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Paradigmenlehre (Subject) / Vorlesung 2 (Lesson)
20.10.2018
This lesson was created by Amalaswinthaa.
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- Was ist Wissenschaftstheorie? - beschäftigt sich mit den Methoden, Voraussetzungen, Zielen und Ergebnissen der einzelnen Substanzwissenschaften - Zwei Verständnismöglichkeiten: 1) Deskriptiv: wie wird Wissenschaft betrieben? 2) Normativ: WIe sollte man Wissenschaft betreiben?
- Wertproblematik Kann man Wissenschaft "wertfrei" betreiben? - Involviertheit bei Psychologen bei Folter in Guantanamo - Embryonen-Patent-Debatte Beispiel: Der Wert menschlichen Lebens - 5 Euro investieren um 20 Euro zu erhalten - Einen Menschen töten um 4 zu retten --> logische Equivalenz, aber doch nicht gleich Medizin --> Wert des Menschlichen Lebens ist endlich (Beispiel weiße Mäuse töten um Krebs zu heilen)
- Allgemeines und Besonderes Nomothetisch vs. ideographisch Allgemeine Gesetze: - F = m x g - "Erdbeschleunigung beträgt im Mittel 9,81m/s --> nomothetischer Ansatz --> Gesetz Individuelle Tatbestände: - das römische Zahlensystem hatte kein Zeichen für die 0 --> idiographischer Ansatz --> kein allgemeines Gesetz, keine Vorhersage für irgendwas möglich
- Neurowissenschaftliche vs. geisteswissenschaftliche Psychologie Naturwissenschaftliche Psychologie: - Gesetzesmäßigkeiten, die im Mittel für alles gelten - empirische Forschung wie in Köln hier im Fokus - Erklärend, Generalisierend, Nomothetisch Geisteswissenschaftliche Psychologie: - verstehend, individualisierend-beschreibend, idiographisch --> ohne idiographischen Ansatz mit in Therapie einzubeziehen = kein Erfolg, aber trotzdem anderer Ansatz auch wichtig
- Aufgaben der Psychologie Beschreiben: möglichst umfassende und unvoreingenommene Beschreibung menschlicher Verhaltens-und Erlebensweisen Erklären: welche Bedingungen werden für bestimmte Verhaltensweisen oder Verhaltensänderungen verantwortlich gemacht? Vorhersagen: Kenntnis von Verhaltensbedingungen erlaubt Verhaltensprognosen Verändern: psychologische Problemlösungsversuche, verhaltensändernde WIrkung von Wissenschaft --> Wir wir das machen bis zu gewissem Grad freigestellt --> Beispiel Verlusterfahrungen bei Kindern bis 8 Jahren --> naturwissenschaftlich aber auch idiographisch
- Wie soll Wissenschaft betrieben werden? Problem der Erkenntnis: Gibt es einen abschließenden Stand bzw. gesichertes Wissen? - Unbezweifelter Wahrheitscharakter - Erkenntnisebene von zwingender Gewissheit In der Psychologie: Brunswik - kein direkter Zugang zur Umwelt --> keine Umwelt, die wir als "wahr" verstehen können - distale Eigenschaften müssen aus proximalen Hinweisreizen (Sinneseindrücken) erschlossen werden Angewendet auf Wissen: - lässt sich eine Realität, auf die sich unser Wissen bezieht überhaupt annehmen? - Realität nur eine geteilte Fiktion, die über unsere Sinne vermittelt wird
- Erkenntnistheoretische Positionen Naiver Realismus - kaum wirklich vertreten (z.B. William James) - Wirklichkeit existiert unabhängig von uns, ist durch Wahrnehmung bzw. Denken erfahrbar - Konsequenz: Psychologische Theorie als Versuch der Wirklichkeitsabbilung
- Erkenntnistheoretische Positionen Rationalismus - vor allem: René Descartes - Form und Inhalt allen Wissens liegt primär in Verstand und Vernunft begründet - Konsequenz: Psychologische Theorie ist keine Sammlung voraussetzungsfreier Erfahrungen; Primat der Theorie über die Erfahrung --> es gibt keine Erfahrung ohne den Verstand, die Theorie determiniert was wir wahrnehmen/sehen - Daten und Erleben vorhanden, werden aber durch das Primat des Verstandes gefiltert
- Erkenntnistheoretische Positionen Empirismus - steht Rationalismus gegenüber - vor allem: John Locke; David Hume - Sinneserfahrung ist die alleinige oder zumindest wichtigste Erkenntnisquelle - Konsequenz: Psychologische Theorie stellt die Zusammenfassung der in psychologischen Beobachtungen und Experimenten gesammelten, möglichst zuverlässigen Erfahrungen dar --> wird nicht von oben herab durch die Theorie bestimmt - würde immer datengetrieben vorgehen, welche Phänomene gibt es und welche Theorie könnte diese beschreiben?
- Erkenntnistheoretische Positionen Idealismus - vor allem: George Berkeley, Immanuel Kant - nur geistige Wirklichkeit ist gegeben - Erkennbarkeit einer "äußeren" Wirklichkeit wird geleugnet, deren Existenz von extremen Vertretern sogar bestritten! - Konsequenz: Pyschologische Theorie beschreibt nichts tatsächlich Existierendes; der Wert einer Theorie bestimmt sich ausschließlich von ihrem instrumentellen Nutzen --> keine Frage ob eine Theorie richtig oder falsch ist, sondern ob die Theorie positive oder negative Konsequenzen hat --> Beispiel genetische Marker für Hirnaneurisma: wenn man es weiß = mehr Stress = höhere Wahrscheinlichkeit für Aneurisma --> GUT oder SCHLECHT zu wissen ob man eins kriegen kann?!
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- Problem der Erklärung in der Psychologie Einfach Rückführung eines neuen Sachverhaltes auf existierende Sachverhalte Beispiel: - Negative Info wird besser erinnert - Negative Info ist diagnostischer - Diagnostische Info wird besser erinnert - DESHALB wird negative Info besser erinnert
- Problem der Erklärung in der Psychologie Komplex Einführung eines neuen Konstrukts Beispiel: - negative Info wird besser erinnert - Erklärung: fundamentale Valenz-Asymmetrie in der Kognition - DESHALB wird negative Info besser erinnert Komplex, weil Nominal-Konstrukte keine Erklärung sind --> Beispiel Krankheit: Benennung enthält keine Therapie etc. Falsche Konstrukte in der Psychologie --> Benennung als Erklärung
- Begriffsbestimmungen (nicht exakt) -Gesetz: Aussageformen, die etwas über Zusammenhänge aussagen (je...desto, wenn...dann) --> klassische Erklärungsform in der Psychologie - Theorie: "Eine Menge von Gesetzen, aus denen mind. ein anderes Gesetz abgeleitet wurde" --> DEDUKTIV - Hypothese: Annahmen über noch in Frage stehende Sachverhalte, meist aus Theorie abgeleitet, im Unterschied zur These = vorgeordnete Behauptung und Axiom = denknotwendige Setzung - Axiom lässt sich nicht beweisen
- Kriterien für Theorien - Erklärungswert - Kogische Konsistenz bzw. Widerspruchsfreiheit - Präzision - Prüfbarkeit
- Deduktion - in reiner Form nur in Mathematik und Philosophie möglich - mit Axiomen anfangen und darauf aufbauen - aufgrund von als wahr angenommenen Gegebenheiten (Axiomen) werden andere Aussagen abgeleitet - Modus tollens (einfaches Beispiel): Axiom: A --> B, Sachverhalt A; logisch richtige Folge: B - Watson Task: Axiom = wenn Vokal dann gerade Zahl - Karten: A B 1 2 - A überprüfen! A --> B ist nicht das gleiche wie B --> A
- Logischer Empirismus Vertreter: Angus Comte, John Stuart Mill, Ernst Mach Reines Induktionsprinzip - Wissen entsteht durch empirische Erfahrung - Erfahrungen sollten in Protokollsätzen festgehalten werden - "Person N.N. hat zum Zeitpunkt T am Ort X das und das wahrgenommen" - Prokollsätze müssen empirisch überprüfbar sein --> Aufgrund von Einzelphänomenen wird auf allgemeine Gesetzesmäßigkeiten geschlossen
- Problem des logischen Empirismus Problem 1: unangemessene Verallgemeinerung --> vom Spezifischen wird auf das Allgemeine geschlossen Problem 2: Reflexive Anwendung --> alle Aussagen müssen spezifisch überprüfbar sein
- Kritischer Rationalismus (Popper, 1938) - empirische Prüfbarkeit von Protokollsätzen wird durch das Falsifikationsprinzip ersetzt - Induktionsprinzip als "Märchen" entstanden aus dem Bedürfnis nach Regelmäßigkeit --> Annahme, die Zukunft würde der Vergangenheit ähneln ist logisch nicht gerechtfertigt - Theorien lassen sich nicht bestätigen, es kann nur ihre Falsifikation scheitern -"Gute Theorien" = viele Möglichekiten zur Falsifikation, gelingt aber nicht - Ansatz: aus allgemeinen Aussagen (Theorien, Hypothesen) werden speziellere Sätze deduktiv-logisch abgeleitet bis man zu Sätzen gelangt, die mit Beobachtung über die Realität in falsifikatorischer Absicht verglcihen werden können - Zustandekommen von Theorien wird nicht behandelt
- Von weißen Schwänen Hypothese: alle Schwäne sind weiß - Logischer Empirismus: Suche nach weißen Schwänen, um diese Hypothese zu belegen - Kritischer Rationalismus: Suche nach schwarzen Schwänen, um diese Hypothese zu widerlegen - kein schwarzer Schwan = Theorie nicht verifiziert sondern hat sich bewährt - Schwarzer Schwan = Theorie ist belastet --> ein einzelnes Ereignis widerlegt noch keine Theorie --> Bewährungskriterium ist nur komparativ zu sehen, da sich die Sätze widerlegen lassen sollten