Vergleichende PoWi (Subject) / 9. Sitzung (Lesson)

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9. Sitzung

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  • Welche Aussage treffen Duvergers Gesetze und Duvergers Hypothese? Die Idee hinter diesen Vermutungen ist, dass in einem relativen Mehrheitswahlsystem in Einerwahlkreisen nur wenige Kandidaten eine realistische Chance haben, gewählt zu werden. Ein rational denkender Wähler gibt seine Stimme dann nicht dem Kandidaten der Partei, die er persönlich bevorzugt, sondern einem anderen Kandidaten, der größere Erfolgsaussichten hat. So konzentrieren sich die Stimmen auf zwei Parteien, eine eher rechte und eine eher linke. Dieser Effekt wurde von Duverger in mehreren Aufsätzen in den 1950er- und 1960er-Jahren formuliert und daraufhin allgemein als Duvergers Gesetz in die Fachliteratur übernommen.
  • Nennen Sie vier Typen von Parteien Honoratiorenpartei: 19. Jhdt., Macht innerhalb sehr konzentriert, sehr Mitgliedschaft konzentriert, Ziel: Kontrolle von Privilegien Massenintegrationspartei (Sigmund Neumann): Ausweitung Wahlrecht ab 1880, Macht relativ konzentriert, große und homogene Mitgliedschaft, Ziel: Sozialreformation Catch all party (Otto Kirchheimer): Massenwahlrecht ab 1945, Macht weniger konzentriert, große und heterogene Mitgliedschaft, Ziel: Soziale Gleichheit Cartel party (Richard Katz/Peter Mair): Massenwahlrecht ab 1970, Macht diffus, heterogene Mitgliedschaft Aufweichung für nicht- Mitglieder, Ziel: Professionelle Politikausübung
  • Nennen Sie die vier klassischen Cleavages nach Lipset/Rokkan Zentrum/Peripherie Kirche/Staat Stadt/Land Kapitaleigentümer/Arbeiter
  • Erläutern Sie kurz die drei Kriterien, die Cleavages definieren Erstes Kriterium ·      Ein Cleavage trennt Menschen, die sich durch zentrale sozialstrukturelle Charakteristika unterscheiden, z.B. Beruf, Status oder Religion ·      Konfliktlinie zwischen Arbeit und Kapital ist ein Cleavage, ebenso Konfliktlinie zwischen Katholiken und Protestanten ·      Konfliktlinie zwischen Anhängern und Gegnern der Kernkraft ist kein Cleavage Zweites Kriterium ·      Die Gruppen, die durch eine Cleavage getrennt werden, müssen sich ihrer kollektiven Identität bewusst sein; sie müssen sich selbst als Gruppe sehen ·      Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben z.B. eine entsprechende kollektive Identität ·      Frauen und Männern fehlt diese kollektive Identität als Gruppe → dieser Konflikt ist nach verbreiteter Auffassung keine Spaltungslinie im Sinne von Lipset und Rokkan Drittes Kriterium ·      Ein Cleavage muss einen organisatorischen Ausdruck finden, typischerweise als Aktivität von Gewerkschaften, Kirchen oder politischen Parteien ·      Beispiel: Nationalitätenkonflikte in Großbritannien ·      In Irland ist dies vor allem vor Unabhängigkeit und auch noch danach die wichtige Spaltungslinie in Gesellschaft und Parteien ·      In Nordirland ist dies die zentrale Spaltungslinie ·      Schottischer und walisischer Nationalismus hat lange nur sporadisch organisatorischen Ausdruck gefunden → kein oder „schlafender“ Cleavage
  • Erklären Sie kurz folgende Begriffe: Pluralismus und Koproratismus 1.1      PluralismusIm Pluralismus sind Interessengruppen in einer Gesellschaft vorhanden, welche verschiedene Zugangspunkte und gleiche Chancen im politischen System haben. Da eine Gleichheit zwischen diesen Gruppen herrscht, konkurrieren sie um Einfluss und Macht. 1.2      KoporatimusDer Korporatismus beschreibt ein System der Interessenvermittlung zwischen Staat und Interessengruppen. Die Anzahl der Verbände ist gering und mit diesen geht eine Zwangsmitgliedschaft einher. Der Staat delegiert Aufgaben an einzelne Interessensgruppen. Entscheidungsprozesse sind dabei außerparlamentarisch geprägt.
  • 6 Erklären Sie kurz folgende Begriffe: Sozialkapital und Politische Kultur 1.1      Politische Kultur·      Grundsätzliche Definition (Gabriel Almond/Sidney Verba 1963) ·      Verteilungsmuster von Einstellungen der Bevölkerung gegenüber den politischen Objekten (Institutionen, Prozessen, Ergebnissen) innerhalb einer Nation ·      Kulturforschung nutzt das Mikro-Makro-Modell ·      Definition hebt auf das Kollektiv ab, die politische Kulturforschung hebt aber am Individuum an ·      Einstellungen werden typischerweise auf Ebene des Individuums erhoben und dann für eine Gruppe aufaggregiert ·      Das Modell des methodologischen Individualismus hilft, diese zwei Ebenen zu verbinden (siehe Sitzung zu Handlungstheorie) 1.2      Sozialkapial1.2.1     Die Rolle von Sozialkapital·      Mancur Olson (1965) geht davon aus, dass Kooperation oft nicht lohnt ·      Ein Gegenargument wird über Sozialkapital gemacht: Verfügt eine Gruppe über genügend soziales Kapital, kooperiert sie dennoch ·      Bekanntestes Werk zu Sozialkapital: Robert Putnam (1993), Making democracy work. Civic traditions in modern Italy ·      Putnam untersucht Föderalismusreformen in Italien in den 1970ern. Diese funktioniert im Norden, aber nicht im Süden. ·      Frage: Warum finden sich diese Unterschiede? o   Zentrales Argument: Der Norden verfügt aus historischen Gründen über mehr Sozialkapital. Das Chaos des mittelalterlichen Italiens wurde im Süden durch Stärkung des Königs, im Norden durch Selbstregierung starker, kooperierender Stadtstaaten überwunden 1.2.2     Elemente und Mechanismen des Sozialkapitals nach Putnam·      Wesentliche Bestandteile des Sozialkapitals 1.     Vertrauen in andere Personen (trust) 2.     Norm der Gegenseitigkeit (reciprocity) 3.     Soziale Netzwerke (social networks) ·      Wird durch alltägliche Handlungen generiert ·      Vereinen und anderen sozialen Gruppierungen spielen die zentrale Rolle bei der Sozialkapitalbildung ·      Sozialkapital erzeugt kollektiven und politischen Nutzen und ermöglicht Kooperation
  • 7 Welche drei Grundtypen an politischer Kultur unterscheiden Almond/Verba und wie definieren sich diese? ·      Parochial Culture: Bürger fühlen sich dem Staat und der Regierung nicht zugehörig und nehmen am Entscheidungsprozess auch nicht Teil ·      Subject Culture: Untertanenkultur. Bürger sehen sich als Mitglieder des Staates und dessen Untertanen; sie nehmen am Entscheidungsprozess nicht teil ·      Participation Culture: Partizipative Kultur. Bürger sehen sich als Träger des politischen Systems und nehmen am Entscheidungsprozess teil