144

Politikfeld (Subject) / Bamberg SS16 (Lesson)

Bamberg

This lesson was created by Leon1902.

Learn lesson

Advertisement
  • Welche drei Dimensionen von Politik kann man unterscheiden? Politics: Prozessdimensionen Konflikte zwischen Interessen und Meinungen Kompromisse,Wahlen,Abstimmungen Parteien, Koalitionen, Abstimmungen Polity: institutionellen Rahmenbedingungen Ordnungstrukturen (Verfassung, Geschäftsordnung, etc.) Parteien- und Regierungssystem Politische Kultur: Normen und Werte Policy: Ouput und Outcomes, politischen Inhalte politische Programme, Einzelentscheidungen, Gesetze auch: Koordination des politischen Systems Politikfelder (z.B.: Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik, Gesundheitspolitik)
  • Womit beschäftigt sich Politikfeldanalyse? Welche Rolle spielen in der Politikfeldanalyse die Dimensionen polity und politics? Die Politikfeldanalyse fragt danach:1. was politische Akteure tun,1. warum sie es tun,1. was sie letztlich bewirken. Im Allgemein rückt bei der Politikfeldanalyse die inhaltliche Gestaltung und die Outputs und Outcomes (policy) von Politik in das Blickfeld der Forschung; vor allem konkrete politische Wirkungsprozesse, Entscheidungsprozesse und Ergebnisse. Es rückt im Gegensatz zur traditionellen Politikwissenschaft, die den Fokus auf die Inputseite des Politischen Systems legt, die Outputseite in den Vordergrund. Policy wird zur abhängigen, d.h. zur zu erklärenden Variable Y.Polity und Politics werden zu unabhängigen, d.h. zu erklärenden Variablen X.
  • Was ist der Unterschied zwischen Outputs und Outcomes? Output: Unmittelbare faktische Ergebnisse politischer Entscheidungen (Welche Maßnahme wurde beschlossen?) Outcomes: Folgen politischer Entscheidungen; Problem: Outcomes resultieren nicht ausschließlich aus den politischen Outputs, sondern können im Ergebnis durch vielfältige, teils unbekannte Faktoren geprägt sein (Begrenzte Steuerungsfähigkeit der Politik)
  • Warum hat sich die Politikfeldanalyse erst relativ spät als eigene Teildisziplin entwickelt? Wie lässt sich die Policyanalyse disziplinär verorten? Inwieweit ist sie multidisziplinär? Die Politikfeldanalyse hat sich erst relativ spät als eigene Teildisziplin entwickelt, da die akademische Zuständigkeit in anderen Diszpiplinen vermutet wurde (z.B. Jura, Ökonomie, Soziologie). Sie ist ein Teilgebiet der Vergleichenden Politikwissenschaft. Sie ist multidisziplinär, da oft feldspezifisches Wissen aus anderen Wissenschaftsbereichen notwendig ist um Rückschlüsse und Zusammenhänge erklären zu können (z.B. Aus der Wirtschaft, der Geographie, der Soziologie)
  • Erläutern Sie, warum Politikfeldanalyse ein zentraler Bestandteil der Politikwissenschaft ist. Aus normativ-analytischer Perspektive ist die PFA ein zentraler Bestandteil da sie eine Bewertung der Outputs/ Outcomes von Policies vornimmt und einen Soll-Ist-Abgleich zwischen Erwartung und Realität vornimmt.Aus empirisch-analytischer Perspektive erfolgt eine Analyse der Inhalten von Politiken. (Rückgriff: Politik = autoritiv verfügte Verteilung von materiellen und immateriellen Werten in der Gesellschaft)
  • Welche analytischen Perspektiven auf Policymaking lassen sich unterscheiden? Erläutern Sie jeweils welche Annahmen diesen Modellen unterliegen. Normativ) rationalistische Entscheidungsfindung: Politik als Problemlösen Entscheidungen werden rational getroffen: Abwägung von Kosten und Nutzen; Finden des sozialen Optimums Idealerweise sollte der Policy-Prozess unterschiedliche Stufen beinhalten (nach Lasswell 1956)   Intelligence (Sammlung aller relevanten Informationen)  Promotion (Identifizierung möglicher Alternativen und Werben um Unterstützung)  Prescription (Herbeiführung einer bindenden Entscheidung)  Invocation (Policy-Durchsetzung)  Termination (Abschaffung)  Appraisal (Evaluation der Policy-Maßnahme im Hinblick auf die damit intendierten Ziele)
  • Welche vier Kategorien von Erklärungsfaktoren von policies lassen sich unterscheiden? Erläutern Sie knapp, was darunter zu verstehen ist? Wie spielen diese bei der Produktion von policies zusammen? Akteure und ihre Interessen  Strukturen Institutionen Ideen Policies werden gemacht von Akteuren innerhalb von Strukturen und Institutionen unter dem Einfluss von Ideen.
  • Was ist wissenschaftliches Wissen - zum Beispiel im Unterschied zu Alltagswissen? Welche Rolle spielt der Vergleich für die Schaffung wissenschaftlichen Wissens? Wissenschaftliches Wissen: methodisch kontrolliert gewonnenVergleich als Kern (politikwissenschaftlicher) Methoden  Notwendig, um überhaupt Kausalaussagen machen zu können, z.B.: Vergleich von Policies zwischen Staaten, Perioden, Regierungen
  • Was sind jeweils Einzelfallstudien, qualitative Fallstudienvergleiche und quantitative Methoden? Welche spezifischen Erkenntnisinteressen verbinden sich mit diesen Methoden? Was sind ihre Stärken und Schwächen? a) Variablen-orientierte Forschung (X-zentriertes Forschungsdesign)   Im Mittelpunkt stehen Beziehungen zwischen unabhängigen und abhängigen Variablen  Zentrales Erkenntnisinteresse: Wirkungen/Effekte einzelner unabhängiger Variablen auf die abhängige Variable  Berechnung des individuellen „Netto-Effektes“ einer unabhängigen Variable auf dieabhängige Variable Beispiele:  Wirkung unterschiedlicher Wahlsysteme auf die Zahl der Parlamentsparteien  Einfluss der Jahre linker Regierungsmehrheiten auf die Größe des Wohlfahrt-staates in Industrieländern  Transformationsforschung: Effekt eines parlamentarischen Regierungssystems auf die Demokratiestabilität b) Fall-orientierte Forschung (Y-zentriertes Forschungsdesign)  Zentrales Erkenntnisinteresse: Erklärung bestimmter politischer Entschei-dungen Suche nach den Ursachen eines empirischen Ergebnisses Beispiele:  Warum gelangt die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer auf die offizielle politische Agenda?  Warum profitieren einige subsaharische Länder von einer Agrarexport-orientierten Politik, während sich diese wiederum für andere Länder negativ auswirkt?  Wie kam es zu den großen sozialen Revolutionen in Frankreich, Russland und China? (Skocpol 1979)
  • Welche Prinzipien der Fallauswahl gibt es? Most similar systems Design Most different systems Design
  • Advertisement
  • 10. Welche Prinzipien der Fallauswahl gibt es? Most Different Systems DesignBei dieser Art der Fallauswahl stellt man sich die Frage, warum sehr unterschiedliche Umstände in den untersuchten Fällen zum gleichen Ergebnis geführt haben.Man wählt also Fälle aus, die sich möglichst stark unterscheiden, die jedoch die gleiche Ausprägung auf der primär interessierenden unabhängigen Variable aufweisen und untersucht, ob diese sonst so unterschiedlichen Fälle die gleiche Ausprägung auf der abhängigen Variable aufweisen. Beispiele: Most Different Systems Design Theda Skocpol (1979): Social Revolutions Revolutionen in Frankreich, Russland und China Die drei Länder haben allesamt einschneidende soziale Revolutionen erlebt, obwohl sie sich auf vielen Dimensionen (politisch, ökonomisch, sozial) zentral voneinander unterscheiden Most Similar Systems DesignBei dieser Methode werden solche Fälle ausgesucht, die sich zwar im Bezug auf die interessierende unabhängige Variable unterscheiden, sich aber bezüglich anderer unabhängiger Variablen (sog. Dritt- oder Kontrollvariablen), die ebenfalls einen Einfluss auf die abhängige Variable haben können, sehr ähnlich sind.
  • Was sind „mostlikely“, „leastlikely“ und „crucial“ Fälle Most-likely-Case‘-Design: Beispiel Theoretische Annahme:Die Kombination aus sozialdemokratischen Regierungen mit starken Gewerkschaften und einem konsolidierten Staatshaushalt führt zu einem Ausbau des Wohlfahrtsstaates. Vorgehen: Man wählt ein Land, in dem alle drei Bedingungen vorliegen. Lässt sich zeigen, dass der Wohlfahrtsstaat nicht ausgebaut wird, kann die Theorie mit großer Zuverlässigkeit verworfen werden. Ein ‚most-likely‘-Case ist also ein Fall, der von der Theorie eigentlich „leicht“ erklärt werdensollte; Kann die Theorie wider Erwarten aber nicht den Fall erklären, muss ihre Gültigkeit angezweifelt werden ‚Least-likely-Case‘-Design: Beispiel Ehernes Gesetz der Oligarchie (Michels 1911)Michels betrachtet die formalen Bürokratie- als auch informelle Machtstrukturen innerhalb der SPD der Kaiserzeit. Seine zentralen Thesen besagen, dass Führungsgruppen in Organisationen zunehmend an eigenen Interessen, persönlichem Nutzen interessiert sind. Die einstigen Ziele der Gruppe, an deren Spitze sie stehen, treten so in den Hintergrund. Vorgehen: Ein ‚least-likely‘-Case ist also ein Fall, mit dessen Erklärung die Theorie Probleme haben sollte. Kann die Theorie den Fall erklären, ist sie in ihrer Gültigkeit erheblich gestärkt worden.
  • Erläutern Sie das Konzept des Politikzyklus (oder policy cycle). Welche Phasen lassen sich unterscheiden und wodurch sind sie jeweils charakterisiert? Der Politikzyklus nach Eastons Modell beschreibt deskriptiv analytisch den Prozess der „Produktion von Policies“ analog zum Planungsprozess in der BWL. Phasen: 1.Problemdefinition und Agenda Setting − Handlungsbedarf wird identifiziert und kommt aufdie politische Tagesordnung 2.Politikformulierung − Es wird eine policy aus verschiedenen Optionen gewählt 3. Implementation − Die policy wird durchgeführt/durchgesetzt4. Evaluation − Die outcomes der policy werden bewertet 5 Terminierung, bzw. meistens zurück zu Phase 1
  • Stimmen Sie der folgenden Aussage zu? „Auf die politische Agenda geraten jene Themen, bei denen aus Gründen des Gemeinwohls Handlungsbedarf besteht“. Diskutieren Sie sie! Obwohl es durchaus geschieht dass Themen auf die politische Agenda geraten, bei denen aus Gründen des Gemeinwohls Handlungsbedarf besteht, stimme ich der Aussage nicht grundlegend zu, da zum einen das Gemeinwohl nicht eindeutig definiert werden kann und sich je nach den Perspektiven und Interessen der Akteure unterscheidet. Zum anderen geraten Themen auch durch andere Einflussfaktoren heraus auf die politische Agenda (siehe Tabelle 2.2)
  • Stimmen Sie der folgenden Aussage zu? „Policies werden nach rationalen Kriterien formuliert“. Diskutieren Sie sie! Rationalität spielt bei der Formulierung von Policies nur eine bedingte Rolle, da neben rationalen Kriterien vor allem die Interessen, die Werte/ Ideale / Normen, die zur Verfügung stehenden Ressourcen und exogene Rahmenbedingungen bei der Policy-Formulierung überwiegen.
  • Lassen sich die einzelnen Phasen isoliert analysieren? Diskutieren Sie! Es lassen sich die einzelnen Phasen des Policy-Zyklus nicht isoliert betrachten, da dieser den Prozesscharakter der Produktion von Policies veranschaulichen will. In der Realität ist es deshalb empirisch unmöglich die Phasen unabhängig voneinander zu betrachten, da einzelne Phasen ineinander übergehen, entfallen, übersprungen werden oder sich wiederholen können. Tutorium:Ja! „Work within each stage has tended to develop on its own, almost totally without reference to research in other stages.“ (Sabatier 2007: S. 7)
  • Diskutieren Sie Vor- und Nachteile des Konzepts des Politikzyklus. Was bedeutet es, wenn man den Politikzyklus als „heuristischen Orientierungsrahmen“ (Blum/Schubert 2009: 101) versteht? Vorteile: - Hilfreiche Strukturierung- Prozessale Dimension wird fokussiert- Analyse wird auf Phasen nach Verabschiedung erweitert- In der Wirkung wird zwischen Policy-Output und Policy-Outcome unterschieden Nachteile:- Sequenzierung nicht empirisch tragfähig, Phasen können entfallen oder übersprungen werden- Keine Hypothesenformulierung möglich, da nicht theoretisch weiterführend (reine Heuristik) - Keine Berücksichtigung von Akteuren, Ideen, Wissen und Lerneffekten- Vernachlässigung von Politikfeldinterdependenzen, da Konzentration auf einzelne Programme Heuristischer Orientierungsrahmen:Keine Theorie, nicht hypothetisch verwendbar, keine allgemein geltenden Kausalzusammenhänge ableitbar, sondern Werkzeugkasten/Herangehensweise um deskriptiv Problemstellung zu analysieren.
  • rläutern Sie verschiedene Möglichkeiten, Typen von Politiken zu unterscheiden. Warum können solche Unterscheidungen nützlich oder notwendig sein? 1. Unterteilung in Nominalkategorien, also nach Politikfeldern (Finanzen, Arbeit, Bildung, Umwelt)Häufig parallel zur Organisation des politischen Systems 2. Unterteilung in Regelungsmechanismen & Steuerungsmedien Zuordnung oft nicht eindeutig 3. Unterteilung nach Konfliktstärke - Lösungsansätze unterscheiden sich je nach Konflikthaftigkeit von vier verschiedenen Typen von Policies: distributiv, redistributiv, regulativ, sozial-regulativ (später noch fünfter Typ) Einteilung nützlich und notwendig da eine Kategorisierung von Policies nicht immer einfach vorzunehmen ist. Allerdings ist die Zuordnung nicht immer eindeutig.
  • Welche Regelungsmechanismen und Steuerungsprinzipien lassen sich unterscheiden? Regelungsechanismen: - (materielle) Anreize- Gebot/ Verbot- Angebot- Überzeugung/ Aufklärung - Vorbild Steuerungsprinzipen: - Recht - Geld- Macht - Gewalt
  • Welche Typen von Policies unterscheidet Theodore Lowi? Erläutern Sie sie knapp! Unterteilung nach Konfliktstärke Lösungsansätze unterscheiden sich je nach Konflikthaftigkeit von vier verschiedenen Typenvon Policies: distributiv, redistributiv, regulativ, sozial-regulativ (später noch fünfter Typ)
  • Was meint Theordore Lowi, wenn er behauptet: „Policy determines politics“? Lowi meint dass die Prozessdimension der Politik abhängig ist von der Wirkung und den Effekten des Ouputs und den Outcomes der einzelnen politischen Handlungsentscheidungen. Der Policy-Typ bestimmt den Prozesscharakter. Diese Betrachtung ist genau umgekehrt zur eigentlichen Anschauung der Poltikfeldanalyse, die besagt dass der Prozesscharakter den Policy-Typ bestimmt. Wesen der Policy erklärt wie politischer Prozess
  • Was sind die Schwächen des Konzepts von Lowi? Typologie unklar: Ist Kosten-Nutzen-Verteilung das Kriterium oder Steuerungsmedium?  Policies sind nicht einfach zu kategorisieren, umfassen mehrere Aspekte(Wahrnehmung; „Issue-relabeling“)  Andere Einflüsse auf den politischen Prozess (z.B.  Institutionen)  Analysekategorien Lowis sagen nichts über konkrete Politikfelder aus, in denen sich u.U. mehrere verschiedene Policytypen finden.
  • Wie sind Parteien definiert? Wodurch zeichnen sie sich gegenüber anderen Akteuren aus, die ebenfalls versuchen, Politikinhalte zu beeinflussen? Deutsches Parteiengesetz von 1967:„Parteien sind Vereinigungen von Bürgern, die dauernd oder für längere Zeit für den Bereich des Bundes oder eines Landes auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen und an der Vertretung des Volkes im Deutschen Bundestag oder einem Landtagmitwirken wollen, wenn sie nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere nach Umfang und Festigkeit ihrer Organisation, nach der Zahl ihrer Mitglieder und nach ihrem Hervortreten in der Öffentlichkeit eine ausreichende Gewähr für die Ernsthaftigkeit dieser Zielsetzung bieten. Mitglieder einer Partei können nur natürlichePersonen sein.“
  • Was sind die Funktionen von Parteien? Wie erfüllen Parteien diese?   Intermediation (Bindegliedfunktion)  Interessenvertretung  Legitimation  Personalrekrutierung  Kontrollfunktion
  • Was ist die Kernaussage der Parteiendifferenzhypothese? Politikinhalte hängen in entscheidendem Maße davon ab, welche Parteien die Regierung stellen.Die jeweilige Regierungspartei wird die Politik in den unterschiedlichsten Politikfeldern in ihrem Sinne prägen.Regarding policy outputs, there exists a law-like tendency of partisan differences in public policy: cross-national variation, and within-nations differences, in public policy are significantly associated with - and, by inference, dependent upon - differences in the party composition of government. Furthermore, a change in the party composition of government is associated with - and, by inference, causally related to – changes in policy choices and policy outputs. (Schmidt 1996)
  • Welche drei Ziele verfolgen Parteien?  Policy-seeking Office-seeking Vote-seeking
  • Wie leitet Douglas Hibbs die Erwartung her, dass Parteien einen Unterschied bei wirtschaftspolitischen Outputs und Outcomes machen sollten? Welche Ziele verfolgen rechte und linke Parteien bei ihm? Zielkonflikt zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit („Phillips-Kurve“)In der Wählerschaft existieren soziale Gruppen mit unterscheidbaren wirtschafts- politischen InteressenInteressen werden durch politische Parteien vertreten
  • Welche Kritik lässt sich an Hibbs üben? Der Typus der Massenintegrationspartei wurde spätestens in den 1960er Jahren vom Typus der Volkspartei abgelöstVolksparteien sind darauf angelegt, die Interessen einer breiten Bevölkerungsmehrheit zu vertretenKlare wirtschaftspolitische Interessensmuster nicht mehr gegeben Überschätzung der Steuerungsfähigkeit des politischen Systems  Vernachlässigung institutioneller Beschränkungen, denen sich Regierungen ausgesetzt sehen  Begrenzte Möglichkeit voluntaristischer Steuerung der Arbeitslosen- und der Inflationsrate
  • 8. Wie könnte man unter Berufung auf Edmund Burke Parteiendifferenzen herleiten? Inwieweit ist es gerechtfertigt, in diesem Zusammenhang von einer ideenbasierten (ideologischen) Herleitung von Parteiendifferenzen zu sprechen? Parteiendifferenzen entstehen, weil Mitglieder und Entscheidungsträger einer Partei bestimmte grundlegende Wertvorstellungen darüber, wie sich diese Werte politisch verwirklichen lassen, teilen, die sich von den Wertvorstellungen anderer Parteien unterscheiden. Unterschiedliche Auffassung darüber, was der Inhalt des „Gemeinwohls“ sein soll undwelche Mittel geeignet sind, um das „Gemeinwohl“ zu verwirklichen.
  • Wie kann die parteipolitische Färbung der Regierung empirisch gemessen werden? Gehen Sie dabei auf Stärken und Schwächen der jeweiligen Konzepte ein. a) Qualitativ: detailierte, historische Rekonstruktion   Zuordnung zu „Parteifamilien“ (Liberale, Konservative, Arbeiterparteien, Agrarparteien, Grüne, Sozialdemokraten, Christdemokraten, etc.)  Erkennt Idiosynkrasien und Multidimensionalität gut, schlecht zum Vergleichenb) Quantitativ: Dichotomie (Links/Rechts) oder Trichotomie (Linke/Mitte/Rechts)   Reduziert Datenmenge: gut zum Vergleichen, ignoriert aber auch wichtige Differenzen (z.B. wirtschaftspolitische Positionierung vs. gesellschaftspolitische)  Entweder über Bevölkerungs- oder Expertenbefragung; Elitenbefragung; WORDFISH, Wordscoresc) Party Manifesto Daten   Quantitative Inhaltsanalyse von Parteiprogrammen  Vorteil: Veränderung über Zeit sichtbar  Nachteil: Programmatische Skalierung oft schwierig d)Abstimmungsverhalten im Parlament  Vorteil: beobachtbares Verhalten  Problem: Abstimmungsverhalten nicht unbedingt „echte“ Präferenz, sondern strategischZirkulär bezüglich These, dass Parteien einen Unterschied machen
  • Advertisement
  • Was sind Interessengruppen? Wie unterscheiden sie sich von Parteien? Interessengruppen sind Private Organisationen die soziale, politische und wirtschaftliche Interessen ihrer Mitglieder vertreten.Der Unterschied zu Parteien besteht darin dass sie:   keine Mandate anstreben  Partikularinteressen vertreten  überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden  Politische Entscheidungsprozesse nur beratend beeinflussen  hierarchisch organisiert sind  sie vom privaten und wirtschaftlichen Umfeld – von außen – auf das politische System wirken.
  • Was ist Pluralismus? Unterscheiden Sie dabei die normative und positive Bedeutung. Im Pluralismus wird staatliches Handeln als Resultat des politische Wettbewerbs und Drucks von Interessengruppen auf die Regierung angesehen. Normativ: Leitbild moderner Demokratien, zeigt Anerkennung und Respekt vor vielfältigen individuellen Meinungen, Überzeugungen, Interessen und Zielen. (Gegenteil: Monismus) Positiv: wegen unterschiedlicher Konflikt- und Organisationsfähigkeit der Interessengruppen besteht kein Pluralismus im normativen Sinne, sondern eine unterschiedliche Machtverteilung, bei der die durchsetzungsfähigste Interessengruppe ihre Interessen in der Politik durchsetzen kann.
  • Was ist ein pluralistisches Gleichgewicht? Pluralistisches Wettbewerbsgleichgewicht:  freien Bildung von Interessengruppen: jedes Interesse ist organisiert  Dadurch sollten im Idealfall viele kleine, gleich starke Interessengruppen entstehen.  Individuen haben multiple Interessen (cross-cutting cleavages).  Staat ist getrennt und neutralwird beeinflusst/programiert Ist im Sinne des Gemeinwohls
  • Erläutern Sie Olson’s Logik des kollektiven Handelns! Welche Implikationen hat sie für die Bewertung eines unregulierten pluralistischen Gleichgewichts? Das Verfolgen von Partikularinteressen hat für die Gruppe mit diesem Interesse den Charakter eines unteilbaren Kollektivguts. Kleine Gruppen können das Trittbrettfahrer- Problem besser lösen als große Gruppen, die dazu selektive Anreize benötigen. Dadurch werden kleine Interessengruppen mit speziellen Interessen organisationsfähiger und somit konfliktfähiger. Dies erklärt weshalb ein unreguliertes, pluralistisches Gleichgewicht verzerrt und somit nicht im Sinne des Gemeinwohls ist.
  • Welche Vorhersagen über den „Aufstieg und Niedergang von Nationen“ trifft Olson auf der Grundlage der Logik des kollektiven Handelns? Interessengruppen sind Verteilungskoalitionen (rent-seeking) und streben nicht nach zusätzlicher Produktion sondern nach Umverteilung der bestehenden Güter durch staatliche Regulierung.Im Aufschwung wächst die Zahl der Interessengruppen, was mittel bis langfristig zu einem geringeren Wirtschaftswachstum führen wird. Auch Gruppen mit durchgesetzten Interessen bleiben weiterhin ein Faktor durch selektive Anreize. Je älter eine Demokratie → desto stärker die Verkrustung, wobei Staaten mit umfassenden Interessengruppen bessere Bedingungen haben als die mit speziellen.
  • Was ist die Organisationsfähigkeit einer Interessengruppe? Was ist ihre Konfliktfähig-keit? Organisationsfähigkeit:Die Fähigkeit eines Kollektives sich zu organisieren und die gemeinsamen Interessen zu bündeln. Konfliktfähigkeit:Die Fähigkeit die Interessen im politischen Rahmen zu artikulieren und gegen den Widerstand gegensätzlicher Interessengruppen durchzusetzen.
  • Was ist Neokorporatismus? Neokorporatismus bezeichnet das System der Interessenvermittlung zwischen dem Staat und Interessengruppen.   Interessenvermittlung durch Aushandlungsprozesse zwischen Staat und Interessengruppen geprägt, Konsens und Kooperation als Ziel  Staat deligiert gewisse Aufgaben an einzelne Interessengruppen und nimmt sie damit in die Pflicht für das Gemeinwohl (reguliert Interessengruppenwettbewerb)  Manche Entscheidungsprozesse sind außerparlamentarisch organisiert.
  • Was versteht man unter der Mitgliedschafts- und der Einflusslogik? Welche Bedeutung kommt ihnen jeweils in einem System der pluralistischen und neokorporatistischen Interessenvermittlung zu? Mitgliedschaftslogik:Verbandsvertreter müssen aus der Sicht der Mitglieder Wünschenswerte vertreten Einflusslogik: Verbandsvertreter müssen ihre Ziele an das gesellschaftliche Machbare anpassen.Teilweise Präferenzen von Interessengruppen endogen   Im System der pluralistischen Interessenvermittlung sind die Interessenvertreter einzig der Mitgliedsschaftslogik verpflichtet.  Im Neokorporatimus müssen sowohl Mitgliedsschafts- als auch Einflusslogik beachtet werde, da es in diesem System zu einer Interessenbearbeitung statt einer reinen Artikulation. Müssen auch Machbarkeit beachten
  • Welche institutionellen Vorschriften ließen sich ergreifen, um einer Verzerrung des pluralistischen Gleichgewichts entgegen zu wirken? Kontrolle durch Transparenz, z.B. Offenlegungspflichten  Konsultation- und Beschwerderecht für (benachteiligte) Gruppen  Staatliche Förderung von Interessengruppen, deren Organisation schwierig ist (z.B.die Gründung von Finance Watch)   Erhöhung von Transparenz im Prozess der Politikentwicklung  Verstärkung neokorporatistischer Strukturen, welche darauf abzielen, dassschwächere Interessengruppen vermehrt in politische Entscheidungs-prozesse eingebunden und diesen dabei auch Organisationshilfen (z.B. in Form von Subventionen) angeboten werden ABER: Problem der Pfadabhängigkeit institutioneller Strukturen!!
  • Welchen Einfluss haben pluralistische oder neokorporatistische Strukturen auf wirtschaftliche Leistungsfähigkeit? Diskutieren Sie! Allgemein:Unterscheidung zwischen Input- und Output-Aspekten hinsichtlich der Leistungsfähigkeit neokorporatistischer und pluralistischer Systeme Input-Aspekt: Frage nach den Beteiligungschancen von Interessengruppen am politischen Prozess Output-Aspekt: Frage nach den Konsequenzen des Korporatismus für wirtschaftliche Performanz und soziale und politische Stabilität Hier: Konzentration auf den Output-Aspekt Keine klare Antwort in der Literatur!!! Mögliche Überlegungen: Verbände, deren originärer Zweck die Durchsetzung partikularer Gruppeninteressen ist, sollen öffentliche Funktionen übernehmen. Als sozialpflichtige Repräsentanten kollektiver Partikularinteressen sollen sie in jenen Problemfeldern als gemeinwohlorientierte Steuerungsinstanzen fungieren können, die weder durch den Marktmechanismus noch durch staatliche Intervention problemgerecht bearbeitbar sind. Ziel dieser ordnungspolitischen Strategie ist ein politisches System, in dem organisierte Partikularinteressen einen öffentlichen Status innehaben und autoritative Funktionen bei der Verwirklichung öffentlicher Politik erfüllen. Steigerung der Regierbarkeit. Ein Staat kann ohne Informationen aus Wirtschaft und Gesellschaft nur schlecht auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und ist somit auf die Informationen aus Interessenverbänden angewiesen. Entlastung staatlicher Behörden bzw. Ministerien, da die Interessenverbände ihr Wissen zur Verfügung stellen. Des Weiteren treten Verbände innerhalb ihrer Aufgabenfelder als gemeinwohlorientierte Steuerungsinstanzen auf.
  • Kann Neokorporatismus in der Globalisierung noch erfolgreich sein? Diskutieren Sie auch unter Rückgriff auf empirische Befunde! Auch dies ist unklar. Ein Großteil der wissenschaftliche Literatur sagt, Neokorporatismus sei in einer gobalisierten Welt durchaus noch möglich, aber es zeigt sich, dass nationale Konzertierung (Koordination) abnehme und sich hin zu sektoraler Konzertierung wandelt. In jüngerer Zeit wird die Frage diskutiert, ob die Wahrnehmung öffentlicher Funktionen durch Interessengruppen und -verbände auch - gewissermaßen als vierte Ebene - in supra- nationalen Zusammenhängen wie z.B. in der Politik der Europäischen Union zu beobachten ist Der Wirtschafts- und Sozialausschuss, die Komitologie oder der so genannte "SozialeDialog" wären Beispiele für einen solchen "europäischen Korporatismus„ (auch wenn nichtzu verkennen ist, dass korporatistische Arrangements in der europäischen Politik nicht den Stellenwert erreichen können, den sie zumindest in einigen Mitgliedsstaaten einnehmen)
  • Was ist die Kernaussage der sozio-ökonomischen Schule bzw. des Funktionalismus? Wie lässt sie sich herleiten?   Sozio-ökonomische Entwicklungen führen zu neuen Herausforderungen und Problemen, die mittels politischer Maßnahmen abgefedert werden sollen  Reiz-ReaktionsschemaFunktionsprobleme der Gesellschaft werden von der Politik erkannt und im Rahmen des politischen Prozesses gelöst  Primat des Wirtschaftlichen oder Gesellschaftlichen über das Politische „Die Nachfrage schafft sich ein Angebot“  Neues Problem formiert sich  Funktionslücke  Nachfrage nach staatlichen LeistungenProblemdruck wird vom Staat aufgegriffen und durch ein politisches Angebot befriedigt  Beispiel: Entwicklung des Sozialstaates
  • Welche Rolle spielt Politik (im Sinne von polity und politics) für die funktionalistische Erklärung von policies? Polity und Politics spielen kaum eine Rolle in der Erklärung von Policies. Beispiel: Zöllner (1963) – Erklärung der Höhe der Sozialleistungsquote Sozialleistungsquote: Die Sozialleistungsquote misst, wie viele Sozialleistungen im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) ausbezahlt werden. Je höher die Zahl, desto mehr wendet ein Staat für sein Sozialsystem auf.Liegt die Quote beispielsweise bei 25%, bedeutet dies, dass ein Viertel der gesamten Wertschöpfung (oder jede 4. Arbeitsstunde) über den Sozialstaat umverteilt wird. Sozialleistungsquote hängt bei Zöllner ab   Von der Arbeitnehmerquote  Vom Ausmaß der Kriegsfolgelasten  Vom Durchschnittsalter der Bevölkerung  Von der Arbeitslosenquote
  • Was versteht man unter „Wagners Gesetz“? Gesetz „der wachsenden Ausdehnung der [...] Staatsthätigkeit“ Erklärungsversuch für das international beobachtbare nachhaltige Staatswachstum   Stetige technologische und gesellschaftliche Entwicklung  Entstehung neuer Aufgaben, die der Staat zu erfüllen hat  Erweiterung der Staatstätigkeit vom „Rechts- und Machtzweck“ um die Kategorie„Kultur- und Wohlfahrtszweck“  Die öffentliche Hand musste auch in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sozialfürsorge, Wissenschaft etc. tätig werden und diese fördern, unterstützen und ausbauen  Notwendigkeit weiterer Finanzmittel  Normative Komponente: Nach Wagner diene der Einsatz der Mittel einem positiven gemeinwohlen Zweck, weshalb der steigende Finanzbedarf der öffentlichen Hand als positiv zu beurteilen sei
  • Wenden Sie die Überlegungen der sozio-ökonomischen Theorieschule auf die Arbeitsmarktpolitik sowie die Verkehrspolitik an. Was wären jeweils relevante unabhängige Variablen? Arbeitsmarktpolitik Arbeitslosenquote Fachkräftemangel Verkehrspolitik  Wirtschaftliche Entwicklung  Zunehmender Bedarf an infrastruktureller Vernetzung  Zunehmende Mobilität
  • Was kann die sozio-ökonomische Schule gut erklären? Welche Stärken der Theorieschule lassen sich konstatieren? Unterschiede zwischen Ländern mit sehr unterschiedlichem Entwicklungs-niveau lassen sich gut erklären, wohingegen Unterschiede zwischen ähnlichen Ländern nur sehr schwer erklärbar sind   Beispiel – Staatsquote sozio-ökonomisch ähnlicher Länder: USA (2010): 43,2%; Deutschland (2010): 46,6%; Dänemark (2012): 58,2%  Problemdruck ist eine wichtige Variable in vielen Politikfeldern  ABER: DieAnnahme eines gleichsam „politikfernen“ Reiz-Reaktions-Schemas unzureichendMechanismus, welcher Problemdruck in politische Programme umwandelt wird theoretisch nicht beleuchtet
  • Welche kritischen Einwände lassen sich gegen funktionalistische Theorien vorbringen? Nachfrage führt nicht immer zu einem AngebotMechanismus, welcher Problemdruck in Politikwandel übersetzt, nicht theoretisch erfasstFeine Unterschiede lassen sich nicht erklären EndogenitätUnabhängige Variable: Sozio-ökonomische Entwicklung Abhängige Variable: Zunahme der StaatstätigkeitABER: Möglichkeit der umgekehrten Wirkungsrichtung? Zunahme der Staatstätigkeit  Sozio-ökonomische Entwicklung
  • Was ist der Kerngedanke der Machtressourcentheorie? Regierungspolitik wird von der politischen Auseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital, insbesondere deren Kräfte- und Machtverhältnis beeinflusst Politikinhalte, aber auch Institutionen, spiegeln den Klassenkompromiss wider, der in Aushandlungen zwischen antagonistischen Klassen gefunden wurde Inhalt des Kompromisses ist abhängig von den Machtressourcen der Gruppen
  • Was sind Machtressourcen? Geben Sie Beispiele. Gewalt, Recht  Besitz an Produktionsmitteln/Geld, Besitz an Arbeitskraft/Humankapital  Abstimmungsmacht, Parlamentssitze, Regierungsbeteiligung Dimensionen der Unterscheidbarkeit verschiedener Machressourcen  Adressatenkreis bzw. Ausdehnung  Reichweite  Knappheit  Konvertibilität  Konzentrierbarkeit  Kosten des Einsatzes  Initiativ oder reaktiv
  • Wieso herrscht bei der Verteilungsauseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital auf dem Markt kein Machtressourcengleichgewicht? In der Marktarena ist die Arbeit dem Kapital unterlegen, weil sich Arbeit nicht von einer Person trennen lässt, während Kapital veräußert und akkumuliert werden kann