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Einführung in die Welternährungswirtschaft (Subject) / Altklausuren (Lesson)
Altklausuren
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- Welcher der folgenden Faktoren ist NICHT Teil des Human Development Index (HDI)? Nur eine richtige Antwort! (2P) a. Durchschnittseinkommen pro Kopf b. Bildungsstand der Bevölkerung c. Anteil der Unterernährten in der Bevölkerung d. Lebenserwartung --> Antwort c c. Anteil der Unterernährten in der Bevölkerung HDI = Human Development Index Durchschnittseinkommen pro Kopf Bildungsstand der Bevölkerung (Durchschnittliche Schulbesuchsdauer) Lebenserwartung bei Geburt (Gesundheit)⇒ Indikator für Lebensqualität
- Nennen Sie zwei Argumente, die Ihre obige Antwort (HDI) begründen, dass also der von Ihnen verneinte Faktor bereits in anderen Faktoren implizit enthalten ist (4P). Durchschnittseinkommen und Anteil der Unterernährten in der Bevölkerungsind stark negativ korreliert Hohe Lebenserwartung impliziert, dass Menschen nicht Unterernährt waren bzw. Unterernährung korreliert stark mit Kindersterblichkeit ⇒ Beeinflusst stark den Faktor Lebenserwartung.
- Warum ist der HDI gegenüber der alleinigen Verwendung des Durchschnittseinkommens pro Kopf besser geeignet, um das Wohlstandstandsniveau von Nationen zu vergleichen? (4P) Durchschnittseinkommen sagt noch nichts über die Einkommensverteilung aus: Armut kann unerkannt bleiben ⇒ Rückstände in Lebenserwartung und Bildung würden die Armut jedoch aufdecken. Auch ein gleichmäßig Verteiltes BIP pro Kopf sagt noch nichts darüber aus wie genau der Staat seinen Anteil einsetzt (Rüstung und Präsidentenpaläste vsSchulen und Krankenhäuser)⇒Durchschnittseinkommen misst die notwendigen Vorraussetzungen, Lebenserwartung und Bildung das Ergebnis.
- Definieren Sie ganz kurz RDA und EAR (2 P) RDA:Recommended Daily Allowance – tägliche Nährstoffaufnahme, bei der 97-98% der Referenzgruppe von Erwachsenen eine hinreichende Versorgung erhalten würden. EAR: Estimated Average Requirement – tägliche Nährstoffaufnahme, bei der 50%der Referenzgruppe von Erwachsenen eine hinreichende Versorgung erhalten würden.
- Warum ist EAR besser als RDA als Maßstab geeignet, um die Ernährungssituation einer Gruppe (Stichprobe) zu beurteilen? (4 P) Nähme man den RDA als Maßstab zur Beurteilung der Ernährungssituation einer Gruppe, so würde diese bei tatsächlich durchschnittlicher Versorgungslage dennoch als „unterversorgt“ eingestuft werden. Bei Verwendung des EAR hingegen würde die Gruppe als „im Durchschnitt angemessen versorgt“ eingestuft werden
- G seien Gini-Koeffizienten von Vermögen, Einkommen und Konsumausgaben einer Bevölkerung. Geben Sie die (eine!) richtige Größenabfolge an (2P): a. G Einkommen > G Konsumausgaben > G Vermögen b. G Vermögen > G Einkommen > G Konsumausgaben c. G Vermögen > G Konsumausgaben > G Einkommen b. G Vermögen > G Einkommen > G Konsumausgaben Der Gini-Koeffizient wird insbesondere in der Wohlfahrtsökonomik verwendet, um beispielsweise das Maß der Gleichheit oder Ungleichheit der Verteilung von Vermögen oder Einkommen zu beschreiben. ⇒ Ableitung aus der Lorenz-Kurve
- Was ist ‚demographic momentum‘? Die Tatsache, dass eine Bevölkerung aufgrund von Kohorteneffekten immernoch weiter wachsen kann, obwohl die durchschnittliche Fertilität bereits unterdas Erhaltungsniveau gefallen ist.
- Ist das kurzfristige weltweite Getreideangebot bzw. -nachfrage preiselastisch oder -unelastisch (keine Lagerhaltung berücksichtigen!), und warum jeweils? (4P) Angebot:Das weltweite Angebot für das Güterbündel Getreide ist kurzfristig sehr unelastisch,weil Landwirte ihre Produktionsumfänge wegen der notwendigen Anbauzyklen nichtkurzfristig anpassen können. Nachfrage:Gleichfalls unelastisch, weil Getreide insgesamt zum einen ein inferiores Gut ist undaußerdem in vielen Verwendungen nur sehr eingeschränkt substitutiert werden kann.
- Das Diagramm unten zeigt eine stilisierte kurzfristige Welt-Nachfragefunktion für Getreide. Demonstrieren Sie durch das Einzeichnen von 2 linearen Angebotsfunktionen (im Vorher-Nachher-Sinne), wie kleine Angebotsänderungen dazu führen können, dass sich Preise weit stärker als Mengen ändern können (es sei keine Lagerhaltung möglich!). Fügen Sie Ausgangs- und Endniveaus für Gleichgewichtsmengen und –preise ein (Qa, Qe; Pa, Pe) (4P) zwei senkrechte oder zumindest steile Angebots- Funktionen Keine elastischen Funktionen, denn das kurzfristige Angebot ist ja unelastisch, also mit steilem Funktionsverlauf! Auch keine Riesenänderungen des Angebots, welche sich durch die Verwendung elastischer Funktionen dann auch gern ergeben!
- Was ist die gängigste internationale Definition von Ernährungssicherheit (Food Security) (2P)? Ernährungssicherheit bedeutet, dass alle Menschen jederzeit Zugang zu genügend sicherer und nahrhafter Nahrung haben, um ein aktives und gesundes Leben zu führen.
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- Welche vier Aspekte umfasst Food Security nach dieser Definition, und was bedeuten diese? (8P) Availability: Es werden genug Nahrungsmittel global bzw. regional produziert, funktionierender Handel Access: die Konsumenten haben genügend Einkommen oder andere Möglichkeiten, sich Zugang zu diesen Nahrungsmitteln zu verschaffen Utilisation: Die Lebensmittel sind qualitativ in Ordnung, und die Konsumenten sind gesundheitlich in der Lage, die notwendigen Nahrungsmittel zu konsumieren und in ihrem Stoffwechsel zu verarbeiten Stability: diese drei vorher genannten Aspekte sind über die Zeit stabil, und nicht nur über eine längere Periode ‚im Durchschnitt‘ gewährleistet.
- Warum ist targeting im Zusammenhang mit Ernährungssicherungsmaßnahmen so wichtig? (2P) Ernährungssicherungsmaßnahmen: staatliche Aufwendungen, die aus knappen Steuermitteln zur Verfügung gestellt werden⇒ zielgerichtete Verwendung, um sicherzustellen, dass möglichst nur Menschen mit unzureichender Ernährungslage von ihnen profitieren.
- Beschreiben Sie zwei Beispiele von self-targeting. (4P) 3 Beispiele Food-for-work: Nur arme Menschen mit entsprechend niedrigen Opportunitätskosten werden Arbeit annehmen, für die es nur Lebensmittel als Gegenleistung gibt. Verbilligte Lebensmittel, die inferiore Güter sind: zum Beispiel Graubrot statt Weißbrot in Ägypten, gelber statt weißer Mais in Schwarzafrika, Lebensmittel 2ter Wahl.⇒ Arme Menschen haben eine wesentlich größere Nachfrage nach diesen Lebensmitteln, während die Nachfrage sinkt, wenn die Einkommen zunehmen. Also werden vor allem Arme von diesen Subventionen profitieren. Öffentliche Suppenküchen: Nichtbedürftige haben nicht die Zeit, dort hinzugehen; außerdem ist wohlhabenden Leuten das Publikum dort meist unangenehm, und sie würden sich nicht gern unterstellen lassen, sie hätten den Besuch einer Suppenküche nötig.
- Welche Faktoren beeinflussen die Änderung der Fertilität im demographischen Übergang? (5 P) Bessere gesundheitliche Versorgung der Mütter und Kinder senkt die Mortalität, daher ist die Aufzucht von weniger Kindern ‚nötig‘. Soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit und Alter verringert die Abhängigkeit von der eigenen Familie bzw. den eigenen Kindern. Die Ausbildung von Kindern ist teuer und Kinderarbeit mitunter verboten. Besser gebildete und am Arbeitsmarkt teilnehmende Frauen haben höhere Opportunitätskosten der Zeit. Traditionelle Werte (z.B. Kinder = Reichtum) verlieren an Bedeutung. Verhütungsmittel werden verfügbar und bezahlbar.
- Warum erleichtert ein beschleunigter demographischer Übergang die Ernährungssicherung? (3 P) Weniger Kinder => geringere ‚dependency ratio‘, setzt Arbeitskraft bei der Elterngeneration frei (demographische Dividende) Der Druck auf natürliche landwirtschaftliche Produktionsressourcen sinkt. Geringeres Bevölkerungswachstum erhöht c.p. das Wirtschaftswachstum pro Kopf und die Kapitalausstattung pro Kopf, was die Einkommen pro Kopf und damit die Ausgaben für Nahrungsmittel und deren Konsum erhöht. All dies erhöht die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln pro Kopf
- Erläutern Sie die Theorie der Environmental Kuznets Curve (EKC). Denken Sie dabei an Produzenten, Konsumenten, Wähler sowie Technologien, institutionelle Entwicklung und Präferenzen. Fertigen Sie auch eine einfache Zeichnung zwecks Illustration an (Nur Achsen samt Beschriftung sowie die Kurve) (10P) Theorie der EKC: mit steigenden Pro-Kopf-Einkommen steigt zunächst die Umweltbelastung durch Produktion, um ab einem bestimmten Einkommensniveau wieder zu sinken. Produzenten: Ausweitung der Produktion ⇒ Zunahme der Belastung (technische Maßnahmen zur schonenden Produktion sind bei niedrigem Einkommen noch relativ teuer oder noch gar nicht entwickelt). Umweltgüter sind demgegenüber noch relativ billig. → Im fallenden Verlauf der Kurve lohnt es sich für Produzenten, umweltschonend zu wirtschaften: Ressourcen werden knapp und teuer; entspr. Technologien stehen nun zur Verfügung. Konsumenten: Arme Menschen: andere Prioritäten als eine saubere Umwelt (Essen, Behausung, Gesundheitsversorgung) Mit steigendem Einkommen jedoch z.B. stark steigende Präferenz und damit Zahlungsbereitschaft für Umweltgüter, z.B. weniger rückstandsbelastete Nahrungsmittel Institutionen/Governance: in armen Ländern sind Institutionen und Regierungen oft schwach und ineffizient, vor allem in Bezug auf die Durchsetzung gesellschaftlicher Ziele mit eher niedrigem Rang wie eben Umweltschutz. Wähler: Arme Länder meistens weniger demokratisch regiert als wohlhabende ⇒ Präferenzen der Wählerschaft für höhere Umweltqualität ist dann politisch schwer durchzusetzen. Dies ändert sich im Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung meist fundamental, siehe Atomausstieg in Deutschland als jüngstes Beispiel einer politischen Konsequenz.
- Nennen Sie mögliche Auslöser für Verschiebungen von Angebotsund Nachfragekurven bei Agrarprodukten (je drei Beispiele, hier genügen Stichworte) (6P) Nachfrage z.B.:· Bevölkerungswachstum· Einkommensänderungen· Änderungen von Verbraucherpräferenzen· Änderung der Preise von SubstitutenAngebot:· Höherer Faktoreinsatz (Land, Arbeit)· Technischer Fortschritt· Variierende Wetterbedingungen zwischen Anbaujahren· Änderung von Produktionskosten
- Wie sind Bewegungen auf der Kurve im Unterschied zu Verschiebungen der Kurve zu interpretieren? (4P) Bei Bewegungen auf den Angebots- oder Nachfragekurven regiert das Angebot oder die Nachfrage nur auf geänderte Preise, oder Änderungen von Nachfrage bzw. Angebot der ‚Marktgegenseite‘. ⇒ Bewegungen auf der Kurve heißen somit, dass sich Angebot bzw. Nachfrage selbst nicht grundlegend ändern, wie man das bei einer Verschiebung der Kurven unterstellt Verschiebungen der Kurven bedeuten letztlich geänderte Grenzkosten der Anbieter bzw. geänderte Zahlungsbereitschaft (=Grenznutzen) der Nachfrager.
- Beschreiben Sie das Beispiel einer (verbreiteten!) Maßnahme, die nur ein sehr schlechtes targeting verspricht. (2P) Schlechtes targeting versprechen allgemeine Lebensmittelsubventionen (z.B. künstlich niedrige Preis für Brot fast jeglicher Kategorie), weil von diesen Subventionen reiche und arme Haushalte profitieren.
- Nennen und erläutern Sie kurz die 4 Grundformen der Fehl- bzw. Mangelernährung, und benennen Sie die aus Ihrer Sicht jeweils wichtigste Ursache (8P) Überernährung: übermäßige Aufnahme von Nahrungskalorien Ursachen: Bei steigendem Wohlstand wird Essen relativ billiger; der Organismus der meisten Menschen ist aber genetisch auf Fettansammeln programmiert; fehlende Bewegung in urbanen, (post)industriellen Gesellschaften. Mikronährstoffmangel: Mangel an Spurenelementen wie Jod, Eisen oder verschiedenen Vitaminen Ursache: die Diät armer Menschen ist oft einseitig auf preiswerte stärkehaltige Nahrungsmittel ausgerichtet mit wenig tierischen Produkten und Obst/Gemüse. Sekundäre Unterernährung: aufgenommene Nährstoffe können nicht angemessen verdaut werdenUrsache: Erkrankungen (z.B. Durchfall); in armen Ländern bzw. Haushalten vor allem durch mangelhafte hygienische Verhältnisse und schlechte Gesundheitsversorgung Kalorien-Protein-Unterernährung: zu geringe Aufnahme von Kalorien und/oder ProteinUrsache: vor allem länger andauernde Einkommensarmut, aber auch akute Nichtverfügbarkeit während Hungersnöten
- Definieren Sie die Symptome Stunting, Wasting und Underweight und nennen Sie mögliche jeweilige Schlussfolgerungen über die Art eines möglichen Ernährungsmangels (6P) Stunting: ein Kind (oder Erwachsener) weist eine für sein Alter zu geringe Körpergröße auf (im Vergleich zu einer Referenzgruppe) Interpretation: chronische Mangelernährung während der körperlichen Entwicklungsphase Wasting: ein Kind (oder Erwachsener) weist ein für seine Körpergröße zu geringes Gewicht auf (im Vergleich zu einer Referenzgruppe). Interpretation: die Person leidet womöglich unter akuter Mangelernährung Underweight: ein Kind (oder Erwachsener) wiegt für sein Alter zu wenig (im Vergleich zu einer Referenzgruppe) Interpretation: es kann sowohl eine akute als auch eine chronische Mangelernährung vorliegen
- Erläutern Sie das Engelsche Gesetz und seine Implikationen für die Nachfrage nach Lebensmitteln bei steigenden Durchschnittseinkommen. Sind die international beobachteten Unterschiede im Nachfrageverhalten konsistent mit dem Engelschen Gesetz? (8P) Engelsches Gesetz: mit steigendem Einkommen steigen auch die Ausgaben für Lebensmittel, aber in unterproportionaler Weise. Ausgaben für LM sinken also relativ zu den gesamten Haushaltsausgaben, aber die absoluten Ausgaben sinken nicht mitsteigenden Einkommen. (4)Implikation: Die Nachfrage nach LM steigt mit steigenden Einkommen, aber derNachfragezuwachs verlangsamt sich bei Erreichen höherer Einkommen deutlich. (2)Internationale Vergleiche von Einkommens- und Lebensmittelausgabenniveausbestätigen durchweg diese Hypothese. (2)
- Der Trend fallender realer Preise für Getreide scheint zu Beginn des 21sten Jahrhunderts an ein Ende zu kommen. Seit Mitte der ersten Dekade des neuen Jahrzehnts scheint das Niveau der Weltmarktpreise mehr oder weniger dauerhaft um 100% gestiegen zu sein. Nennen und beschreiben Sie kurz 4 Entwicklungen bzw. Faktoren, die dazu beitragen könnten. (8P) Nachfrageschub als Folge des sich seit 1990 beschleunigenden Wirtschaftswachstums in China, Indien und anderen Schwellenländern; hier treibt vor allem der steigende Fleischkonsum die Nachfrage nach Futtergetreide. Gerade in den oben genannten Regionen rasch wachsender Nachfrage gibt es kaum noch Reserven für Ackerland, weswegen sie Mehrbedarf durch zunehmende Importe decken müssen. Steigende Energiepreise machen Treibstoff und Düngemittel für Landwirte teurer. Steigende Energiepreise machen die Verwendung von Getreide als Biotreibstoff wirtschaftlich attraktiv (Flächenkonkurrenz). Subventionen und Mindestbeimischungsgebote für Biotreibstoffe verstärken diesen Trend noch weiter. Die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen stößt zunehmend an Grenzen. Verlangsamte Ertragszuwächse bei Getreide seit den 90ern Bewusste Extensivierung z.B. durch Biolandbau in reichen Ländern verringert weltweite Durchschnittserträge Flächenstillegungsprogramme in reichen Ländern Reduzierung der Exportbeihilfen für Getreide in reichen Ländern
- Die Darstellung des Lewis-Strukturwandel-Modells ist unvollständig: was ‚liefert‘ der traditionelle Agrarsektor eines Landes an den verarbeitenden Sektor, und mit welchen Folgen für den trad. Agrarsektor? (2P) Was sind Voraussetzungen dafür, dass der traditionelle Agrarsektor dies liefern kann? (2P) Der traditionelle Agrarsektor liefert ‚überschüssige Arbeitskräfte‘ (surplus labour).⇒ bei gleicher Anbaufläche stehen dem Agrarsektor weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen dadurch verringert sich auch die Anzahl der Betriebe Die verbleibenden Betriebe werden tendenziell flächenmäßig größer (=> landw. Strukturwandel) ⇒ ihre Arbeitsproduktivität steigt. Der Agrarsektor schrumpft gleichzeitig relativ zu den Nicht-Agrarsektoren (sektoraler Strukturwandel). Der trad. Agrarsektor kann nur mit weniger Arbeitskräften auskommen (bei gleichem Landeinsatz und Produktionsniveau), wenn er durch technischen Fortschritt seine Arbeitsproduktivität erhöht.Gleichzeit muss der verarbeitende Sektor natürlich auch eine entsprechendeNachfrage nach Arbeitskräften entwickeln und höhere Löhne zahlen als im trad.Agrarsektor.
- Diskutieren Sie vor diesem Hintergrund (lieferung des trad. Agrarsektors) die populäre entwicklungspolitische Maxime „Wenn man ländliche Entwicklung will, muss man vor allem den Kleinbauern helfen“. (4P) Zur kurzfristigen Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung sinnvoll, weil Klein- oder Subsistenzbauernhaushalte meist arm und daher oft auch unterernährt sind. Das Ziel der Entwicklungspolitik sollte nicht sein, vorhandene kleinteilige Agrarstrukturen zu konservieren, da dann die Entwicklung der übrigen Wirtschaftssektoren und damit das Wirtschaftswachstum insgesamt gehemmt würden. Subsistenzlandwirtschaft → kein langfristiges entwicklungspolitisches Leitbild, weil ländliche Armut und Unterernährung nur gefestigt würden. Konzentration der ländlichen Entwicklungspolitik: ⇒ nicht nur bessere Produktionsbedingungen, Preise oder Einkommen für Kleinbauern⇒ sondern gleichzeitig förderung der Entstehung von Infrastruktur und nicht-landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen im ländlichen und im städtischen Raum.
- Wie unterscheidet sich typischerweise die Einkommenselastizität der Lebensmittelausgaben zwischen armen und reichen Bevölkerungsgruppen, und warum? (4P) Bei armen Leuten ist die Elastizität in der Regel hoch, bei etwa 0.5 – 0.6 Bei reichen Leuten ist die Einkommenselastizität der Lebensmittelausgaben wesentlich niedriger, eher im Bereich 0.2 - 0.1 Grund: arme Leute haben noch große unbefriedigte Konsumbedürfnisse, was Essen betrifft (Unterernährung, wirtschaftlicher Zwang, vor allem billige, aber wenig schmackhafte Nahrungmittel kaufen zu müssen). Der Lebensmittelkonsum reicher Menschen hingegen ist wesentlich gesättigter, und deswegen wird zusätzliches Einkommen eher für andere Konsumgüter oder für Investitionen (Haus, Auto etc.) eingesetzt.
- Welchen Wertebereich hat die Einkommenselastizität der Lebensmittelausgaben? Begründen Sie die Ober- und die Untergrenze (4P) Der Wertebereich reicht von Null bis Eins.Obergrenze 1: Warum sollte man bei einem Einkommenszuwachs einen noch größeren Betrag für Lebensmittel ausgeben und dafür bei Nichtlebensmitteln einsparen? Das Engelsche ‚Gesetz‘ postuliert das Gegenteil und wurde bislang empirisch nicht widerlegt.Untergrenze 0: Es ist bisher noch nicht beobachtet worden, dass Menschen bei zunehmendem Reichtum ihre Ausgaben für Lebensmittel wieder reduzieren würden. Sie reduzieren zwar oft die Kalorienaufnahme, kaufen aber trotzdem tendenziell immer teureres Essen bzw. die dazu gehörenden Dienstleistungen.
- Angebotsausweitung: Vervollständigen Sie die drei Zeichnungen (‚vorhernachher‘). Schreiben Sie jeweils ein einfaches Beispiel aus dem Pflanzenbau auf der rechten Seite hinzu (6 P). Diagramme: y= Produktion, x = Inputeinsatz a) Mehr Produktion durch mehr Inputeinsatz (2P) b) Mehr Produktion durch höhere Effektivität bzw. Effizienz des Inputeinsatzes (2P) c) Mehr Produktion durch neue Technologien (2P) a) Mehr Produktion durch mehr Inputeinsatz (2P)Bsp: Ein Bauer setzt mehr N-Dünger ein, und zum richtigen Zeitpunkt b) Mehr Produktion durch höhere Effektivität bzw. Effizienz des Inputeinsatzes (2P)Ein anderer Bauer hat bislang eine bestimmte Menge N-Dünger eingesetzt, lernt nun aber, dass er dies nicht zum besten Zeitpunkt getan hat, und korrigiert nun den Zeitpunkt, ohne dieAusbringungsmenge zu verändern c) Mehr Produktion durch neue Technologien (2P)Unsere Bauern setzen eine neue Pflanzensorte ein, die jegliche N-Düngermenge besser verwertet
- Agrarangebot: Erklären Sie, warum in der US-Landwirtschaft um 1900 mechanisiert wurde, ohne dass die Erträge stiegen, während zur gleichen Zeit in Japan die Erträge stiegen, ohne dass mechanisiert wurde. Nennen und erläutern Sie kurz die der Erklärung zugrundeliegende ökonomische Theorie! (6 P) USA: Boden war reichlich vorhanden, Arbeit knapp. Mechanisierung als arbeitssparender technischer Fortschritt spart knappe Arbeit, erhöht aber für sich allein genommen in aller Regel nicht die Ernteerträge. Japan: Arbeitskraft war reichlich vorhanden, aber fruchtbarer Boden knapp. Deswegen wurden vor allem bodensparende technische Fortschritte realisiert wie etwa Bewässerung, Düngung, Pflanzenschutzmittel, ertragreichere Sorten. All diese Maßnahmen erhöhen für sich genommen nicht notwendigerweise die Arbeitsproduktivität, vor allem, wenn sie nicht durch Mechanisierung begleitet werden. Diese beiden gegensätzlichen Vorgänge sind mit der Theorie des induziertentechnischen Fortschrittes konsistent, welche besagt, dass Investitionen infaktoreinsatzsparenden technischen Fortschritt die Produktivität der jeweilsknappsten Faktoren zuerst verbessern.
- Nennen Sie das Hauptmotiv für die Proklamation eines ‚Right to Food‘ als grundlegendes Menschenrecht (2 P) Durch die Erklärung des Rechts auf ausreichende Nahrungsversorgung versuchtman die Ernährungspolitik dem politischen Verhandlungsmarkt zu entheben. Manhofft, Regierungen damit zum Handeln zwingen zu können.
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- Nennen Sie einen rechtlichen und einen wirtschaftlichen Grund, warum ein ‚Right to Food‘ für Regierungen schwieriger durchzusetzen ist als das Recht auf freie Meinungsäußerung? (4 P) Herkömmliche Menschenrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung erfordert vom Staat kein aktives Handeln, sondern eine Selbstbeschränkung des staatlichen Handelns. Das Recht auf Nahrung dagegen ist ein ‚ökonomisches Recht‘, dessen Durchsetzung staatliches Handeln erfordert. Der Staat muss Ressourcen (Steuergelder) aufwenden, die er auch für andere wichtige Staatsziele einsetzen könnte. (wirtschaftliches Problem) Konkurrierende Rechte (Eigentumssicherung) werden durch ökonomisch Rechte tangiert. (rechtliches Problem) Auch ist nicht klar, ob alle Regierungen der Welt in gleicher Weise für die Beseitigung des Hungers in der gesamten Welt verantwortlich gemacht werden sollen. (rechtliches Problem) Außerdem ist nicht leicht festzustellen, wann tatsächlich keine Unterernährung mehr existiert. (rechtliches und wirtschaftliches Problem)
- Halten Sie den im Buch verwendeten Bewertungsmaßstab ‚Kosten pro gerettetem Menschenleben‘ für Maßnahmen oder Regelungen für geeignet; generell und in Bezug auf Ernährungssicherung? Was könnte man gegen diesen Maßstab vorbringen? (4) Die diskutierten Maßnahmen und Regelungen sind meistens nicht nur dazu da,Menschenleben zu retten, sondern generell das Wohlbefinden bzw. die Sicherheitder Menschen zu verbessern. Eine Bewertung nur hinsichtlich geretteterMenschenleben unterschätzt deswegen möglicherweise massiv den Gesamtnutzensolcher Maßnahmen.Beispiel Unterernährung: Hungernde Menschen müssen nicht notwendigerweiseverhungern (also sterben), aber trotzdem leiden sie unter dem Hunger, sind öfterkrank, weniger produktiv und daher in der künftigen Verbesserung ihres Wohlstandeseingeschränkt. Der Hunger ist also nicht erst dann ein Problem, wenn der Menschdaran stirbt.
- Waaler surfaces Studie(1984 von Norweger Hans Waaler): Gewicht und Größe erhoben, klarer Zusammenhang zwischen diesen Merkmalen und Sterberisiko gefunden Verteilung ist Badewannenförmig (Boden= Sterberisiko am geringsten), Sterberisiko steigt mit Größe(bei konstantem Gewicht) und Gewicht(bei konstanter Größe) Der Boden zeigt: Kombination aus Gewicht und GrößeDie Ränder zeigen: Das relative Sterberisiko zur Kombination Gewicht-Größe
- Agrarische Revolution (grüne Revolution) Manipulation biol. Prozesse (Tiere, Boden, Pflanzen, Schadorganismen, Bewässerung) ⇒ Hochertragssorten, Multiple cropping weniger Ressourcenbedarf Produktion von Überschüssen und Spezialisierung Lagerung⇒ dadurch erste städtische Siedlung möglich
- Produktionsbedingungen in unterschiedlichen globalen Klimazonen gemäßigte Zone: gute Böden, z.T. Kalte Winter, viel Lichtfeuchte Tropen: genug Wasser, problematische Böden, hoher SchädlingsdruckSubtropen: häufig arid, oft zwischen Tropen und gemäßigter Zone In tropischen Regionen spielt das Auftreten von Malaria ebenfalls eine Rolle.
- Waaler Surface-Im Querschnitt Möglichkeit 1: Körpergröße wird konstant gehalten (hier 1,70m) nur Gewicht variiert An den Rändern der Verteilung zu geringes/hohes Gewicht, damit zu geringe/hohe BMIs; das relative Sterblichkeitsrisiko steigt Aktuelle Ernährungslage (Gewicht) beeinflusst Sterbealter Möglichekit 2: Gewicht wird konstant gehalten (70 kg)⇒Nur Größe variiert Mit zunehmender Körpergröße sinkt das relative Sterblichkeitsrisiko (reflektiert Auswirkungen von Unterernährung in der Kindheit) Anstieg bei Körpergröße > 1,85 m erklärt sich dadurch, dass Männer mit dieser Körpergröße mit 70 Kilo aktuell zu wenig wiegen, damit sinkt LE