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Entwicklungspsychologie WiSe 17/18 (Subject) / 12. Vorlesung (Schule, Lernstörungen, Intelligenz) (Lesson)

12. Vorlesung (Schule, Lernstörungen, Intelligenz)

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  • Schulkompetenzen Schulkompetenzen richten sich nach... Curriculae (Lehrpläne) definieren Inhalte, die im Unterricht behandelt werden Bildungsstandards definieren Kernkompetenzen, über welche die SchülerInnen zu bestimmten Zeiten verfügen sollen >> Grundlegende Kompetenzen in der Sprache, der Mathematik, den Naturwissenschaften und Fremdsprachen (Englisch) als notwendige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufs- und Lebensperspektive Wie kann man eine Steigerung der Schulkompetenzen erreichen? >> mit pädagogischen Konzepten
  • Pädagogische Konzepte: Traditioneller Unterricht, Konstruktivistischer Unterrich Traditioneller Unterricht so wie meistens in Deutschland Vorteil: Bessere Testwerte in Leistungstests Nachteil: beeinträchtigt schulische Motiavtion Erfolg wird gemessen an festgelegten Standards Konstruktivistischer Unterricht nach Piaget und Montessori >> Schüler lernt besser, wenn er selbst den Lösungsweg findet als wenn er ihn vorgegeben bekommt Vorteil: bessere Motivation, kritisches Denken, bessere Problemlösefähigkeiten, größere soziale und moralische Reife, positivere Einstellung zur Schule Lehrer dazu da, Möglichkeiten zu schaffen, dass das Kind Lernwege selbst beschreiten kann
  • Pädagogische Konzepte: Sozial-konstruktivistischer Unterricht nach Wigotski >> Lernen durch Lehren, Lehrer nur noch Moderator des Lernprozesses; bspw. wie teilweise in Skandinavien: Schüler unterschiedicher Altersstufen lernen zusammen Vorteil: Erfolgs- und Selbstwertgefühl durch kooperatives Lernen Nachteil/Vorteil: Benötigt weitreichende Einleitung >> prognostiziert die kognitiven Fortschritte >> kann zu besserer kognitiver Entwicklung helfen Wichtigste Faktoren beim Lernen: Schüler (50%), Lehrer (30%)
  • Schulleistung und Intelligenz Definition: Hochbegabung Schulleistung und Intelligenz Im Schnitt korreliert höherer IQ-Wert mit höheren Testwerten in standardisierten Leistungstests aber nicht zwangsläufig mit besseren Schulnoten Definition: Hochbegabung Kompetenzen (Hochebgabung = extrem hohes Entwicklungspotential) vs. Performanz (Hochbegabung = bereits erzielte außergewöhnliche Leistung) Eindimensionale Definition (Hochbegabun = IQ > 130) vs Mehrdimensionale Definition (Hochbegabung = mehrere Persönlichkeitsmerkmale in Wechselwirung mit Umweltmerkmalen)
  • Hochbegabung und Entwicklungsbesonderheiten: Terman's Längsschhnittstudie zur Entwicklung Hochbegabter Terman's Längsschhnittstudie zur Entwicklung Hochbegabter von 1921 bis 1996 1528 hochbegabte Kinder (IQ > 135) >> alle 12 Jahre getestet/befragt Leistungen auf höchstem Niveau: Ambitionen und Ausdauer, größeres Selbstbewusstsein, starke Willenseigenschaften, positive eingestelle Umgebung (Unterstützung der Eltern) Keine besondere Vulnerabilität / Hochbegabte eher nicht sozial schwierig, eher sogar im Gegenteil Aber: Ergebnisse nur verallgemeinerbar auf Männer >> Damals noch: Frauen meist Hausfrauen (haben aber häufig intelligentere / wohlhabendere Männer geheiratet) Kritik: Hochbegabte kommen schon eher aus Umfeld mit hohem sozioökonomischen Status
  • Hochbegabung und Entwicklungsbesonderheiten: Das Marburger Hochbegabtenprojekt (MHP, auch Rost-Studie) Das Marburger Hochbegabtenprojekt Hochbegabte vs. Minderbegabte; Minderleister / underachiever Hochbegabte nicht sozial schwierig, eher im Gegenteil Hochleistende: Durchschnitts-IQ 117, starke Korrelation mit SÖS (Sozioökonomischem Status) auch hier Einschätzung der Lehrer ob Kind hochbegabt ist stimmt selten damit überein, ob es wirklich hochbegabt ist >> eher hochleistend! Wenig Minderleister unter den Hochbegabten Kritik: Kinder eher aus Familien mit hohem SÖS >> Kinder aus Familien mit niedrigerem SÖS werden öfter "übersehen" bzw. nicht als hochbegabt anerkannnt
  • Hochbegabung und Schule Accelaration = Klassenüberspringen, in Deutschland üblich Enrichment = vertieftes, inhaltlich ausgerichtetes Lernen (Projektarbeit, Pluskurse) Förderung in regulären Klasesn oder in Begabungsgruppen >> Passung von Personenmerkmalen und Förderung: wichtig dass Personenmerkmale und Förderung aufeinander abgestimmt sind
  • Definition: Lernstörungen Lernstörungen = heterogene Gruppe von Störungen Große Schwierigkeiten beim Erwerb oder Gebrauch des Hörverständnisses, Sprechens, Lesens, Schreibens, Denkens oder Rechnens (Hammill, 1990) Im Individuum selbst begründet (also nicht durch bspw. falschen Unterricht) IQ normal Vermutlich auf Dysfunktionen des zentralen Nervensystems zurückzuführen, Ursache jedoch oft nicht bekannt Lernbehinderung: wenn die schwachen Schulleistungen mi einer Minderbegabung einhergehen (IQ < 70)
  • Welche Störungsbilder fallen unter Lernstörungen Im engeren Sinne: Lese- und Rechtschreibstörungen oder isoliert als Lesestörung (Legasthenie / Dyslexie) und isolierte Rechtschreibstörung (Dysgraphia) Rechenstörung / Dyskalkuie (Mathematikschwierigkeiten) Kombinierte Störung schulischer Fähigkeiten Abgrenzung Oft in der Kombination oder als Folge von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und aggressivem Verhalten (Sekundärsymptomatik)
  • ICD 10 (internationale Klassifikation der Krankheiten: Entwicklungsstörungen F80-F89 F81 >> Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fähigkeiten F80-F89 Beginn ausnahmslos im Kleinkindalter Eine Entwicklungseinschränkung oder -verzögerung von Funktionen, die eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft sind F81 >> Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fähigkeiten Allgemeine Intelligenz (IQ > 70) Diskrepanz zwischen den allgemeinen Lern- und Leistungsmöglichkeiten und den schulbezogenen Teilleistungen >> Überprüfung Teilleistungsbereiche (Schreiben, Lesen, mathematische Fähigkeiten) Testverfahren zur Diagnose von Lernstörungen: Ausschluss neurologischer und/oder sensorischer Beeinträchtigungen;  Ausschluss von Schwächen in Sprache, Motorik und Konzentration:  Exploration der Lerngeschichte
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  • F81.0 >> Lese-/ und Rechtsschreibstörung "... das Leseverständnis, die Fähigkeit, gelesene Worte wieder zu erkennen, vorzulesen und Leistungen, für welche Lesefähigkeit nötig ist, können betroffen sein. Bei umschriebenen Lesestörungen sind Rechtschreibstörungen häufig und persistieren oft bis in die Adoleszenz, auch wenn einige Fortschritte im Lesen gemacht werden..." Symptome Lesefehler: Auslassen, Verdrehen, Hinzufügen von Buchstaben, Wörter oer Wörterteile Schwierigkeiten beim lauten Vorlesen Niedrige Lesegeschwindigkeit Schlechtes Leseverhältnis
  • F81.1 >> Isolierte Rechtsschreibstörung "... Hauptmerkmal in einer umschriebenen und bedeutsamen Beeinträchtigung der Entwicklung von Rechtschreibfertigkeiten besteht, ohne Vorgeschichte einer Lesestörung. Sie ist nicht allein durch ein zu niedriges Intelligenzalter, durch visuelle Probleme oder unangemessene Beschulung erklärbar. Die Fähigkeiten, mündlich zu Buchstabieren und Wörter korrekt zu schreiben, sind beide betroffen." Symptome: Hohe Fehlerzahl bei Diktaten Wörter werden im selben Text mehrfach unterschiedlich falsch geschrieben Viele Fehler in der Grammatik und Zeichensetzung Oft unleserliche Handschrift ni unterschiedlicher Schriftgröße innerhalb eines Textes
  • Lese-/Rechtschreibstörungen: Risikofaktoren, Prävention und Intervention Risikofaktoren Genetische Disposition Phonologische Verarbeitungsdefizite: phonologische Bewusstheit (Verständnis für die Lautstruktur der Sprache) eingeschränkt (Phonologisches) Arbeitsgedächtnis eingeschränkt Visuell-räumliche Wahrnehmung eingeschränkt Steuerung visueller Aufmerksamkeit eingeschränkt Prävention und Intervention Frühe Diagnostik ist wichtig Training phonologischer Bewusstheit: "Hören, Lauschen, Lernen" (Küspert & Schneider, 1999), "Hören, Lauschen, Lernen II" (Plume & Schneider, 2004)
  • Lese-/Rechtschreibstörungen: Prognose Ein geringeres Selbstwertgefühl, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme, allgemeine Lern-Leistungsprobleme, emotionale Symptome wie Schulangst, Versagensangst und depressive Verstimmungen sowi Störungen im Sozialverhalten Ein geringeres Schulabschlussniveau und ein niedriges Berufsbildungsniveau; öfter Arbeitslosigkeit
  • F81.2 >> Rechenstörungen "... Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenferetigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden." Symptome: Fehlendes Mengenverständnis und Zählfertigkeit beeinträchtigt Zuordnung von Mengen und Verhältnisangaben wie "mehr, weniger, kleiner, größer" Zuordnung von Mengen zu Zahlen: Zahlen sind als grundsätzliche Mengenangaben nicht einzuordnen und anzuwenden. Jede Zahl wird immer wieder neu durchgezählt .Umgang mit Mengen- und Maßeinheiten (Geld, Gewichte, Längenmaße, Zeit) Anwendung des Dezimmalsystems Abesen der Uhr Benennen und Schreiben von Zahlen  Schwierigkeiten im grundsätzlichen Verständnis mathematischer, rechnerischer Logik Verwechseln der Rechenarten in konkreten AUfgaben Prävalenz: 2-5%
  • Rechenstörung: Risikofaktoren Genetische Disposition Untypische Entwicklung und Aktivität der Gehirnregion... ... die für das numerische Mengenverständnis entscheidend ist ... die für die sprachliche Verarbeitung von Faktenwissen zuständig ist
  • (F90-F98 F90. F90.0 F90-1 F98.9) F90-98: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend F90. >> Hyperkinetische Störungen F90.0 >> Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) F90.1 >> Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens F98.0 >> Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend, darunter Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität (ADS)
  • ADHS: Symptome, Diagnostische Kriterien Symptome: Aufmerksamkeitsdefizit: geringe Konzentrationsspanne, die Aufgaben werden nicht zu Ende gemacht, Instruktionen und alltägliche Abläufe vergessen Hyperaktivität: Ruhelosigkeit, laut und übermäßig viel reden Impulsivität: können schlecht abwarten, führen unüberlegte Handlungen durch, unterbrechen andere Diagnostische Kriterien Ein frühes Auftreten (vor 7. Lebensjahr) und anhaltende Symptomatik für mindestens 6 Monate Mehrere Lebensbereiche sind betroffen (in der Schule, zu Hause, andere soziale Bereiche) Symptomatik ausgeprägt
  • ADHS: Prognose, Therapie Prognose: Komorbide Störungen (Verhaltensstörungen, Lernstörungen, emotionale Störungen) beeinflussen Schweregrad und Prognose Prävalenz: 4-7% >> 50% haben ADHS dann auch im Erwachsenenalter ADHS im Erwachsenenalter: Aufmerksamkeitsstörung, motorische Hyperaktviität, Affektlabilität, desorganisiertes Verhalten, Affektkontrolle, Impulsivität, emotionale Überreagibilität Therapie: Medikamentöse Therapie: Ritalin, Dexadrine >> Man weiß nicht wie die Dosierung angemessen ist, Langzeitfolgen unbekannt Verhaltenstherapie und Beratung für Kinder, Eltern, Lehrer >> Für Lehrer bspw. wie Lernsituation strukturierter gestaltet werden kann Diät, bspw. weniger Fett essen
  • Inklusive Schule (Inklusion in der Schule Für Chancengleichheit, gegen Diskriminierung  Sonderpädagogen zur speziellen Förderung In Deutschland nur 20% aller Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf auf einer Regelschule Verteilung der Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland: Lernen: 40,7% Geistige Entwicklung: 16,2% Emotionale und soziale Entwicklung: 13,4%