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VL Grundlagen der Diagnostik (Subject) / 1. Vorlesung (Lesson)
Einführung: Grundbegriffe der Psychodiagnostik, rechtliche Rahmenbedingungen, Richtlinien, DIN 33430
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- Übergeordnete Merkmale der Definitionen Psychologischer Diagnostik ▪ Personenbezogene Perspektive ▪ Prozessorientierte Perspektive ▪ Anwendungsnahe Perspektive ▪ Wissenschaftsorientierte Perspektive ▪ Konstruktpsychologische Perspektive
- Definition Diagnostik -Dieterich (1973) Diagnostik hat das Ziel, Personen richtig zu beurteilen
- Definition Diagnostik -Leichner (1979) Diagnostik hat die Aufgabe der Ermittlung interindividueller Differenzen im Erleben und Verhalten von Personen unter standardisierten Bedingungen
- Def. Diagnostik -Jäger und Petermann (1992) Diagnostik ist ein System von Regeln, Anleitungen und Algorithmen zur Bereitstellung von Instrumenten, mit denen ▪ Psychologisch relevante Charakteristika von Merkmalsträgern gewonnen werden ▪ Die erhobenen Daten zu einem diagnostischen Urteil integriert werden ▪ mit dem Ziel einer Vorbereitung von Entscheidungen sowie Prognosen und deren Evaluation
- Def Diagnostik -Ziegler und Bühner (2012): Psychologische Diagnostik: essentieller Bestandteil der praktischen Tätigkeit von Psychologen, die zielgerichtet eingesetzt wird, --> um konkrete Fragestellungen zu beantworten -bedient sich verschiedener, entsprechend der Fragestellung ausgewählter Methoden, zu denen Tests, Fragebögen, Verhaltensbeobachtungen, Interviews, andere Quellen gehören
- Def. Diagnostik - Amelang und Zielinski (2003) Psychodiagnostik ist eine Methodenlehre im Dienste der Angewandten Psychologie. Soweit Menschen die Merkmalsträger sind, besteht ihre Aufgabe darin, interindividuelle Unterschiede im Verhalten und Erleben sowie intraindividuelle Merkmale und Veränderungen einschließlich ihrer jeweils relevanten Bedingungen so zu erfassen, dass hinlänglich präzise Vorhersagen künftigen Verhaltens und Erlebens sowie deren evtl.Veränderungen in definierten Situationen möglich werden
- Beauducel und Leue (2014): Psychologische Diagnostik beinhaltet (5 Punkte) ▪ die empirisch basierte, möglichst genaue Schätzung der Ausprägung und Veränderung psychologischer Konstrukte bei Merkmalsträgern ▪ die möglichst genaue Klassifikation der Merkmalsträger in Gruppen mit ähnlichen psychischen Merkmalen ▪ Beachtung transparenter, wissenschaftlicher und ethischer Standards ▪ kompetenzbasierte, theorie- bzw. regelgeleitete Integration undInterpretation der Informationen (Gutachten, Diagnose, Prognose) ▪ mit dem Ziel der Beantwortung diagnostischer Fragestellungen (z.B. Vorbe- reitung von Interventionsmaßnahmen und Entscheidungen).
- Was beinhaltet institutionelle Diagnostik nach Cronbach und Glesner? Selektionsdiagnostik, Unterpunkte: Personenselektion, Bedingungsselektion
- Was beinhaltet individuelle Diagnostik nach Cronbach und Glesner? Modifikationsdiagnostik: Unterpunkte: Verhaltensmodifikation, Bedingungsmodifikation
- Institutionelle Diagnostik: Sich wiederholender Auftrag, der in standardisierter Form bei allen Personen in gleicher Weise durchgeführt wird. Institutionelle Diagnostik ist primär Zuordnungs- / Klassifikations- / Selektionsdiagnostik
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- Individuelle Diagnostik In der Regel nur einmal vorkommende, individuelle Entscheidungen (Beratung, individuelle Diagnostik ist primär Modifikations- / Veränderungsdiagnostik)
- Arten Psychologischer Diagnostik (4) 1. Statusdiagnostik 2. Prozessdiagnostik 3. Eigenschaftsdiagnostik 4. Verhaltensdiagnostik
- Prozessdiagnostik Bezieht sich auf das Feststellen von Veränderungen in psychologischen Variablen. Prozessdiagnostik ist häufig kriteriumsorientierte Modifikationsdiagnostik. Bei der Modifikationsdiagnostik wird geprüft, ob sich Eigenschaften in verschiedenen Kontexten und zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich auswirken.
- Statusdiagnostik Bezieht sich auf das Feststellen eines psychologischen IST Zustandes. Statusdiagnostik ist häufig norm-orientierte Klassifikationsdiagnostik. Bei der reinen Klassifikations- / Selektions- / Zuordnungsstrategie geht man von stabilen und situationsübergreifenden Eigenschaften aus. Statusdiagnostik ist an zeit- und bedingungskonstanten Ergebnissen interessiert.
- Eigenschaftsdiagnostik Die Selektionsdiagnostik basiert nach Amelang und Zielinski eher auf einem eigenschaftstheoretischen Konzept. Trait-orientierte Diag- nostiker(innen) wollen zukünftiges Verhalten aufgrund der Kenntnis und dem Verständnis der Eigenschaften („grundlegenden Strukturmerkmalen“) einer Person vorhersagen. Eigenschaftstheoretische Diagnostik erfolgt zumeist als normorientierte Messung.
- Verhaltensdiagnostik Die Modifikationsdiagnostik basiert nach Amelang und Zielinski eher auf einem verhaltenstheoretischen Konzept. Die Verhaltensdiagnostik will aufgrund beobachteten Verhaltens zukünftiges Verhalten vorhersagen. Verhaltensdiagnostik erfolgt zumeist anhand situativer Stichproben des vorherzusagenden Verhaltens.
- Eigenschaften oder Zustände sind (3) 1. Hypothetische Konstrukte 2. meist zeitlich und situativ überdauernde Eigenschaften (Traits /Dispositionen) oder 3. situativ auftretende Zustände.
- Was sind Dispositionen? Organismus-Variablen, die zwischen Reizen (=Input) und Reaktionen (=Output) vermitteln Die Disposition kann bspw. genutzt werden, um berufliche Leistung vorherzusagen
- Wie funktioniert ein Lügendetektor? Mit polygrafischen Untersuchungen (auch: psychophysiologische Täter- schaftsermittlung) werden physiologische Reaktionen auf tat-relevante Informationen (z.B. Waffe) und tat-irrelevante Informationen erfasst.
- Die Schweigepflicht von Psychologen besteht gegenüber: ▪ Familienangehörigen der ihnen anvertrauten Personen ▪ Kolleg*Innen und Vorgesetzten.
- Wenn mehrere Psychologen oder Ärzte gleichzeitig dieselben Klienten / Patienten beraten oder behandeln so sind die mitbehandelnden Fachkollegen und Ärzte untereinander von der Schweigepflicht insoweit befreit, als die Klienten / Patienten nicht etwas anderes bestimmen.
- Aufzeichnungen, Erhebung und Speicherung von Daten, wie wird damit umgegangen? Psychologen dürfen nur nach vorheriger Einwilligung durch die Klienten / Patienten Aufzeichnungen auf Bild- oder Tonträger über Besprechungen oder Behandlungen erstellen oder Besprechungen von einem Dritten mithören lassen. Psychologen dürfen nur im Rahmen ihres Auftrages Daten über Klienten / Patienten erheben, speichern und nutzen. Dies gilt auch für Telefongespräche. Aufzeichnungen jeder Art, insbesondere auf Datenträger, sind gegen unrechtmäßige Verwendung zu sichern.
- Die DIN 33430: Version 07/2016: beschreibt Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik Version 06/2002: Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen.
- Hauptziel DIN 33430 Validität von Verfahren und Eignungsbeurtei- lungen
- Die Norm A33430 dient(4) ▪ Anbietern von Dienstleistungen (organisationsinterne und - externe Auftragnehmer im Sinne der Norm) als Leitfaden für die Planung und Durchführung von Eignungsbeurteilungen ▪Auftraggebern in Organisationen als Maßstab zur Bewertung externer Angebote im Rahmen berufsbezogener Eignungsfeststellungen ▪ Personalverantwortlichen bei der Qualitätssicherung und – optimierung von Personalentscheidungen und ▪dem Schutz der Kandidaten vor unsachgemäßer oder missbräuchlicher Anwendung von Verfahren zu Eignungsbeurteilungen.
- Dienstleistungsnorm enthält - Festlegungen und Leitsätze für Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungsprozessen a) Planung von berufsbezogenen Eignungsbeurteilungsprozessen b) Auswahl, Zusammenstellung, Durchführung und Auswertung von Verfahren c) Interpretation der Verfahrensergebnisse und Urteilsbildung d) Anforderungen an Qualifikation der an Eignungsbeurteilungsprozessen beteiligten Personen Hinweise für sach- und fachgerechte Entwicklung von Verfahren, die in Eignungsbeurteilungsprozessen eingesetzt werden sollten. Angemessenheit eines Verfahrens für konkrete Eignungsbeurteilung kann nur im Rahmen seiner spezifischen Anwendung beurteilt werden!!
- Die DIN 33430 stellt genau spezifizierte Qualitätsanforderungen an den Auftragnehmer und an die Mitwirkenden von berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen: ▪ Operative Verantwortung für die gesamte Eignungsbeurteilung ▪ Planung, Gestaltung, Durchführung der Eignungsbeurteilung ▪ Auswahl der Instrumente und Mitwirkenden ▪ Durchführung der geplanten Maßnahmen ▪ Bericht an den Auftraggeber über Ergebnisse
- Mitwirkende (M) sind an der Eignungsbeurteilung beteiligt, z.B. als(2): (zu DIN A33430) ▪ Verhaltensbeobachter oder Auswerter (Mitwirkende an Verhaltensbeobachtungen) ▪ Organisation und Durchführung von Eignungsinterviews
- Hauptziel ISO 10667 Validität der Verfahrensergebnisse und der daraus abgeleiteten Schlüsse
- Problem ISO 10667 Evidenz für die Validität genügt – wünschenswert aber auch Benennbarkeit des theoretischen Bezugs für Validität von Ergebnissen