22
versuchsplanung (Subject) / 6. Vorlesung (Lesson)
This lesson was created by khoelsch.
Advertisement
- Parallelisierung (Matching) Parallelisierung (Matching)Vergleichbarkeit der Gruppen bzgl. einer bekannten Störvariablen herstellen(Bei kleinen Stichproben) zuverlässiger als Randomisierung –aber nur bzgl. einer SV•SV bei allen Teilnehmern des Experiments erfassen•Rangreihe bzgl. der SV bilden•jeweils benachbarte Rangplätze werden per Zufall auf die Bedingungen aufgeteilt
- Parallelisierung (Matching) t Voraussetzungen: •reliableund valide Messbarkeit der zu kontrollierenden SV•Verfügbarkeit der gesamten Stichprobe zur Erfassung der SV vor der eigentlichen Untersuchung•theoretische und/oder empirische Begründung der Bedeutsamkeit der SV
- Versuchsablauf standardisieren:Präzises und detailliertes Ablaufprotokoll festlegen –Systematische & unsystematische Störeinflüsse reduzieren, die durch Unterschiede im Ablauf entstehen können (z.B. unterschiedliche Erläuterungen/Instruktionen des Versuchsleiters)
- Versuchsleiter trainieren:Einüben des Ablaufs (idealerweise anhand Ablaufprotokoll, s.o.) –Systematische & unsystematische Störeinflüsse reduzieren, die durch fehlerhafte Durchführung des Versuchs entstehen können
- Versuchsablauf automatisieren: Ersetzen des Versuchsleiters durch z.B. Computer–Standardisierung–Elimination Versuchsleiter (z.B. VL-Erwartungen, Ungenauigkeit)5
- Verblindung Vorenthalten von Information über Hypothese bzw. Bedingung(en)–Verhindert systematische Effekte dieser Information–z.B. Erwartungen der Teilnehmer_in/der Leiter_in/der Auswerter_in Drei Varianten:•EinfacheVerblindung: Versuchsteilnehmer_inhat keine Kenntnis über Hypothese/Bedingungen•DoppelteVerblindung: •DreifacheVerblindung:
- EinfacheVerblindung: Versuchsteilnehmer_inhat keine Kenntnis über Hypothese/Bedingungen–Häufig eingesetzt; minimaler Standard zur Vermeidung von Demand-Effekten
- DoppelteVerblindung: Versuchsteilnehmer_inund Versuchsleiter_inhaben keine Kenntnis über Hypothese/Bedingung–oft nicht streng umgesetzt/umsetzbar
- DreifacheVerblindung: Versuchsteilnehmer_in, Versuchsleiter_in, undAuswerter_inhaben keine Kenntnis über Versuchsbedingung–Selten; von Auswertungssoftware schlecht unterstützt; Variante: Blind injection
- Verblindungder Datenauswertung •EntscheidungenwährendAufbereitung& Auswertunghängenvon Datenab•MotivationenkönnenEntscheidungenund Schlussfolgerungenbeeinflussen& verzerren, die wirausden Datengewinnen
- Advertisement
- Verblindungder Datenauswertung Beispiel . f. möglicheMotivationen:–unsereHypothesebestätigen,–die Hypotheseder anderenwiderlegen,–alsersteeinPhänomenbeschreiben,–saubereDatenohnemerkwürdigeEffektepublizieren•TechnikzurUmsetzungaktivenSelbstzweifels/wiss. Selbstkontrolle–“The first principle [of science] is that you must not fool yourself —and you are the easiest person to fool.” (R. Feynman)
- Verblindungder Datenauswertung Beispiel . f. möglicheMotivationen:–unsereHypothesebestätigen,–die Hypotheseder anderenwiderlegen,–alsersteeinPhänomenbeschreiben,–saubereDatenohnemerkwürdigeEffektepublizieren•TechnikzurUmsetzungaktivenSelbstzweifels/wiss. Selbstkontrolle–“The first principle [of science] is that you must not fool yourself —and you are the easiest person to fool.” (R. Feynman)
- Verblindungder Datenauswertung •Varianten (Bsp.): –Cellscrambling: Labels der Versuchsbedingungen vertauschen–Variable blinding: Variablennamen ähnlicher Variablen vertauschen–Noising: Zufallszahl zu jedem Datenpunkt hinzufügen–Biasing: Effekt hinzufügen, um Unterschiede zwischen Bedingungen zu erzeugen/verdecken •Vorübergehende Verblindungverhindert motivationale Verzerrungen
- Verblindungder Datenauswertung Vorgehen: –Daten werden „verblindet“ (durch unabhängige Person/Auswertungssoftware) Auswerter_inkann die Daten nicht inhaltlich interpretieren, kein Bezug zu Hypothese möglich–Datenaufbereitung und –Auswertung werden anhand verblindeterDaten fertig vorbereitet–fertig vorbereitete Auswertung wird auf „entblindete“ Daten angewandt•Blind injection: „Signal“ wird zufällig in Daten eingefügt (Teilchenphysik)
- Konstanthaltung Ausprägung der Störvariable in allen Bedingungen gleichhalten•Verhindert systematisch und unsystematische Störeinflüsse–z.B. Kontext alle Versuchsbedingungen im gleicher Umgebung durchführen–z.B. Temperatur identisch klimatisierte Laborräume–z.B. Instruktion identische Wortwahl in allen Versuchsbedingungen
- Elimination Einfluss der Störvariablen komplett verhindern•Verhindert systematisch und unsystematische Störeinflüsse–z.B. Lärm Schallisolierung–z.B. Licht Fenster abdunkeln–z.B. Anwesenheit anderer Personen individuelle Datenerhebung–(z.B. Versuchsleiter Automatisierung)
- Kontrollfaktoren Einbeziehen der SV in das Untersuchungsdesign als Kontrollfaktor•Effekte der UV und der SV können separiert werden (ggf. Interaktion)–z.B. UV Frustration: 2 Stufen (frustriert, nicht frustriert)–z.B. SV Tageszeit als Kontrollfaktor: 2 Stufen (vor vs. nach Mittag)Untersuchung mit 4 Gruppen:1.frustriert & vor dem Mittagessen2.nicht frustriert & vor dem Mittagessen3.frustriert & nach dem Mittagessen4.nicht frustriert & nach dem Mittagessen–Unterschied 1 vs. 2? Ursache: Frustration–Unterschied 1 vs. 3? Ursache: Tageszeit•Nachteil: Aufwand–Benötigte Stichprobengröße wächst mit Anzahl & Stufen der SV 1
- Täuschung Täuschung: Fehlinformation über einzelne Aspekte des Versuchs •Verhindert systematische Effekte einzelner Aspekte der Situation; alle Vpnerhalten gleiche „Information“ (z.B. zu Gegenstand, Hypothese) –z.B. UV: Geschlecht des Versuchsleiters, Täuschung: UV verschweigen; „wir messen Kreativität…“ lenkt von UV ab –z.B. AV: Leistungstest, Täuschung: „Pilotversuch, Daten werden nicht gespeichert…“ reduziert Einfluss d. Prüfungsängstlichkeit •besonders hilfreich bei demandcharacteristics: Aspekte der Situation, die (a) die wahren Hypothesen der Untersuchung verraten, oder (b) falsche Hypothesen nahelegen –Teilnehmer wollen VL „einen Gefallen tun“, indem sie der (wahren/vermuteten) Hypothese entsprechend reagieren AV nicht valide, evtl. systematisch verfälscht Problem: Frage der ethischen Vertretbarkeit von Täuschung Täuschung: Fehlinformation über einzelne Aspekte des Versuchs•Verhindert systematische Effekte einzelner Aspekte der Situation; alle Vpnerhalten gleiche „Information“ (z.B. zu Gegenstand, Hypothese)–z.B. UV: Geschlecht des Versuchsleiters, Täuschung: UV verschweigen; „wir messen Kreativität…“ lenkt von UV ab–z.B. AV: Leistungstest, Täuschung: „Pilotversuch, Daten werden nicht gespeichert…“ reduziert Einfluss d. Prüfungsängstlichkeit•besonders hilfreich bei demandcharacteristics: Aspekte der Situation, die (a) die wahren Hypothesen der Untersuchung verraten, oder (b) falsche Hypothesen nahelegen–Teilnehmer wollen VL „einen Gefallen tun“, indem sie der (wahren/vermuteten) Hypothese entsprechend reagieren AV nicht valide, evtl. systematisch verfälschtProblem: Frage der ethischen Vertretbarkeit von Täuschung
- Ausbalancieren Reihenfolgeeffekte kontrollieren: alle möglichen Reihenfolgen realisieren; auf Effekte der Reihenfolge prüfen•Vermeiden von Positions-und Sequenzeffekten bei Wiederholungsmessung (Lernen, Ermüdung, Carry-Over-Effekte)•z.B. Effekte von Lärm (UV) auf Konzentration (AV: d2-Test)–Versuchsablauf A: (1) d2-Test mit Lärm; (2) d2-Test ohne Lärm–Ergebnis: Leistung (2) > Leistung (1) Effekt von Lärm? Lerneffekt?Ausbalancieren: zusätzliche Versuchsbedingung BVersuchsablauf B: (1) d2-Test ohne Lärm; (2) d2-Test mit Lärm •Nachteil: Aufwand–Bei k Versuchsbedingungen sind k! Reihenfolgen notwendig–2! = 2; 3! = 6; 4! = 24; 5! = 120; 6! = 720; …; 10! = 3.628.800
- Unvollständiges Ausbalancieren(„Lateinisches Quadrat“) Positionseffekte kontrollieren: alle möglichen Positionen (d.h. nur einen Teil der möglichen Reihenfolgen) realisieren; auf Effekte der Position prüfen•Vermeiden von Positionseffekten bei Wiederholungsmessung (z.B. die letzte AV wird weniger sorgfältig erhoben)
- Unvollständiges Ausbalancieren(„Lateinisches Quadrat“) Vorteil: geringerer Aufwand–Bei k Versuchsbedingungen sind nur kReihenfolgen notwendig
- Unvollständiges Ausbalancieren(„Lateinisches Quadrat“) Nachteil: keine Kontrolle von Sequenzeffekten–z.B. Gefährdung dadurch, dass AV 2 (direkt) nach AV 1 erhoben wird