leute sitzen im Raum mit Pendeluhr oder nicht, Lösungsrate schnellt 40% hoch --> keiner berichtet dass er die Pendeluhr gesehen hat --> klarer Einfluss eines stimulus in der Umwelt auf das Verhalten - Altruistisches Verhalten: egoistische Gene die sich fortpflanzen wollen (?) - Bem (1967) - self perception theorie  • Leute nehmen nur sich selbst wahr und veruschen ihr eigenes Verhalten zu erklärne • Vorläufer zu Telling more than we can know
  • Was berichten Menschen dann? - a priori kausale Theorien (s. Präferenzstudien von Wilson und Kollegen; Himbeermarmelade und Poster) - Proband im Labor, 4 Marmeladen probieren, dann entscheiden welche davon mit nach Hause nehmen; später: wieviel haben sie gegessen? 1. Bedingung: spontan ohne nachdenken die Marmelade die am besten schmeckt 2. Bedingung: beschreibe eine gute Marmelade und begründe und wähle dann - a priori kausale Theorien: Konsitenz, sollte fruchtig sein, nicht zu süß - die Marmelade ausgewählt, die nach der Theorie die beste Marmelade ist - Woche später: in Bedingung mit Gründen wurde deutlich weniger gegessen auf grund vom ersten Stichpunkt: Beoabchter und Teilnehmer sollten daher gleich gut über die Vorgänge berichten können (beide Gruppen wenden die gleichen Theorien an)