24

Entwixklungspsychologie 2 (Subject) / Wygotskis Theorie und die Kontexttheoretiker (Lesson)

This lesson was created by khoelsch.

Learn lesson

Advertisement
  • Wygotskis Theorie und die Kontexttheoretiker  Kontrast zu anderen Theorien (z.B. Piaget): Dort Entwicklung eher als Aktivität des Individuums, Umwelt nimmt nur geringen Einfluss auf die Entwicklung  Bereichsspezifische (kontextspezifische) Sichtweise eher auf Art der Wissensbereiche und nicht auf den soziokulturellen Kontext bezogen (Domänenansatz)  Aus dem Osten (Interdependenz): Sowjetischer Psychologe Lew Wygotski  Mensch ist in eine soziale Matrix (Kontext) eingebunden, ohne die sich soziales Verhalten nicht erklären lässt  Unterbereiche wie Kulturpsychologie oder ökologische Psychologie  Wichtige Persönlichkeit: Barbara Rogoff:  „Zweck des Denkens ist es, effizient zu handeln, Handlungen sind (implizit oder explizit) zielgerichtet, wobei diese Ziele und die Entsprechenden Bewältigungsstrategien sozial und kulturell definiert sind.“  Wygotski:  1896 geboren, äußerst intelligent  Studierte Jura, sehr gebildet, lehrte Psychologie  1924: Systematische Arbeit in der Psychologie, begabter Redner  Er, Luria und Leontjew als Troika der Wygotskischen Schule  Bezug zum Marxismus, Übertragung dessen politischen Vorstellung auf den Bereich der Psychologie:  Die Produktionsweise (sozialistisch/kapitalistisch/feudalistisch) bestimmt die Arbeitsbedingungen und sozialen Interaktionen des Menschen, die ihrerseits die Kognition beeinflussen. Soziale Interaktionen von Kindern und die dabei verwendeten „psychologischen Werkzeuge“ (z.B. Sprache) formen das Denken der Kinder. Prinzip der dialektischen Veränderung (materiell, nicht idealistisch)  Kognition wird vom Kollektiv der Erwachsenen an die Kinder weitergegeben (Verantwortung)  Entwicklung: Dialektische Veränderung (alle Phänomene verändern sich ständig und streben zu einer Synthese widerstreitender & widersprüchlicher Elemente)  Nur so lässt sich Kognition verstehen  Beschäftigt sich auch in der (Sonder-)Pädagogik  In Russland politisch verfolgt, stirbt mit 38 an Tuberkulose  Weitere Kontextualisten: Bronfenbrenner, Cohen, Cole
  • Allgemeiner Überblick über die Theorie • Wichtigste Merkmale: Aktives Kind in seinem Kontext, die Zone der proximalen Entwicklung, die sozikulturellen Ursprünge der geistigen Aktivität, die Mediation der kognitiven Aktivität durch kulturell vorgegebene Werkezuge
  • Das aktive Kind in seinem Kontext als Untersuchungseinheit Kind nicht alleine im Mittelpunkt  Im Kontext eingebundenes, an einem Ereignis beteiligtes Kind als kleinste bedeutungshaltige Untersuchungseinheit    Kind, andere Person und der soziale Kontext verschmelzen in einer Aktivität  Soziokultureller Kontext formt und definiert jedes Kind  Kinder beeinflussen gleichzeitig ihren Kontext ( Verzerrung, wenn Kontext ausgeblendet wird)  Andere Ansätze: Betrachten Kind und Umwelt als voneinander getrennte Entitäten, die in Interaktion treten. Hier: Keine Trennung!  Soziales Problemlösen und Kommunikation von Gefühlen und Bedürfnissen sind keine Sonderfälle einer „neutralen“ Kognition, sondern Stoff des alltäglichen Lebens  Keine Trennung von der Äußeren Welt und dem Denken des Kindes  Bronfenbrenner (ökologische Psychologie): Der Kontext hat verschiedene Ebenen, ist ein System ineinander verschachtelter Strukturen  Mikrosystem: Muster von Aktivitäten, Rollen und interpersonalen Beziehungen, die von dem sich entwickelnden Kind in einem gegebenen unmittelbaren Lebensbereich erfahren werden. Zu diesem Lebensbereich gehören a) spezifische physikalische und materielle Merkmale, sowie b) andere Menschen mit spezifischen Persönlichkeiten und Überzeugungssystemen. Familie, Schule, Peergroup.  Mesosystem: Koppelungen und Prozessen zwischen 2 oder mehr Anordnungen, in die die sich entwickelnde Person eingebunden ist. System von Mikrosystemen. Unterstützen die Peergroup und das Schulsystem die Wertorientierung der Eltern?  Exosystem: Umfasst die Wechselbeziehungen und Prozesse zwischen 2 oder mehr Lebensbereichen, wobei in zumindest einen dieser Lebensbereiche die sich entwickelnde Person nicht eingebunden ist. Ereignisse in diesem System beeinflussen Prozesse innerhalb des Lebensbereiches, in dem die Person eingebunden ist. Beziehung zwischen Familie und Arbeitsplatz der Eltern. Stress am Arbeitsplatz führt zu gereizten Reaktionen zuhause. Große Institutionen einer Gesellschaft (Wirtschaftssystem, Transport, Verkehr, Kommunalverwaltung, Massenmedien)  Makrosystem: Übergreifendes Muster von Mikro-, Meso und Exosystemen, die für eine gegebene Kultur, Subkultur oder einen anderen weiteren sozialen Kontext charakteristisch sind. Überzeugungssysteme, Ressourcen, Risiken, Lebensstile, Chancen, Lebensalternativen und Muster der sozialen Interaktion. Makrosystem als „kulturelle Blaupause“ (prototypisches Klassenzimmer spiegelt die stillschweigend akzeptierten Überzeugungen einer Gesellschaft wider)  (Chronosysteme: Biographische Wendepunkte (normative und non-normative Lebensereignisse))  Alle Ebenen unterliegen materiellen (geografischen) und historischen Einflüssen  All dies bringt Kontexte hervor, die sich auf Kinder, also die Zukunft, auswirken  Kultur besteht aus gemeinsamen Überzeugungen, Werten, Kenntnissen, Fertigkeiten und strukturierten Beziehungen, einer bestimmten Art, Dinge zu tun (Bräuche) und symbolischen Systemen (Sprache) und bestimmten physikalischen Anordnungen und Objekten  Subkulturen, die sich durch anders geartete Lebensstile und somit andersartige Erziehungsprozesse ausdrücken  Wie nimmt Kultur Einfluss?  Worüber denken Kinder nach und welche Fähigkeiten erwerben sie?  Wie erwerben sie Informationen & Fähigkeiten?  Zu welchem Zeitpunkt wird Kindern erlaubt, bestimmte Tätigkeiten auszuüben?  Wer darf sich an bestimmten Aktivitäten beteiligen?    Studie: Alphabetisierung von Landarbeitern führt zu abstrakterem Denken  Wellenartige Auswirkungen durch die Systeme (beide Richtungen)  Systemzusammenhang  Verhaltensunterschiede in verschiedenen Kulturen (culture as a difference) oder Kultur als Mittlerin (culture as medium), hier organisiert die Kultur die Alltagserfahrungen eines Kindes  Entferntere Kontextebenen wirken oft durch die unmittelbare soziale Situation auf ein Kind ein  Zone der proximalen Entwicklung
  • Die Zone der proximalen Entwicklung  = Distanz zwischen dem aktuellen Entwicklungsniveau eines Kindes (bestimmt durch seine Fähigkeit, Probleme selbstständig zu lösen) und der höheren Ebene als potentieller Entwicklung, bestimmt durch die Fähigkeit, unter Anleitung Probleme zu lösen; „Knospen der Entwicklung“  Sachkundigere Person hilft hierbei durch:  Stichworte  Hinweise  Modellbildung  Erklärungen  Leitfragen  Diskussionen  Mitwirkung  Steuerung der Aufmerksamkeit (z.B. bei kleinen Kindern)   Sorgen für „benutzerfreundliche“ Kontexte, in denen das Kind lernen kann  Entwicklung entsteht nur dann, wenn das Kind mit anderen Menschen interagiert; „Brücken bauen“ zwischen vorhandenen und neuen Fähigkeiten  Fokus und Anpassung kulturabhängig  Worauf wird Wert gelegt?  Prozess ist hier wichtiger als das Ergebnis, wie löst ein Kind ein Problem?  Instruktion sollte sich am potentiellen Niveau eines Kindes und nicht am aktuellen Entwicklungsstand orientieren  Kinder lernen auch dann, wenn sie Erwachsene nur beobachten (implizite oder explizite Instruktion möglich)  Vergleichbar mit Verhalten vom Lernen in einer fremden Kultur  Gelenkte Beteiligung: Routinesituationen steuern die angemessenere Beteiligung von Kindern an alltäglichen Situationen (Interaktion mit anderen Menschen hilft Kindern bei der Problemlösung)  Kinder teilen Werte erfahrener Partner, erweitern ihre Begriffsbasis.  „Kulturelle Lehre“  Intersubjektivität wichtig (Gemeinsamer Verstehenshintergrund auf der Basis eines gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus und eines gemeinsamen Ziels)  Trägt nicht nur zum Lernen aus sozialen Interaktionen bei sondern ist auch Ergebnis dieser Interaktionen  Kinder auch aktiv: Fordern den Erwachsenen auf, ihnen zu helfen, schrittweise immer selbstständiger (Wechselwirkung, Kooperation)  Vier Arten, in denen die Natur des Kindes aktiv auf seinen sozialen Kontext einwirkt:  Persönlichkeitsmerkmale rufen Reaktionen bei anderen Menschen hervor, durch die die psych. Entwicklung gefördert/gehemmt wird (reziproker Determinismus)  Individuelle Unterscheide in der Tendenz, auf spezifische Aspekte der sozialen oder physikalischen Umwelt zuzugehen oder zu meiden  Entwicklung unterschiedlicher Fähigkeiten und Lernstile  Unterschiede in der Tendenz, zunehmend komplexere Aktivitäten aufzunehmen und fortzuführen und sogar neue Merkmale in der Umwelt zu schaffen (Kreativität/Bedürfnis nach Veränderung)  Unterschiede darin, wie Kinder ihre Fähigkeiten einschätzen, ein Ziel zu erreichen und (Miss-)Erfolg zu steuern  Kind determiniert aber nicht den Verlauf der Entwicklung  Nicht nur in Kontakt mit erfahreneren Menschen, sondern proximale Entwicklung ist immer dann, wenn Kinder durch eine Aktivität über ihren jeweiligen Entwicklungsstand hinausgeführt werden  Wichtig: Spiel!
  • Soziokulturelle Ursprünge der individuellen geistigen Funktionsweise: Das Intermentale konstruiert das Intramentale Interaktion mit Erwachsenen wird auf der intermentalen Ebene internalisiert und in die intramentale Ebene des Kindes integriert  Was extern ist, wird intern  Denken ist immer sozial und reflektiert die Kultur  Intramentale Aktivität untrennbar von der intermentalen Aktivität im sozialen Kontext (  Kind als kleinste Untersuchungseinheit)  Internalisierung sozialer Prozesse, wenn ein Kind sich durch die Zone proximaler Entwicklung bewegt  „Kinder wachsen in das geistige Leben der Menschen ihrer Umgebung hinein“  Intermentale Aktivität ist primär, intramentale ist sekundär  Vielzahl geistiger Prozesse aufgrund von Vielzahl unterschiedlicher Kontexte  Wichtiger sozialer Aspekt: Sprache (Kind kommuniziert beim Denken mit sich selbst, stellt sich z.B. selber Fragen, wie Eltern dies tun), Struktur von Kommunikation wird zur Struktur von Gedanken  Wichtig: Internalisierung von Interaktionen zwischen Kind und Welt (Piaget: Motorisch, Wygotski: Sozial)  Keine perfekten Kopien, selektive Aneignung, aktive Einschränkung, was beim Austausch zurückgehalten wird  Rogoff: Eher Aneignen statt Internalisierung, da es keine Barriere zwischen intra- und interpersonell gibt
  • Der Einfluss psychologischer Werkzeuge einer Kultur auf das Denken  Der Mensch erschafft sich selbst (Intelligenz, Denken) durch seine eigene Aktivität, Peergroup und Erwachsene unterstützen hierbei (kulturhistorische Schule)  Psychologische Werkzeuge:  Sprachsysteme  Zahlensysteme  Diagramme  Landkarten  Konventionelle Zeichen  Kunstwerke etc.  Strategien zum Lernen/Aufmerksamkeit/Behalten  Technische Hilfsmittel Werden verwendet um Denken und Verhalten zu steuern  Verändern die elementaren geistigen Funktionen zu höheren geistigen Funktionen  Jedes Werkzeug ist mit einer anderen kognitiven Fertigkeit verbunden  Werkzeuge einer Kultur als Verbindung zwischen dem aktiven Kind und seiner materiellen und sozialen Umwelt  Kultur schafft Werkzeuge  Mitglieder können Umwelt damit besser beherrschen  Bevorzugte Werkzeuge werden in sozialen Interaktionen an Kinder weitergegeben  Formen deren Denken  Sprache als wichtigstes Werkzeug (befreit von unmittelbaren Wahrnehmungserfahrungen, verändert das Denken), primär zur Strukturierung des sozialen Kontakts  Sprache eröffnet neue Möglichkeiten des Problemlösens, Sprechen und Handeln nicht getrennt  Mehr Sprache, wenn Eltern und Kinder getrennt sind und letztere nicht erstere nachahmen können (westliche Kulturen)  Studie: Aborigine Kinder vs. europäisch australische Kinder (S. 357)  Unterschiedliche Bewertung von Werkzeugen, Fertigkeiten und sozialen Interaktionen zwischen den Kulturen, je nachdem, was deren Bedürfnisse und Werte sind  Unterschiedliche Definitionen von Intelligenz  Werkzeuge werden wiederum gebraucht, um Gendanken anderen Menschen gegenüber zum Ausdruck zu bringen
  • • Psychologische Werkzeuge: o Sprachsystemeo Zahlensystemeo Diagrammeo Landkarteno Konventionelle Zeicheno Kunstwerke etc. o Strategien zum Lernen/Aufmerksamkeit/Behalten•
  • Methodologie  Dynamische Beurteilung das potentiellen Entwicklungsniveaus von Kindern  Bessere Bewertung: Was können Kinder mit der Unterstützung anderer erreichen?  Bsp. Von Wygotski (S. 358)  Weite vs. enge Zone der proximalen Entwicklung  Immer mehr (spezifischere) Hinweisreize/ wie sehr profitiert das Kind davon? Wie viele braucht es bis zur Lösung?  Unterstützung durch den sozialen Kontext und die Motivation zum Problemlösen determinieren, bei welchen Anordnungen bessere Leistungen gezeigt werden  Z.B. Bessere soziale Kognition im Kontext der Familie als im Labor  Mikrogenetische Methode: Beobachtung von Veränderungen in einer/ mehreren Versuchssitzungen. Ziel: Augenblick der Entwicklung einfangen (Prozessanalyse). Quantitative Analyse  Z.B. Wie werden Kinder mit problematischen Veränderungen fertig? Welches Werkzeug wählen sie aus? Prozess des Problemlösens wichtig  Sorgfältige Beobachtung des Verhaltens und qualitative Beschreibungen von Verhaltenstypen  Kontext muss auch untersucht werden! Sonst ist das Phänomen wahrscheinlich nicht universell!  Oft interkulturell angelegt, methodisch schwierig!  Im Idealfall werden alle Kontextebenen untersucht
  • Beispiele für Wygotskische und kontextualistische Forschung Egozentrisches und inneres Sprechen  Annahme: Zunächst hängen Sprechen und Denken nicht zusammen (Laute bei Säuglingen etc.)  Ab 2 Jahren Verschmelzung  Mit 3 Jahren: Aufteilung in kommunikatives Sprechen und egozentrisches Sprechen (fortlaufender Dialog mit sich selbst  Denken steuern, Probleme durchdenken und Handlungen planen)  Auch Privatsprache genannt  7-8 Jahre: Egozentrisches Sprechen wird zum inneren Sprechen (verkürzt, idiosynkratisch, fragmentarisch), wird genutzt um sich selber zu beeinflussen (intrapersonale Kommunikation)  Kinder können noch nicht wirklich zwischen kommunikativem und egozentrischem Sprechen unterscheiden  Nimmt mit Schwierigkeitsgrad der Aufgabe zu, auch bei Erwachsenen noch zu finden  Piaget: Egozentrisches Sprechen hat keinen Nutzen, zeigt Egozentrismus. Kognition ist wichtiger  Wygotski: Hilft beim Lernen und Problemlösen. Sprache und Denken erst unabhängig  Wichtig, dass nicht nur Wörter gelernt werden, sondern auch der soziale Kontext, z.B. in Sprechintonationen
  • Beispiele für Wygotskische und kontextualistische Forschung Entwicklung von Begriffen  Methode der doppelten Stimulation: Stimulus mit symbolischen Eigenschaften (z.B. ein Wort) und ein nicht symbolischer Stimulus, die bei der Lösung eines Problems hilfreich sein könnten  Beobachtung: Wie löst das Kind das Problem? VL schließt auf kognitive Fortschritte  Set von 22 unterschiedlichen Blöcken mit nonsense Wörtern auf der Unterseite, sollen sortiert werden, VL deckt Fehler auf, bis Kind die relevanten Charakteristika entdeckt  Wichtig: Anfängliche Zusammenstellung der Blöcke, Reaktion auf Korrekturen, Effizienz beim Problemlösen  Drei Stadien der konzeptuellen Entwicklung: 1. Unorganisierte Kategorien (unorganisierter Haufen) 2. Komplexe (Uno-Prinzip, nur mit dem nächsten verkettet) 3.  Begriffe (korrekte Zuordnung aufgrund von Höhe und Größe mithilfe der nonsense Wörter)  Methode der verbotenen Farben (Tabu-ähnlich), funktioniert ab 7-8 LJ  Unterscheidung von wissenschaftlichen (logisch definiert, bewusst eingesetzt) und spontanen Begriffen (intuitiv, konkret)  Wissenschaftliche Begriffe gehören zu den wichtigsten psych. Werkzeugen unserer Zivilisation  Abstraktes Denken formalisiert lediglich die bereits vorhandenen intuitiven Begriffe des Kindes, hier werden letztere dekontextualisiert  Unterricht führt dazu, dass Wörter selbst zu Objekten der Kommunikation werden und dass eigene Denkprozesse bewusst werden (Metakognition)  Unterschiedliche Anforderungen an den Unterricht, im Westen: Dekontextualisierungen
  • Advertisement
  • Gelenkte Partizipation in der Zone proximaler Entwicklung  Studie: Möblierung eines Puppenhauses, erst allein, dann Hälfte mit Hilfe der Mutter, Hälfte mit Endkorrektur des VL, anschließend alleine  Mit Mutter besser, optimale Bewegung durch die proximale Entwicklungszone (passen ihr Verhalten dem kognitiven Niveau der Kinder an, greifen auf gemeinsame Erfahrungen zurück)
  • Interkulturelle Forschung  Bestimmt universelle und kulturabhängige Merkmale  Bsp.: Schlafsituation von Babies  Kulturelle Unterschiede der verbalen Interaktionsmuster zwischen Eltern und ihren Kindern  Z.B.: Kinder sprechen aktiv/passiv, werden zu /weg von der Mutter gehalten  Abhängig von Interdependenz/ Independenz  Beeinflusst auch andere Bereiche, z.B. die Mathematik (Zählsysteme, Leistungen abhängig vom Kontext, mehr Wörter für das Zählen in Japan
  • Mechanismen der Entwicklung  Dialektische Entwicklung: These, Antithese, Synthese  Konzept höherer Ordnung oder eine weiter entwickelte Funktion entsteht (z.B. intuitive Konzepte vs. wissenschaftliche Konzepte, mit vs. ohne Hilfe von Erwachsenen etc.)  Riegel: Vier Quellen der entwicklungsbedingten Veränderung im dialektischen Prozess:  Innerlich-biologische  Individuell-psychologische  Kulturell-soziologische  Äußerlich-physikalische  Konflikte können in jeder Dimension entstehen  Beeinflussen sich gegenseitig, Interaktion, meist asynchron, lebenslanges Bemühen, Konflikte zu lösen  Leben als Sequenz konkreter Interaktionsereignisse und -episoden  Ähnlich: Piagets Prinzip der Äquilibration (dort allerdings keine sich verändernde Gesellschaft/ materielle Umwelt mit in Betracht gezogen, weniger auf Zusammenwirken von Menschen und Vorstellungen eingegangen)  Veränderungen vor allem durch Inangriffnahme immer komplexerer Aktivitäten und Internalisierung von sozialen Interkationen und psychologischen Werkzeugen  Internalisierung/ Appropriation, gelenkte Partizipation und zunehmende Verantwortung wichtig  Veränderung durch soziale Interaktion (neu: auch mit Gleichaltrigen)
  • Standpunkt der Theorie zu grundlegenden Fragen der Entwicklung Die Menschliche Natur Lässt sich nur kontextbezogen verstehen  Menschen sind keine unabhängigen Entitäten: Kind als aktiver, inhärent sozialer Organismus innerhalb eines umfassenden Systems interagierender Kräfte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft  Aktivitäten verändern die Kognition eines Kindes, welche wiederum seine zukünftigen Aktivitäten beeinflusst  Kontextualistischer Ansatz betrachtet die Versuche des Menschen, sich im Strom des Lebens zu behaupten, Probleme zu bearbeiten, die sich auf dem Weg zu verschiedenen Lebenszielen stellen
  • Standpunkt der Theorie zu grundlegenden Fragen der Entwicklung Qualitative vs. quantitative Entwicklung  Entwicklung ist beides, mit Ruheperioden in Abwechslung mit Perioden der Krise und Wendepunkten  Komplexer dialektischer Prozess Zwei quantitative Elemente bewegen sich aufeinander zu, aber durch die Synthese entsteht eine qualitativ neue Form  Entwicklung charakterisiert durch Periodizität, Ungleichheit der Entwicklung der verschiedenen Funktionen, Metamorphosen, Verflechtung innerer und äußerer Faktoren und adaptiver Prozesse, durch die Hindernisse überwunden werden  Keine Entwicklungsstadien, werden aber auch nicht strikt verneint (Ansatz von Cole und Coles)  Wygotski listet einige möglichen Themen der stadienspezifischen Entwicklung:  Affiliation (Babyalter)  Spiel (Kleinkindalter)  Lernen (mittlere Kindheit)  Aktivität in der Peergroup (Adoleszenz)  Arbeit (Erwachsenenalter)  Theoretisieren (Hohes Alter)
  • Standpunkt der Theorie zu grundlegenden Fragen der Entwicklung Vererbung vs. Umwelt  Interaktionistisch: Biologische und kulturelle Kräfte treffen zusammen und verbinden sich miteinander  Einzelner Strang der soziobiologischen Bildung der Persönlichkeit des Kindes  Aber auch biologische Eigenschaften werden durch die Kultur vermittelt (z.B. Geschlecht)  Umwelt wichtiger als Biologie, v.a. kulturelle Einflüsse
  • Standpunkt der Theorie zu grundlegenden Fragen der Entwicklung Was entwickelt sich?  Kultur (Soziokulturelle Geschichte)  Art (Phylogenese)  Kind (Ontogenese)  Kognitive Fertigkeit (Mikrogenese)  Kind als aktive Einheit, die kognitive Fertigkeiten ausbildet  Ziele, Wertvorstellungen und Motivation sind untrennbar mit der kognitiven Aktivität verbunden (durch die Kultur definiert)
  • Metatheoretische Klassifikation  Funktionalistische Theorien: Wechselspiel zwischen Theorie und Beobachtungstatsachen  Besonderheit: Stützt sich explizit auf die gesellschaftspolitische und ökonomische Theorie des Marxismus  Viele räumliche Metaphern
  • Kritik der Theorie Stärken: Berücksichtigung des sozial-kulturellen Kontexts, Integration von Lerne und Entwicklung im Alltag & das Herausstellen der Vielfalt von Entwicklung  Schwächen: Begriff der Zone der proximalen Entwicklung sehr vage, Fragen der Entwicklung der Zone sind unzulänglich geklärt, Untersuchung kulturell-historischer Kontexte bereitet Schwierigkeiten & kein Fundus an prototypischen Aufgaben, die interessante Phänomene der Entwicklung aufzeigen
  • Stärken der Theorie Berücksichtigung des sozial-kulturellen Kontexts: Keine andere Theorie befasst sich ernsthaft mit dem umfassenderen sozio-historischen Kontext von Entwicklung, sondern nur mit dem unmittelbaren sozialen und materiellen Kontext  Integriert Erkenntnisse aus Geschichte, Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaften, Linguistik, Biologie, Kunst und Literatur  Wichtiger Hinweis Wygotskis: Grenze zwischen dem Selbst und anderen ist fließend (hier vollzieht sich Entwicklung). Stellt Dichotomie zwischen Subjekt und Objekt in Frage Integration von Lernen im Alltag und Entwicklung  Darstellung des Zusammenhangs zwischen Lernen und Entwicklung: Wenn Kinder lernen, gelangen sie zu einem höheren Entwicklungsniveau, welches wiederum die Lernbereitschaft beeinflusst  Untersuchen, was Kinder in ihrer alltäglichen Umgebung tatsächlich tun Sensibilität für die Vielfalt von Entwicklung  Breite vs. enge Zone proximaler Entwicklung, Kulturunterschiede  Sorgt für höhere Validität  Neue Wege, um zu einem Endpunkt der Entwicklung zu gelangen
  • Schwächen der Theorie Die vage Definition der Zone proximaler Entwicklung  Wenn man die Ausdehnung der Zone kennt, kennt man immer noch nicht die genaue Lernfähigkeit, den Lernstil, das aktuelle Entwicklungsniveau und den Motivationsgrad  Z.B. geringes Potential für Hilfe von außen, aber gut in der Selbsterarbeitung  Weite und enge Zone können wünschenswert oder auch nicht sein  Sind die Instruktionen der Erwachsenen überhaupt sinnvoll?  Probleme mit der Messung (wenn in Jahren gemessen: Nicht immer gleichbedeutend!)  Unklar, was die exakten Prozesse der Internalisierung sind  Was sind die Parameter der Zone für ein einzelnes Kind?  Wissen basiert meist auf Mutter-Kind-Dyaden: Verallgemeinerung überhaupt möglich?  Geringer heuristischer Wert der Messverfahren, Standardisierung schwierig, kompliziert, zeitaufwändig   Unzureichende Berücksichtigung des Entwicklungsaspekts  Viel Kontext, wenig Entwicklung untersucht  Zu wenige Beschreibungen von Altersunterschieden  Andere entwicklungsspezifische Phänomene nicht berücksichtigt (z.B. körperliche Reifung, Phylogenese)  Neuer Ansatz von Cole und Coles vielversprechend  Was sind die Entwicklungsprozesse? Sind sie in jedem Lebensalter gleich?  Unterschiedliche Lernhilfen (z.B. altersabhängig) nicht berücksichtigt  Thomasello et al. Vielversprechende Arbeit: Intersubjektivität ermöglicht andere Perspektiven und ist somit zentrales Konzept kulturellen Lernens  Prozess-Person-Kontext-Modelle  Proximale Entwicklungs-Zone abhängig von Phase der Entwicklung (wurde etwas gerade erst gelernt?)  Entwicklungsniveau und individuellen Merkmalen von Kindern muss Beachtung geschenkt werden!  Entwicklungsniveau eines Kindes beeinflusst im Umweltkontext, in welchen Kontext es eintritt und wie sozial-kognitive Prozesse ablaufen.  Entwicklungsniveau: Wissen, Motivation, Fähigkeit, logisch zu denken, Richtung der Aufmerksamkeit, Metakognition, soziale und sprachliche Fähigkeiten, Selbstbild etc. Probleme bei der Untersuchung kulturell-historischer Kontexte  Schwer zu beobachten, zeitaufwändig, interkulturelle Forschung teuer  Klassifikationssystem schwierig  Übersetzung schwierig, hoher Aufwand  Schwierig zu interpretieren  Keine Vergleichbarkeit historischer Ereignisse Fehlen prototypischer Aufgaben zum Nachweis interessanter Entwicklungsphänomene  Aufgaben wurden selten übernommen  Vorgehen nicht ausreichend beschrieben, wenig Daten  Keine systematische, kohärente und gut dokumentierte Darstellung der Entwicklung
  • Schwächen der Theorie kurz Die vage Definition der Zone proximaler Entwicklung Unzureichende Berücksichtigung des Entwicklungsaspekts Probleme bei der Untersuchung kulturell-historischer Kontexte Fehlen prototypischer Aufgaben zum Nachweis interessanter Entwicklungsphänomene
  • Abschließende Bemerkungen  Viele der ursprünglichen Aspekte in der Übersetzung verlorengegangen  Aktuelle Forschung: Geht nicht mehr von Kind-im-Kontext-Einheit aus, individueller Fortschritt des Kindes wird betrachtet  Abkopplung der Zone proximaler Entwicklung aus dem sozialen und politischen Kontext  Keine Annahme der kulturellen Vermittlung mehr, eher kultureller Einfluss  Wenn man wirklich nach Wygotski forschen will, muss man  Verhalten von Kind und Erwachsenen beobachten und Anpassungen feststellen  Bewerten, was das Kind alleine und mit Hilfe leisten kann  Die allmähliche Verschiebung der Verantwortung beachten  Bewerten, wie der Erwachsene den Lernprozess strukturiert  Untersuchen, wie Kultur die Eltern-Kind-Interaktion formt  Zusammenfassung (S. 383)
  • Seminar  Egozentrisches Sprechen: Begriff eher von Piaget, Wygotski sieht dies nicht als egozentrisch, sondern eher einfach als Private Speech  Bei der Internalisierung große Unterschiede zwischen den Kindern  Performanz: Was die VP tut. Kompetenz: Was die VP kann. (NICHT aktuelles Entwicklungsniveau/potentielles Entwicklungsniveau)  Empirische Testung der Zone der proximalen Entwicklung schwer (Motivationales/Wissensproblem?)