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Biologie (Subject) / Sachser (Lesson)

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  • Welche Formen des Lernens treten im Tierreich auf? Skizzieren Sie diese kurz. Habituation: Gewöhnung an einen Reiz: Hierbei handelt es sich nicht wie bei anderenLernformen um den Erwerb neuer Reaktionsweisen, sondern um den Verlust bereitsvorhandener. Prägung: Hierunter werden Lernvorgänge verstanden, die durch zwei Merkmalegekennzeichnet sind: Sie laufen in einer sensiblen Phase ab und führen zu einem sehrstabilen, mitunter irreversiblen Lernergebnis. Die beiden klassischen Formen derPrägung sind die Nachlaufprägung junger Nestflüchter und die sexuelle Prägung. Klassische Konditionierung (Pawlow): Bildung einer Assoziation zwischen einemnatürlichen Reiz („Originalreiz“, unkonditionierter Reiz) und einem künstlichen Signal(„Signalreiz“, konditionierter Reiz). Die gemeinsame Darbietung führt zur Ausbildungeines konditionierten Reflexes. Operante Konditionierung (Skinner): Bildung einer Assoziation zwischen einemVerhalten und einer Belohnung bzw. Bestrafung. Die operante Konditionierung wirdauch als Lernen durch Versuch und Irrtum bezeichnet. Lernen durch Einsicht: Lernen durch Einsicht ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Tiereine neue Situation spontan erfasst, die erforderlichen räumlichen und zeitlichenHandlungsfolgen vorausvollzieht und sie dann gleich beim ersten Mal in richtigerWeise durchführt.
  • Geben Sie eine funktionale Erklärung für die Kindestötung bei Löwen. Solange ein Löwenweibchen Junge säugt, kommt es aufgrund bestimmterhormoneller Umstände zu keinem Eisprung (Laktationsamenorrhoe). Das Weibchen kann daher erst wieder gedeckt werden, wenn seine Jungen entwöhnt sind. Zu einem Rudel gehören in der Regel einige Männchen, bei denen es sich oft um Brüder handelt, sowie eine Gruppe untereinander verwandter Weibchen. Die Männchen eines derartigen Rudels sind ständig den Angriffen anderer Männchen ausgesetzt, die die Übernahme der Weibchen versuchen, so dass Männchen in der Regel nur 2-3 Jahre lang ein Rudel „besitzen“ und dann von anderen Männchen in Kämpfen besiegt und abgelöst werden. Nur während dieser kurzen Zeitspanne haben die Männchen die Möglichkeit, Nachkommen zu zeugen. Dadurch, dass die Männchen nach der Rudelübernahme die noch nicht entwöhnten Jungen, die ja von fremden Vätern sind, töten, werden die Weibchen wesentlich eher wieder fortpflanzungsbereit, so dass sie von den neuen Männchen begattet werden können: Das Töten der fremden Jungtiere erhöht somit den eigenen Fortpflanzungserfolg, d.h. die Fitness der sich so verhaltenden Männchen.
  • Für die Verhaltensbiologie ist charakteristisch, daß sie Erklärungen auf vier unterschiedlichen Ebenen angibt. Geben Sie für ein beliebiges Verhalten(sphänomen) eine kausale, eine lebensgeschichtliche, eine funktionale und eine stammesgeschichtliche Erklärung. Auf die Frage: Warum singt ein Buchfink? könnte man antworten: (1) Weil das Überschreiten einer bestimmten Tageslänge im Frühjahr zusammen mit demAnblick eines weiblichen Artgenossen zur Produktion des Sexualhormons Testosteron in denGonaden führt, das dann mit dem Blutstrom in das ZNS transportiert wird, wo es bestimmteKerngebiete aktiviert, von wo aus dann ein spezifisches, zeitlich organisiertes Impulsmuster an die zum Singen notwendigen Muskeln geleitet wird. Dies ist eine kausale Erklärung. Verdeutlicht wird der Mechanismus des Verhaltens. (2) Man könnte auf dieselbe Frage aber auch antworten, ein Buchfink singt, weil er es vonseinem Vater während einer sensiblen Phase gelernt hat. Dies ist eine lebensgeschichtliche oderontogenetische Erklärung. (3) Man könnte drittens antworten, ein männlicher Buchfink singt, um Weibchenanzulocken und Rivalen fernzuhalten. Dies ist eine funktionale Erklärung, die verdeutlicht,welchen Anpassungswert das Ausführen dieses Verhaltens für den Vogel hat. (4) Letztlich kann die Frage auch folgendermaßen beantwortet werden: Ein Buchfink singtso, wie er singt, weil er unter den Vögeln zu den Oscines oder Singvögeln gehört und vonVorfahren abstammt, die auch schon gesungen haben. Dies ist eine stammesge-schichtlicheErklärung, die das Verhalten aus seiner Phylogenese heraus begründet.
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