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Vertiefung Kognition (Subject) / Urteilsforschung (Lesson)
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- Was zeigen die Ergebnisse von Hasher & Zacks (1979) über die Genauigkeit von Häufigkeitsschätzungen? Häufigkeitsschätzungen funktionieren schon bei Kindern (Kindergarten bis dritte Klasse) Beobachtung: kein voll linearer Zusammenhang, sondern Regressionseffekt zur Mitte hin (hohe werden unterschätzt)
- Was zeigen die Ergebnisse der Buchstabenaufgabe von Tversky & Kahnemann (1973)? 5 Konsonanten (K, L, N, R, V) → treten die Buchstaben häufiger an erster oder an dritter Stele auf (englisch) 70% urteilten, dass sie häufiger an erster Stelle auftreten, tatsächlich aber an dritter→ können Häufigkeiten nicht gut schätzen Erklärung: bei Urteilen unter Unsicherheit vertrauen Menschen auf Heuristiken → manchmal sinnvolle Schätzungen, manchmal jedoch systematische Fehler
- Was zeigt die Maternity Ward Aufgabe? zwei Krankenhäuser: groß (45 Kinder / Tag), klein (15 Kinder / Tag) für ein Jahr wurden die Tage für beide KHs aufgezeichnet, an denen 60% oder mehr der geborenen Babys Jungen waren Frage: Welches KH hat mehr solche Tage aufgewiesen? a) groß, b) klein, c) ca. gleichc) häufigste Anwort, aber b) richtige (Lösungsrate: ca. 30%) → Insensivität für Stichprobengröße → können Einfluss der Stichprobengröße (Häufigkeit der Daten) nicht gut einschätzen
- Wie lassen sich die Ergebnisse der Buchstaben- und der Maternity Ward Aufgabe durch den Heuristics & Biases-Ansatz erklären? Definieren Sie die "genutzten" Heuristiken. bei Urteilen unter Unsicherheit: Menschen vertrauen auf Auswahl an Heuristiken→ ergeben manchmal sinnvolle Schätzungen, manchmal aber schwere und systematische Fehler Buchstabenaufgabe → Verfügbarkeitsheuristik= Leichtigkeit des spontanen Abrufs relevanter Informationen aus dem Gedächtnis oder der Konstruktion eigener Beispiele Maternity Ward → Repräsentativitätsheuristik= Wie repräsentativ ist etwas für den Vorgang? Zwei Krankenhäuser: beide gleich repräsentativ für den Vorgang → Stichprobengröße ignoriert
- Nennen Sie Kritikpunkte an dem Experiment von Tversky & Kahnemann (1973) und eine mögliche Alternativerklärung für die gefundenen Ergebnisse. Kritik: keine Alternativerklärungen in Betracht gezogen Alle Buchstaben kommen tatsächlich häufiger an 3. als an erster Stelle vor, dies ist aber nicht repräsentativ. Im Englischen viele Worte mit 2 Buchstaben → Basisrate für Buchstaben an dritter Stelle eines Wortes viel geringer als an 1. Stelle Replikation: Kommt Buchstabe häufiger an 1. oder 2. Stelle eines Wortes vor? (Sedlmeier, Hertwig & Gigerenzer, 1998) Vorhersage der Schätzungen mit "Regression zur Mitte"-Hypothese weitaus besser → Menschen können doch differenzierter Schätzen, als nur durch Heuristiken
- Nennen Sie Kritikpunkte am Maternity Ward Experiment und eine mögliche Alternativerklärung für die gefundenen Ergebnisse. Kritik: zu abstrakt & schwer zu verstehen (Einfluss auf Stichprobenverteilung über 1 Jahr) Replikation (Sedlmeier, 1998, Sedlmeier & Gigerenzer, 1997)a) als Stichprobenverteilung (1 Jahr, wie im Original)b) als Stichprobe (1 Tag)c) beide vorherigen mit Visualisierung Ergebnisse: a) ca. 30% korrekt b) ca. 75% korrekt c) Visualisierung erhöht Lösungsrate um ca. 20% → Aufgabe inhaltlich schwer zu verstehen, Menschen sind doch sensitiv für Gesetz der großen Zahlen
- Wie wirkt sich Vorwissen (Erfahrung) auf Häufigkeitsschätzungen aus? Experiment von Burkhardt & Brinkmann, 2016:- Probanden sehen in Phase 1 10 Stimuli in 5 unterschiedlichen Häufigkeiten (0, 2, 4, 8, 16)- 24h Zeitintervall → sehen selbe Stimuli gleich häufig (4) und sollen nur Häufigkeit aus Phase B schätzen → Vorerfahrung beeinflusst Häufigkeitsurteile: altes / neues Wissen schwer trennbar
- Was sind Stock-Flow-Systeme? Was zeigen systematische Studien zu SF-Aufgaben? (viele dynamische Systeme sind Stock-Flow-Systeme) haben Bestand (Vorrat, Inhalt) = Stock und eine Änderungsrate (Zufluss / Abfluss) = Flow Beispiel: Bankkonto, Nutzung eines Benzinautos zentrale Erkenntnis: SF-Aufgaben sind schwierig zu verstehen (niedrige Lösungsrate) zeitverzögerte Effekte erschweren die Lösung von Stock-Flow-Aufgaben
- Warum sind SF-Aufgaben so schwierig? Prinzipien des Multi-Media Lernens eingehalten:- Multimedialprinzip (besseres Lernen bei Kombination von Wort und Schrift)- räuml. Kontiguitätsprinzip (besseres Lernen, wenn Wort und Bild nah beieinander) bisher untersuchte mögliche Gründe (Cronin, 2009) kognitive Kapazität Motiavtion verschiedene Darstellungsarten für Flussdiagramm → entsprechende Manipulationschecks ergaben aber vernachlässligbare Effekte Alternativerklärung: Ähnlichkeit zwischen Flussdiagramm und Antwortdiagramm → Auslösen fehlerhafter Intuition: Muster aus Flowdiagramm für Antwortdiagramm übernommen → Korrelationsheuristik Studie: Abbildung vs. keine; Flussdiagramm vs. keinesFlussdiagramm r = -.22 (Interferenz zwischen Flow und Stock); Abbildung r = .25 (hilft also)
- Wie kann man SF-Aufgaben verständlicher machen? Optimierung durch adäquate Wahl des Darstellungsformates Animierte Darstellung (Kartoffellager)→ eine animierte Repräsentation scheint generell nicht zu helfen (aber großer Geschlechtereffekt) Evolutionär bedeutsamer Kontext (survival processing = verbessertes Gedächtnis & Problemlösen)→ wirkt vermutlich nicht auf SF-Verständnis Serious Gaming (mehr deklaratives & prozedurales Wissen, Reduktion der Fehlerrate bei dynamischen Wirtschaftssimulationen, ...)→ keine Verbesserung des SF-Verständnisses, verschlechtert teilweise sogar Flow als Abfolge von Stocks- wenn Schwierigkeit zwischen Stock & Flow zu differenzieren → Übergang klarer machen- Studie mit Busbeispiel (20 Fahrgäste, es steigen immer welche ein/aus: Wie verändert sich Anzahl der Passagiere?) → weitaus besseres Verständnis mit modifizierter Repräsentation (im Vergleich zu äquivalentem Liniendiagramm mit Wasserzu/-ausfluss)→ modifizierte Repräsentatin hilft bei SF-Verständnis
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- Gibt es Geschlechterunterschiede bei SF-Aufgaben? konstanter Befund: weiblich < männlich Identifikation über Geschlecht und damit verbundenen Rollen → Geschlechterpriming Experiment: 2x3 between-subjectsUV1: GeschlechtUV2: Priming (weiblich, männlich, neutral durch typischen Tag von w., m oder Landschaft)AV: SF-Aufgaben → Replikation: weiblich < männlich→ Priming beeinflusst SF-Performance→ in männlicher Priming-Bedingung Leistung der Frauen ↑, aber Leistung der Männer ↓
- SF: Gegenwärtige Arbeiten & Untersuchungen weitere Analyse der erfolgreichen "kleinschrittigen Lösung" Serious Gaming, Erprobung tutorieller Maßnahmen, Untersuchung des Geschlechtereffekts Analyse des Verständnisprozesses durch lautes Denken (um kognitive Prozesse zu identifizieren) → erste Ergebnisse: höhere Lösungsraten & sehr starker Geschlechtereffekt ...