Körper und Medizin (Fach) / Körper und Medizin (Lektion)

Vorderseite Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren Achse
Rückseite

wichtigstes stressadaptives System

Hormonsystem, das durch Zellen des Hypothalamus gesteuert wird, die Kortikotropin-Releasing-Hormone (CRH) produzieren, und das in der Hypophyse die Sekretion von Adrenocorticotropem Hormon (adrenocorticotropes Hormon) anregt, das wiederum stimulierend auf die Bildung von Glukokortikoiden in der Nebennierenrinde wirkt (Hormone). Die Glukokortikoide, wie bspw. Cortisol, spielen eine wichtige Rolle im Glukosestoffwechsel und hemmen im Sinne einer Feedback-Wirkung im Hypothalamus die Bildung von CRH.

Das H. wird auch Stresshormonsystem genannt, weil es bei psychischem und körperlichem Stress heraufreguliert ist. Es wird aber typischerweise auch bei psychischen Erkrankungen wie der Depression oder der Anorexie durch proinflammatorische Zytokine im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen oder bei Absinken des Glukosespiegels im Blut aktiviert. Erkrankungen des H. mit überhöhter Glukokortikoidproduktion führen zum Cushing-Syndrom, das zum Auftreten affektiver Störungen führen kann.

 

Mitte der 1960er Jahre wurde erstmals beobachtet, dass während der Erkrankungsphase einer schweren Depression signifikant erhöhte Cortisolkonzentrationen im Blut nachweisbar sind; ein Befund, der sich in engem zeitlichem Zusammenhang mit der klinischen Besserung wieder normalisiert. Bei Patienten mit einer Depression ist wahrscheinlich die Glukokortikoidrezeptor-Funktion verändert, weshalb es zu einer verringerten Feedback-Wirkung der Glukokortikoide im Hypothalamus kommt. Zur Messung der Glukokortikoidrezeptorsensitivität wird der sog. Dexamethason/CRH-Stimulationstest (Dex/CRH-Test; Dexamethason-Suppressionstest) verwendet. Der Dex/CRH-Test hat sich inzwischen in einigen Kliniken als Surrogatmarker der Depression etabliert.

 

Möglicherweise ist die Überaktivität der H. auch kausal in die Pathogenese der Depression involviert, weswegen potenzielle Antidepressiva entwickelt wurden, die Hormone der H. hemmen. Mittlerweile gibt es positive Studien zur antidepressiven Wirksamkeit eines CRH-1-Rezeptor-Antagonisten (R121919), Inhibitoren der Cortisolsynthese (Ketoconazol, Metyrapon) und einem Glukokortikoidrezeptorantagonisten (Mifepriston-RU486/C-1073). Keines dieser Medikamente wurde jedoch bisher als Antidepressivum zugelassen.

 

Autor/en

Hubertus Himmerich


Literatur

Himmerich, H. & Schneider, F. (2012a). Psychoendokrinologie. In F. Schneider (Hrsg.), Facharztwissen Psychiatrie und Psychotherapie (S. 496-501). Heidelberg: Springer.

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