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Politikfeld (Subject) / Bamberg SS16 (Lesson)
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- Was sind „Policy-Venues“? Was versteht man unter „Venue Shopping“? „Policy venues are the institutional locations where authoritative decisions are made concerning a given issue“ (Baumgartner/Jones 1993: 32) In welchem Policy-Venue entschieden wird, ist dabei keineswegs immer von vornherein klar Es ist möglich, dass verschiedene Policy-Venues unterschiedlichen Policy-Images unterschiedlich aufgeschlossen gegenüber stehen Akteure versuchen daher, dasjenige Policy-Venue zu aktivieren, dass dem eigenen Policy-Image am nächsten steht („Venue Shopping“)
- Wie lassen sich im Punctuated-Equilibrium-Ansatz die potenziell langen Phasen politischer Stabilität erklären? Grundsätzlich: Eingespielte Routinen innerhalb des PolicySubsystems Negatives Feedback: Nach exogenen Impulsen kehrt das System quasi automatisch ins Gleichgewicht zurück Ein unumstrittenes Policy-Image begrenzt die Zahl der Konfliktdimensionen stark (Policy-Monopol) Wenn sich ein bestimmtes Policy-Image durchgesetzt hat, verlieren Outsider das Interesse an der Policy Das relevante Policy-Venue ermöglicht es, Außenseiter aus dem Subsystem herauszuhalten
- Was führt dem Ansatz zufolge zu gravierendem Wandel? Welche Rolle spielen dabei das Policy-Image, das Policy-Venue und die Interaktion zwischen beiden? Die Neudefinition eines Problems kann dazu führen, dass sich Gruppen, die vorher dieser Policy gegenüber indifferent waren, nun engagieren Mobilisierung Wenn dies geschieht, gibt es mehr als eine Konfliktlinie, sodass das alte Gleichgewicht in Frage gestellt ist Zugleich werden die neuen Teilnehmer versuchen, die Policy auf die politische Agenda, also die Ebene der Makropolitik zu heben Auf der Ebene der Makropolitik kann eine Entscheidung gegen die Teilnehmer des bisherigen Policy-Subsystems fallen, d.h. es kommt zu massivem Wandel Gleichzeitig können neue Regeln zur Bearbeitung eines Problems im betreffenden Subsystem aufgestellt werden Dadurch kommt es zur Stabilisierung des neuen Status quo und zu einer potenziell langen Stabilitätsphase Auch ohne eine Massenmobilisierung kann ein Policy-Unternehmer einen Wechsel des Policy Venues vorantreiben Soweit das neue Policy-Venue dem bislang dominierenden PolicyImage skeptisch begegnet, kann es zu größerem Wandel kommen Soweit das neue Policy-Venue stabil bleibt, kommt es auch zu einem neuen Gleichgewicht
- Welche Kritik bzw. welches Lob lässt sich am Punctuated-Equilibrium-Ansatz formulieren? Stimmen Sie der Kritik/dem Lob zu? Negativ: Es fehlt eine kohärente Darstellung der Theorie, (obwohl die Elemente eigentlich alle vorhanden sind) Zu starke Konzentration auf das amerikanische politische System: Insbesondere die Vielzahl an Policy-Venues im Kongress gibt es nicht in gleicher Weise in den europäischen Systemen Überbetonung des Ideen-Anteils bei politischen Prozessen, Machtfaktor ist unterbelichtet Akteure werden kaum ausdifferenziert Eigenständige Rolle der Makropolitik fehlt Positiv: Interessante Beobachtung über die typische Form von Stabilität und Wandel Empirisch umfassend getestet und bestätigt! Versuch einer integrierten Erklärung von Stabilität und Wandel Integration von ideen- und institutionenbasierten Erklärungen
- Was ist die Kernidee des Multiple-Streams-Ansatzes? Wieso werden Themen von politischen Entscheidern aufgegriffen? Wie gelangen politische Themen auf die offizielle politische Agenda? Wie entstehen alternative Handlungsoptionen, aus denen politische Entscheider auswählen? Wieso kommt die Zeit einer Idee, wenn sie kommt? Drei „Ströme“ fließen durch das politische System: (1) Probleme, (2) Optionen(Policies) und (3) politische Prozesse (Politics) Die drei Ströme sind unabhängig voneinander und weisen eigene Muster und Dynamiken auf Signifikante Politikänderungen kommen zustande, wenn ein Policyfenster („policy window“) entsteht, das ein politischer Unternehmer („policy entrepreneur“) ausnutzt,um die drei Ströme zu verkoppeln
- Nennen Sie die Grundannahmen des Multiple-Streams-Ansatzes. Diskutieren Sie, inwieweit diese Annahmen angemessen sind. Kontingenz, Ambiguität und Zeitdruck als Grundbedingungen unter denen Politik stattfindet Endogene und zunächst unklare Präferenzen:o Ziele der Akteure werden erst im politischen Prozess entdeckt, entwickelt, verändert und geformt Unklare Technologie: o Akteure haben keine klaren Vorstellungen darüber, wie sie ihre Ziele erreichen können. Wegen Kontingenz agieren sie pragmatisch und nach dem trial-and-error-Prinzip Wegen Zeitdruck müssen sie Entscheidungen treffen Wechselnde Mitglieder: Teilnehmer in einem Politikfeld kommen und gehen und investieren unterschiedlich viel Zeit und Ressourcen Akteure verfolgen Projekte und suchen Probleme, für die diese Projekte Lösungen darstellen können
- Wie wird ein Zustand ein Problem? Wann wird ein Problem relevant Zustände werden zu Problemen, wenn Akteure glauben, den Zustand ändern zu sollen o AbweichungeinesZustandesvonnormativenVorstellungeno Schlechtes Abschneiden im Vergleich mit anderen Länderno VeränderungderKontextualisierung Veränderung relevanter Indikatoren (Haushalt, Output- oder Outcomeindikatoren, routinemäßig oder gesondert erhoben) Focusing Events lenken die Aufmerksamkeit auf mögliche Probleme, reichen aber meistens nicht aus, um eine Problemdefinition durchzusetzeno Katastropheno Symbole für Veränderungen (z.B. Tschernobyl)o SchwerwiegendeKrisen(z.B.Finanzkrise) Feedback (Zielerreichung, Kosten, unerwartete Nebenfolgen)
- Was versteht Kingdon unter der „Policy-Ursuppe“? Policy-Strom Policyideen werden in Policy Communities bzw. Netzwerken entwickelt Policy Communities bestehen aus Politikfeld-Spezialisten, die miteinander interagieren, Ideen austauschen, diskutieren und kritisieren Inhaltlich motiviert (Logik des Argumentierens) In den Policy Communities werden viele Ideen entwickelt, vorgestellt, kritisiert, überarbeitet – weitgehend unabhängig von politischen Ereignissen
- Wer sind die Mitglieder der Policy-Community? Politikfeld- Spezialisten, die miteinander interagieren, Ideen austauschen, diskutieren und kritisieren Policyunternehmer als Teil von Policy Communities und engagieren sich für eine spezifische Idee. Sie versuchen, für diese Akzeptanz in der Policy-Community zu erreichen (z.B. Peter Hartz, Bert Rürup)
- Warum verschwinden manche Ideen, während sich andere in der „Ursuppe“ durchsetzen? Aus der Vielzahl von Ideen überleben wahrscheinlich solche, die folgenden Kriterien genügen: o TechnischeMachbarkeito Normative Akzeptanzo Budgetbeschränkungo Durchsetzbarkeit Wenn nur noch wenige Ideen übrig sind, entsteht innerhalb der Policy-Community eine gemeinsame Problemwahrnehmung und Übereinstimmung hinsichtlich möglicher Lösungen Wenn ein Policyfenster aufgeht, gibt es eine (oder mehrere) ausgearbeitete Option(en), die schnell durchgesetzt werden kann/können
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- Welche Elemente bestimmen den Politics-Strom („political stream“)? Grundsätzlich: Austarieren von Interessenkonflikten (Logik des Verhandelns, des T ausches) o Akteure handeln nicht aus Überzeugung, sondern aus Interesse Faktoren, die Politics beeinflussen o ÖffentlicheMeinung,o Zeitgeist(„nationalmood“)o Interessengruppeno Personalwechsel, Änderung der parteipolitischen Zusammensetzung des Parlaments oder der Regierung Zeitgeist und parteipolitische Zusammensetzung gemeinsam können Widerstand von Interessengruppen überwindeno Werden allerdings versuchen, Ausgestaltung zu beeinflussen
- Wie erfolgt die Entscheidungsfindung im Policy-Strom, wie im Politics-Strom? Policy-Strom: Keine Entscheidung in diesem Sinne, aber: überlegene Ideen nach technischer Machbarkeit, normativer Akzeptanz, Budgetbeschränkung, Durchsetzbarkeit Gemeinsame Problemwahrnehmung und Übereinstimmung gemeinsamer Lösungen Vorhandene Option(en), wenn policy-window Politics-Strom: Austarieren von Interessenskonflikten durch Tausch, Verhandlung Durch policy-window Möglichkeit der Kopplung der Ströme Rolle des Policyunternehmer
- Was ist ein Policy-Fenster? Wie entsteht es? Warum schließt es sich wieder? Policyfenster sind Gelegenheiten, bestimmte Projekte auf die Agenda zu bringen oder gar durchzusetzen Ein Fenster öffnet sich entweder aufgrund einer Veränderung im Politics-Strom oder im Problemstrom Hier kommen die drei unabhängigen Ströme zusammen oder können gekoppelt werdeno Das Fenster schließt sich meist nach kurzem wieder,o ...weildasProblemangegangenwurdeo ...weilderReformversuchgescheitertisto ... weil die Bedingungen, durch die das Fenster sich öffnete, wieder verschwindeno ... weil es keine ausgearbeitete Option gibt
- Was ist unter dem Verkoppeln der Ströme zu verstehen? Konsequentialistische Verkopplung:o Wenn ein Policyfenster durch das Auftreten eines Problems geöffnet wird, kann eine ausgearbeitete Option, die als Lösung gelten kann und als politisch durchsetzbar gilt, angeboten werdeno Problem->Option->Lösung Ideologische bzw. doktrinäre Verkopplung:o Wenn sich ein Policyfenster durch eine Veränderung im politics-Strom (z.B. parteipolitische Zusammensetzung der Regierung ändert sich) öffnet, wird eine Option ausgewählt, die zu den Vorstellungen der Regierung passt, und es wird ein Problem gesucht, das mit dieser Option gelöst werden kann o Politics->Option->Problem
- Was ist ein Policy-Unternehmer? Was tut er? Inwieweit ein Policy-Fenster genutzt werden kann, hängt vor allem von menschlichem Geschick ab Policyunternehmer Definition: Verfechter einer Option, der bereit ist, Ressourcen (Zeit, Energie, Reputation, Geld) zu investieren, um eine bestimmte Option durchzusetzen Kann aus unterschiedlichen Bereichen kommen Arbeitet seine Option bis zur Entscheidungsreife aus Wenn sich ein Policyfenster öffnet, versucht er, die Ströme miteinander zu verkoppeln, seine Problemdefinition durchzusetzen, Mehrheiten zusammenzubringeN Vier Strategien des Policyunternehmerso Framingo Salami Tacticso Symbolisierungo AffectPriming
- Diskutieren Sie die These, dass nach dem Multiple-Streams-Ansatz Policies im Wesentlichen zufällig zustande kommen. In drei Bereichen gibt es Strukturen, die zu Mustern führen und Zufälligkeiten begrenzen: Regelmäßigkeiten in den 3 Strömen! o Probleme müssen durch Indikatoren, focusing events oder Feedback hervortreten o Die Auswahlkriterien im Policy-Strom erlauben Unterscheidungen o Bestimmte politische Konstellationen sind wahrscheinlicher als andere Nicht jede Option kann als Lösung für jedes Problem verwendet werden Restriktionen durch öffentliche Meinung, Budget und Seltenheit offener Policyfenster
- 25. Beantworten Sie Kingdons drei Kernfragen auf der Basis des Multiple-Streams Ansatzes. Wieso werden Themen von politischen Entscheidern aufgegriffen? Wie gelangen politische Themen auf die offizielle politische Agenda? o ProblemwahrnehmungimProblem-Strom:Indikatoren,FocusingEvents, Feedback; Änderung im Politics-Strom (z.B. Regierungswechsel) Wie entstehen alternative Handlungsoptionen, aus denen politische Entscheider auswählen? o Entstehung innerhalb des Policy-Stroms, wo entscheidungsreife Alternativen entstehen Wieso kommt die Zeit einer Idee, wenn sie kommt?o Ein Policy-Window öffnet sich (im Problem- oder Politics-Strom), eine entscheidungsreife Option existiert und ein Policy-Unternehmer verkoppelt die drei Ströme
- Warum ist es nach Zahariadis nötig, den Multiple Streams-Ansatz an parlamentarische Systeme anzupassen? Welche Anpassungen nimmt er vor? Parlamentarische Systeme sind weniger „anarchisch“ und dezentralo o oMinisterialbürokratie mit BerufsbeamtenRegierungsoberhäupter meist auch ParteiführerRegierungspartei oder -koalition verfügt über Mehrheit in der Legislative und es herrscht Parteidisziplin Veränderung im Politics-Stroms: Die drei Faktoren öffentliche Meinung, organisierte Interessen und Änderung von Regierung und Verwaltung wird ersetzt durch eineeinzige Variable, nämlich „Ideologie der Regierungspartei“
- 27. Erklären Sie aus der Perspektive des Multiple-Streams-Ansatzes die Entstehung der (a) Hartz-Reformen und (b) der Energiewende der Regierung Merkel. a) Hartz-Reformen Verfestigte Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Rezession (Indikatoren im Problemstrom), Scheitern des Bündnisses für Arbeit (negatives feedback) Policy-Optionen in diversen Policy-Communities (Bertelsmann-Forum, Hartz- Kommission) (Policy-Strom) Politics-Strom: Schwache IGs (bes. Gewerkschaften), Entmachtung durch „Regieren mit Kommissionen“, Dritte-Weg-Sozialdemokratie Vermittlungsskandal der Bundesanstalt für Arbeit (jetzt Bundesagentur) als policy- window im Problemstrom Policy-Unternehmer Peter Hartz und Kanzler Schröder
- Was ist die Grundidee der Diffusions- und Transferforschung? Globalisierung nicht nur Handlungsbeschränkung für den Staat, kann auch Handlungsmöglichkeiten eröffnen: Übernahme von Policies über nationalstaatliche Grenzen hinweg Grundidee: Nationalstaatliche Politiken lassen sich durch Politiken in anderen Ländern oder auf supranationaler Ebene erklären- (Weiterer) Internationaler Faktor neben vorwiegend nationalen Faktoren (Parteien, Interessengruppen, Institutionen etc.), die bisher zur Erklärung von Policies behandelt- Globalisierung als Interaktion zwischen Staaten, nicht als exogen gegebener Problemdruck Transfer: - Prozess, in dem Wissen über Policies in einem politischen System genutzt wird bei der Ausarbeitung von Policies in einem anderen politischen System (Dolowitz/Marsh 2000)- (Intentionales Element)- Mikroperspektive: In Fallstudien wird Übertragung eines Programms in anderes Land nachgezeichnet (bilateral) Diffusion: - „Process by which an innovation is communicated through certain channels over time“ (Rogers 2003: 5).- (Nicht bzw. weniger intentional)- Makroebene: Übernahmesequenzen in einer größeren Zahl von Ländern (multilateral) -> Muster: S-Kurve Jeweils enges (nur freiwillig) und breites (Zwang auch enthalten) Verständnis Notwendig: Interdependenz Transfer und Diffusion sind ein Prozess- Analytisch zu trennen vom Ergebnis
- Warum sollten Policy-Diffusion und Policy-Transfer im Zeitverlauf an Bedeutung zu-nehmen? Umso länger der Prozess dauert umso ähnlicher werden die Policies zueinander. Umso bedeutsamer wird der Prozess der Diffusion und des Transfers wiederum, da er die Policies immer stärker aneinander angleicht. Es handelt sich hierbei um einen sich selbst verstärkenden Prozess.
- Woher können Policies transferiert werden? Mögliche „Vorbilder“- (Eigene Geschichte) - (Subnationale Einheiten)- Andere Staaten- Internationale Organisationen
- Was unterscheidet Policy-Diffusion und Policy-Transfer? Wo liegen Gemeinsamkeiten? Unterschiede:- Nicht-Intentional vs. Intentional,- Mikro- vs. Makroebene,- Multilateral vs. Bilateral Gemeinsamkeiten:o transnationale Übernahme von Policies und Institutionen,o Prozess,o Mechanismen.
- Was kann Gegenstand von Policy-Transfer/Policy-Diffusion sein? Was? Objekte des Transfers - Policies (Ziele, Inhalte, Instrumente)- Institutionen und Verwaltungsstrukturen- Begründungen (für Policies)
- Wie funktioniert der Diffusionsmechanismus Lernen? Wie der der Emulation? Was un-terscheidet die beiden letztgenannten Mechanismen grundsätzlich vom Mechanismus des Zwangs? Das Gegenteil: Unabhängiges Problemlösen Lernen: Aneignung neuer Informationen - Einfaches Lernen: über Mittel; komplexes Lernen: auch Ziele- Rationale Variante (Bayesianisches Lernen) und beschränkt rationale bzw. soziologische Variante- Mögliche Transferakteure: Policy Networks, Advocacy Koalitionen, Epistemic Communities (theoretische Ansätze) Zwang: Mächtige Staaten oder Internationale Organisationen geben negative (oder positive) Anreize- Zentralisiert, vertikal- Einschätzung der „alten“ policies bleibt unverändert (kein Lernen)- Veränderung der Rahmenbedingungen führt zu Neubewertung der Kosten und Nutzen dieser policies Emulation: (unhinterfragte) Nachahmung - Soziale Konstruktion legitimer Ziele und angemessener Mittel- Gemeinsame/geteilte Normen (durch Sozialisation), die nicht permanent hinterfragt werden -> aber langfristig wandelbar- “Taken-for grantedness”/natürliche Lösung, z.B. „world polity approach“: globaler Konsens, was Staat definiert- Symbolische Imitation: Policies werden übernommen, aber nicht umgesetzt (z.B. Menschenrechte) Unterschiede Lernen und Emulation zum Zwang:- Bei Lernen und Emulation handelt sich sich im freiwillige Mechanismen, bei denen kein Druck von außen Anreiz gibt. Dies führt zu einer Reflexion und Auseinandersetzung mit eigener Policy und im besten Fall zu einem globalen Konsens über Einschätzung von Policies.
- Wie funktioniert der Mechanismus Wettbewerb? Handelt es sich um eine freiwillige Form des Transfers? Diskutieren Sie! Wettbewerb: Konkurrenz mit anderen Staaten - Dezentral und horizontal: wechselseitige Anpassung an die Handlungen anderer Akteure- Wettbewerb um Konsum, Produktionsfaktoren (insb. Kapital)- Instrumente: Regulierungen, Steuern, gute öffentliche Infrastruktur etc. Wettbewerb ist zwar nicht so unfreiwillig wie der Mechanismus des Zwangs, aber ganz freiwillig geschieht er nicht, da er das Ergebnis des Anpassungsdrucks, aufgrund des Kampfes um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, der Staaten zu einander ist (z.B. race to the bottom bei Sozialausgaben).
- Inwiefern tragen gemeinsame Normen zu Policy-Diffusion bei und wie kommen sie zustande? Gemeinsame Normen enstehen durch die Sozialisation. Sie werden nicht permanent hinterfragt und sind langfristig wandelbar. Durch gemeinsame Normen als Ausgangspunkt werden Policies (unbewusst) nachgeahmt und legitim erscheinende Ziele und Mittel in andere System übernommen.
- Was ist der Kerngedanke hinter den Mechanismen „Taken-for- Grantedness“ und symbolische Imitation? Taken-for-Grantedness:Es herrscht ein globales Konsens über die Richtigkeit der Policy, sie erscheint als die natürliche Lösung. Symbolische Imitation:Policies werden zwar symbolisch übernommen aber tatsächlich nicht umgesetzt. Kerngedanke beider ist die Emulation, d.h. Die Nachahmung von Policies in anderen Staaten.
- Wie lassen sich die unterschiedlichen Diffusionsmechanismen beobachten? Welche Operationalisierungen sind vorgeschlagen worden? Lassen sich die Mechanismen immer sauber trennen? Wie lassen sich unterschiedliche Diffusionsmechanismen beobachten? - Ausbreitung des Neoliberalismus. Wodurch?- Eine Alternativerklärung für Wettbewerb könnte eine Operationalisierung über- Handelspartnerschaften ermöglichen. Sie bezieht sich auf die Interdependenz, die aus dem Handelsfluss zwischen Einheiten resultiert- Weitere Beispiele: PISA (OECD Bildungsstudie), Hartz IV Welche Operationalisierungen sind Vorgeschlagen?- Nachbarschaft, Kontakt, Erfolg, Ähnlichkeit, Kritische Masse, Handel - Lassen sich die Mechanismen immer sauber trennen? NEIN- Am deutlichsten wird, dass Erfolg mit Lernen, Kontakt durch gemeinsame Mitgliedschaften in Internationalen Organisationen mit Nachahmen und strukturelle Ähnlichkeit mit Wettbewerb in Verbindung steht.
- Was versteht man unter Konvergenz? Was unter Divergenz und Persistenz? Konvergenz:„Tendency of policies to grow more alike, [e.g.] in the form of increasing similarity in structures, processes, and performances“ (Drezner 2001: 53) - Konvergenz kann das Ergebnis von Transfer oder Diffusion sein, muss es aber nicht – unabhängiges Problemlösen kann zum gleichen Ergebnis führen- Nicht jeder Transferprozess wird zu Konvergenz bei allen drei Aspekten (Strukturen, Prozesse und Performanz) führen Divergenz: Tendenz von Policies, unähnlicher zu werden Persistenz: status quo bleibt erhalten
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- Was versteht man unter „bedingter“ oder „konditionaler Konvergenz“? Konditionale (bedingte) Konvergenz: Konvergenz kommt nur zustande, wenn bestimmte Rahmenbedingungen konstant gehalten werden Absolute Konvergenz: Konvergenz besteht unabhängig von möglicher Weise divergierenden Rahmenbedingungen
- Wie bewerten Sie Diffusions- und Transferansätze? Wie schätzen Sie ihren theoretischen Gehalt ein? Inwieweit sind sie empirisch relevant? Theoretisch und empirisch bedeutende Variable→ Beendet Fiktion nationalstaatlich unabhängiger Politik Mechanismen (empirisch) schwer unterscheidbar Steht qualitativer wie quantitativer Erforschung offen Frühe Beiträge oft rein deskriptiv und nicht rückge-bunden an Theorie, Befunde deshalb häufig ad hoc Alleine keine zufriedenstellende Erklärung: Notwendig ist Integration von Diffusions- und Transfervariablen in umfassendere Modelle, die nationale und internationale Faktoren kombinieren
- Erläutern Sie, was ein Idealtyp ist. Empirische Wirklichkeit wird durch Reduktion auf das Wesentliche erfasst und geordnet Idealtypus als „Gedankenbild“, mit Hilfe dessen die Wirklichkeit analytisch trennscharferfasst werden soll Idealtypus als Messlatte, an der empirische Phänomene gemessen werden sollen Esping-Andersen: Idealtypische Unterscheidung von Wohlfahrtsstaaten Zuordnung realer Wohlfahrtsstaaten zu den gebildeten Idealtypen
- Welches sind die drei Wohlfahrtsstaatstypen die Esping-Andersen unterscheidet? In welchen Dimensionen unterscheidet er sie? Wohlfahrtsstaatstypen: Sozialdemokratisch Konservativ Liberal Dimensionen: Markt-Staat-Familien-Mix Dekommodifizierung Destratifizierung
- Welcher Theorie(n) bedient sich seine Erklärung? Skizzieren Sie jeweils, wie Esping-Andersen die Entstehung der drei Typen erklärt! gegen funktionalistische und systemische Herleitung der Wohlfahrtsstaatsentwicklung Unterschiede in langen historischen Entwicklungen, politischideologischen Klassenkämpfen und klassenübergreifenden Koalitionen entstanden Machtressourcenansatz, lange historische Perspektiveo Institutionelle Ausgestaltung und Inhalt (Policies) des Sozialstaates miteinander verwoben Unterschiede der Sozialstaatstypen ergeben sich insbesondere aus zwei Aspekten Klassenkoalitionen: o rot-grüneAllianzen(ArbeiterklasseundBauern)o Wird die Mittelklasse Anhängerin des Wohlfahrtsstaates? Zentraler Faktor in der Entstehung am Ende des 19. Jahrhunderts: Positionierung der Bauern. Sind sie historisch eine Koalition mit den Sozialisten eingegangen? o Kleinteilige, kapitalintensive Struktur: ja o Arbeitsintensive großbetriebliche Struktur: nein Zentraler Faktor in der Konsolidierung nach dem 2. Weltkrieg: Unterstützung der Mittelklasse. Profitiert sie vom Sozialstaat? Sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat in Schwedeno „Rot-Grüne“ Allianz von Arbeitern und Bauerno MittelklasseprofitiertebenfallsvomgroßzügigenSozialstaat Konservativer Wohlfahrtsstaat in Deutschlando Bauern sehr konservativ; Teil einer reaktionären Allianz, die die Sozialisten zu isolieren suchte, ihnen aber auch entgegen kommen mussteo Mittelklasse unterstützt die statusbewahrenden Sozialversicherungssysteme Liberaler Wohlfahrtsstaat in England/USAo KeineAllianzvonArbeiternundBauerno Mittelklasse kaum Empfängerin von Sozialleistungen
- Welche Merkmale charakterisieren jeweils den liberalen, konservativen und sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaatstyp? Unterscheidungsmerkmale: Mischungsverhältnis zwischen staatlicher, familiärer und marktlicher Wohlfahrtsproduktion Dekommodifizierungo Etwas oder jemanden seiner Warenförmigkeit entheben (Engl.: commodity = Ware); Minimieren der Abhängigkeit der Lohnarbeit und der Sozialleistungen vom Markt Destratifizierungo Stratifizierung: Vertikale, soziale Schichtung der Gesellschaft; ihre Gleichheit/Ungleichheit
- Welche Kritik ist an der Typologie Esping-Andersens geübt worden? Rationalismus: unbeabsichtigte Folgen vernachlässigt Religiöse Einflüsse verkürzt erfasst Sonderstellung christlich-sozialer Parteien (im Unterschied zu säkularkonservativen Parteien) nicht hinreichend berücksichtigto Christliche konservative Parteien haben ein eigenes originäres Interesse am Sozialstaat Methodologisch: Empirischer Dekommodifizierungsindikator klammert Unfall-, Pflegeversicherung und familien- sowie frauenpolitische Leistungen aus, ebenso wie auf die Arbeitswelt bezogene Sozialpolitik (bspw. Arbeitsschutz) Typologische Kritik:o EmpirischeZuordnungderLänder,v.a.inSüdeuropafälltschwero ZeitlicheKonstanzderTypen?o Gilt das auch noch Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts unter Bedingungen der Globalisierung
- Was ist die Grundidee des Varianten des Kapitalismus (VoC)Ansatzes? Inwieweit ist der Ansatz mikrofundiert? Es gibt nicht nur eine Form des Kapitalismus Varianten unterscheiden sich in ihrer institutionellen Ausgestaltung Liberale vs. Koordinierte Marktwirtschaften (Hall/Soskice 2001) als bekannteste Varianten Nicht nur das reine Marktmodell, sondern auch die koordinierte Alternative kann wirtschaftlich leistungsfähig sein Mikrofundiert: Unternehmensperspektiveo WelcheInstitutionenfördernerfolgreicheProduktion?o Relationale Perspektive auf Unternehmen (R. Coase): Neue Institutionenökonomik, Transaktionskosten. Funktionalismus o ArbeitgeberseitestattGewerkschaftsfixiertheitdesNeokorporatismuso Wie koordinieren sich Unternehmensleitungen mit den Ressourcenträgern, die sie für die Produktion benötigen (Beschäftigte, Zulieferer, Eigentümer, Kreditgeber, Kunden, andere Unternehmen)?
- Welche institutionellen Domänen werden analysiert? Führen Sie aus, wie sich diese jeweils in einer koordinierten (CME) und einer liberalen Marktwirtschaft (LME) darstellen. Institutionelle Domänen: Arbeitsbeziehungen Unternehmensfinanzierung und -kontrolle Ausbildungswesen Koordination zwischen Unternehmen o Produktstandardisierungo TechnologietransferundInnovationspolitiko WettbewerbspolitikKoordinierte Marktwirtschaft (CME), z.B. Deutschland Arbeitsbeziehungeno Flächentarifverträge und Kündigungsschutz -> langfristige Beschäftigung und wenig Jobwechselo Mitbestimmung,Konsensorientierung Unternehmensfinanzierung und -kontrolleo Kreditfinanzierung durch Banken: „ruhiges Kapital“o Verflechtung (z.B. über Aufsichtsräte, Hausbank), Deutschland AG (intransparentes Vertrauensverhältnis) Ausbildungswesen o Betriebliche Ausbildung: Investition in spezifische Skills o Zu lösendes Problem: Hold up -> Arbeiter brauchen langfristige Beschäftigung Koordination zwischen Unternehmen o Technologietransfer über Kooperation zwischen Unternehmen Liberale Marktwirtschaft (LME), z.B. USA Arbeitsbeziehungen o individuelle Arbeitsverträge; fluider Arbeitsmarkt o Manager können allein entscheiden Unternehmensfinanzierung und -kontrolle o EigenkapitalüberAktienmarkt;kurzfristigorientiert o verstreuteInvestoren;BedeutungvonTransparenzregeln Ausbildungsweseno Zu lösendes Problem: Wilderei bei anderen Firmeno Ausbildung nicht in Firma; in anderen Institutioneno allgemeine Fähigkeiten statt spezifischer Skills (zu riskant, spezifische Investition zu tätigen) Koordination zwischen Unternehmen o Technologietransfer vor allem über den fluiden Arbeitsmarkt
- Was sind institutionelle Komplementaritäten? Bitte nennen Sie jeweils zwei Beispiele für solche Komplementaritäten in LMEs und CMEs. Die Eigenschaften in verschiedenen institutionellen Domänen sind komplementär zueinander, ergänzen sich CME:o Kündigungsschutz macht es Arbeitnehmer möglich, hohe „sunk costs“ in der Aneignung spezifischer Skills einzugeheno Ruhiges Kapital ermöglicht es Arbeitgeber, Kündigungsschutz zu gewähren LME:o Kurzfristige Arbeitsverträge und Aktienfinanzierung ermöglichen schnelle Anpassung (radikale Innovation)o Die breite, allgemeine Ausbildung macht kurzfristige Arbeitsverträge („hire and fire“) verkraftbar
- Ist der VoC-Ansatz anwendbar in der Policyforschung? Wenn ja, wie? Eigentlicher Anwendungsbereich: wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen Politik beeinflusst viele dieser Institutionen und Policymaker wollen die Stärken des jeweiligen Systems stützen, orientieren sich an den jeweiligen Koordinationsbedürfnissen der Unternehmen Alternative Theorie zu Politikformulierung/-wandel: Hypothesen über Präferenzen von wirtschaftlichen Interessengruppen und Regierungen Institutionelle Komplementarität kann erklären, warum Einzelaspekte sich nicht transferieren lassen
- Führen Sie aus, wie sich mit Hilfe des VoC-Ansatzes eine „revisionistische“ Wohlfahrtsstaatstheorie entwickeln lässt. Wie verhält sie sich zu einer Erklärung mittels Machtressourcenansatz? Grundidee: In CMEs haben auch Arbeitgeber ein Interesse an Sozialstaat Absicherung der Investitionen in spezifisches Humankapital o Alternative zur Machtressourcentheorie, nach der nur die Arbeitnehmerseite Sozialstaat unterstützt, dagegen: Wohlfahrtsstaat als Instrument von und für Arbeitgeber Wählerzentrierte Argumentation (u.a. Iversen)o AbwandlungvonMeltzer/Richard(1981):InkoordiniertenProduktionsregimen konkurrieren die Parteien um einen Medianwähler, der „pro Sozialstaat“ ist, auch wenn er es aufgrund seines hohen Einkommens nicht wäreo Parteien entwickeln starke wohlfahrtsstaatliche Programmatik Sozialstaat für den Markt
- Welche Erwartung lässt sich auf der Grundlage des VoC über institutionellen Wandel formulieren? Werden sich die Regime im Zeitverlauf ähnlicher oder unähnlicher? Diskutieren Sie, welchen Einfluss die Globalisierung darauf hat. Wegen Institutionellen Komplementaritäten:o Increasing returns: Pfadabhängigkeito CMEs und LMEs sollten ihre Charakteristika im Zeitverlauf stärkeno ZunehmendeDivergenzalsErwartung Einfluss der Globalisierung :o Wegen der komparativen Vorteile weiterhin zunehmende Divergenz als Erwartung (bei internationalem Handel)o Aber: Globaler Finanzmarkt führt zu Standortwettbewerb um mobiles Kapital und könnte in der Folge die komparativen Vorteile untergraben.
- 7. Welche Kritik lässt sich am VoC-Ansatz formulieren? Welche Stärken weist er auf? Schwächen: Fokus alleine auf Unternehmen ist zu eng, rein funktionalistisch Zu sehr an Effizienz orientiert; was ist mit Gerechtigkeit? Gibt es wirklich nur zwei Typen? Zahlreiche Versuche, differenzierte Typologien zu entwickeln Ist die Typologie zeitinvariant? Können die CMEs auch unter Bedingungen der Globalisierung bestehen? Stärken: Originäre Alternative zu institutionenfreier Ökonomik Erlaubt alternative Bewertung von Institutionen, die oft als effizienzmindernd angesehen werden Zentraler Bezugspunkt der Debatte um die Frage, ob es zur Konvergenz oder Divergenz von Wirtschaftssystemen kommt Anschlussfähig: Viele Modifikationen, Varianten und Kombinationen mit anderen Ansätzen sind entwickelt worden