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Vertiefung Kognition (Subject) / Psychologie der Zeit (Lesson)
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- Temporal Cognitions Zeiteinschätzung: Wie lange hat etwas gedauert? Zeitempfinden: Wie lange kommt mir die Zeit vor? Dauer-Antiziptaion: Wie lange wird etwas dauern? Chronobiologie (24-Stunden-Rhythmus, Morgen- und Abendtypen, ...) Interkulturelle Unterschiede im Umgang mit Zeit (Pünktlichkeit, ...) Belohnungsaufschub (Future Orientation)
- Wie kann man Zeitwahrnehmung messen? Schätzung: Angabe der Dauer in Zeiteinheiten Produktion: Angabe von Anfang und Ende einer in Zeiteinheiten vorgegebenen Dauer Reproduktion: Angabe von Anfang und Ende einer vorgegebenen erlebten Dauer Vergleich: Kürzer-Länger-Vergleich von vorgegebenen Zeitintervallen bzw. Vergleich mit Standarddauer Zeitempfinden: Angabe auf einer Skala (kurz - lang, schnell - langsam)
- Was ist prospektive Zeitwahrnehmung? in die Zukunft gerichtetes Zeitempfinden bzw. Zeitempfinden im Hier und Jetzt
- Was ist retrospektives Zeitempfinden? in die Vergangenheit gerichtetes Zeitempfinden, rückblickend (Taktgeber-Mechanismus unwirksam) → Rekonstruktion der Zeitspanne aus Gedächtnis wird nötig
- Was zeigen die Routine-Experimente von Avni-Babad & Ritov (2003)? Aufgabe: unterschiedliche Symbole findenRoutine: immer gleichNicht-Routine: verschieden / überraschend Routineaufgaben: prospektiv länger als retrospektiv Nicht-Routineaufgaben: prospektiv kürzer als retrospektiv -> Interaktionseffekt für Aufgabenart
- Welche Modelle der Zeitwahrnehmung gibt es? Taktgeber-Modelle Scalar Expectancy Theory (Gibbon, 1977)Skalar-Eigenschaft der Zeitschätzung: Schätzgenauigkeit hängt von Intervalldauer ab, kontinuierlicher Vergleich der erlebten mit gespeicherten Dauer(n)→ Urteil auf Basis eines nicht mehr wahrnehmbaren Unterschiedes (Weber-Gesetz) Attentional Gate Model (Zakay & Block, 1997)prospektive Zeitschätzung Taktgeberfreie Modelle Neuronale Netzwerke, Spurenzerfall, Storage Size Model (Ornstein, 1969) Contextual Change Model (Block & Reed, 1978) -> retrospektive Zeitschätzung
- Nennen Sie die Ergebnisse der Studie von Schwarz, Winkler & Sedlmeier (2013). Ist die Zeitschätzung an Herzrate oder Anstrengung orientiert? 1.Ruhebedingung: keine Anstregung, niedrige Herzrate 2. Atem anhalten: Anstrengung, niedrige Herzrate 3. Muskelübung: Anstrengung, hohe Herzrate kein großer Unterschied zwischen 2 & 3 bei Zeitschätzung, aber großer Unterschied der beiden Bedingungen zu 1 → Zeitschätzung korreliert hoch mit Anstrengung, nicht mit Herzrate
- Was sind die Einflussfaktoren laut AGM auf die Zeitwahrnehmung? Aktivierung → Taktgeber-Geschwindigkeit- hoch: mehrere Takte in der selben Zeit → längere Zeitschätzung- niedrig: weniger Takte in der selben Zeit → niedrige Zeitschätzung Aufmerksamkeit → "Aufmerksamkeitstor"- Ablenkung der Aufmerksamkeit von Zeit weg → weniger Takte gezählt → kürzere Zeitschätzung
- Nennen und erklären Sie die Komponenten des Attentional Gate Models (AGM; Zakay & Block, 1997). Aufmerksamkeit → Ablenkung ↓Aktivierung Zeit ↓ ↓| Taktgeber → Tor → Schalter (Start/Stop) → Zähler | → Gedächtnis ↓ Antwort ← Vergleich
- Welchen Beleg gibt es für das AGM? Boiling Pot Experiment (Block, George & Reed, 1980): Wie lange braucht das Wasser zum Kochen? → kürzere Zeitschätzung bei Ablenkung
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- Erklären Sie das Contextual Change Model (Block & Reed, 1979) für die retrospektive Zeitwahrnehmung. Rekonstruktion vergangener Zeitintervalle: GedächtnisprozessBasis = Anzahl (kontextueller) Veränderungen innerhalb maßgebender Zeitspanne, die erinnert werden soll → je mehr Veränderungen registriert, desto länger Zeit
- Wie lassen sich die Routine-Experimente von Avni-Babad & Ritov (2003) anhand des AGM & CCM erklären? Prospektive Zeitwahrnehmung → AGM Routine: Zeitwahrnehmung länger, denn Routinen benötigen weniger kognitive Ressourcen → Aufmerksamkeit eher auf Aufmerksamkeitstor → Tor weiter geöffnet und mehr Takte werden gezählt Nicht-Routine: Zeitwahrnehmung kürzer, da die Aufmerksamkeit eher auf der Aufgabe liegt und weniger Takte gezählt werden Retrospektive Zeitwahrnehmung → CCM Routine: Zeitwahrnehmung kürzer → geringe Anzahl an kontextuellen Veränderungen in einer Zeitspanne zu erinnern Nicht-Routine: Zeitwahrnehmung länger → mehr Gedächtnisinhalte durch mehr Veränderungen → Zeit wird retrospektiv länger eingeschätzt
- Was besagt die "A Theory of Magnitude" (ATOM; Walsh, 2003)? Magnitudes (Ausmaß-Eigenschaften von Stimuli, bspw. Dauer, Häufigkeit, Helligkeit, ...) werden ähnlich & in demselben Hirnbereich im Parietal-Kortex verarbeitet Magnitudes können sich gegenseitig beeinflussen → systematische Fehler!
- Was zeigt das Experiment von Winkler, Glauer, Betsch & Sedlmeier (2015) zur gegenseitigen Beeinflussung von Häufigkeits- und Zeitschätzungen? Stichwiort: ATOM - Magnitudes beeinflussen sich gegenseitig Häufigkeiten beeinflussen Zeitschätzung Stimulusdauer beeinflusst Häufigkeitsschätzung kaum → Häufigkeitsschätzung sehr genau, Zeitschätzung eher ungenau (wenig Aufmerksamkeit für Urteilgenauigkeit bei Häufigkeiten, aber viel bei Zeitschätzung) Zeit und Häufigkeiten beeinflussen sich nur gegenseitig, wenn beide gut verarbeitet werden
- Zeitempfinden (Speed of Time): Verändert sich die Zeitwahrnehmung im Laufe des Lebens? Alterseffekt: je älter man wird, desto schneller scheint die Zeit retrospektiv zu vergehen → stabiles Phänomen (Bsp.-Studie: Wittmann & Lehnhoff, 2005: r = .3 zwischen Zeitempfinden und Alter) Literatur-Review (Winkler & Sedlmeier, 2011): potentielle Erklärungen auf Basis von Vorbefunden: kürzere verbleibende Lebenszeit, zunehmende Angst vor Lebensende → Zeit salienter & als schneller vergehend wahrgenommen (aber: s. Winkler et al., 2015: Angst vor Tod kaum Auswirkungen) weniger neue Lebensereignisse → CCM: kürzere Zeitschätzung mehr Routinen → CCM: kürzere Zeitschätzung (Winkler et al., 2015: Bestätigung) mehr Zeitdruck, weniger freie Zeit → als schneller vergehend wahrgenommen (Winkler et al., 2015: Bestätigung) weniger Planungsfehler, weil mehr Erfahrungen mit Dauer von Handlungen → als Kontrast-Effekt eines Planungsfehlers wird Dauer einer Handlung rückblickend überschätzt (aber: s. Winkler et al., 2015: Planning fallacies kaum Auswirkungen)