12
Persönlichkeitspsychologie SoSe (Fach) / 4. Vorlesung (Intelligenz) (Lektion)
Anzeige
- Fähigkeitsunterschiede Fähigkeiten: Persönlichkeitseigenschaften, die Leistungen ermöglichen Leistungen: Handlungen, die nach einem Gütemaßstab bewertbar sind Kompetenz-Performanz-Problem: Fähigkeit ist nicht Leistung
- Was ist Intelligenz? !!! Güte der Informationsverarbeitung: logisches Denken, schnelles und korrektes Erkennen von Zusammenhängen Erfolgreiche Bewältigung der Umwelt: Anpassung an/Formung der persönlichen Umwelt Umgang mit Neuartigem: Fähigkeit, Probleme aufzudecken und zu lösen Boring: "Intelligenz ist das, was Intelligenztests messen" Hofstätter: Intelligenz als gemeinsame Fähigkeit "der innerhalb einer bestimmten Kultur Erfolgreichen" Rohracher: "Intelligenz ist der Leistungsgrad der psychischen Funktionen bei ihrem Zusammenwirken in der Bewältigung neuer Situationen
- (Historische Entwicklung) Altertum: z.B. altes China (um 1100 v. Chr.): Bewerberauswahl für gehobene Staatsdienstposten: Verhaltensstichproben im Musizieren, Bogenschießen, Schreiben und Rechnen Franz Josef Gall (1758-1828): Phrenologie (Lehre vom Kopf, Eigenschaften "um den Kopf", bspw. wie die Augenhöhlen geformt sind >> math. Fähigkeiten) Charles Darwin (1809-1882), Francis Galton (1822-1911): Evolutionstheorie & Erblichkeit physischer und psychischer Merkmale, Bedeutsamkeit interindividueller Differenzen
- Historische Entwicklung: Galton Historische Entwicklung: Alfred Binet Galton Vorgehen: Sinnesprüfungen, Reaktionszeiten, einfache Gedächtnisleistungen mit "mental tests" Probleme der Mental Tests (u. a. Wissler, 1901): Geringe Zusammenhänge der einzelnen Tests untereinander, keine Zusammenhänge mit Studienerfolg Alfred Binet Kritisiert Spezifität und sensorische Ausrichtung der Verfahren von Galton u.a. Hauptargument: höheres Komplexitätsniveau der Messverfahren notwendig (Auftrag der Schulbehörde: objektives Verfahren entwickeln) Konstruktion altersspezifischer Aufgaben ("Staffeltest") Kriterium: Aufgabe wird von Mehrheit der Kinder einer gegebenen Altersgruppe (50-75%), aber i.A. nicht von jüngeren Kindern gelöst
- Binet & Simon: Intelligenztest (1905) Berechnung des Intelligenzalters: IA = GA * (k+12/n) IA = Intelligenzalter GA = Grundalter (in Monaten) n = Anzahl der Aufgaben K = Anzahl der Richtigen Vergleich von Intelligenz und Lebensalter Probleme: Bildungsunabhängigkeit der Aufgaben; Differenz von Intelligenz- und Lebensalter je nach Alter unterschiedlich problematisch Intelligenz ist die Art der Bewältigung einer aktuellen Situation, und zwar unter den Aspekten gut urteilen, gut verstehen und gut denken.
- Lösung 1 Binet & Simon Intelligenztests: Stern (1912) IQ = 100 * IA / LA Problem: nach dieser Formel ein linearer Zusammenhang zwischen Alterszunahme (LA) und Leistungszunahme (IA), wenn der IQ über die Lebensspanne einigermaßen stabil sein sollte Aber: negativ beschleunigte Beziehung und Plateau der Leistung mit etwa 17/Mitte 20 Jahren, weil kaum Leistungszunahme im Erwachsenenalter
- Lösung 2 Binet & Simon Intelligenztests: Wechsler (1939) Normierung der Testwerte an der Bezugsgruppe z = (x-M) / SD Abweichung der Leistung vom Mittelwert der Bezugsgruppe relativiert an Streuung; wie viele SD's liegt die jeweilige Person über dem Mittelwert der Vergleichsgruppe? Intelligenz wird über die Posititon in der Referenzpopulation bestimmt IQ = 10 + 15 * z (IQ ist ein linear transformierter z-Wert) Heute noch gültiges Konzept der Intelligenzverarbeitung Intelligenz ist die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen.
- Intelligenzstruktur: Grunddebatte Spearman: Zweifaktoren-Theorie der Intelligenz !!! Intelligenzstruktur Grunddebatte: Intelligenz = voneinander unabhängige, spezifische geistige Fähigkeiten oder eine eher allgemeine und umfassende Komponente (d.h. nicht zerlegbar)? Spearman Zweifaktoren-Theorie der Intelligenz Allgemeiner Faktor g: liegt allen Leistungswerten gemeinsam zugrunde Dazu noch: testspezifische Intelligenzfähigkeiten s Korrelation zwischen zwei Messverfahren würden nur durch das Ausmaß bestimmt in dem beide Verfahren g erfassen Mittelwert aller Tests ergibt gute Schätzung für g Aber: einzelne Verfahren ordnen sich zu Untergruppe, die miteinander höher korrelieren, als es ihre Korrelation mit g-Faktorn erwarten lässt - spezifischere Untergruppen von Fähigkeiten?
- Thurstone: Profil 7 unabhängiger Faktoren !!! Kein Gesamtwert, sondern Profil 7 unabhängiger Faktoren Räumliche Vorstellung: Bewältigung von Aufgaben, die räumliches Vorstellen und Orientieren sowie das Erkennen von Objekten unter anderem Bezugswinkel erfordern Wahrnehmungsgeschwindigkeit: rasches und genaues Erkennen von Unterschieden zwischen Objekten Sprachverständnis: Kenntnis von Wörtern, die bestimmten strukturellen oder symbolischen Erfodernissen entsprechen Verbale Flüssigkeit: rasches Produzieren von Wörtern, die bestimmten strukturellen oder symbolischen Erfordernissen entsprechen Numerische Fähigkeit: Geschwindigkeit und Präzision bei einfachen arithmetischen Aufgaben Gedächtnis: behalten gelernter Assoziationen Induktion: Regelmmäßigkeiten in einer Folge von Zahlen, Wörtern oder Symbolen erkennen Aber: Positive Korrelationen zwischen Primärfaktoren - gemeinsam zugrundeliegende allgemeine Fähigkeit g?
- Moderne Strukturtheorien Integration der Ansätze von Spearman und Thurstone Sowohl Generalfaktor der Intelligenz als auch spezifische Unterfaktoren Intelligenz als pyramidenförmige Hierarchie Cattel: fluide (Schnelligkeit) und kristalline (was man erworben und das verfestigt hat) Intelligenz Berliner Intelligenzstrukturmodell
- Anzeige
- Cattell: Fluide und kristalline Intelligenz Verknüpfung der Theorien von Spearman und Thurstone Aus Interkorrelation der Primärfaktoren Faktoren höherer Ordnung gewonnen: fluide und kristalline Intelligenz Fluide Intelligenz (gf) Fähigkeit, sich neuen Problemen anzupassen, ohne dabei wesentlich auf frühere Lernerfahrungen zurückgreifen zu müssen Primärfähigkeiten wie Merkfähigkeit, Induktion oder räumliches Denken Eher anlagebedingt, Maximum ca. im 16. Lebensjahr Kristalline Intelligenz (ac) Fähigkeiten, in denen sich die kumulierten Effekte vorangegangener Erfahrungen verfestigt haben (z.B. Wortverständnis, Wortflüssigkeit) Eher bildungs- bzw. erfahrungsabhängig, zumindest keine Abnahme im Alter
- Berliner Intelligenzstrukturmodell (BIS) !!! Intelligenzleistungen lassen sich nach 2 Arten von Facetten bimodal klassifizieren: Inhalts- und Operationsfacetten An jeder Intelligenzleistung sind mit jeweils spezifischer Gewichtung immer alle intellektuellen Fähigkeiten beteiligt 3 Inhalte: Figural-bildhaft, verbal, numerisch X 4 Operationen: Bearbeitungsgeschwindigkeit, Gedächtnis, Einfallsreichtum, Verarbeitungskapazität