Wie wird „Organisationspsychologie“ definiert?
→ Organisationspsychologie befasst sich mit dem Erleben & Verhalten von Menschen in Organisationen, um es zu beobachten, beschreiben und zu erklären, in Entscheidungszusammenhängen zu prognostizieren und in Interventionsfällen zu verändern. Einbettung: Mikroökonomische Prozesse: Arbeits- & Organisationspsychologie, Markt- & Konsumentenpsychologie Makroökonomische Prozesse: wirtschaftliche, gesellschaftliche Entwicklungen
Was war der wichtige Beitrag des Taylorismus?
Organisationen sollen nach den Prinzipien rationaler & systematischer ingenieurwissenschaftlicher Analysen entworfen, geführt und ständig perfektioniert werden Wissenschaftliche Zeit- und Bewegungsstudien sollen den “one best way“ für den Produktionsablauf zeigen (Tätigkeiten werden dabei in kleinste Bewegungselemente zerlegt & nach technisch-ökonomischen Kriterien wieder zusammengesetzt) Ziel ist die angemessene Tagesleistung eines erstklassigen Arbeiters – nicht die Maximalleistung – ohne dass er dabei körperlichen oder seelischen Schaden erleidet → Extreme Arbeitsteilung zwischen „Kopfarbeit“ (Management) und „Handarbeit“ (Arbeiter) durch detailliert vorgeschriebene Teilhandlungen
Was war der zentrale Beitrag der Human Relations Bewegung?
40er - 50er Jahre - Lewin, Katz & Kahn, Likert, Tannenbaum (Michigan-Schule): Mitarbeiter werden durch die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen („human relations“) motiviert Bleiben soziale Bedürfnisse unbefriedigt, reagieren Mitarbeiter mit Unzufriedenheit, Produktivitätsrückgang, Krankmeldungen, etc. Zu den Aufgaben von Vorgesetzten gehört auch die Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen Zentrale Themen: Gruppendynamik, Führungsstile, Betriebsklima
Was versteht man unter Humanisierung der Arbeit?
Maslow & McGregor 50/60er: Betonung des Bedürfnis nach Selbstverwirklichung bei der Arbeit Hackman & Oldham 70er: Bedeutsamkeit, Vollständigkeit, Anforderungsvielfalt, Autonomie & Feedback als wesentliche Bestandteile intrinsisch motivierender Arbeit Handlungstheorie (Hacker, 70er): Konzept der Vollständigkeit & Persönlichkeitsförderlichkeit von Arbeit: Arbeit soll „Wirkungs- & Entwicklungsmöglichkeiten für wesentliche Fähigkeiten und Einstellungen im Arbeitsprozess sichern“ Prominente Arbeitsgestaltungsmaßnahmen: Job Enrichment, teilautonome Gruppenarbeit
Welche aktuellen Herausforderungen und Trends bestehen in der Arbeitswelt?
Technisierung & Digitalisierung von Arbeit höher als je zuvor (Industrie 4.0 - Internet of things - kollaborative Roboter) Globale Vernetzung von Unternehmen höher als je zuvor Die durchschnittliche Lebenserwartung höher als je zuvor Weltbevölkerung größer als je zuvor Notwendigkeit des lebenslangen Lernens höher als je zuvor
Was waren Nachteile des Taylorismus?
Monotone Tätigkeiten, Langeweile & Demotivation, geringer Handlungsspielraum der Arbeitenden Geringe Qualifikation der Arbeitenden Geringe Innovationskraft Hoher Koordinations- / Überwachungsbedarf, Berücksichtigung allein monetärer Anreize
Was sind die zentralen Funktionen einer Theorie?
Präzise Beschreibung eines Forschungsgegenstands Erklärung der Entstehung und Veränderung des Forschungsgegenstands, zB in Form von Ursache-Wirkungs-Beziehungen – das „warum“ Vorhersage von zukünftigen Entwicklungen Generierung und Steuerung von Interventionen -> Kriterien für die Beurteilung einer Theorie sind Schlüssigkeit, Widerspruchsfreiheit und empirische Bewährung
Was sind Vor- und Nachteile von Labor- bzw. Feldstudien?
Laborstudie + hohe Kontrolle von Kontextbedingungen+ Kausalaussagen (Ursache-Wirkung) möglich+ hohe Innovationsmöglichkeiten- eingeschränkte Generalisierbarkeit- niedrige ökologische Validität und Akzeptanz in der Praxis Feldstudie + hohe ökologische Validität und Akzeptanz bei Praktikerinnen- wenig Kontrolle von Kontextbedingungen- überwiegend deskriptiv, Kausalaussagen kaum möglich- geringe Innovationsmöglichkeiten
Welche Methoden der Datengewinnung gibt es in der Organisationspsychologie?
Interviews Fragebögen (gedruckt oder online) Beobachtungen Testverfahren Experimente und Quasi-Experimente Nicht-reaktive Maße auf Ebene von Einzelpersonen (bspw. Cortisol) oder auf Ebene von Teams/Organisationen (bspw. „Materialschwund“) Computersimulationen Sekundäranalysen und „Data Mining“ Metaanalysen
Was versteht man unter der „Event Reconstruction Method“?
Personen erleben noch einmal spezifische berufliche Ereignisse mit Hilfe von Recall Cues, und beantworten danach jeweils einen kurzen Fragebogen + Messung des tatsächlichen Erlebens ökonomisch und wenig invasiv - noch wenig erprobt
Welche Abstufungen von Effektstärken gibt es nach Cohen (1988)?
klein: 0.2mittel: 0.5groß: 0.8
Was sind „Common Method“ Artefakte (etwas, das künstlich hergestellt ist), und wie kann man sie vermeiden?
Gleiche Person als Datenquelle (Konsistenzmotiv, Implizite Theorien) Gleiche Item Charakteristika (Gleiche Antwortskalen, Antworttendenzen) Gleicher Item Kontext (Priming Effekte, Kontextabhängige Stimmungen) Gleicher Mess-Kontext (Gleicher Zeitpunkt, gleiches Messinstrument (z.B. Fragebogen)) Lösungen: eher große Stichproben wenige Variablen zeitliche Veränderung berücksichtigen adäquate Kontrollgruppen