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Persönlichkeitsppsychologie WiSe17/18 (Subject) / 3. Vorlesung (Behaviorismus) (Lesson)
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- Behavioristisches Paradigma: Kurzinfos Wichtige Wissenschaftler: Ivan Pavlov (1849-1936), John B. Watson (1878-1958), Burrhus Skinner (1904-1990) Kritische Reaktion auf Introspektionsmethode (Psychoanalytisch): "Innere Prozesse" existieren, aber nicht sinnvoll zu untersuchen >> Psychologie solle sich mehr auf die Analyse des Verhaltens (behavior) und der aktuellen Situation beschränken, so wie sie Beobachter ohne Zutun wahrnehmen
- Menschenbild Allgemeiner Ansatz Behaviorismus Neugeborenes kommt als "unbeschriebenes Blatt" (tabula rasa) zur Welt Zeigt ungerichtete Spontanaktivität; einige Reflexe Dann gerät Verhalten unter Einfluss der Umweltreize Alle komplexen Reaktionen auf Situationen sind erlernt Allgemeiner Ansatz: Aus Verhaltensstrom bestimmte Reaktionen abgrenzen Nach funktionalen Abhängigkeiten zwischen Reizen/Reizkonstellationen und Reaktionen suchen = Reiz-Reaktions-Theorien Reize = Objekte der Wahrnehmung (Dinge, die man sehen/wahrnehmen kann) Reizkonstellationen = Zeitliche Verhältnisse zwischen den Reizen
- Menschenbild: 3 Lernmechanismen Klassisches Konditionieren (Pavlov's speichelnder Hund; Watson's Little Albert): Lernen durch Verstärkung / Bestrafung Operantes Konditionieren (Skinner-Box): Lernen durch Konsequenz, nicht durch Verstärkung / Bestrafung - (Un)Angenehmes folgt nach bestimmten Verhalten, nicht gleichzeitig Nachahmen / Modelllernen: Stellvertretende Belohnung / Bestrafung; Mineka (1984): Schlangenangst bei Zoo-Rhesusaffen (Enstanden durch Beobachtung); Bandura: Aggressives Verhalten (Kinder behandeln Puppe so, wie im Modell gezeigt >> aggressiv)
- Menschenbild: Gemeinsame zentrale Annahmen Tabula rasa Reizbedingungen der Umwelt entscheiden, ob bestimmtes Verhalten erlernt wird Lernen folgt universellen, bereichsunspezifischen Lerngesetzen (zeitliche Relation entscheidend, inhaltsunabhängig)
- Persönlichkeitskonzept Persönlichkeit = Menge aller durch Lerngesetze erlernter Verhaltensdispositionen Persönlichkeitsunterschiede ausschließlich als Resultat der individuellen Lerngeschichte >> Unterschiedliche Reizkonstellationen in Umwelt >> Unterschiedliche Reaktionen auf eigenes Verhalten >> Unterschiedliche Modelle >> Kennt man die Reize, denen ien Kind ausgesetzt war, kann man vorhersagen, welche Persönlichkeit es haben wird
- Methodik Lernexperiment >> Reizen ausgesetzt, Konsequenzen auf Reaktionen beobachtet; oft mit Tieren Dokumentationen der gesamten Lerngeschichte Retrospektive Befragung zur Lerngeschichte Asymmetrie Lernexperiment Einseitige Interpretation altäglicher sozialer Interaktionen >> z.B. elterliches Erziehungsverhalten und Aggressivität des Kindes
- Empirische Bewährung Erfolgreiche Modifikation bestimmter Verhaltensweisen durch Belohnung / Bestrafung in Tier- und Humanexperimenten sowie in der Verhaltenstherapie Erfolge der Verhaltenstherapie und Nachweis von Reiz-Reaktions-Verbindungen im Experiment ≠ Persönlichkeitsunterschiede (nur) durch Lernen Neugeborene unterscheiden sich (Schlaf-Wach-Rhythmus, motorische Aktivität, Reizschwellen, Aufmerksamkeitsdauer, Temperament) Viele Lerneffekte wenig stabil (trotz langer Lernphasen), andere hoch-stabil nach einmaligen Lerndurchgang Artspezifische Prädispositionen zum Erlernen von Reaktionen auf bestimmte Reizkonstellation >> Studie von Cook & Mineka (1989): Affenangst vor Schlange und Krokodil, nicht Hase und Blume
- Bewertung: Aktuelle Forschung, Alltagsverständnis Bedeutung für die Aktuelle Forschung Operationalisierbarkeit und Prüfbarkeit der Konzepte Wichtige Lernmechanismen identifiziert Grundlage wichtiger (und effektiver) Interventionsmaßnahmen Einfluss auf Alltagsverständnis
- Bedeutung: Probleme Zwei zentrale Annahmen waren falsch: Persönlichkeitsunterschiede entstehen nicht erst durch Lernprozesse nach der Geburt Lernen ist nicht inhaltsunabhängig (genetische Dispositionen!) Vernachlässigung der im Organismus ablaufenden Prozesse ("black box"): nicht direkt beobachtbare Konstrukte, indirekte Schlüsse von Beobachtbarem auf nicht Beobachtbares Persönlichkeit ist mehr als Verhaltensunterschiede (z.B. Einstellungen, Ziele, ...) Individuum mit aktiver, planender Rolle: (persönlichkeitsabhängiger) Einfluss auf die Umwelt
- Ergänzung: Sozial-kognitive Lerntheorie Kognitive Wende in der Psychologie Erweiterung um kognitive Elemente, z.B. Ziele und Handlungen, Handlungsplanung, Bewertungen Sozial-kognitive Lerntheorien: Julian B. Rotter, Albert Bandura
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- Rotter: Erwartung-mal-Wert-Modell Verhaltensgleichung: VPX, S, V = f(EX, S, V * VWV, S) Verhaltenspotential (VPX, S, V): Wahrscheinlichkeit, dass ein Verhalten X in einer Situation S mit der Aussicht auf enien Verstärker V auftritt Erwartung (EX, S, V): Antizpation der Wahrscheinlichkeit, mit der das Verhalten X in der Situation S zu einem Verstärker V führt Verstärkungswert (VWV, S): Gibt an, wie attraktiv ein Verstärker V in einner Situation S von der handelnen Person eingeschätzt wird Verhalten findet immer in einer psychologischen Situation (S) statt: Wahrnehmung und Interpretation situativer Reize fließt in alle verhaltensrelevanten Prozesse mit ein Verhaltenspotential = f(Erwartung * Verstärkungswert)
- Rotter: Generalisierte Erwartungen Entwickeln sich auf Basis bsheriger Erfahrungen mit verschiedenen Verhaltensweisen und Konsequenzen Funktion: schnelles Abwägen und Handeln in spezifischen Situationen Bspw. Pröblemlösungeserwartungen; Erwartungen über Kontrolle von Handlungsabfolgen (Kontrollüberzeugungen)
- Bandura: Menschen gestalten ihre Lernumwelt, ihr Lernen und damit ihre Entwicklung durch... Menschen gestalten ihre Lernumwelt, ihr Lernen und damit ihre Entwicklung durch: Selbstbewertung des eigenen Verhaltens (Standards, Selbstverstärkung/-bestrafung) Selbstwirksamkeitserwartung: Subjektive Erwartung ein bestimmtes Verhalten in einer gegebenen Situation kompetent ausführen zu können; bereichsspezifisch und generalisiert Erfolgserwartung: Erwartung bezüglich der Konsequenzen des eigenen Verhaltens (unabhängig davon, ob man dieses kompetent ausführen kann)
- Zusammenfassung nur direkt beobachtbares Verhalten untersuchen Verhaltensmuster werden durch Lernen erworben >> Klassisches + operantes Konditionieren, Modelllernen Persönlichkeitsunterschiede durch Lerngeschichte (unterschiedliche Reizkonstellationen in der Umwelt, unterschiedliche Reaktionen auf eigenes Verhalten, unterschiedliche Lernmodelle)