Klinische Psychologie (Subject) / Klinische Psychologie 4.+5. (Lesson)
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Sitzung 4+5 Klinische Psychologie
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- Schizophrenie Spektrum & andere psychotische Symptome Schizophrenie: mind. 6 Monate Dauer + 1 Monat floride Symptome Schizophrenieforme Störung: wie Schizophrenie, Dauer 1-6 Monate Schizoaffektive Störung: affektive + psychotische Symptome treten zusammen auf Wahnhafte Störung: Wahn mind. 1 Monat, keine weiteren psychotischen Symptome Kurze psychotische Störung: 1 Tag bis max. 1 Monat Substanzinduzierte psychotische Störung: Symptome halten länger als 1 Monat nach Absetzen der Substanz (Entzug) an
- Schizophrenie Symptomatik Wahn Halluzinationen Affektstörungen sozialer Rückzug Verhaltensauffälligkeiten verminderter Antrieb Störungen von Denken + Sprache mangelnde Krankheitseinsicht
- Positive vs. Negative Symptomatik (Plussymptomatik vs. Minussymptomatik) Positive Symptome - alles was dazu kommt: inhaltliche Denkstörungen (WAHN) Halluzinationen unangemessener Effekt Störungen des Selbstgefühls Psychomotorische Störungen Negativ Symptome - alles was wegfällt: Affektverflachung sozialer Rückzug verminderte Konzentraztion verminderter Antrieb - Antriebslosigkeit Interessenverlust sprachliche Verarmung
- Epidemiologische Daten Schizophrenie Lebenszeitrisiko: ca. 1% Männer/Frauen 50:50 Erkrankungsalter: Männer: 20-25 Jahre, Frauen 25-30 Jahre (Männer 5 Jahre früher)
- Diagnosekriterien DSM 5 Schizophrenie A Charakteristische Symptome mind. 2 der folgenden für mind. 1 Monat Wahn Halluzinationen Desorganisierte Sprechweise Desorganisiertes oder katatones Verhalten Negative Symptome (Affektverflachung, Interessenverlust, Willensschwäche) B Sozialberufliche Leistungseinbußungen Funktionen wie Arbeit, zwischenmenschliche Beziehungen und Selbstfürsorge sind gestört C Dauer Zeichen des Störungsbildes halten für 6 Monate an, davon 1 Monat floride Symptome D Ausschluss von affektiver und schizoaffektiver Störung E Störungsbild geht nicht auf Substanzeinnahme eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück F Bei Bestehen einer Autismusspektrumsstörung wird Diagnose nur vergeben, wenn eindeutige Wahnsymptome oder Halluzinationen bestehen
- Verlauf Schizophrenie - Verlaufsformen kontinuierlich episodisch, phasenhaft schubweise, episodisch mit stabilem Residuum episodisch mit zunehmendem Residuum ca 25% vollständige Remission (Genesung) ca 50% mehrere Phasen ca 25% chronische Endzustände selbbst bei ungünstigem Verlauf kann es nach 10-20 Jahren zu deutlicher Abschwächung der Symptomatik kommen
- Prädiktoren für bessere Prognose - Schizophrenie gute prämorbide Anpassung akuter Beginn höheres Lebensalter bei Krankheitsbeginn weibliches Geschlecht auslösende Lebensereignisse kurze Dauer der floriden Symptome
- Verlauf in verschiedenen Ländern Industrienationen vs. Entwicklungsländer Vollständige Remission: 37% - 63% Einschränkungen sozialer Funktionsfähigkeit: 42% - 16% Stationäre Behandlung: 92% - 44%
- Vulnerabilitäts-Stress-Hypothese - Adoptionsstudien psychische Störung= eher bei Schizophrenie/Vorerkrankung der Mutter 16% vs. 31% stärkste Ausprägung bei Kindern die in dysfunktionalen Familien/Umfeld aufwachsen genetische Variablen intergaieren mit Umweltfaktoren interaktives Familienumfeld verringert Vulnerabilität maßgeblich
- Dopaminhypothese - Schizophrenie wenig gute Belege prä- oder postsynaptische Störung des Dopaminstoffwechsels mit resultierender dopaminerger Überaktivität in limbischen Regionen
- Ist Stimmenhören verrückt? Lifetimeprävalenz Normalbevölkerung: 5-15% Lifetimeprävalenz klinische Gruppen: Schizophrenie: 70%, Bipolare Störung: 30%
- Wann macht Stimmenhören krank? bei Leidensdruck Wohlwollende Stimmen verursachen weniger Leid, Stress Böswillige Stimmen: Prädiktor für Angst, Leid, Stress, Depression
- Copers vs. Non-copers Copers: mehr positive Stimmen weniger imperative Stimmen Überzeugt, dass sie stärker sind als Stimmen Setzen Stimmen Grenzen hören selektiv zu Reden offener mit anderen über Stimmen Non-Copers: mehr negative Stimmen mehr imperative Stimmen Fühlen sich Stimmen unterlegen Setzen Stimmen keine Grenzen lassen sich eher von Stimmen ablenken
- Wer oder Was wird da laut? Neurobiologische Erklärungen: Fehlwahrnehmungen, die in den auditiven Arealen des Gehirns produziert werden 5 Areale aktiviert während akustischer Halluzination (Areale: Sprachproduktion, Sprachverarbeitung) Missattribution innerer Gespräche auf externe Quellen
- Was hält Stimmen aufrecht? ⇒ Bewertung der Stimme als: bösartig, bedrohlich, missbräuchlich, dominant, überlegen, allwissend, mächtig ⇒ gehorchen, wegdrücken, unterlegenes Verhalten ⇒ führt zu Angst, Stress, Leid und Aufrechterhaltung
- Wahn vs. Halluzination Wahn: realer Reiz liegt vor (nachvollziehbar/wahrnehmbar für Außenstehende) - dieser Reiz wird fehlinterpretation bzw. eine wahnhafte Vorstellung zugeschrieben Problematisch: wenn wahnhafte Vorstellung soziales Leben beeinflusst/unmöglich macht, Grad der Überzeugung Wahnvorstellungen: Beziehungswahn, Größenwahn, Liebeswahn, Verfolgungswahn, Verarmungswahn, Schuldwahn Halluzination es liegt kein realer Reiz vor, keine Reizgrundlage (für andere nicht nachvollziehbar) freie Einbildung kann in allen Sinnesmodalitäten wahrgenommen werden: akustisch (am häufigsten), taktil, optisch, gustatorisch
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- Psychotherapie der Schizophrenie Verstehen Halluzinationen - Stimmen hören → Stimmen hören als solches muss nicht krank machen Die Inhalte der Stimmen sind relevant Stimmen belasten, wenn sie als mächtig, überlegen, bedrohend, imperativ empfunden werden
- Interpretation Wahrnehmung unterliegt immer der Interpretation je ungenauer der Input - desto mehr Interpretationsspielraum (z.B. Dunkelheit + laute Party) soziale Situationen sind fast immer ungenau/ mehrdeutig Angst führt zu bedrohlicher Interpretation von Ereignissen (Dunkelheit im Wald)
- negative Symptome verstehen Negative Symptome sprechen ihre eigene Sprache/Botschaft - wichtig diese zu lernen und zu verstehen! Rückzug ist nicht passiv, sondern Teil einer Interaktion: Rückzug als Schutz vor alten Ansprechen und bekannten Wiedersprüchen
- Behandlung Schizophrenie Sollte immer mehrere Komponenten beinhalten: 3 Säulen: Pharmakotherapie - Medikamentös: Neuroleptika Psychologisch/Psychotherapeutische Interventionen Sozialtherapie: berufliche Rehabilitation
- Das Expressed Emotion Konzept - EE-Konzept Familie sollte normalerweise eine schützende + unterstützende Umgebung darstellen, kann jedoch auch Quelle emotionaler Spannungen sein. Negative Haltung gegenüber dem Schizophreniepatienten bezeichnet man als "Expressed Emotion, diese ist gekennzeichnet duch ein hohes Ausmaß an Kritik, Feindseligkeiten, emotionales Überengagement. Familienbindung hat maßgeblichen Einfluss auf den Therapieverlauf und die Rückfallprävention Low EE: geringer Rückfall - high EE: erhöhte Rückfallwahrscheinlichkeit
- Neuroleptika - Antipsychotika Wirkung: psychomotorische Verlangsamung, emotionale Ausgeglichenheit, affektive Indifferenz Nebenwirkungen: extrapyramidal motorische Nebenwirkungen (Bewegungsstörungen) Dyskinesie Vegetative Nebenwirkungen Anticholinerge Nebenwirkungen Stoffwechselstörungen: Gewichtszunahme
- Einteilung der Antipsychotika Einteilung in Typische Neuroleptika und Atypische Neuroleptika Typische Neuroleptika: setzen an D2-Rezeptoren an blockieren Dopaminaktivität hochpotent: gute antipsychotische, wenig sedierende Wirkung niederpotent: mehr sedierend, weniger antipsychotische Wirkung Atypische Neuroleptika: neuere Entwicklung setzen an D1 + D4 Rezeptoren an + Serotoninrezeptoren- weniger an D2 Clozapine, Olanzapine (Zyprexa) Bewirken auch Besserung der Negativsymptome weniger extrapyramidale Nebenwirkungen Nebenwirkung: Agranulzytose: lebensbedrohlicher Abfall weißer Blutkörperchen
- Psychotherapie bei Schizophrenie Zuerst: Problemerfassung (muss nicht die Diagnose der Schizophrenie sein, z.B. Angst vor Arbeitsplatzverlust ) danach: verschiedene Herangehensweisen: Umgang mit Symptomen, Veränderung der Umweltbedingungen, Behandlung von Depression, soz. Ängsten, Selbstwertproblemen
- Umgang mit belastenden Symptomen - Überblick A - Umgang mit Halluzinationen: Medikamente Entpathologisieren Einstellung gegenüber Stimmen verändern Copingstrategien optimieren Inhalte der Stimmen besprechen B - Umgang mit Wahn: Veränderung wahnhafter Überzeugungen Anhaltspunkte für den Wahn explorieren Mechanismen der Einstellungsbildung besprechen alternative Erklärungen explorieren und anbieten Verhaltensexperimente Aufrechterhaltende, problematische Überzeugungen aufdecken C - Umgang mit sozialem Rückzug D - Umgang mit kognitiven Defiziten
- A Umgang mit Halluzinationen - Medikamente Medikamente: 1/3 beenden Stimmen 1/3 reduizieren Stimmen 1/3 kein Einfluss
- A Umgang mit Halluzinationen - Entpathologisieren Bewusstseinschaffen: auch nicht kranke Menschen hören Stimmen Fehlwahrnehmungen als alltägliches Phänomen
- A Umgang mit Halluzinationen - Einstellungen gegenüber Stimmen verändern ⇒Überzeugung über Stimme führt zu Belastung - nicht Stimme ansich! Machtüberzeugungen in Frage stellen vorsichtig: Widersprüchlichkeiten ansprechen "Sind Stimmen leiser geworden, jetzt wo sie gehorchen?"
- A Umgang mit Halluzinationen - Optimierung von Copingstrategien Copingstrategien: Selbstinstruktionen: "Die gehen auch wieder weg", "Ich werde mit den Stimmen fertig werden" Aufsuchen von sozialen Kontakten Rückzug und Ruhe Zeitliches Eingrenzen sich nicht von Stimmen einengen lassen konsequentes Zurückweisen
- A Umgang mit Halluzinationen - Inhalte der Stimmen besprechen Inhalte der Stimmen festhalten und sich damit auseinandersetzen Inhalte der Stimmen stehen oft in Verbindung mit wichtigen Gefühlen und Personen
- B Umgang mit Wahn - Veränderung wahnhafter Überzeugungen langwierig, schwierig + oft nicht erfolgreich wahnhafte Überzeugung nur verändern, wenn diese belastend ist anmerken: Patient ist Person, die in der Lage ist logisch zu denken
- B Umgang mit Wahn - Anhaltspunkte für den Wahn explorieren wann entstanden? persönliche Umstände? vermeidliche Beweise?
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- B Umgang mit Wahn - Mechanismen der Einstellungsbilder je stärker die Überzeugung, desto weniger Beweise sind nötig wenn man sich lange nach etwas verhalten hat- gibt man Meinung noch schwerer auf
- C Umgang mit sozialem Rückzug negative Konsequenzen herausarbeiten Aktivitätsaufbau Rollenspiel - soziale Fertigkeiten erproben
- D Umgang mit kognitiven Defiziten Rätsel, Spiele
- Rückfallprävention Wegen aufzeigen die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren Lernen Signale/Symptome zu deuten
- individuelle Warnsignale erarbeiten Rückzug gereizte Stimmung verminderte Konzentration grübeln schlecht schlafen
- Reaktionen auf Warnsignale Medikamentdosis erhöhen Stress reduzieren (z.B. krankschreiben) Familie/Freunde/Nahestehende Personen informieren Arzt informieren Krisenplan heranziehen (dieser wurde vorab erfasst und umfasst Warnsignale und entsprechende Maßnahmen)
- Zusammenfassung zur Psychotherapie von Schizophrenie Wirksamkeit von Psychotherapie: gut belegt Schwierigkeit: geringes Angebot KVT: verbessert Positiv + Negativsymptomatik
