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Klinische Psychologie 1 (Subject) / 3. Vorlesung (Lesson)

Affek%ve Störungen und Suizidalität

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  • Klassifikation affektiver Störungen DSM IV vs. DSM 5  DSM IV: Affektive Störungen  Major Depression  Dysthyme Störung  Bipolar I  Bipolar II  Zyklothyme Störungen  DSM 5: Depressive Störungen  Major Depression  Persistierende depressive Störung  Disruptive Affektregulationsstörung  Prämenstruelle dysphorische Störung  DSM 5: Bipolar Störungen  Bipolar I  Bipolar II  Zyklothyme Störungen
  • Klassifikation affektiver Störungen Depressive Episode Mindestens fünf der folgenden Symptome bestehen A. während derselben 2-Wochen-Periodeund stellen eine Änderung gegenüber dem vorher bestehen FunkEonsniveaus dar;mindestens eines der Symptome ist entweder (1) depressive VersEmmung oder (2) Verlustan Interesse oder Freude. 1. Depressive VersEmmung für die meiste Zeit des Tages an fast allen Tagen 2. Deutlich vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen AkEvitäten, an fast allenTagen, für die meiste Zeit des Tages 3. Deutlicher Gewichtsverlust ohne Diät oder Gewichtszunahme (z. B. mehr als 5 % desKörpergewichts innerhalb eines Monats) oder verminderter oder gesteigerter AppeEt an fast allenTagen. 4. Insomnie oder Hypersomnie an fast allen Tagen. 5. Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung an fast allen Tagen. 6. Müdigkeit oder Energieverlust an fast allen Tagen. 7. Gefühle von Wertlosigkeit oder übermäßige oder unangemessene Schuldgefühle (die auchwahnha^es Ausmaß annehmen können) an fast allen Tagen (nicht nur Selbstvorwürfe oderSchuldgefühle wegen des Krankseins). 8. Verminderte Fähigkeit zu denken oder sich zu konzentrieren oder verringerteEntscheidungsfähigkeit an fast allen Tagen 9. Wiederkehrende Gedanken an den Tod (nicht nur Angst vor dem Sterben), wiederkehrendeSuizidvorstellungen ohne genauen Plan, tatsächlicher Suizidversuch oder genaue Planung einesSuizids.
  • Klassifikation affektiver Störungen Manische Episode A. Eine abgegrenzte Periode (mind. eine Woche) von abnormund anhaltend gehobener , expansiver oder reizbarer S9mmungsowie anhaltender zielgerichteter Ak9vität. B. Während dieser Periode bestehen mind. drei, bei nurreizbarer Vers@mmung mind. vier der folgenden Symptome indeutlichen Ausmaß (deutliche Verhaltensänderung):• 1. Übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen.• 2. Vermindertes SchlaNedürfnis.• 3. Vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang• 4. Ideenflucht oder subjek@ves Gefühl des Gedankenrasens• 5. Erhöhte Ablenkbarkeit (z.B. durch unwich@ge oder irrelevante äußere Reize)• 6. Zunahme zielgerichteter Ak@vität (z.B. sozial, beruflich/schulisch oder sexuell)oder psychomotorischer Unruhe (nicht zielgerichtete Ak@vität).• 7. Übermäßige Ak@vitäten mit wahrscheinlich nega@ven Konsequenzen(ungezügeltes Einkaufen, sexuelle Abenteuer oder törichte Inves@@onen).
  • Klassifikation affektiver Störungen Manische Episode C. c  Die affek*ve Störung ist schwer genug, um deutliche soziale oder beruflicheBeeinträch*gungen zu verursachen oder eine Hospitalisierung zur Abwendungeiner Selbst- oder Fremdgefährdung erforderlich zu machen oder es sindpsycho*sche Symptome vorhanden. d Die Periode ist nicht Folge der physiologischen Wirkung einer D. Substanz (z.B.Substanz mit Missbrauchspotenzial, Medikamente, andere Behandlung)oder eines medizinischen Krankheitsfaktors. Beachte: Eine vollausgeprägte manische Episode, die während einer anHdepressiven Behandlung(z.B. Medikamente, ElektrokrampIherapie) auIriJ, aber über die physiologische Wirkung derBehandlung hinaus auf einem vollausgeprägten syndromalen Level fortbesteht, ist ein ausreichendesIndiz für das Vorliegen einer manischen Episode und somit für die Diagnose einer Bipolar-I-Störung. Beachte: Für eine manische Episode müssen die Kriterien A bis D erfüllt sein.Mindestens eine manische Episode während des Lebens ist für die Diagnoseeiner Bipolar-I-Störung erforderlich.
  • Klassifikation affektiver Störungen Hypomane Episode A. Eine abgegrenzte Periode (mind. vier aufeinanderfolgendeTage) von abnorm und anhaltend gehobener, expansiver oderreizbarer Stimmung und abnorm und anhaltend gesteigerterAktivität oder Energie. B. Während dieser Periode bestehen mind. drei, bei nurreizbarer Verstimmung mind. vier der folgenden Symptome indeutlichen Ausmaß (deutliche Verhaltensänderung):  1. Übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen.  2. Vermindertes Schlafbedürfnis.  3. Vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang  4. Ideenflucht oder subjektives Gefühl des Gedankenrasens  5. Erhöhte Ablenkbarkeit (z.B. durch unwichtige oder irrelevante äußere Reize)  6. Zunahme zielgerichteter Aktivität (z.B. sozial, beruflich/schulisch odersexuell) oder psychomotorischer Unruhe (nicht zielgerichtete Aktivität).  7. Übermäßige Aktivitäten mit wahrscheinlich negativen Konsequenzen(ungezügeltes Einkaufen, sexuelle Abenteuer oder törichte Investitionen).    C. Die Episode geht mit einer eindeu6gen und für den Betroffenen untypischenVeränderung des Funk6onsniveaus im Vergleich zur symptomfreien Zeit einher. D. Die S6mmungsveränderung und Veränderung im Funk6onsniveau sind für anderebeobachtbar. E. Die Episode ist nicht schwer genug, um deutliche soziale oder beruflicheFunk;onsbeeinträch;gungen zu verursachen oder eine Hospitalisierung erforderlichzu machen. Treten psycho;sche Merkmale auf, wird die Episode, per defini;onem,als manisch klassifiziert. F. Die Periode ist nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz (z.B. Substanz mitMissbrauchspotenzial, Medikamente, andere Behandlung). Beachte: Eine vollausgeprägte hypomanische Episode, die während einer an6depressiven Behandlung (z.B.Medikamente, ElektrokrampNherapie) auNriO, aber über die physiologische Wirkung der Behandlung hinaus aufeinem vollausgeprägten syndromalen Level fortbesteht, ist ein ausreichendes Indiz für die Diagnose einerhypomanischen Episode. Das Vorliegen von ein oder zwei Symptomen (v. a. erhöhte Reizbarkeit, Nervosität oderUnruhe nach An6depressiva-Gabe) ist nicht ausreichend für die Diagnose einer hypomanen Episode oder bipolarenStörung. Beachte: Für eine hypomane Episode müssen die Kriterien A bis F erfüllt sein. HypomaneEpisoden treten häufig bei einer Bipolar-I-Störung auf, sind für die Diagnose jedoch nichterforderlich.
  • Klassifikation affektiver Störungen Man unterteilt nach affek/ven Episoden und affek/ven Störungen. aktuelleSymptome  z. B. InteressensverlustAppetitverlustKognitionen derWertlosigkeitRededrang zu aktuelleEpisode z.B.Hypomane EpisodeDepressive Episode zu  Störung z.B.Bipolar I StörungMajor Depression
  • Klassifikation affektiver Störungen Affektive Episoden: 1. Episode einer Major Depression2. Manische Episode3. Hypomane Episode
  • Klassifikation affektiver Störungen Affek%ve Störungen 1. Depressive Störungen(Major Depression, PersisAerende Depressive Störung) 2. Bipolare Störungen(Bipolar I und Bipolar II, Zyklothyme Störung) 3. ÄAologie-orienAerte Störungen(AffekAve Störungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors oderSubstanzinduzierte affekAve Störung)    Major Depression– Mindestens eine depressive Episode, niemals manische oder hypomaneEpisode  Persistierende Depressive Störung– Depressive Verstimmung über 2 Jahre (Symptome einer depressiven Episodeoder etwas weniger), keine symptomfreie Phase von 2 Monaten, niemalsmanische oder hypomanische Episode)  Bipolar I Störung– Mindestens eine manische Episode  Bipolar II Störung– Mindestens eine depressive Episode und eine hypomanische Episode, niemalseine manische Episode  Zyklothyme Störung– Zahlreiche hypomane und „hypodepressive“ Episoden über 2 Jahre, keinesymptomfreie Phase von 2 Monaten, niemals depressive Episode, niemalsmanische Episode
  • Häufigkeits- und Geschlechtsverteilung affektiver Störungen BipolareStörungen30%Frauen:Männer = 1:1 UnipolareDepression65%  Frauen:Männer = 2:1 Rein Manisch: 5%
  • Rückfall und depressive Episoden nach einer 50% nach 2 80% nach 3 90%
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  • Verlauf 15% nur eine Episode  50-75% mehrere Episoden– M = 4 bei unipolarer Depression– M = 6 bei bipolarer Depression  10-15% chronischer Verlauf (> 2 Jahre)  Suizid– M = 4 %– Bei schwerer Depression: M = 8%-13%  Linden et al. 2003
  • Ätiologische Modelle der unipolaren Depression  Operantes Lernmodell  Gelernte Hilflosigkeit  Kogni<ves Modell  Live-Event Ansatz  Monoaminmangelhypothese  Biopsychosoziales Modell
  • Psychoanalytisches Modell der Depression (Benecke, 2014) Entstehung des depressiven • Grundkonflikts(Psychogenese)  Depressive MuBer wird als ablehnend erlebt (reagiert z. B. nicht):  intensive Hilflosigkeit („warum lehnt sie mich ab?“)  typische „depressive“ Suche nach eigenem Verschulden, eigenen Mängeln;  Hoffnung „wenn ich mich anstrenge, wird sie mich wieder lieben“  GleichzeiRg:  En-äuschung mit entsprechend starker Wut, die wegen Abhängigkeit undLiebessehnsucht nicht gezeigt werden kann (Verdrängung!)  Folge: depressiver Ambivalenzkonflikt  liebevollen vs. hasserfüllten Strebungen  Teufelskreis aus schwierigen InterakRonsmustern und darauf folgender KriRk/Aggression gegenüber Objekten (auch introjezierten Objekten)
  • Autoaggressionshypothese • Freud (1917) / Abraham (1912) (Realer) Verlust des „Objekts“ (z. B. Tod einesElternteils) wird unbewusst als Folge dereigenen Aggression phantasiert  In Folge anhaltende Schuldgefühle undDepression
  • Narziss'scher Mechanismus (Wisdom; 1967) Primäre „narzisstische Wunde“ in der Kindheit (fehlendeAnerkennung des eigenen Seins durch primäreBezugspersonen)  Bei Verlust des Objekts: Introjektion des Objektes („oraleEinverleibung“), in der Hoffnung, das Objekt wieder zumLeben zu erwecken. à Dabei wird auch der Hass auf dasverlassende Objekt mit introjiziert  Erneute narzisstischer Kränkung àAngriffen auf das Selbst(Selbstherabsetzung, Selbstzerstörung und Depression)  Nur bei späterer „narzisstische Kränkung“ kommt es folglichzu depressiver Dekompensation (Krise der bisherigenBewältigung).
  • Bipolare Störung Bipolare Störungen – ein Überblick Die bipolaren Störungen umfassen unterschiedlicheKrankheitsepisoden (manisch, hypomanisch, depressive) Die Symptome sind Überzeichnungen normalerStimmungszustände wie z. B. Traurigkeit, Freude, Reizbarkeit,Wut und Kreativität Depressive Zustände sind mit Abstand am häufigsten Trotz nachgewiesen wirksamer Therapiemöglichkeiten sind nur30% der Erkrankten in Behandlung Einer von vier bis fünf unbehandelten Patienten mit Bipolar IStörung stirbt durch Suizid
  • Bipolar I Pa+enten leiden fast die Häl4e ihrer Lebenszeit an den Symptomen der Erkrankung Wochen asymptomatisch 53% Wochen depressiv 32% Wochen manisch/hypomanisch 9% Wochen mit Cycling/gemischten Episoden 6% n = 146Follow-up: 12,8 Jahre
  • Bipolare Störung: Unerkannt und zu selten diagnostiziert Screening mit “Mood Disorders QuesIonnaire” (MDQ) Prävalenz der Bipolar-I- und Bipolar-II-Störung(im Folgenden = 100%) 3,4%/ 3,7% Nach Selbstbericht von Behandler korrekt als bipolarerkrankt diagnostiziert (aus 100%) 20% als unipolar depressiv fehldiagnostiziert 31%weder als bipolar noch als unipolar depressivdiagnostiziert 49%
  • Noch schlimmer: Fehldiagnose nach korrekter Diagnosestellung  Stensland et al. 2010:  Folgte 8000 Bipolar I Patienten für einJahr  17,5% wurden innerhalb des Jahres mitunipolarer Major Depressionfehldiagnostiziert
  • Noch schlimmer: Fehldiagnose nach korrekter Diagnosestellung  Stensland et al. 2010:  Folgte 8000 Bipolar I Patienten für einJahr  17,5% wurden innerhalb des Jahres mitunipolarer Major Depressionfehldiagnostiziert
  • Bipolare Störung Noch schlimmer: Fehldiagnose nach korrekter Diagnosestellung • Stensland et al. 2010:• Folgte 8000 Bipolar I Patienten für einJahr• 17,5% wurden innerhalb des Jahres mitunipolarer Major Depressionfehldiagnostiziert
  • Ä"ologie der Bipolaren Störung Ätiologie: Neuropsychologische Störungen bei Bipolarer Störung Kogni9ve • Defizite (auch in euthymen Phasen) Störung der Aufmerksamkeit (A.-ak9vierung, -lenkung und –wechsel)  Störung von Gedächtnis (seman9sch und episodisch /autobiographisch) und Lernen  Störung der exeku9ven Funk9onen (Beeinträch9gung vonAn9zipa9on, Planung, Handlungsorien9ertheit, kogni9verFlexibilität, Koordinierung von Prozessen, Sequenzierungund Handlungskontrolle und –überwachung)  Mehrzahl der Pat. erreicht nicht mehr ihr vollesprämorbides Funk9onsniveau, die meisten könnendennoch zwischen Episoden ein normales Leben führen
  • Ä"ologie der Bipolaren Störung Ätiologie: Neuropsychologische Störungen bei Bipolarer Störung 2  Zusätzliche Defizite in manische Phasen:  Stärkere Beeinträchtigung der verbalenGedächtnisleistung  In depressive Phasen:– Reduzierte Wortflüssigkeit– Reduzierte PsychomotorikRathgeber
  • Ätiologie: Beteiligte Gehirnsysteme Neuroanatomische  Auffälligkeiten:– Präfrontaler Kortex àExeku?ve Funk?onen– Basalganglien (Nucleus caudatus, Putamen,PallidumàBelohnungsystem)– Amygdala: Vergrössertes Volumen  NeurotransmiHersysteme:– Dopaminerges System (Dopaminagonisten und LDopa-Gabe lösen manische Episoden beiBipolaren Pa?enten aus)
  • Ätiologie: Genetische Faktoren  Familienstudien: 8-9 % direkt Verwandter einer Personmit Bipolarer Störung erkranken ebenfalls. Auch dasRisiko für eine Unipolare Depression ist erhöht  Zwillingsstudien: Konkordanzraten– MZ: ca. 70% (Bipolare und unipolare Depression 3:2)– DZ: ca 19% (erneut beide Formen affektiver Störung)  Bipolare Störung ist damit eine der am stärksten durchgenetische Faktoren mitbestimmte psychischerErkrankung  Bisher gibt es aber keine überzeugenden Ergebnissebzgl. eines konkreten Erbganges
  • Ätiologie: Genetische Faktoren  Familienstudien: 8-9 % direkt Verwandter einer Personmit Bipolarer Störung erkranken ebenfalls. Auch dasRisiko für eine Unipolare Depression ist erhöht  Zwillingsstudien: Konkordanzraten– MZ: ca. 70% (Bipolare und unipolare Depression 3:2)– DZ: ca 19% (erneut beide Formen affektiver Störung)  Bipolare Störung ist damit eine der am stärksten durchgenetische Faktoren mitbestimmte psychischerErkrankung  Bisher gibt es aber keine überzeugenden Ergebnissebzgl. eines konkreten Erbganges
  • Ätiologie: Eine psychodynamische Perspektive  Hypothese: Grandiosität und Manie sind das Ergebnisder Abwehr von selbstabwertenden Gedanken(Narzisstischer Grundkonflikt; Neale, 1988)  Beleg (Lyon et al. 1999):– Selbstbericht: hoher Selbstwert in manischen und geringerSelbstwert in depressiven Episoden– Informationsverarbeitung:• manischen Patienten zeigten eine stärkere Interferenz für negativenicht für positive Wörter (emotionaler Stroop)• Sie erinnerten auch mehr negative als positive Wörter (nach einerSelbstreferenzaufgabe, in der Gesunde sich mehr positive Wörterselbst zuschreiben)– Diese Ergebnisse entsprechen eher denen von Depressivenals von Gesunden!
  • Ä"ologie: Lebensereignisse  Studie von Johnson et al. 2008  Prospektive Studie  125 Bipolare Patienten wurden über 2 Jahremonatlich interviewt  2 Arten von Lebensereignissen wurdenerfasst:– Negative Lebensereignisse– Positive Lebensereignisse (Zielerreichung, z. B.Karrieresprung)
  • Ä"ologie: Lebensereignisse 2 • Each event is rated on a 5-point scale, rangingfrom 1 (marked nega:vity) to 5 (li=le to nonega:vity).• Persons with higher MHRSD and BRMS scores,as well as those with more severe nega/veevents, were likely to experience greaterincreases in depression scores.
  • Ä"ologie: Soziale Zeitgeberhypothese (Ehlers et al. 1988) Lebensereignisse verändern • soziale Zeitgeber(Mahlzeiten, BeDgehzeiten, Freizeit etc.) Die Unterbrechung dieser Sozialen Rhythmenbeeinflusst biologische Rhythmen  Diese sind dann verantwortlich für dieAuslösung von affek"ven Episoden (z. B. einerManie)
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  • Suizidalität Definition Suizidideen– Z. B. Nachdenken über den Tod im allgemeinen; Überden eigenen Tod; direkte Vorstellungen überSuizidhandlungen (ich möchte mich umbringen – wiestelle ich das an?)  Suizidversuche– Verhalten, mit suizidaler Absicht. Die Handlung wirdim Glauben durchgeführt, dass sie zum Tod führt  SuizidEin zum Tode führender Suizidversuch
  • Suizid-Suizidversuche Suizid / Versuche = 1 / 10 - 20 Männer / Frauen Suizid = 2/1 Männer / Frauen Versuche =  1/2-3
  • Epidemiologie der Suizidalität Lebenszeitprävalenz für Suizidgedanken • liegt bei 8%,für Suizid-Versuche bei 2%  Suizidalität kann grundsätzlich bei allen psychischenStörungen auDreten  enge Beziehung zu:– depressive Störungen (15%),– Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis (5-10%)– Alkohol- und Substanzabhängigkeit (15%)– Persönlichkeitsstörungen (5-10%: v.a. Borderline,NarzissQsche, AnQsoziale)– Essstörungen, Angsterkrankungen (8-16%)
  • Suizid Genetik – Adoptionsuntersuchungen (Schulsinger et al., 1979; Wender et al., 1986) 44 Beim 57 Suizidenten 256 Verwandte 12 Suizide  12,4%   57 Kontrollgruppe 256 Verwandte 2 suizide 0,7%
  • Suizid Risikomerkmale • Psychopathologie – Ausgeprägte Hilfs- und Hoffnungslosigkeit– Selbstvorwürfe, Versagensgefühle, Schuldgefühle– Starke Angst und Verzweiflung– Sozialer Rückzug– Erschöpfung– Ruhe- und Todeswünsche– Andauernde Schlafstörungen– Aggressivität und Feindseligkeit– Fehlende LebensperspekJve– Einengung des Denkens– Vorliegen einer Psychose (imperaJve SJmmen, Verfolgungswahn etc.)– Mangelnde Impulskontrolle– Extreme innere Unruh, sich-getrieben-fühlen– Fehlendes Verantwortungsgefühl anderen gegenüber– Interessensverlust
  • Suizid Risikomerkmale Soziodemografische Merkmale, • Lebensumstände und Familie: – Männliches Geschlecht (3:1)– Ältere Menschen– Junge Menschen in Entwicklungsphasen mit familiärenProblemen oder Drogenproblemen– Verlusterlebnisse (Arbeitslosigkeit, Trennungen, Scheidung, Toddes Lebenspartners)– Alleine leben (25% der Männer, 20% der Frauen) /Vereinsamung– Niedrige Schulbildung (> 50%)– chronische körperliche Erkrankungen– Suizidalität in der Familie oder im sozialen Umfeld– Gipfel im Frühjahr und Herbst
  • Suizid Risikomerkmale • Suizidalität und Qualität früherer Suizidversuche – Suizidpläne– Ankündigung eines Suizids– 30-60% der Menschen, die einen Suizidversuch unternehmen,haben zuvor schon einen oder mehrere Suizidversuche überlebt– 10-15% der Menschen, die schon einmal oder mehrfach einenSuizidversuch überlebt haben, sterben voraussichtlich durchSuizid– Das Risiko für einen erneuten Suizid ist in den ersten zwölfMonaten besonders hoch, v.a. in den ersten drei bis sechsMonaten– Treffen von Vorbereitungen, Ordnung persönlicherAngelegenheiten (Testament,...)– Folgen der gewählten Methode sind bekannt
  • Suizid Mögliche Funk.onen  Appell-Funktion / Hilferuf  Wunsch nach (befristeter oder endgültiger)Ruhe  Autoaggressivität – Selbstbestrafung  Rachemotive – Fremdbestrafung  (Beziehungs-) Manipulation
  • Drei psychologische Modelle der Suizidalität / des Suizids  Interpersonelle Theorie des versuchten undvollendeten Suizids (Joiner, 2005)  Kognitives Modell suizidaler Handlungen(Wenzel & Beck, 2008)  Psychodynamisches Modell (Lindner 2016)
  • Interpersonelle Theorie des versuchten und vollendeten Suizids (Joiner, 2005) Der Suizid eines Individuums setzt 3 proximale, kausale und interagierendeFaktoren voraus:1. Annahme für andere eine Belastung darzustellen (perceivedburdensomeness)- z.B. Erkrankung, Armut2. Annahme zu keiner wertvollen soz. Gruppe zu gehören (thwartedbelongingness)- z.B. unbeständige Familienverhältnisse, Verlassen werden (Trennung, Scheidung)3. Fähigkeit zur Ausführung letaler Selbstverletzung (acquired capability)- z.B. wiederholte Selbstverletzung, Gewalt & Missbrauch oder Habituation anIntoxikation durch Alkohol und DrogenDie Erfüllung aller 3 Bedingungen erhöht das Suizidrisiko stark!
  • Kogni&ves Modell suizidaler Handlungen (Wenzel & Beck, 2008) 2 wesentliche • kogni/ve Schemata: 1. Habituelle Hoffnungslosigkeit (trait hopelessness)– „Mein Leben wird sich nie zum Guten wenden“ 2. Unaushaltbarkeit von Belastungen (unbearability)– „Ich kann diesen Zustand nicht länger aushalten“Hoffnungslosigkeit besonders wich&g bei geplanten Suiziden,Unaushaltbarkeitsüberzeugungen besonders wich&g beiimpulsiv umgesetzten Suiziden  àDisposi/onelle Vulnerabilitätsfaktoren (z.B. Impulsivität,Problemlösedefizite, Perfek/onismus) allein oder inInterak/on mit externen Stressoren führen zur Ak/vierungdieser suizidrelevanten Schemata Nach Aktivierung der Schemata: Aufschaukelungsprozess  Akuter Hoffnungslosigkeit (state hopelessness)  Selektiver Aufmerksamkeit für suizidrelevante Stimuli  Schwierigkeiten suizidrelevante Stimuli zu inhibieren  Zugespitzte Sicht auf Suizid als einzige Lösung (attentionaleFixierung)    Zusätzliche Annahmen:  Mit zunehmender Hoffnungslosigkeit àAnstieg suizidaler Gedanken  In Abhängigkeit der Dauer, Schwere & Intensität suizidaler Gedanken kommt es zusuizidalen Handlungen nach Überschreiten eines individuellen Schwellenwertes  Über die Zeit bedarf es zur Aktivierung suizidbezogener Schemata zunehmendgeringere interne & externe Auslöser
  • Suizid Psychodynamisches Modell (Lindner 2016) Die dem Bewusstsein zugänglichen Auslöser • suizidalen Erlebens(z. B. Trennungs- und Kränkungserfahrungen) führen zurSchwächung der bis dahin funkLonsfähigen psychischen Abwehr.  àRegression auf entwicklungspsychologisch früher angesiedelteFormen der psychischen Abwehr (z. B. Spaltung)  àReaktualisierung früher intrapsychischer Konflikte (umAggression, Autonomie und Abhängigkeit)  àambivalentes Erleben Lefster Ohnmacht gepaart mit massivemHandlungsdruck  Freud: Übernahme von (ambivalenten) Liebes- und Hassgefühlengegenüber einem anderen ins eigene Selbst (IntrojekLon)  Zitat: „Der Suizid ist der psychische Mord an einerObjektrepräsentanz im Subjekt durch reale Selbs[ötung“ (Götze1995)
  • Einschätzung der Suizidgefahr Hinweise • bzgl. Risikofaktoren aus– Vorgeschichte– Umwelt– Aktueller Lebenslage– Verbalen oder non-verbalen Andeutungen– Wahrnehmung der eigenen Empfindungen des Beraters  Suizidgedanken/äusserungen– Seit wann?– Wer weiss davon?– Art der Suizidgedanken? Überlegt oder sich aufdrängend?– Bedeutung der der Suizidgedanken für den Klienten?  Stadium der suizidalen „Einengung“  Vorbereitungen getroffen?  Bestehende Ressourcen des Klienten  Kontakt/Beziehung zum Berater
  • Interven'on: „Die 4 Säulen der Suizidpräven'on“ (Wolfersdorf 2016)  Beziehung– Suizidalität als Notsignal– „Sicherung durch Beziehung“– „Kommunika'on und Kontrolle“  Diagnos-k– Wer ist wie suizidal (Formen, Handlungsdruck),– Suizidalität/Basissuizidalität auf Sta'on– Risikopsychopathologie, -gruppen  Sichernde Fürsorge– Gefahr der Selbstschädigung akut? Offene vs. geschlossene Sta'on– Beziehungsdichte– Besuchsdichte, Ausgang  Behandlung der Grunderkrankung unter Beachtungsuizidologischer Aspekte