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Allgemeine Psychologie C (Subject) / Denken (Lesson)
Deduktives Schließen
Induktives Schließen
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- Einleitung: Schlussfolgerndes Denken & allgemeine Forschungsmodelle Schlussfolgerndes Denken Welche prinzipiellen Denkoperationen finden statt? Werden die Gesetze der Logik beachtet? Schätzen wir Wahrscheinlichkeiten richtig ein, die für unsere Schlussfolgerung wichtig sind? Allg. Forschungstrategie Zunächst wird das Denkenn von Menschen auf das normative Modell hin geprüft Wie sollen Menschen denken? Was sind objektiv richtige Entscheidungen? Versagt das normative Modell, wird ein deskriptives Modell entwickelt Wie denken Menschen wirklich? Zu welchen Entscheidungen kommen sie tatsächlich und warum?
- Deduktion versus Induktion Deduktion Vom Allgemeinen wird auf das Spezielle geschlossen Die Konklusion ist wahr, wenn alle Prämissen wahr sind und der Schluss gültig ist Induktion Vom Speziellen (Einzelfälle, Regelmäßigkeiten, häufigen Vorkommnissen) wird auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten geschlossen Die Konklusion ist wahrscheinlich wenn alle Prämissen wahr sind ⇒ Schlussfolgerndes Denken kann sowohl induktiv als auch deduktiv ablaufen⇒ Deduktiv: Normartive Theorie ist die formale Logik⇒ Induktiv: Normative Theorie ist in der Regel Wahrscheinlichkeitstheorie
- Deduktives Schließen: Syllogismus SyllogismusAussagengefüge, aus dem sich nach den Regeln der Logik bestimmte Schlussfolgerungen ableiten lassen Konditionaler SyllogismusOperatoren (z.B. Implikation, und, oder,...) Kategoriale SyllogismenQuantoren (z.B. alle, einige, kein)
- Deduktives Schließen: Konditionaler Syllogismus Konditionaler Syllogismus Operator: materiale Implikation ( A → B) Wenn → DannAntecendens → Konsequens(Vorderglied) (Hinterglied) Modus ponensPrämisse 1: Wenn A, dann BPrämisse 2: A gilt.Konklusion: Dann gilt B Modus tollensPrämisse 1: Wenn A dann BPrämisse 2: B gilt nichtKonklusion: Dann gilt auch A nicht Nur Modus ponens und tollens sind logisch valide und göltige Schlussformen Verneinung des Antecendens und Bejahung des Konsequenz ist kein gültiger Schluss Menschen haben Probleme, die Gültigkeit des Modus tollens zu erkennen
- Konditionaler Syllogismus: Übersicht Müsseler & Rieger, 2017: Übersichzeigt, dass Probanden den Modus Ponens sehr gut beherrschen Modus tollens allerdings oft problematisch Auch Fehlschlüsse werden häufig akzeptiert ⇒ normatives Modell, also die formale Logik (Deduktive Logik) spiegelt das menschlich Urteilen nicht sehr gut wieder
- Deduktives Schliesen: Das Karten-Umkehr-Problem Oaksford & Chater (1994) Probanden sehen vor sich 4 KartenBehauptung: "Wenn auf einer Kartenseite ein A steht, dann steht auf der anderen Seite eine 3."Welche Karten müssen unbedingt umgedreht werden? Antwort: Es muss der Modus ponens und der Modus tollens überprüft werden.89% erkennen den MP und drehen die Karte A um, nur 25% erkennen den MT, indem sie die Karte 7 umdrehen
- Deduktives Schließen: Briefkuvert-Experiment Johnson-Laird, Legrenzi, Legrenzi (1972): Briefkuvert Vor den Probanden liegen 4 Briefkuvere, jeweils zwei mit der Verschlussseite und zwei anderherum Regel: Wenn ein Brief verschlossen ist, ist er mit einer 50 Cent Marke frankiert Probanden wählten zu 87,5% die richtigen Briefumschläge aus Griggs, & Cox (1982): Bierkonsum-Alter-Problem Selbes spiel mit den 4 Karten Regel: Wenn eine Person trinkt, dann muss sie älter als 19 Jahre sein Probanden wählten zu 74% die richtigen Karten ⇒ Die Experimente zeigen starke Inhaltseffekte bei der Anwendung von logischen Regeln⇒ "Erlaubnisshemata" helfen dabei Regeln korrekt anzuwenden
- Deduktives Schliesen: Kategorialer Syllogismus (Aristotelischer Syllogismus) Quantoren unviersell, bejahend: Alle M sind PKurzschreibweise: ∀, MaP universell, verneinend: Kein M ist PKurzschreibweise: ¬∃, MeP partiell, bejahend: Einige M sind PKurzschreibweise: ∃, MiP partiell verneinend: Einige M sind nicht PKurzschreibweise: ¬∀, MoP Quantoren lassen sich unterschiedlich interpretieren Zum Beispiel gibt es 4 Möglichkeiten einen MiP du interpretieren
- Deduktives Schließen und der Kategoriale Syllogismus: Fazit Fazit Es gibt eine vielzahl von möglichen Schlussschemata Vielzahl an Quantoren und Interpretationen oftmals kommt es zu Fehlinterpretationen hohe Arbeitsgedächtnisbelastung → Viele dieser Schlüsse sind schwierig→ Schlechte Leistung in Experimenten→ Menschen schließen nicht nach dem normativen Modell
- Atmosphären-Hypothese Woodworth & Sells, 1935 Urteile werden nicht durch logische Folgerungen gefällt, sondern basieren auf der "Atmosphäre", die durch die Prämissen vermittelt wird Bei verneinenden Prämissen werden eher verneinende Konklusionen akzeptiert Bei partiellen Prämissen werden eher partielle Konklusionen akzeptiert Ansonsten werden universell bejahende Konklusionen akzeptiert
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- Deduktives Schließen: Glaubwürdigkeits-Bias (Belief-Bias) Evans, Barston, Pollard (1983) Eine unabhängige Stichprobe bewertete zunächst die Glaubwürdigkeit bestimmter Konklusionen. Anschließend wurden jeweils 50% valide und invalide Syllogismen mit glaubwürdiger oder nicht glaubwürdiger Konklusion gepaart. Es entsteht ein 2x2 Design Probleme wurden in Form von Prosatexten präsentiert Ergebnis Glaubwürdige Konklusionen werden häufig als valide akzeptiert, auch wenn sie invalide sind Unglaubwürdige Konklusionen werden seltener als valide akzeptiert, acuh wenn sie dies sind
- Hypothesentesten: Bestätigungstendenzen (Confirmation Bias) Menschen haben Schwierigkeiten mit negativer Information umzugehen Sie bewerten beim Prüfen von Hypothesen positive Information stärker als negative Information Sie versuchen eher, Hypothesen zu bestätigen als zu falsifizieren Dies gilt auch für Wissenschaftler, wenn es um die eigenen Hypothesen geht! Wason (1960)die Zahlenfolge 2-4-6 entspricht einer einfachen Regel. Um diese zu finden können weiter Triplets generiert werden. Doch statt Triplet zu finden, die ihre Hypothese widerlegen würden, wählen sie welche, die die Hypothese bestätigen (was einfach nicht viel bringt)
- Deduktives Schließen: Eingebildete Korrelationen Es wird bei zwei Variablen davon ausgegangen, dass diese eine Beziehung haben. Dabei haben diese nichts miteinander zu tun Falsifikationen werden offenbar missachtet, Bestätigungen hingegen als "Beweis" gewertet⇒ "selective matching" Beispiele Selbst Hebammen glauben, dass mehr Kinder bei Vollmond zur Welt kommen. Es besteht jedoch kein signifikanter statistischer Zusammenhang zwischen Mondphase und Geburtenrate. Rheuma-Patienten berichten häufig von einem Zusammenhang zwischen dem Wetter und ihren körperlichen Beschwerden. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftliche Belege
- Induktives Denken, Induktives Schließen Prämissen sind selten eindeutig wahr oder falsch Es fehlen oft vollständige Informationen, wir können keine sicheren Schlüsse ziehen Schlüsse sind dann nicht wahr oder falsch sondern wahrscheinlich Kommt weitere Information hinzu, so verändert sich die Wahrscheinlcihkeit für einen Schluss
- Induktives Denken: Bayes-Theorem p(H) = a-priori-Wahrscheinlcihkeit p(H|D) = a-posteriori-Wahrscheinlichkeit Vorwissen kann so in die Bewertung miteinfließen Daraus ergeben sich jedoch oft Wahrscheinlcihkeiten, die gegen die Intuition sprechen→ Unter oder Überschätzung der tatsächlichen WahrscheinlichkeitBeispiel: Positives Testergebnis beim Arzt
- Bayes-Theroem: Vernachlässigung der Basisrate Kahneman, & Tversky (1973) Zwei Gruppen werden den Probanden präsentiert: Gruppe 1: "ingenieurreich", p(H) = 0.7 Gruppe 2: "ingenieurarm", p(H) = 0.3 Frage an Probanden: Wie groß ist die WK, das eine zufällig gewählte Person ein Ingenieur ist? Ergebnis: Antwort folgt der a-priori Verteilung Zusatzinformation 1: Jack ist verheiratet, nicht politisch interessiert, ehrgeizig, konservativ, viele Hobbies... Ergebnis Probanden denken bei beiden Gruppen, das Jack zu 90% ein Ingenieur ist", das Bayes-Theorem ist nicht eingeahlten worden Zusatzinformation 2: Dick ist verheiratet, keine Kinder, sehr motiviert und hohe Fähigkeiten, gern gesehn Ergebnis: 50% in beiden Gruppen. Neutrale Information wird nicht als keine Information gewertet, obwohl sie nichts nützt FazitDie Probanden vernachlässigen bei zusätzlicher Information die a-priori WK⇒ Schlussfolgerungen folgen nicht Bayes
- Heuristisches Schlussfolgern überschlägige Denkweise, Urteilsheuristik Die Kunst, in begrenzter Zeit und mit begrenztem Wissen (möglichst) richtige Schlüsse zu ziehen Tversky & Kahneman Verfügbarkeitsheuristik Repräsentationheuristik Ankerheuristik
- Heuristisches Schlussfolgern: Verfügbarkeitsheuristik Beispielfrage an die Probanden: Gibt es im Englischen mehr Wörter, die mit dem Buchstaben R anfangen, als Wörter, die ein R an dritter Stelle besitzen? Überwiegende Antwort: R kommt häufiger am Wortanfang als an 3. Stelle vor. (Das ist falsch) Urteilfehler aufgrund von VerfügbarkeitWörter, die mit R anfangen sind leichter abrufbar Auftretenshäufigkeit eines Ereignisses wird umso höher eingeschätzt, je besser verfügbar/abrufbar es ist
- Heuristisches Schlussfolgern: Verfügbarkeitsheuristik ist allgegenwärtig Wahrscheinlichkeit von außergewöhnlichen Ereignissen wird oft überschätzt(z.B. Flugzeugabstürze, Lottogewinne, Kriminalität...) Wahrscheinlichkeit von häufigen Ereignissen wird häufig unterschätzt(z.B. Diabetes) Schwarz et al. (1991) Gruppe 1: Nennen Sie 6 Beispiele, in denen Sie durchsetzungsfähig waren Gruppe 2: Nennen Sie 12 Beispiele ErgebnisProbanden der Gruppe 1 schätzten sich danach durchsetzungsfähiger ein als Probanden der Gruppe 2
- Heuristisches Schlussfolgern: Repräsentativheuristik Wird eine Personenbeschreibung geboten und anschließend nach dem Beruf gefragt, so werden häufig Stereotype Bilder mit den Charaktermerkmalen verglichen→ Die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses wird danach bewertet, wie genau es einem bestimmten Prototyp entspricht (wie repräsentativ es für eine Kategorie ist)→ Dabei werden häufig wichtige Informationen wie die Basisrate vernachlässigt Repräsentativheuristik: Konjunktionseffekt Beispiel Linda: Linda hat Philosophie studiert, hat sich intensiv mit sozialer Gerechtigkeit beschäftigt.... Ist Linda heute Bankangestellte oder Bankangestellte und in der Frauenbewegung aktiv? Probanden wählen häufig 2. ALternative, dabei ist die WK dafür max. gleich hcoh wie bei 1, oder geringer
- Heuristisches Schlussfolgern: Repräsentativitätsheuristik Stichprobenumfang & Gambler's fallacy StichprobenumfangProbanden denken häufig, dass ein statistisches Muster unabhängig vom Stichprobenumfang ist. Ist es aber nicht.Zur Verdeutlcihung hilft ein Extrembeispiel Gambler's fallacy (Irrtum)Gegeben eine Sequenz von Münzwurfen, welche ist wahrscheinlicher?Probanden wählen häufig Antwort "beide gleich"Aber: Eine Münze hat kein Gedächtnis! Nur die Kategorie "alle Wurfsequenzen" weist die Ausgeglichenheit von Kopf und Zahl auf(falsche Homogenitätsannahme)
- Heuristisches Schlussfolgern: Ankerheuristik Schätzungen werden stark in Richtung eines zuvor präsentierten Ankers verzerrt.Beispiel: Anzahl der Afrikanische Mitgliedstaaten in UNO schätzen Strack & Mussweiler (1997) Wurde Mahatma Ghandi älter als 140 Jahre? Wurde Mahatma Ghandi älter als 9 Jahre? Anschließend wurden alle gefragt, wie alt er genau wurde. Gruppe 2 schätze sein Alter geringer.
- Zwei-Prozesse-Modell Kahneman, 2003 System 1 Mühelos, automatisch, schnell, fehlerbehaftete Schlüsse möglich, langsames lernen, emotional⇒ Intuition System 2 langsam, mühsam, dafür genauer, seriell, kontrolliert, flexibel, neutral⇒ Reasoning Beispiel: Bleistift und Radiergummi
- Zwei-Prozesse-Modell: Selbsterschöpfung/ Ego-Depletion Ursachen Müdigkeit Unterzuckerung Alkohol Körperliche Anstrengung Mögliche Folgen System 1 überwiegt gegenüber System 2 Verlust der Selbstkontrolle Höheres Risikoverhalten Stereotype Entscheidungen Auswirkungen von Ego-Depletion auf gerichtliche Entscheidungen: Danziger2011 Anträge die früh morgens oder nach einer Pause bearbeitet werden haben viel höhere Erfolgsaussichten